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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 15.06.2023 um 12:56 Uhr

KI-Hype geht weiter

Die wichtige Frage lautet: Wie weit wird der KI-Hype die Aktienmärkte noch tragen?

Nachdem der KI-Hype vor zwei nur knapp ein Dutzend Aktien nach oben zog, weitete sich die Rallye mittlerweile auf die gesamte Marktbreite aus. Tritt die Rallye damit in eine neue Phase ein? Geht's jetzt erst richtig los? Oder müssen wir uns warm anziehen? Und wie könnte die Zeitachse bei diesem neuen Hype-Zyklus aussehen? Hier lesen Sie meine Antworten auf diese Fragen.

Nachdem ich vor 2 Wochen gezeigt habe, dass nur 9 Aktien aus dem S&P 500 für den Großteil des Zugewinns im laufenden Jahr verantwortlich sind, konnte die Rallye anschließend in die Breite gehen: Insbesondere diejenigen Aktien, die in den vergangenen Monaten vergessen wurden, konnten zulegen.

Damit haben wir genau das, was für eine gesunde Rallye lehrbuchmäßig erforderlich ist: Die Rallye wird von der gesamten Breite des Marktes getragen und nicht nur von einigen Wenigen.

Doch ich bezweifle, dass alle S&P 500 Unternehmen in absehbarer Zeit von der KI-Revolution profitieren. Es wird auch viele Verlierer geben und es wird viele geben, die erst einmal viel investieren müssen, bevor die Früchte der KI geerntet werden können. Somit laufen wir tatsächlich auf einen Hype zu, in dem alle Aktien steigen, obwohl sie in absehbarer Zeit nicht von der KI profitieren werden. Diese Marktphase hat letzte Woche gerade begonnen. Schauen wir mal, wie lange sie anhält.

Vor diesem Hintergrund ist es auch nachvollziehbar, dass die Stimmung in Deutschland so schlecht, während sie in den USA so positiv ist. In Deutschland sieht man die Gefahren der KI, mit Skepsis werden die Vorteile beäugt und schnell wird eine Liste von Unzulänglichkeiten präsentiert. Intellektuell betrachtet mag das alles korrekt sein.

Doch die Menschheit hat sich nicht durch Skeptiker weiterentwickelt, sondern durch Phantasten, durch Träumer. Und davon gibt es in den USA jede Menge.

  • In den USA sieht man in der KI schon die Lösung für den Arbeitskräftemangel, obwohl für die Nutzung der KI zunächst einmal viel mehr Arbeitskräfte erforderlich sein werden.
  • In den USA sieht man die Effizienzsteigerungen für jeden Angestellten an seinem Arbeitsplatz, obwohl die Angestellten zunächst den Umgang mit der KI erlernen müssen.
  • Und in den USA sieht man das Einsparpotential in Unternehmen durch die KI, obwohl Unternehmen erst einmal teure Projekte fahren müssen, bis die KI eingesetzt werden kann.

Aber egal, in den USA sieht man in der KI die Lösung vieler Probleme, die heute die USA belasten.

In dieser Phase der Träumerei werden tausende Start-Ups aus dem Boden gestampft und in der kommenden Zeit werden unzählige neue Geschäftsideen an die Börse strömen. Am Ende wird dann nur eine Handvoll das Rennen machen, doch diese Handvoll wird aus den USA kommen, nicht aus Deutschland.

Um die erträumten neuen Geschäftsideen dann dahingehend weiterzuentwickeln, dass eine gesellschaftliche Akzeptanz erzielt werden kann, werden dann Ingenieure aus Deutschland geholt. Intellektuelle, die für alle Eventualitäten Lösungen austüfteln.

So werden wir einen neuen Hype-Zyklus durchlaufen. Ungewiss ist lediglich die Zeitachse. ChatGPT hat sich schneller in der Welt verbreitet als irgendeine andere App je zuvor. Mag sein, dass der Hype-Zyklus ebenfalls schneller durchlaufen wird als früher. Um ehrlich zu sein, ich kann das derzeit schwer abschätzen, ob wir von Monaten oder Jahren sprechen. Ich kann nur sagen, dass die vergangenen Monate bereits historische Entwicklungen von mehreren Jahren durchlaufen haben.

Daher haben wir eine KI-Aktie in unser Heibel-Ticker Portfolio geholt, um überhaupt erstmal dabei zu sein. Es wird Phasen der Ernüchterung geben, in denen die KI-Aktien stark einbrechen. Und dann wiederum wird es Hype-Phasen geben, in denen die Kurszuwächse alle überraschen werden. Ich habe mir vorgenommen, in Sachen KI nicht dogmatisch auf gewünschte Kaufniveaus zu warten, sondern je nach Entwicklung auch schon relative Veränderungen als ausreichend zu betrachten, um eine Kauf- oder Verkaufsentscheidung zu treffen.

Relativ heißt, wenn eine tolle, aber überbewertete Aktie mal um bspw. 20% Federn lässt, aber noch immer teuer ist, werde ich bisweilen dennoch schon zuschlagen.

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Stephan Heibel

Seit 1998 verfolge ich mit Begeisterung die US- und europäischen Aktienmärkte. Ich schreibe nun wöchentlich für mehr als 25.000 Leser über die Hintergründe des Aktienmarktes und die Ursachen von Kursbewegungen. Meine Leser schätzen meinen neutralen, simplen und unterhaltsamen Stil. Als Privatanleger nutzen sie meine Einschätzungen und Anlageideen, um ihr Portfolio unabhängig zu optimieren.

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