Veröffentlicht von Stephan Heibel am 04.02.2010 um 20:33 Uhr

Aktienanalyse: Visa als Beweis für weltweit anziehenden Konsum

Ich habe mir soeben das Quartalsergebnis von Visa angeschaut. Mit 65% Weltmarktanteil am Kreditkartenmarkt ist Visa in meinen Augen ein guter Indikator für die Konsumfreude der Menschen weltweit. Insbesondere in den USA ist die Zahlungsmethode mit Kredit- oder Guthabenkarte weit verbreitet, da dort das Lastschrift- und Überweisungsverfahren kaum entwickelt ist. Die Alternative ist das Versenden von Schecks per Briefpost. So berichtet das Unternehmen von einem anhaltenden Trend hin zu Plastikgeld. Sowohl die Anzahl der Transaktionen, als auch die gezahlten Beträge lagen über den Erwartungen der Analysten. Da Visa kaum Fixkosten hat und am Zahlungsvolumen einen festen Prozentsatz verdient, profitiert das Unternehmen von der anziehenden Konsumfreude der Karteninhaber. Im abgelaufenen Quartal verdiente das Unternehmen 99 Cents je Aktie (erwartet wurden 91 Cents je Aktie). Der Umsatz stieg um 13% auf 1,96 Mrd. USD an (erwartet wurden 1,91 Mrd. USD). Die operative Gewinnmarge lag mit 59,9% ebenfalls über den erwarteten 57%. Bei einem Umsatzwachstum von 11-15% im laufenden Jahr möchte das Unternehmen mindestens 20% mehr verdienen als im Vorjahr. Dieser Trend solle, so CEO Joseph Saunders, auch im Jahr 2011 anhalten. Können Sie sich noch an die Kreditkartenkrise erinnern, die im Jahr 2009 mehrfach heraufbeschworen wurde? Ich habe Ihnen damals das Volumen der ausstehenden Kreditkartenkredite ins Verhältnis gerückt und konnte Sie hoffentlich davon überzeugen, diese vermeintliche Gefahr als Ente zu sehen. Und so wird es Sie nicht überraschen wenn Sie nun hören, dass die Kreditausfälle rückläufig sind und das Kreditvolumen wieder zu steigen beginnt. Während wir auf politischer Ebene derzeit ein Chaos erleben, packen sich die Unternehmen liquide Mittel auf die Seite, Visa sitzt auf 6 Mrd. USD liquiden Mitteln. Klar, die Unternehmen sind nun schlank aufgestellt, nachdem sie die jüngste Krise für Restrukturierungen nutzten und scheuen sich dennoch von großen Investitionen, denn Obama könnte Sondersteuern einführen, der Euro könnte kollabieren, China könnte sich vom Rest der Welt abnabeln und der Himmel könnte uns auf den Kopf fallen. Wenn all diese Befürchtungen im Verlauf der nächsten Wochen von den Titelseiten der Medien verschwinden, dann werden Investitionen getätigt, Unternehmensbewertungen angepasst (bei Visa nach oben!) und entsprechend die Aktienkurse steigen. Mit einem aktuellen KGV von 29 sieht die Bewertung für Visa zwar optisch hoch aus. Doch wenn ich mir die 20% Gewinnwachstum auf zwei Jahre anschaue und berücksichtige, dass Visa aus einer Finanzkrise kommt, in der hohe Abschreibungen und niedrige Gewinne erzielt wurden, dann kann ich mir gut vorstellen, dass nach diesem herausragenden Quartalsergebnis die Prognosen für das laufende Jahr angehoben werden. Und wenn statt der erwarteten 3,60 USD im laufenden Jahr eben 4,40 USD verdient werden, dann ist das von mir erwartete KGV 2010e von 19 schon wesentlich attraktiver. Fazit: Die in den Schlagzeilen diskutierten Probleme können den Kursanstieg einiger Unternehmen mit herausragenden Quartalsergebnissen zwar verzögern, nicht jedoch verhindern. Visa wird meines Erachtens kräftig ansteigen, wenn die Analysten in den nächsten Wochen ihre Erwartungen an die verbesserten Aussichten anpassen. {weiter[40|9]}

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Stephan Heibel

Seit 1998 verfolge ich mit Begeisterung die US- und europäischen Aktienmärkte. Ich schreibe nun wöchentlich für mehr als 25.000 Leser über die Hintergründe des Aktienmarktes und die Ursachen von Kursbewegungen. Meine Leser schätzen meinen neutralen, simplen und unterhaltsamen Stil. Als Privatanleger nutzen sie meine Einschätzungen und Anlageideen, um ihr Portfolio unabhängig zu optimieren.

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