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Anlegerstimmung: Erste Ermüdungserscheinungen bei Partygängern zu beobachten

Die vielen neuen Allzeihochs im DAX haben letzte Woche nicht ausgereicht, die Partylaune der Anleger weiter anzuheizen. Ermüdungserscheinungen sind zu erkennen. Die Details zur Sentimentanalyse finden Sie weiter unten.

Wer kann für den nächsten Kurssprung sorgen, lautet die Frage, die sich viele Anleger stellen. Wenn doch schon alle investiert sind und die Party bereits in die Morgenstunden reicht, wo sollen da noch neue Investoren her kommen, die mit ihren Käufen die Indizes höher treiben?

Wir beobachten bei dieser Rallye immer wieder Rotationen: Einige Tage sind die Nach-Corona-Aktien gesucht, weil ein neues Medikament gefunden wurde. Danach sind zyklische Aktien gefragt, weil die Quartalszahlen durch die Bank besser ausfallen als erwartet. Dann wiederum steigen die Coronazahlen und Versorgeraktien springen an, Anleger suchen Sicherheit. Und eins ums andere erreicht der DAX neue Hochs.

Es drängt sich der Eindruck auf, dass die aufgezählten “Gründe” für die jeweilige Rotation zu bestimmten Aktien gar nicht so bedeutend sind. Vielmehr verlassen sich Anleger hierzulande auf die Aussage der EZB, dass die niedrigen Zinsen noch lange anhalten werden. Vor diesem Hintergrund sind Aktien einfach alternativlos. Und welche Aktien gerade gekauft werden, hängt von den Tagesmeldungen ab.

In den USA gab es schon eine kleine Korrektur letzte Woche. Die hohe Inflation sorgt für Druck auf die Aktienmärkte. Doch auch in den USA sind die Graupen von gestern die Highflyer von heute. Auch dort rotieren Anleger von einem Bereich in den anderen.

Dieses Spielchen kann noch eine Weile weitergehen. Zwischenzeitlich kann es jederzeit kurze Abkühlungsphasen geben, doch daran, dass der Aktienmarkt für viele Anleger alternativlos ist, ändert sich erst einmal nichts.

Partylaune kann länger anhalten, als Panik. So betrachtet kann diese Rotationsbewegung, die den DAX sukzessive immer ein wenig höher trägt, noch eine Weile weitergehen. Schießstände im Sentiment, die wir als Warnsignal deuten müssten, gibt es derzeit nicht. Rückschläge sind in diesem Umfeld lediglich Verschnaufpausen, oder sogar Kaufgelegenheiten.

Börsen Ausblick: Rotationsbewegung aussitzen

Ich halte die Rotationsbewegungen für unvorhersehbar. Wenn ich mir die Wochenentwicklung unseres Portfolios anschaue, dann gibt es 7 Positionen mit +5% oder mehr. Gleichzeitig gibt es 4 Positionen mit -5% oder mehr. Das sind in meinen Augen keine nachhaltigen Entwicklungen, sondern kurzzeitige Panik-Attacken oder Euphorie-Schübe, die sich in den kommenden Wochen wieder angleichen werden.

Daher halte ich mich mit überhasteten Entscheidungen zurück: Die aktuellen Schwankungen würde ich am liebsten aussitzen. Natürlich warte ich darauf, ein paar unserer Positionen zu verkleinern, wenn die Aktien ordentlich angesprungen ist. Doch bislang sehe ich noch keinen Titel, der “zu teuer” ist. Vielleicht gibt es bald schon Titel, die einfach nur zu schnell gestiegen sind und daher ausgedünnt werden könnten. Doch bislang möchte ich die Positionen erst einmal laufen lassen.

Institutionelle Anleger positionieren sich in diesen Wochen für das Jahr 2022. Die Aktienmarktrallye dürfte noch einige Monate weitergehen, wenngleich im Rahmen einer Rallye immer wieder zwischenzeitliche Rückschläge erfolgen. Meinen Fahrplan, der bislang nur bis Ende des Jahres ging, habe ich diese Woche erweitert: Die Rallye könnte dem saisonalen Muster folgen und bis ins Frühjahr hinein reichen.

Somit lehne ich mich ein wenig zurück und warte ab, bis sich klare Unter- und Überbewertungen abzeichnen. Ein paar Unterbewertungen haben wir bereits genutzt. Überbewertungen kann ich in unseren Titeln bislang noch nicht feststellen. Unser aktuelles Portfolio und unsere letzten Transaktionen können Sie im Heibel-Ticker PLUS Bereich sehen.

Details zur Sentimentanalyse

  • Das Anlegersentiment ist von 6,0 in der Vorwoche auf nunmehr 4,5 gefallen. Bei Werten über 4,0 sprechen wir von Euphorie, die ist also noch immer vorhanden. Doch man ist nicht mehr ganz so ausgelassen wie zuvor.
  • Auch die Selbstzufriedenheit ist von 4,0 auf 3,5 leicht zurückgegangen. Auch hier zeigt sich, dass Anleger gerne noch bei weiter kräftig steigenden Kursen dabei geblieben wären. Doch die nachlassende Dynamik der Rallye macht den Anlegern hier einen Strich durch die Rechnung.
  • Es könnte an der Zukunftserwartung liegen: Die ist nämlich weiterhin neutral bei einem Wert von 0,5 und zeigt, dass Anleger nicht wirklich mit weiter steigenden Kursen rechnen.
  • Mit einem Wert von 1,6 ist auch die Investitionsbereitschaft eher mau. Obwohl die saisonal starke Börsenphase gerade erst begonnen hat, gibt es nur wenig Kauflust unter den Anlegern. Vielleicht, weil sie bereits einen Großteil Ihres Geldes investiert haben.
  • Das Euwax-Sentiment der Privatanleger notiert bei 7 und zeigt eine ordentliche Absicherungstätigkeit. Die Buchgewinne werden abgesichert.
  • Das Put/Call-Verhältnis an der CBOE ist weiterhin auf einem extrem niedrigen Stand und zeigt, anders als das Euwax-Sentiment, eine hohe Risikobereitschaft unter den US-Anlegern. Mit Call-Optionen spekulieren diese auf eine Fortsetzung der Jahresendrallye.
  • Und so verharrt auch die Investitionsquote der US-Fondsanleger mit einem Wert von 104% auf sehr hohem Niveau.
  • In den USA dominieren ebenfalls die Bullen, das Bulle/Bär-Verhältnis steht bei 24%. 48% der Anleger sind bullisch gestimmt.
  • Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 notiert bei 81% und weist zunehmende Gier unter den Anlegern aus.

Diese und weitere Faktoren analysiere ich jede Woche in meiner Heibel-Ticker Sentimentauswertung und veröffentliche die Ergebnisse inklusive meiner Interpretation im Heibel-Ticker. Bei Interesse können Sie sich kostenlos anmelden: heibel-ticker.de

Published inMarkteinschätzungPLUS EmpfehlungSentimentanalyse