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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 24.10.2023 um 09:34 Uhr

Eskalation abwarten

Liebe Börsenfreunde,

Wenn Sie mich fragen: Ich denke, die westliche Welt gerät an die Grenzen ihrer Kapazität mit all den Krisen: 

  • Israel, 
  • Ukraine, 
  • Inflation, 
  • Staatsverschuldung, 
  • Flüchtlingsstrom,

… aber das denke ich schon seit einigen Jahrzehnten. Daher fragen Sie mich lieber nicht.

Rückblick und Optimismus trotz Krisen

Denn in der Vergangenheit wurden immer Lösungen gefunden, egal wie komplex die Probleme waren. Und sobald sich eine Lösung abzeichnete, begannen die Finanzmärkte zu steigen.

Der Impuls - aufgrund der vielen Krisen seine Aktienengagements glatt zu stellen und abzuwarten - wird von der Erfahrung der vergangenen Jahrzehnte gestoppt. Das ist nichts für schwache Nerven.

Persönliche Investmentstrategie in Krisenzeiten

Natürlich schaue ich mehrfach jeden Tag ins Geschehen an den Finanzmärkten, doch ich scheue mich vor weitreichenden Entscheidungen. Wie gesagt: Die Erfahrung sagt, dass es nicht der richtige Zeitpunkt zum Verkaufen ist.

Daher fokussiere ich mich aktuell auf unsere Sentiment-Auswertung. Die Extrempositionen zeigen die innere Zerrissenheit der Anleger: Angst und Panik bei gleichzeitig großem Zukunftsoptimismus.

Israel-Konflikt: Eskalation und Hoffnung auf Kompromiss

Hat der Westen die Situation in Israel noch unter Kontrolle? Der Einschlag einer Rakete in ein Krankenhaus in Gaza führte uns vor Augen, wie schnell die Situation eskalieren kann: Zunächst wurde die Rakete Israel zugeschrieben, weltweit entbrannten Anti-Israel-Demonstrationen bis die Herkunft der Rakete den Hamas zugeordnet wurde.

Wie in Zeitlupe eskaliert die Situation in Israel Stück für Stück, Teilnehmer der Friedensgespräche scheinen machtlos, der Widerstand gegen Israel formiert sich. Dennoch hoffen Anleger auf den rettenden Kompromiss, mit dem alle Beteiligten leben können.

Die Auswirkungen weiterer globaler Krisen

Doch die Gefahr der sich fortsetzenden Eskalation im Israel-Konflikt wird von Anlegern inzwischen erkannt, entsprechend groß ist die Verunsicherung und entsprechend groß ist die Angst. Gleichzeitig droht der Westen überfordert zu werden, denn eigentlich bräuchte der Ukraine-Krieg die volle Aufmerksamkeit und Unterstützung.

An den Finanzmärkten selbst überraschen positive Konjunktur- und Unternehmensdaten aus den USA immer wieder, so dass die US-Notenbank augenscheinlich weiterhin Spielraum für weitere Zinsanhebungen hat. Doch je höher das Zinsniveau steigen muss, um die Inflation einzudämmen, desto teurer werden die hohen Staatsschulden, die durch die Kriege derzeit weiter anwachsen.

Optimismus trotz überwältigender Probleme

Die Komplexität der Probleme wirkt auf viele Anleger erdrückend. Es hilft allein das Vertrauen in die Erfahrung, dass genau die vermeintliche Auswegslosigkeit der Nährboden für einen Korrekturboden ist. Es reicht eine leicht positive Entwicklung, um steigende Kurse hervorzurufen. Eine solche Entwicklung möchte kein Anleger verpassen. Immerhin ließ sich in den vergangenen Jahrzehnten genau in solchen Momenten am meisten Geld verdienen.

So bleiben sowohl die Angst als auch die Hoffnung groß. Angst vor der Fortsetzung der Eskalation und vor der Überforderung des Westens durch die vielen Krisen. Und Hoffnung auf einen Ausweg, der bislang noch nicht in Sicht ist.

Ich werde bei relevanten Neuigkeiten Heibel-Ticker PLUS Updates unter der Woche verschicken. Die nächste ausführliche Heibel-Ticker Ausgabe kommt am Freitag. Bis dahin hoffe ich, dass Sie aus der Sentiment-Analyse die für Sie richtigen Entscheidungen ableiten können.

Sentiment-Analyse vom Freitag

Anleger sind nervös, die Aktienmärkte waren in der abgelaufenen Woche unter Druck. Der DAX rutschte mit einem Minus von 2,6% unter 14.800 Punkte. Schauen wir uns mal die Entwicklung des Sentiments an.

Das Anlegersentiment ist auf einen Extremwert von -6,9% gerutscht. Solche Extremwerte hatten wir zuletzt vor einem Jahr, als der DAX nach einer mehrmonatigen Baissephase endlich einen Boden beschrieb. Doch die Bodenbildung nahm damals vier Wochen in Anspruch.

Mit der niedergeschlagenen Stimmung kommt auch eine große Verunsicherung zurück. Der Umfragewert ist auf -6,9% gefallen und stellt ebenfalls einen Extremwert dar.

Immerhin bleiben unsere Umfrageteilnehmer überwiegend optimistisch für die DAX-Entwicklung in der Zukunft gestimmt. Der Wert ist von +4,6% auf +2,9% zurück gegangen, zeigt aber weiterhin eine klare Mehrheit der Bullen.

Und so bleibt auch die Investitionsbereitschaft mit einem Wert von +3,2% groß.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger ist auf +7 angestiegen und zeigt eine bullisch Positionierung an. Institutionelle Anleger, die sich über die Eurex absichern, zeigen hingegen eine große Nachfrage nach Put-Absicherungen. Das Put-Call-Verhältnis ist auf 2,0 angestiegen.

Auch US-Anleger sind skeptisch und sichern ihre Positionen ab. Das Put-Call-Verhältnis der CBOE zeigt eine große Nachfrage der US-Anleger nach Put-Absicherungen an.

Die Investitionsquote der US-Fondsmanager ist auf 67% angewachsen. Noch vor einer Woche lag die Investitionsquote bei nur 46%. US-Fondsmanager haben diese Woche offensichtlich genutzt, um Positionen aufzubauen.

Die Bulle/Bär-Differenz liegt bei nur noch -0,5%. 34% Bullen stehen 35% Bären gegenüber.

Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 zeigt mit einem Wert von 26% Angst an. Ab Werten unter 25% spricht man von extremer Angst, oder auch Angst und Panik.

Der wesentlich stärker schwankende Short Range Oscillator des S&P 500 notiert bei nur -2% und zeigt somit eine vergleichsweise neutrale Marktverfassung an. Für Käufe ist es diesem Indikator nach noch zu früh.

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Stephan Heibel

Seit 1998 verfolge ich mit Begeisterung die US- und europäischen Aktienmärkte. Ich schreibe nun wöchentlich für mehr als 25.000 Leser über die Hintergründe des Aktienmarktes und die Ursachen von Kursbewegungen. Meine Leser schätzen meinen neutralen, simplen und unterhaltsamen Stil. Als Privatanleger nutzen sie meine Einschätzungen und Anlageideen, um ihr Portfolio unabhängig zu optimieren.

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