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Aktien Analysen: Allianz, Kontron, United Internet, BASF, Ebay, Andritz

Last updated on 9. Februar 2022

Sehr geehrter Herr Heibel,
 
ich bin neuer Abonnent des Heibel-Ticker Plus und möchte deshalb die Gelegenheit ergreifen, Ihren Service einmal auszunutzen.

Ich selbst bin relativ neu im "Börsengeschehen", habe jedoch in den letzten Monaten einige "Börsenbriefe" angetestet und mir so schon etwas Basiswissen angeeignet.

Vor einem Jahr habe ich auf Empfehlung eines Beraters österreichische Immobilienaktien gekauft – Immoeast (AT0000642806) und Meinl European Land. Bei beiden Positionen freue ich mich mittlerweile über eine Wertsteigerung von ca. 30% und Meinl hat trotz der Börsenkorrektur seinen Wert gehalten.

Meinl European Land haben Sie schon im neuesten Heibel Ticker positiv bewertet.

Ich habe allerdings kürzlich von einem anderen alteingesessenen und erfahrenen österreichischen Vermögensverwalter eine Warnung bezüglich der österreichischen Immo-AGs bekommen, es würde sich hier schon eine Blasenbildung abzeichnen und auch internationale Immo-Fonds würden derzeit den Anteil an österreichischen Immo-Aktien drastisch reduzieren (die letzte Kapitalerhöhung würde vor allem dazu dienen, Aktienrückkäufe zu tätigen, um den Kurs stabil zu halten). Hier könnte es einen drastischen Einbruch geben.

Als Neuling und Laie verunsichert natürlich so eine Meldung. Vielleicht können Sie da noch Infos zu bekommen? In 4 Wochen läuft die 1-jährige Spekulationsfrist ab und ich kann die Gewinne steuerfrei entnehmen. Da Sie gewöhnlich eine Diversifizierung des Portfolios empfehlen, denke ich daran, den Anteil an Immo-Aktien zu reduzieren und umzuverteilen.

Favoriten wären für mich:

Allianz (jetzt rasch den Rücksetzer schon ausnützen und kaufen?), Kontron, United Internet, BASF, Ebay, Andritz (AT0000730007).
Vielleicht können Sie bei Gelegenheit einen kurzen Kommentar abgeben.
 
Mit freundlichen Grüßen, Frank aus Wien

ANTWORT:

Herzlichen Dank für Ihr interessanten Informationen zum österreichischen Immobilienmarkt. Ich werde die Informationen mit meinen Quellen abgleichen.
 
Zu Ihren Favoriten:

Die Allianz halte ich für einen guten Kandidaten für die nächsten 12-18 Monate, da sich Restrukturierungsmaßnahmen nun langsam positiv auf den Ertrag auswirken. Der Kurs sollte meiner Ansicht nach weiter steigen.
 
Kontron: Das KGV von 24 ist dem Wachstum von 12 % p.a. angemessen. Die Gewinne steigen sogar überproportional an. Der Zulieferer der Automobilindustrie stellt computergestützte Steuerungssysteme her. Ich halte diese Aktie bei niedriger Dividendenrendite für einen konstanten Wachstumskandidaten.
 
United Internet hat sich seit 2003 bereits verfünffacht. Mit Recht, denn Umsatz und Gewinn steigen kontinuierlich im zweistelligen Bereich an. Das KGV von 25 ist hier eher als konservativ anzusehen. Dieses Jahr wird United Internet schuldenfrei, der Cashflow ist positiv. United Internet wächst schneller als Kontron und erwirtschaftet mehr Erträge.
 
BASF profitiert von den angestiegenen Rohstoffpreisen und der guten Weltwirtschaftskonjunktur. Das Unternehmen notiert auf einem KGV von 11 und verfügt über eine Dividendenrendite von 4 %. Der nächste Kursschub sollte meiner Ansicht nach durch gute Wirtschaftsdaten aus Südostasien kommen. Allerdings ist das Kurspotential bei BASF wesentlich geringer als bei Kontron und United Internet. Ich würde diese Aktie eher als ebenso konservativ einschätzen wie die Allianz, allerdings ohne die besondere Gewinnphantasie durch Restrukturierung. 
 
Ebay liefert in diesen Tagen einen Überraschungserfolg nach dem anderen. Hat noch vor einem Jahr die Übernahme von Skype für Irritationen unter den Anlegern gesorgt, so konnte dieser Kauf inzwischen bilanziell verarbeitet werden. Skype ist in das Unternehmen eingegliedert und trägt maßgeblich zum Umsatzwachstum bei. VoIP alleine hat kaum Gewinne erwirtschaften können, als Beigabe jedoch zu einem bestehenden Angebot wie den Auktionen bei eBay wird Skype gerne angenommen. Das KGV von 35 ist ambitioniert. Vor dem Hintergrund des  nachhaltigen Umsatzwachstums von deutlich über 20 % ist das KGV allerdings schon in ein paar Monaten als niedrig anzusehen.
 
Andritz ist ein günstig bewertetes österreichisches Unternehmen, das Maschinen für die Papierindustrie herstellt. Das KGV von 17  halte ich für angemessen, die Dividendenrendite von 2,2 % ist nicht sonderlich hoch. Ich würde Andritz mit der Allianz und BASF vergleichen. Dort hat die Allianz das größte Potential aufgrund der Restrukturierungsphantasie.
 
Unter den drei Technologieunternehmen Kontron, United Internet und eBay würde ich eBay oder United Internet bevorzugen. Je nachdem, wie der Rest Ihres Portfolios aussieht, würde ich ebenfalls auf eine regionale Streuung achten.
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Stephan Heibel ist Autor des Börsenbriefes Heibel-Ticker, den Sie hier abonnieren können.

Published inBörsenbrief - Leserfragen

Ein Kommentar

  1. Hier noch die Antwort meines Bekannten aus Wien:

    Lieber Herr Heibel!

    Habe mir eine Woche Skifahren gegönnt und bin gestern zurückgekommen – also
    nun gleich zu Ihrer Antwort (natürlich keine vollständige Analyse, aber ein
    paar Gedanken von “vor Ort”)

    1) Ich habe keine Immo-Aktien, die waren mir immer ein wenig suspekt (zu
    viele verdienen daran, und zwar sehr gut, VOR dem Anleger)

    2) Die beiden genannten Immo-Aktien haben Ost-Phantasie, doch auch diese ist
    schön langsam “ausgelutscht” und schon “durch´s Dorf durch”. Aus einem
    Vortrag von Meinl letztes Jahr ging hervor, dass selbst er, der schon ganz
    weit im Osten ist und sich als frist-mover bezeichnet, Probleme hat,
    geeignete Objekte mit den prognostizierten Renditen (15%) zu finden. Aber
    Meinl hat wenigstens die Einzelhandelsschiene, die nicht so ausgetrampelt
    ist. Und Herr Meinl selbst hat Gerüchten zufolge immens gute Kontakte in den
    Osten (angeblich sogar zum Ex-KGB, der ihm immer wieder einmal “unliebsame
    vor-Ort-Zwischenfälle” regelt.)

    3) Thema Vorsorgewohnungen (Großer Teil der österr. Immoaktien): schon irre
    großes Angebot, zT wird was früher nicht zu verkaufen war, Vorsorgewohnung
    genannt und mit zT obscuren Steuer-ersparnis-Berechnungen unters Volk
    gebracht. Hier ist sicherlich schon eine Blase entstanden, wo der einzelne
    Wohnugskäufer niemals die versprochene Rendite einfahren wird können.

    4) Der Bauträger, für den wir seit 4 Jahren arbeiten und der sich auf
    Althaussanierungen spezialisiert hat, hat bereits Mühe, geeignete Objekte
    zu vernünftigen Preisen zu finden. Auf der anderen Seite verkaufen die ihre
    Objekte nun vermehrt an Bankenfonds (statt an Privatanleger), von denen man
    auch hört, daß sie derart große Mittelzuflüsse haben, dass sie schon nicht mehr wissen, was sie kaufen sollen (und dann sind folglich nicht mehr nur
    Perlen drin)

    5) Auch die conwert AG (ebenfalls auf Althäuser spezialisiert) kauft
    angeblich schon Häuser, die sie früher nicht einmal angeschaut hätten,
    einfach weil die Mittel angelegt werden müssen.

    6) Die letzten Kapitalerhöhungen, für den österr. Markt beachtliche Umfänge,
    von Meinl, Immofinanz (Schwester von Immoeast — Mutter: Constantia Privat
    Bank AG) und Conwert, wurden blitzartig aufgesaugt – es sollten also schon
    ziemlich viele Anleger derartiges im Portfolio haben – welche Käufer sollten
    noch kommen?

    7) Meinl macht bereits TV-Werbung für seinen Fonds – was wissen wir seit der
    Neuer-Markt-Blase? Das ist die Zeit zum Rückzug!

    8) Zweites Rückzugsindiz: es werden bereits Sicherheits-Zertifikate auf die
    Immoaktien emittiert – es scheinen sich also bereits mehr Käufer zu finden,
    die sich Sorge um einen Absturz machen.

    9) Erster Skandal war auch schon da: die SEG – hervorgegangen aus einer
    großen Wohnbaugenossenschaft, inzwischen in Konkurs. Völlig falsch
    bewertetes Immobilienvermögen, verschleierte Leerstände, künstlich geschönte
    Mieteinnahmen… was man so hört, erinnert mich auch an so manche
    Neuer-Markt-Aktion (“abcashen, weil gerade so eine gute Zeit ist”)

    Alles in allem würde ich sagen, die bisher sehr steilen Kursanstiege werden
    sich sicherlich bald verflachen, Gewinnmitnahmen (oder zumindest restriktive
    Stoploss) sind keine schlechte Idee. Am ehesten weiterlaufen lassen würde
    ich Meinl Europ.Land, solange er immer weiter nach Osten geht. Denn noch vor
    Büro- und Wohnungsboom, wollen die Leute in erwachenden Wirtschaften
    bekanntlich eines: einkaufen. Solange Carrefour, Metro und dgl. ebenfalls
    weiter in den Osten wollen/müssen, hat er zumindest immer einen potenten
    großen Kundenmagneten für seinen Center.

    Hoffe, das hilft ein wenig weiter – Rückfragen jederzeit!

    LG
    Harald aus Wien

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