Über den Autor

Häufig werde ich gebeten, mehr über meine Person zu erzählen. Dabei wird jeder Leser des Heibel-Ticker bestätigen, dass die regelmäßige Lektüre des Börsenbriefs weite Einblicke in meine Persönlichkeit ermöglicht. Ich schreibe meinen Werdegang hier bewusst aus einer sehr persönlichen Perspektive, denn je besser Sie mich kennen, desto besser können Sie meine Empfehlungen einschätzen und Ihre eigenen Schlüsse daraus ziehen.

Ich wurde 1968 in Köln (linksrheinisch) geboren. Als ich fünf war, wurde mein Vater nach Bremen versetzt, mit acht verschlug es uns nach Berlin. Dort absolvierte ich 1988 mein Abitur und schnupperte erstmalig als Banklehrling der Deutschen Bank in das Berufsleben. Der Bereich, der mich am meisten faszinierte, war das Börsengeschäft. In den folgenden Jahren beschäftigte ich mich kontinuierlich damit. Nach einiger Zeit in der Bank war ich in der Lage, meine spätere Rente abzuschätzen und diese Vorstellung erzeugte ein Grauen in mir. Meine Abenteuerlust und mein Wissensdrang waren wohl noch zu ungestüm, als dass ich mich in die Bankmaschinerie hätte einfügen lassen. Ich begann mich mehr für die Hintergründe als für das Tagesgeschäft zu interessieren und fand so den Weg zur trockenen Volkswirtschaftslehre.

Per ZVS erhielt ich nach dem Abschluss meiner Banklehre an meiner Wunschuniversität in Würzburg einen Studienplatz für VWL. Neben den Professoren Berthold und Bofinger, die gerne mal konträre Meinung bezüglich des Euro vertraten, sich jedoch mitunter auch von Studenten belehren ließen, hat mir auch Prof. Issing sehr viel Spaß gemacht.

Prof. Issing hatte früher an der Uni gelehrt und wurde 1990 als Chefvolkswirt in die Bundesbank geholt. Dort war er maßgeblich für die Zinspolitik der Bundesbank verantwortlich. Als bewundernswert engagierter Franke ließ er den Kontakt zu seiner Alma Mater jedoch nicht abreißen und hielt einmal pro Monat eine Vorlesung, in der er über Hintergründe der aktuellen Zinspolitik referierte.

Seine Vorlesungen brachten keinen "Schein", waren also nicht relevant für den Studienabschluss, dennoch sind seine Vorlesungen die einzige gewesen, die ich niemals versäumt habe. Natürlich bedient Prof. Issing sich als Volkswirt komplizierter Modelle, um anhand des Wachstums der Geldmenge und anderer volkswirtschaftlicher Faktoren eine Entscheidung über den Leitzins zu finden. Jedoch machten mir seine Ausführungen auch klar, das stets einige "weiche Faktoren" ebenfalls berücksichtigt werden und dass somit eine Vorhersage der Entscheidung der Notenbank über die Zinssetzung nur selten möglich ist.

Es ist ja auch gar nicht entscheidend für die Volkswirtschaft, ob eine Zinssenkung einen Monat früher oder später durchgeführt wird. Natürlich hat es eine Wirkung, jedoch entscheidet der Termin nicht über die künftige Richtung der Konjunktur, höchstens marginal über die Geschwindigkeit einer Änderung. Die weichen Faktoren sind es, die mich nur sehr vorsichtig zu Terminen der Notenbanksitzungen traden lassen. Denn Professor Issing war bis 2006, gemeinsam mit Jean-Claude Trichet, für die Zinspolitik der EZB (Europäische Zentralbank) verantwortlich und ich gehe davon aus, dass auch Ben Bernanke als Chef der US-Notenbank solche "weichen" Faktoren in seine Entscheidung einfließen lässt.

Nun, 1995 habe ich mein Examen gemacht. Ich hatte inzwischen meine Vorliebe für die Wirtschaftsinformatik entdeckt, Prof. Thome hat mich mit seiner Begeisterung in die Welt der Automatisierung mitgerissen. So tauchte ich ab 1993 in die SAP-Welt ein und fand nach einigen Seminararbeiten, Praktika und meiner Diplomarbeit über SAP dann meine erste Anstellung im Hoechst-Konzern als SAP-Berater.

SAP ist ziemlich spannend, denn aus der EDV-Sicht lernt man sämtliche Abläufe als auch Menschen eines Unternehmens kennen. Ebenso lernte ich dabei auch viel über die Faktoren, die für den Erfolg eines Unternehmens verantwortlich sind. Wichtigstes Merkmal ist meiner Überzeugung nach, dass ein Unternehmensleiter sein Interesse mindestens gleichermaßen nach oben und nach unten lenken muss. Probleme und somit mittelfristig unprofitable Unternehmen, traten stets dort auf, wo sich die Unternehmensleitung mehr um die eigene Außendarstellung kümmerte als um eine gesunde Organisation.

Ich beschloss also, mir meinen nächsten Job nach meinem Chef auszusuchen, nicht nach dem Aufgabenbereich. Zunächst jedoch wollte ich unbedingt einmal in die USA, in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Ich wollte wissen, wie ein einziges Land allein in unserer Welt eine so dominierende Stellung erlangen konnte.

Nun, wie Sie vielleicht wissen, hat der damalige CEO Dormann den Hoechst-Konzern stark umgebaut. Neben Aventis und Celanese wurde eine Vielzahl von kleinen Tochtergesellschaften geschaffen. Ich landete bei HiServ, der ehemaligen EDV-Abteilung, die als Tochtergesellschaft der Hoechst-Gruppe plötzlich ein weltweites Netzwerk ihr eigen nennen konnte und als "Global Player" im SAP-Beratungsmarkt auftreten sollte. Nachdem Hoechst in Deutschland und anschließend auch in Europa an den wichtigen Knotenpunkten SAP installiert hatte, wandte man sich den USA zu. Ich ergriff die Gelegenheit und ging gemeinsam mit einigen anderen Kollegen nach New Jersey zu unserer dortigen Niederlassung.

Dort wohnte ich nur eine halbe Stunde außerhalb von Manhattan und verbrachte in den folgenden Monaten viel Zeit in der City (New Yorker sehen ihre Stadt als den Nabel der Welt und betiteln sie daher einfach als "the City"). Das SAP-Geschäft lief jedoch nicht so recht an und nach einem Jahr wurde ich wieder nach Deutschland zurückbeordert. Das gefiel mir gar nicht, da zum einen mein Meinungsbildungsprozess über die Amis noch nicht abgeschlossen war und ich zum anderen begonnen hatte, mich intensiv mit der Nasdaq zu beschäftigen. Ich bat meinen Chef, meinen Arbeitsvertrag aufzulösen, damit ich noch ein wenig auf eigene Faust in New York bleiben konnte.

Apropos weiche Faktoren: So leichtfertig habe ich die Entscheidung sicherlich nicht getroffen. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten hatte meine Denke schon ein wenig verändert. So glaubte ich daran, dass ich mich mit einer kleinen Idee und viel Engagement auf mittelfristige Sicht hin selbständig machen könne. In Deutschland finden sich unzählige Bedenkenträger, die den möglichen Erfolg einer solchen Idee letztlich sicherlich fundiert widerlegen können. Die Amis hingegen überschlagen sich in Gesprächen mit weiterführenden Ideen und Motivationsausrufen wie "Just go for it…". In New York, in "the Greatest Bar on Earth" ganz oben auf dem World Trade Center, beschloss ich, es einfach zu versuchen.

Im nun folgenden Jahr lernte ich tatsächlich viel über die amerikanische Mentalität, über deren Stärken und Schwächen. Bis heute schwanke ich in jeder Diskussion zwischen unserer "sozialen Marktwirtschaft“ und dem viel flexibleren amerikanischen Kapitalismus.

Ich machte mir mein Interesse an der Börse zunutze und begann darüber zu schreiben. Neben einer Vielzahl von Auftragsarbeiten wie die Erstellung von Unterlagen für den Börsengang von Unternehmen, Businessplänen, Studien, Unternehmensbewertungen usw. schrieb ich auch Börsenberichte für die Öffentlichkeit. Zunächst kleine Artikel für kleine Internetverleger, dann auch regelmäßige Börsenberichte (tägliche, wöchentliche, …). Auf diesem Wege lernte ich einige New Yorker der Finanzmärkte kennen und durch diese auch einige Tricks und Kniffe. Schließlich arbeitete ich mit einem Düsseldorfer Vermögensverwalter zusammen, der sich zunächst von dem Moloch der oftmals unseriösen Finanzbranche durch Bescheidenheit und gute Erfolge abzuheben schien. Im Frühjahr 2000 ging ich nach Düsseldorf und startete den US-Börsenbrief iWatch für die von uns gegründete Firma ekip.de AG.

Fünf Jahre lang habe ich den iWatch Woche für Woche geschrieben. Zuletzt versorgte ich wöchentlich 1.400 zahlende Abonnenten und über 65.000 kostenfreie Leser mit Hintergrundinformationen zum Börsengeschehen. Die Meinungen zwischen meinem Düsseldorfer Partner und mir gingen jedoch mehr und mehr auseinander, so dass wir uns im Frühjahr 2005 trennten.

Wenn ich meinen Lesern glaube, so waren sie sehr zufrieden. Nicht nur die niedrigste Abmeldequote der Branche, sondern auch das reichliche Lob, sowie fundierte Kritik per eMail haben mir gezeigt, dass meine Arbeit geschätzt wird. Dieser direkte Kontakt mit Ihnen, liebe Leser, motiviert mich mindestens genauso wie erfolgreiche Empfehlungen.

Das schönste Kompliment machte mir ein Leser mit den Worten: „Herr Heibel, jede Ausgabe Ihres Börsenbriefes erwarte ich so gespannt, wie das Heben des Vorhangs im Theater. Sie beschreiben jedoch nicht nur unterhaltsam die Geschehnisse, sondern nehmen Ihre Leser an die Hand und führen uns hinter die Kulissen, wo Zusammenhänge zum Vorschein kommen, die der normale Zuschauer nicht vermutet.“

In diesem Sinne habe ich auch meinen neuen Dienst, den „Heibel-Ticker“, aufgebaut. Wenn auch diesmal ohne Partner, so jedoch nicht ohne Hilfe, denn viele meiner Leser, mit denen ich über die Jahre einen persönlichen Kontakt aufbauen durfte, stehen mir zur Seite.

Es freut mich, wenn auch Sie zu einem aktiven Bestandteil unseres Börsenbriefes werden.

Stephan Heibel

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