Leserfrage – Twitter, ein super Unternehmen, das immer wieder enttäuscht

Mo, 02. November um 17:07 Uhr

Hallo Herr Heibel,

mit der Zahl an Quartalsberichten gestern sind Sie heute bestimmt mächtig im Stress. Ich habe gerade Ihr Update zu Facebook gelesen und natürlich auch den Kommentar bezüglich Twitter. Mir gefällt Twitter seit Jahren. Ich habe die Aktie auch nie verkauft. Allerdings kommen mir die Veröffentlichungen der Quartalsberichte jedesmal wie eine Episode aus “Täglich grüßt das Murmeltier” vor. Kaum ist die Aktie gestiegen, wird sie aus teilweise nachvollziehbaren Gründen wieder darniedergeprügelt. Das ist sehr frustrierend zumal ich nach wie vor and das Konzept glaube. Allerdings bin die Enttäuschungen langsam aber sicher satt. Hat sich mit dem aktuellen Q-Bericht etwas fundamental an Ihrer Einschätzung geändert? Ich möchte weiter an den Erfolg glauben, mir fehlt momenta dazu aber die Fantasie!

Herzlichen Dank und wie immer auch das obligatorische Lob an dieser Stelle. Die Vorfreude auf Ihre Freitagsemail ist seit Jahren ungebrochen. Weiter so!

Beste Grüße aus München
Michael

ANTWORT

Das Nutzerwachstum bei Twitter war dieses Mal schwach und Sie werden wissen, dass ich immer über die Probleme bei Twitter hinweg gesehen habe, solange das Nutzerwachstum passte. Der Gewinn lag mit 0,19 USD/Aktie deutlich über den erwarteten 0,14 USD/Aktie. Der Umsatz sprang um 14% auf 936 Mio. USD, ebenfalls deutlich über den erwarteten 777 Mio. USD. Aber das Nutzerwachstum (tägliche Nutzer DAU) wuchs „nur” um 29% auf 187 Mio., erwartet wurden 195 Mio.

Ich habe den Eindruck, dass auch die jüngste Diskussion um Forderungen nach einer Aufsicht über die Veröffentlichungen plötzlich eine unerwartete Richtung genommen haben. Twitter-CEO Jack Dorsey ist proaktiv und blockt auch mal Präsident Donald Trump und alles, was er für nicht ethisch einwandfrei hält.

Facebook-CEO Mark Zuckerberg hat sich jedoch letzte Woche an die Politik gewendet: Bitte gebt uns (Social Media Unternehmen) klare Vorgaben, was wir zu blocken haben, und was nicht, forderte er. Damit hat er den Schwarzen Peter der Politik und somit der Gesellschaft zugespielt. Solange die Gesellschaft nicht klar definieren kann, was geblockt werden soll und was nicht, kann Facebook nicht umsetzen. Mit der populistischen Erklärung „Ich sehe mit bloßem Fuß, wenn ein Inhalt ethisch unpassend ist” lässt sich bei Milliarden Nutzern nicht arbeiten.

Unterm Strich ist Jack Dorsey nach wie vor Teilzeit-CEO (neben Square). Da mag er so gut sein, wie er will, Twitter ist aber nicht schnell genug. Und so habe ich den Eindruck, dass der Wettbewerb für Twitter, der vor drei Jahren noch nicht existent war, langsam stärker wird: Snap, Instagram, … Neue Kommunikationswege erobern neue Kunden und Twitter lässt somit Kunden liegen.

Noch ist Twitter in der Position, das Ruder herumzureißen (Marktführer), aber inzwischen würde ich behaupten, dass dies unter einem Teilzeit-CEO Dorsey nicht gelingen wird.

Ungeachtet dessen ist es in meinen Augen derzeit ein sehr guter Zeitpunkt, ein Portfolio aufzubauen oder umzustrukturieren. In diesen Tagen entscheidet sich, wie die kommenden Monate, vielleicht das kommende Jahr laufen wird. Ich werde immer mal wieder danach gefragt, wann ein guter Zeitpunkt ist, den Heibel-Ticker als Neukunde zu abonnieren. Meine Antwort: Jetzt 🙂


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