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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 09.03.2023 um 09:10 Uhr

Teslas Masterplan 3 ist ein Angriff auf alle Autobauer

Hier gibt es eine prägnante Einschätzung zum Masterplan 3 von Tesla. Letzte Woche kündigte Tesla an, wohin sich das Unternehmen in den kommenden Jahren entwickeln möchte. Der anschließende Kursverlust der Tesla-Aktie täuscht über die Bedeutung des Masterplan 3 hinweg:

Globale Autobauer dürften die Ziele mit großer Sorge zur Kenntnis genommen haben. Tesla hat seinen Masterplan 3 auf einem Investorentag vorgestellt. Anleger waren enttäuscht, die Aktie fiel anschließend um 10%. Schauen wir mal, ob das wirklich enttäuschend war.

Masterplan 1 wurde 2006 veröffentlicht

Es ist das dritte Mal, das Elon Musk einen Masterplan veröffentlicht. Masterplan 1 wurde 2006 veröffentlicht und kündigte einen viertürigen Sportwagen an, der nur halb so viel kosten solle wie der damals gebaute Tesla Roadster auf Basis der Elise. Zudem wurde ein drittes Modell angekündigt, das noch billiger sein sollte.

Es wurde das Model S als Luxus-Sportlimousine zum halben Preis des Roadsters auf den Markt gebracht und 2016 das Model 3, das nochmals deutlich günstiger ist.

Masterplan 2 aus dem Jahr 2016

Im Masterplan 2 aus dem Jahr 2016 wurde ein Pickup und ein SUV angekündigt. Zudem wolle er, so Musk, einen LKW auf den Markt bringen. Im Jahr 2017 wurde schon der Semi-Truck von Tesla vorgestellt, der erst im Jahr 2022 erstmalig ausgeliefert wurde.

Der Pickup heißt bei Tesla Cybertruck und wird vermutlich im laufenden Jahr erstmals ausgeliefert und den SUV gibt es in Form des Tesla Model X schon einige Jahre.

Beim autonomen Fahren ist Tesla noch nicht am Ziel, hier gibt es technische und juristische Hürden, deren Überspringen zeitlich kaum vorhergesagt werden kann.

Zudem war stets eine Komponente der nachhaltigen Energiegewinnung im Masterplan enthalten. Auch hier hat Tesla Wort gehalten und bietet Solardächer und Energiespeicher an.

Die Präsentation des Masterplan 3

Die Präsentation des Masterplan 3 letzte Woche enthielt zur Enttäuschung der Anleger kein neues Automodell, sondern legte den Schwerpunkt auf die Kostenentwicklung und Nachhaltigkeit.

So werde die nächste Generation von Batterien aus dem Hause Tesla keine seltenen Erden mehr enthalten. Grundsätzlich sei es das Ziel, vollständig nachhaltig mehr Energie zu produzieren als benötigt werde, so Elon Musk.

Die Montagekosten für ein Auto sollen bei künftigen Modellen um 50% gesenkt werden. Bis 2030 wolle man 20 Mio. Fahrzeuge pro Jahr ausliefern, also fünfzehnmal so viele wie zur Zeit.

Viele Marktkommentatoren richten ihren Kommentar nach der Aktienkursreaktion: Tesla brach gestern zunächst um 10% ein, also wurde überall geschrieben, dass der Masterplan 3 enttäuscht habe.

Doch die Tesla-Aktie ist seit Jahresbeginn bereits von 100 auf 200 Euro gestiegen, eine Kursverdopplung! Da sind Gewinnmitnahmen nach einem wichtigen Ereignis zu erwarten gewesen. Schon heute wurden zwei Drittel des gestrigen Kursverlusts wieder aufgeholt.

Wie ist also der Masterplan einzuordnen?

Nun, Musk ist bekannt für den Griff nach den Sternen. Seine Ziele hat er - zeitlich betrachtet - selten erreicht. Doch inhaltlich immer! Wer sich also daran aufhält, dass seine Ziele nicht rechtzeitig erreicht werden könnten, der übersieht die Tragweite seiner Ziele. Mit 20 Mio. Autos pro Jahr würde er einen Marktanteil von 20% weltweit haben. Toyota verkauft derzeit 10,5 Mio. Autos, General Motors 6,3 Mio. und Volkswagen 8,9 Mio.

Doch das Wichtigste dabei: Tesla sieht sich in der Lage, die für dieses Wachstum erforderlichen Rohstoffe (auch Batterien!) zu beschaffen. Da mag der eine oder andere von Größenwahn sprechen, doch ohne diese hoch gesteckten Ziele hätte sich Tesla nicht frühzeitig um die erforderlichen Rohstoffe bemüht. Unsere Autoindustrie muss nun teuer nach entsprechenden Rohstoffen suchen, um nicht abgehängt zu werden.

Und gleichzeitig möchte Tesla die Produktionskosten halbieren. Ich habe schon häufig darüber berichtet, dass Elon Musk eine deutsche Ingenieurschmiede aus der Eifel vollständig gekauft hat, um die eigene Massenproduktion ans Laufen zu bringen. Damit ist die Fertigung bei Tesla auf einen Automatisierungsgrad gehoben worden, von dem andere Autohersteller träumen.

Klar, dafür ist ein Tesla nicht so schön individualisiert wie eine S-Klasse. Je nach Kaufzeitpunkt kann man vielleicht ein Glasschiebedach bekommen, oder eine Anhängerkupplung. Auch bei den verfügbaren Farben ist die Auswahl sehr übersichtlich. Aber welcher Kunde freut sich nicht über einen deutlich günstigeren Kaufpreis? Dafür nimmt man dann einige Abstriche in Sachen Individualisierung in Kauf.

Die beiden großen Ziele des Masterplan 3 waren tatsächlich absehbar: Vollständig nachhaltig werden und über eine automatisierte Massenfertigung die Kosten weiter senken. Doch mit dem Ziel 2030 hat Tesla dem Wettbewerb diese Woche aufgezeigt, dass es nicht um das Besetzen einer Nische geht, sondern um die Zukunft der Mobilität. Wer künftig bei der individuellen Mobilität ein Wörtchen mitreden möchte, der muss bei der Entwicklungsgeschwindigkeit von Tesla mithalten können.

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Stephan Heibel

Seit 1998 verfolge ich mit Begeisterung die US- und europäischen Aktienmärkte. Ich schreibe nun wöchentlich für mehr als 25.000 Leser über die Hintergründe des Aktienmarktes und die Ursachen von Kursbewegungen. Meine Leser schätzen meinen neutralen, simplen und unterhaltsamen Stil. Als Privatanleger nutzen sie meine Einschätzungen und Anlageideen, um ihr Portfolio unabhängig zu optimieren.

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