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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 05.10.2023 um 09:41 Uhr

TUI vor und nach Corona: Warum die Rückzahlung der Staatshilfen nicht alle Bilanzzweifel beseitigt

Ein Leser fragte mich zu TUI. Das Unternehmen hat inzwischen alle Staatshilfen zurückgezahlt und sieht auf den ersten Blick günstig aus. Doch die heutige Bilanz gleicht nicht mehr der TUI-Bilanz von Vor-Corona. Über den Unterschied berichte ich hier.

Guten Tag Herr Heibel

Wäre eine Analyse von TUI etwas, was Sie in Betracht ziehen würden? Ist TUI zurecht so unter die Räder gekommen? Es wird doch berichtet, dass das Geschäft gut läuft.
Könnte es ein Schnäppchen sein zum jetztigen Kurs?

Mit besten Grüßen

Fritz aus Bozen (Italien)

ANTWORT

Ich habe den Eindruck, Anleger trauen sich nicht mehr an TUI heran. In der Coronazeit mussten staatliche Hilfen zu sehr nachteiligen Konditionen angenommen werden, der Staat erhielt ein attraktives Wandelrecht. In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Kapitalerhöhungen durchgeführt, die Aktien wurden zusammengelegt und Altaktionäre mussten herbe Verluste erleiden.

In den vergangenen Monaten wurden die Staatshilfen jedoch vollständig zurück bezahlt, inkl. einer Prämie für die Wandeloption. Die Bilanz sieht wieder recht solide aus und in diesem Sommer konnte TUI sogar von der neuen Reiselust der deutschen (+11%) profitieren und einen ordentlichen Gewinn ausweisen. So sieht die Aktie mit einem EV/EBITDA von nur noch 3,6 derzeit extrem günstig aus, in der Vergangenheit lag dieser Wert meist doppelt so hoch.

Doch in der Vergangenheit gehörten viel mehr Hotels und Kreuzfahrtschiffe TUI, aufgrund der schweren Zeiten wurde vermehrt geleast. Rechnet man die vertraglich zugesicherten Leasingwagen der Zukunft in die Bewertung hinein, so ergibt die aktuelle Bewertung eher Sinn. Und da viele Urlaubseinrichtungen nun geleast sind, wird TUI nicht an einer eventuellen Wertsteigerung partizipieren.

TUI von heute ist also nicht mit der TUI von vor fünf Jahren zu vergleichen. Entsprechend vorsichtig sind Anleger.

Vor Corona lag der Jahresumsatz bei 22 Mrd. EUR. 2022 waren es bereits wieder 18 Mrd. EUR und für das laufende Jahr erwartet das Unternehmen, das Vor-Corona-Niveau wieder zu erreichen. Dabei war das laufende Jahr alles andere als einfach: Die drohende Wirtschaftsschwäche hat zu einer Zurückhaltung bei den Urlaubsbuchungen geführt. Da ich eine fortschreitende Normalisierung erwarte, ist es keine schlechte Idee, jetzt TUI als Spekulation ins Depot zu holen.

Für uns kommt TUI nicht in Frage, weil wir bereits eine andere Aktie aus dem Vergnügungsbereich haben, die mir besser gefällt.

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Stephan Heibel

Seit 1998 verfolge ich mit Begeisterung die US- und europäischen Aktienmärkte. Ich schreibe nun wöchentlich für mehr als 25.000 Leser über die Hintergründe des Aktienmarktes und die Ursachen von Kursbewegungen. Meine Leser schätzen meinen neutralen, simplen und unterhaltsamen Stil. Als Privatanleger nutzen sie meine Einschätzungen und Anlageideen, um ihr Portfolio unabhängig zu optimieren.

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