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Jahresrückblick auf das Heibel-Ticker Portfolio

Im Heibel-Ticker führe ich ein diversifiziertes Portfolio. Ich habe bei den Fondsmanagern und institutionellen Anlegern nachgeschaut, an denen ich mich seit Jahren ausrichte. Tatsächlich gibt es keinen, der weniger als 20% verloren hat, einige ganze Reihe geht sogar in Richtung -30%. Da liege ich mit meinen -23% im guten Mittelfeld.

Das soll keine Entschuldigung für die miese Performance dieses Jahres sein, aber immerhin eine Erklärung. Es war ein schweres Jahr und wir haben eine ganze Reihe richtiger Entscheidungen getroffen, was nicht leicht war. Doch einige negative Entwicklungen haben uns überrascht und somit die Performance vollständig zerstört.

Nehmen Sie es mir nicht übel, aber die Rückbetrachtung identifiziert fünf Katastrophen, die uns das Jahr vermiest haben. Fehler habe ich eine ganze Reihe gemacht, aber die meisten konnten wir durch geschicktes Timing begrenzen. Wirklich vertan habe ich mich bei drei Wachstumstiteln, die sinkende Gewinnmargen beklagen und daher in meinen Augen überproportional ausverkauft wurden.

Es ist erst das zweite Mal in 14 Jahren, dass ich mit einem Minus abschließe. Ich denke, den einen oder anderen Fehler bringt die heutige ausführliche Analyse zutage. Damit hoffe ich dann für das kommende Jahr besser gerüstet zu sein.

Russland überrascht bei den Damoklesschwertern

Im Dezember 2021 schrieb ich von vier Damoklesschwertern, die jederzeit niederrauschen könnten. Schon eines könne die Börsen in eine nachhaltige Korrektur schicken.

Von den vier Damoklesschwertern rauschten zwei hernieder: Russland startete einen Krieg gegen die Ukraine und die Inflation stieg stärker und nachhaltiger an, als viele dies für möglich hielten. Die beiden anderen Damoklesschwerter existieren zwar bis heute, waren aber beherrschbar: Die Corona-Pandemie sowie der schwelende Konflikt zwischen den USA und China.

Der DAX gab im Jahr 2022 um 12% nach, der Dow Jones um 9%. viel schlimmer hat es den Nasdaq getroffen, in dem überwiegend Technologieaktien notieren. Der Nasdaq gab um 33% nach. Selbst der sehr breit gestreute S&P 500 brach im Jahr 2022 um 19% ein. Aber auch in Deutschland waren die breit gestreuten Indizes der mittelgroßen Unternehmen stark unter Verkaufsdruck: Der MDAX brach um 28% ein, der SDAX um 28%.

Unser Heibel-Ticker Portfolio zeigt zum Jahresende ein Minus von 23%. Es ist das schlechteste Jahresergebnis, das ich seit Auflegen des Portfolios vor 14 Jahren erzielte. Bislang hatte ich nur einmal ein Jahr mit einem Minus, das war 2018. Alle anderen Jahre konnte ich eine positive Rendite erzielen. Da ist die Fehlersuche nun die wichtigste Aufgabe zum Jahreswechsel.

Bei der Gelegenheit möchte ich mich auch hier für die aufmunternden Zuschriften meiner Leser bedanken: Das Heibel-Ticker Portfolio ist als Ideengeber gedacht und genau so wird er von vielen Kunden behandelt. Dabei wird mir immer wieder berichtet, dass die individuellen Depots meiner Kunden deutlich besser laufen als das Heibel-Ticker Portfolio. Ich versuche, nicht vorschnell zu reagieren, sondern erarbeite für jede Empfehlung zunächst einmal Gründe und bereite diese für für meine Leser auf. In einem Jahr wie diesem, wo Panik vielleicht doch den einen oder anderen schlimmeren Verlust vermeiden konnte, war die Besonnenheit vielleicht ein Klotz am Bein.

Die detaillierte Analyse mit Charts finden Sie in unter https://www.heibel-ticker.de/heibel_tickers/2049#ch02. Dort finden Sie einen sehr ausführlichen Jahresrückblick auf die Anlageentscheidungen. Jede einzelne Transaktion wird besprochen, zu jeder Position habe ich dieses Mal erstmalig einen Chart angefügt, damit die Entscheidungen auch optisch schnell eingeordnet werden können. Nachfolgend gibt es eine Zusammenfassung unserer Portfolio Bereiche.

Wachstumsbereich vermiest die Performance

Eine erste Ursache ist schnell gefunden: Unser Wachstumsportfolio, das mit fünf Positionen à 6% Portfolioanteil insgesamt 30% des Portfolios ausmacht, ist um 55% eingebrochen. Gerade Wachstumstitel waren dieses Jahr unter Beschuss. Ich habe mehrfach zu früh an einen Boden in einzelnen Titeln geglaubt und noch nachgekauft. Und das, obwohl ich bereits frühzeitig und wiederholt davor gewarnt hatte, dass eine hohe Inflation gerade Wachstumstiteln schadet.

Alle anderen Bereiche haben sich vergleichsweise gut geschlagen. Mit unseren Spekulationen haben wir im abgelaufenen Jahr 2022 eine Rendite von -5% erzielt. Unser Dividendenportfolio ging nur um 3% ins Minus. Damit haben wir diese beiden Bereiche ziemlich gut durch ein katastrophales Jahr gesteuert.

Der Bereich der Absicherung beinhaltet seit Mitte 2021 auch eine Bitcoin-Position. Allein diese Position gab um 55% nach, was in meinen Augen den Zinsanhebungen durch die Notenbanken geschuldet ist: Ohne Zinsanhebungen wären die Währungen den Bach runter gegangen. Dank der straffen Geldpolitik könnten die Währungen nun “gerettet” werden, beziehungsweise die Entwertung wird deutlich langsamer vonstatten gehen. Doch gerade die schleichende Entwertung der Währungen war eines der Hauptargumente für den Bitcoin.

Wir hatten nur eine kleine Position im Bitcoin und ich betrachte diese Position als Absicherung für den worst case, der bislang nicht eingetreten ist. Doch durch den Anteil des Bitcoins von einem Drittel im Absicherungsportfolio wurde die Performance in diesem Bereich auf -23% gedrückt.

Eine Tabelle mit sämtlichen Transaktionen können Sie unter diesem Link abrufen. Zur Erinnerung: Ich darf erst 10 Minuten nach dem Versand des entsprechenden Updates an die letzte E-Mail Adresse kaufen. Der Versand braucht ca. 20 Minuten. Wenn Sie am Ball bleiben, haben Sie also einen Vorsprung vor mir.

Absicherung -23%

Meine Idee, mit einer dritten Vermögensklasse neben Gold und Zins auch noch den Bitcoin als Absicherung ins Depot zu holen, war sehr teuer. Für ein Aktienportfolio ist das als Absicherung zu teuer. Für eine breite Vermögensstrategie halte ich den Aufwand für vertretbar. Sicherlich war die Position vor dem Hintergrund der exzessiven Spekulation zu früh und zu groß.

Doch die Goldposition und die variabel verzinste Unternehmensanleihe haben ihren Zweck mehr als erfüllt. Da inzwischen auch fest verzinste Anleihen attraktiver geworden sind, werde ich vermutlich im Verlauf des kommenden Jahres den Absicherungsbereich um eine fest verzinsliche Anleihe vergrößern.

Dividende -3%

Der Dividendenbereich war das Highlight für unsere geschundene Anlegerseele. Da ich für die kommenden Monate, mindestens bis zur Jahresmitte, weiterhin eine straffe Geldpolitik erwarte, könnte es vorteilhaft sein, diesen Bereich auszubauen. Das könnte geschehen, indem wir einzelne Positionen Übergewichten, also größer machen als eigentlich beabsichtigt. Vielleicht holen wir aber auch noch die eine oder andere neue Position hinzu. Ob eine solche Entscheidung sodann vorübergehend oder aber für das ganze Jahr umgesetzt werden soll, werde ich im Jahresausblick nächste Woche entscheiden.

Die Umstrukturierung im Dividendenportfolio war teuer, weil wir die Verkäufe und Käufe nicht optimal timen konnten. So ist es nun einmal, wenn man Grundsatzentscheidungen trifft: Ich gehe davon aus, dass sich die Entscheidung über die Zeit auszahlt.

Wachstum -55%

Die drei großen Fehler lassen sich benennen: Medios, FlatexDeGiro und Paypal. Bei diesen drei Aktien habe ich immer wieder gutes Geld dem schlechten hinterher geworfen, was zu einem Minus von 55% im Wachstumsbereich führte und das gesamte Heibel-Ticker Portfolio stark belastete. Ursächlich für diese drei Fehler war jedoch sicherlich bereits das Jahr 2021. Denn ich bin mit über 50% Wachstumsaktien in das Jahr gestartet, in dem Wachstumsaktien gnadenlos ausverkauft wurden. Meine unzähligen Versuche, mit einem blauen Auge davon zu kommen, wurden bei diesen drei Positionen bestraft. Doch zur Wahrheit gehört auch, dass die Versuche, in Erholungsbewegungen hinein zu verkaufen, bei vielen anderen Positionen erfolgreich waren.

Spekulation -5%

Wenn ich künftig auf eine Entwicklung spekuliere, werde ich mich mehr darauf konzentrieren, ein pure-play zu finden, also eine Aktie, die nicht mit so vielen anderen Geschichten belastet ist. Das ist natürlich sehr schwer und wird häufig dazu führen, dass ich gar keinen geeigneten Kandidaten finde. Doch ein wenig mehr Anstrengungen in diese Richtung dürften nicht schaden.

Optionsscheine haben wir dieses Jahr nach mehreren Jahren Abstinenz wieder mal versucht … klappt nicht. Vielleicht ist ein wöchentlicher Börsenbrief, der unterwöchig zwar kurze Infos verschickt, seinen Schwerpunkt jedoch auf die Erklärungen legt, nicht das richtige Medium für Optionsscheinspekulationen.

Neben den beiden Optionsscheinpleiten und dem Reinfall bei Sixt und Nike finde ich, halten sich die Fehlschläge in diesem Portfoliobereich in Grenzen. Zumindest habe ich häufig rechtzeitig die Reißleine gezogen. Und einige funktionierende Spekulationen habe ich ebenfalls gefunden: Bitcoin ETC, Coterra Energy, Anheuser Bush, TJX und Bakkafrost. Vor dem Hintergrund des durchaus als schwer zu bezeichnenden Börsenjahres ist das gar nicht so übel.

Gesamt -23,4%

Insgesamt haben wir im Jahr 2022 51 Käufe und 43 Verkäufe getätigt. Rechnen wir die Transaktionskosten ein, so verschlechtert sich die Jahresbilanz von -23,4% auf -24,8%. Wer den DAX als Vergleichsindex heranzieht, wird dies als Katastrophe bezeichnen.

Doch bereits auf Sicht von drei Jahren liegen wir mit dem Heibel-Ticker Portfolio noch immer deutlich (+5,2%) besser als der DAX (-4,8%).

So, das soll’s vorerst als Jahresrückblick mal gewesen sein. Den Jahresausblick gibt es bereits. Darin gehe ich auf die Erwartungen der Anleger ein und analysiere, ob diese eintreten oder eher unwahrscheinlich sind. Außerdem werde ich einige Änderungen für unser Portfolio erarbeiten: https://www.heibel-ticker.de/heibel_tickers/2051#ch02


Über 25.000 Leser vertrauen dem Heibel-Ticker


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