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Börsenanalyse: Shorten / Leerverkaufen: Was mit der Dividende passiert

Last updated on 9. Februar 2022

Hallo Herr Heibel,

ich lese Ihren  Ticker regelmäßig und konnte dadurch vor einigen Tagen  den Schülern unserer letzten Klasse  eine verständliche Erklärung über die  Finanzkrise geben.  Ich habe dabei auch über das Fehlen der up tick rule gesprochen und  natürlich erklären müssen, was shorten bedeutet.

Dabei kam eine Frage zum Shorten, die ich nicht erklären konnte und daher um Ihre Hilfe bitte:

Wer erhält die Dividenden bei geshorteten Aktien?  Wenn das Shorten so funktioniert, dass der broker nur  shorts abwickelt, wo er  in einem der bei ihm geführten Depots  die zum shorten  eingegebenen Aktien  verwaltet und er dann diese  Aktien leer verkauft, dann gibt es ja zwei  Anleger, die die Papiere besitzen.  Den einen aus dem Kundenkreis des brokers, der die Papiere immer noch besitzt und den anderen Marktteilnehmer, der  Aktien gekauft hat, natürlich ohne dass er gewusst hat, dass sie geshortet sind.

Besten Dank
Colditz  aus der R. Steiner Schule Wien Mauer

ANTWORT:
Herzlichen Dank für Ihr Lob. Ich habe einmal einen Vortrag über das Shorten gehalten. Ist jedoch schon viele Jahre her. Wenn Sie Interesse haben, suche ich Ihnen den Vortrag heraus – lassen Sie es mich wissen.

Die Dividendenfrage ist berechtigt und häufig gestellt. Die Lösung ist ganz logisch: Der Leerverkäufer muss die Dividende an den Ausleiher der leerverkauften Aktien zahlen. Denn eigentlich fällt die Aktie am Tag der Dividendenausschüttung um genau den Wert der Dividende. Das Unternehmen ist von heute auf morgen plötzlich um genau den Ausschüttungsbetrag weniger wert. Da eine Dividende lange angekündigt ist, gibt es kaum einen Kurseffekt bei den Aktien. Die Dividendenausschüttung wird bereits viel früher “eingepreist”. Daher fällt der Kurs am Tag der Ausschüttung kaum. Bei besonders großen Ausschüttungen jedoch fällt der Kurs entsprechend (Siehe beispielsweise Altana).

Dieser Kursverfall, der durch die Dividendenausschüttung erfolgt, kommt dem Leeerverkäufer zugute. Daher ist es nur gerecht, wenn er die Dividende an denjenigen zahlt, der ihm die Aktien zum Verkauf ausgeliehen hat.

In der Praxis merkt der Ausleiher der Aktien weder etwas davon, dass seine Aktien verliehen wurden, noch davon, dass die Dividende vom Leerverkäufer und nicht direkt vom Unternehmen kommt.
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Published inBörsenbrief - Leserfragen

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