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Aktiensplits von Amazon, Alphabet und Apple als Zeichen für ein Ende der Zockerei in Coronazeiten

Anfang Juni wurde die Aktie von Amazon im Verhältnis 1:20 geteilt. Eine Amazon-Aktie, die zuvor 2.800 Euro wert war, war dann nur noch 140 Euro wert. Dafür hatte jeder Aktionär 20 mal so viele Stücke davon im Depot. Ein Nullsummenspiel für Unternehmen und Aktionäre, dennoch gibt es Gründe für einen solchen Aktiensplitt.

Auch Alphabet hat angekündigt, seine Aktien anlässlich meines Geburtstags am 15. Juli im Verhältnis 1:20 zu splitten 😉 Eine Aktie, die derzeit für 2.080 Euro zu haben ist, würde dann bei 104 Euro notieren.

Institutionelle Anleger zahlen häufig Gebühren für ihre Käufe und Verkäufe in Abhängigkeit von der Stückzahl der gehandelten Aktien. Bei einem hohen Aktienkurs können institutionelle Anleger, die hohe Summen bewegen, zu günstigen Konditionen handeln.

Ein niedriger Aktienpreis kommt Privatanlegern entgegen, die mit kleinen Summen unterwegs sind. Wer kauft schon gerne eine oder zwei Aktien? Da fühlt man sich irgendwie arm, oder? Jetzt kann man 20 oder 40 Aktien kaufen, das klingt doch ganz anders. Aber das ist wohl nur eine psychologische Komponente.

Tatsächlich haben wir in den vergangenen Monaten viel Handelsumsatz über Robinhood-Kunden in Amazon und Alphabet gesehen. Robinhood bietet das gebührenfreie Handeln an und hat zudem noch das Angebot von “fractional” Aktien erfunden, von Aktienanteilen. Kunden von Robinhood können also mit kleinen Beträgen Anteile an einzelnen Aktien erwerben. Das ist schon irgendwie komisch: Hatte man die Aktien doch mal erfunden, um “Anteile” am Unternehmen in verschiedene Hände geben zu können, so wurde nun mit fractional Aktien darauf aufgesetzt, damit man sich Anteile an Anteilen vom Unternehmen leisten kann.

Auch Apple hatte lange Zeit von Aktiensplits abgesehen, um den Aktienkurs möglichst attraktiv für institutionelle Anleger zu gestalten. Und auch Berkshire Hathaway wurde von Warren Buffet lange Zeit nicht gesplittet. Robinhood hatte eine Laune des Marktes für sich genutzt und junge Kleinanleger mit dem Angebot des kostenfreien Handels in fractional Aktien gelockt.

Doch irgendwie ist dieses Angebot inzwischen obsolet. Genau wie die anderen Dinge, die Robinhood-Anleger noch vor einem Jahr begeisterten: Meme-Aktien wie GameStop und AMC haben ihren Reiz verloren und pendeln im Rahmen der Baisse gen Süden. IPOs, SPACs und Corona-Highflyer erleiden ein ähnliches Schicksal. Eine Generation von jungen Anlegern wird aus dem Markt geschüttelt, wie einst das Platzen der Internetblase viele meiner Generation für immer verbrannt hat.

Robinhood ist das Poster Child, das Vorzeigekind dieser Zeit gewesen und wird nun ausverkauft. Erst vor einem Jahr ging der Neobroker an die Börse und erzielte kurz darauf eine Marktkapitalisierung von 45 Mrd. USD. Heute ist das Unternehmen gerade mal noch 8 Mrd. USD wert. Dabei liegen, halten Sie sich fest, 8 Mrd. USD Nettocash in der Bilanz. Ein Broker, der Robinhood mit seinen 22 Mio. Kunden kauft, bekommt den Kaufpreis im Handumdrehen wieder ausbezahlt. Nicht schlecht, oder?

So hat Goldman Sachs die Einstufung für Robinhood nun von Verkaufen auf Neutral hochgestuft. Zwar seien die fundamentalen Entwicklungen weiterhin schlecht, aber dies sei in der aktuellen Bewertung bereits ausreichend eingepreist und auf Sicht von 12 Monaten könne sich die Aktie dem Buchwert nähern, der um 20% höher liege als die aktuelle Marktkapitalisierung.

Warum schreibe ich das so ausführlich? Weil das ein erstes Zeichen dafür ist, dass die Neubewertung so langsam ihren Boden erreichen könnte. Erste Kandidaten, die noch kürzlich die Welt im Sturm erobern wollten, sind auf dem Boden der Tatsachen gelandet.

Den kompletten Wochenrückblick zur Börse finden Sie in Kapitel 02 unserer aktuellen Heibel-Ticker Ausgabe: https://www.heibel-ticker.de/heibel_tickers/1997#ch02

Published inAllgemeine BörsenthemenMarkteinschätzung

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