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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 24.01.2023 um 10:11 Uhr

Morgan Stanley schafft erfolgreiche Transformation

Dies ist ein Heibel-Ticker PLUS Update im Rahmen unserer fortlaufenden Berichterstattung zur Aktie und Kursentwicklung:

Die goldene Kuh der Banken war über Jahre das Investmentgeschäft. Darunter verstehen Banker das IPO-Geschäft, Fusionen, Übernahmen und andere große Transaktionen von Unternehmen, die von den Banken begleitet und organisiert werden. Finanzierungen werden ausgearbeitet und Aktienplatzierungen gehören dazu. Es geht um große Summen und attraktive Margen.

Dieses Geschäft ist im vergangenen Bärenmarktjahr zum Erliegen gekommen. Goldman Sachs, die Bank, die stets an vorderster Front in diesem Segment unterwegs ist, vermeldete gestern desaströse Q4-Zahlen. Das Investmentbanking ist teilweise um 50% eingebrochen.

Morgan Stanley hat diesen Prozess bereits hinter sich. CEO Gorman hat sich frühzeitig auf das Kundengeschäft mit der Vermögensanlage konzentriert, mit E-Trade 2020 einen großen Online-Broker und mit Eaton Vance 2021 eine traditionsreiche Vermögensverwaltung übernommen.

Das Investmentbanking ist auch bei Morgan Stanley um 49% eingebrochen. Doch die Vermögensanlage konnte das abgelaufene Jahr wesentlich besser überstehen: -9,5% im Umsatz, wobei die verwalteten Vermögen trotz schwerem Börsenumfeld weiter ausgeweitet werden konnten.

So vermeldete Morgan Stanley Q4-Zahlen, die bei weitem nicht so desatströs waren, wie die von Goldman Sachs. Teilweise wurden die Analystenerwartungen sogar deutlich übertroffen: Der Umsatz fiel um 12% auf 12,75 Mrd. USD und liegt damit um 1% über den Erwartungen. Der Gewinn fiel um 37% auf 1,26 USD/Aktie und liegt sogar um 6% höher als erwartet.

Das Highlight der Q4-Zahlen sind in meinen Augen die Zinseinnahmen, die mit 2,14 Mrd. USD um 52% gegenüber dem Vorjahreswert angestiegen sind. Das Umfeld steigender Zinsen lässt einen höhere Zinsmarge zwischen Guthaben- und Kreditzins zu. Außerdem hat die Kreditaufnahme zugelegt, weil sich viele Kunden noch günstige Kredite sichern wollen, bevor die Zinsen weiter ansteigen.

Genau das ist der Effekt, auf den wir mit Morgan Stanley spekuliert haben: Steigende Zinseinnahmen, die in der Zukunft konstant bleiben, wenn nicht gar weiter steigen, führen zu einer Einnahmequelle bei Banken, die sie in den vergangenen 10 Jahren fast vergessen haben.

Goldman Sachs zumindest hat sie vergessen. Morgan Stanley hat sich frühzeitig darauf vorbereitet und erntet nun die Lorbeeren. So konnte die Aktie von Morgan Stanley nach den Q-Zahlen um 7% anspringen, während Goldman Sachs um 8% eingebrochen ist.

Da sich die langfristige Planung von CEO Gorman hier auszahlt, halte ich den Kurssprung nicht für eine Eintagsfliege, sondern für den Auftakt für einen Marsch auf ein höheres Bewertungsniveau. Die Aktie werden wir bis auf weiteres behalten.

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Stephan Heibel

Seit 1998 verfolge ich mit Begeisterung die US- und europäischen Aktienmärkte. Ich schreibe nun wöchentlich für mehr als 25.000 Leser über die Hintergründe des Aktienmarktes und die Ursachen von Kursbewegungen. Meine Leser schätzen meinen neutralen, simplen und unterhaltsamen Stil. Als Privatanleger nutzen sie meine Einschätzungen und Anlageideen, um ihr Portfolio unabhängig zu optimieren.

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