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Linde flüchtet vor DAX Sippenhaft und Indexregeln

Linde möchte den DAX verlassen und nur noch an der US-Börse gelistet sein. Was das bedeutet und warum das Unternehmen diesen Schritt vollzieht. Ich schaue auch darauf, ob sich der Vorgang für eine Spekulation eignet.

Nur 5% des Umsatzes von Linde wird in Deutschland generiert. Seit der Übernahme von Praxair aus den USA wird die Aktie gleichzeitig in Frankfurt und in New York gelistet. Man spricht von einem Dual-Listing. Linde muss daher sowohl die Anforderungen der US-Börse als auch der Frankfurter Börse erfüllen, was teilweise zu Mehraufwand führt.

Lohnt sich der Mehraufwand?

Nun, das Unternehmen hat entschieden: Nein. Im Gegenteil: Linde ist mit einer Marktkapitalisierung von 146 Mrd. Euro das mit Abstand größte Unternehmen im DAX. Platz zwei nimmt SAP mit 119 Mrd. Euro ein, Platz 3 die Deutsche Telekom mit 96 Mrd. Euro und Platz 4 Siemens mit 95 Mrd. Euro.

Deutschland hat nach wie vor den Ruf des Exportweltmeisters. Internationale Anleger betrachten den DAX daher als Barometer der globalen Konjunktur. Sollte die globale Konjunktur Schwächeanzeichen zeigen, verkauft man “den DAX” und sucht nach sicheren Häfen, bspw. in der Schweiz. Brummt hingegen die globale Konjunktur, so möchten internationale Anleger am Erfolg beteiligt sein, den die deutsche Exportnation daraus zieht. Der DAX wird gekauft.

Diese internationalen Anleger kümmern sich nicht um einzelne Aktien. Sie kaufen den Index oder entsprechende ETFs, ohne Rücksicht auf die einzelnen Titel, die darin enthalten sind. Die Aktionen der internationalen Anleger führen dann häufig zu einer breiten Kursbewegung in allen DAX-Titeln, somit auch in Linde.

Seit den vergangenen Monaten steht der DAX besonders unter Beschuss, weil Deutschland seinen Energiebedarf kaum decken kann. An Tagen, an denen der DAX aus diesem Grund ausverkauft wurde, sank die Aktie von Linde ebenfalls – obwohl Linde doch eher Teil der Lösung ist. Linde arbeitet daran, Wasserstoff für Brennstoffzellen in großen Mengen zu produzieren.

Noch verrückter werden die Kursbewegungen von Linde, wenn wir uns die Regel für DAX-Mitglieder ansehen, demzufolge kein Einzeltitel im DAX mit mehr als 10% gewichtet werden darf. Die Marktkapitalisierung aller DAX-Titel beläuft sich aktuell auf rund 1,46 Billionen Euro. Nun schauen Sie sich mal weiter oben die aktuelle Marktkapitalisierung von Linde an: 146 Mrd. Euro. Damit müsste Linde zu genau 10% im Index vertreten sein.

Sollte Linde nun weiterhin schneller wachsen als der Durchschnitt aller DAX-Unternehmen, dann würde das Unternehmen künftig mehr als 10% der Marktkapitalisierung des DAX ausmachen, dürfte allerdings nicht entsprechend gewichtet sein. Ein Kursanstieg würde also die Gewichtung über die 10% führen. Die Deutsche Börse müsste reagieren und diese Gewichtung anpassen. Indexfonds und ETFs würden die Anpassung nachvollziehen und Linde-Aktien im entsprechenden Verhältnis verkaufen.

Möchte man das? Möchte man einen Verkaufsdruck erzeugen, obwohl oder gerade weil das Unternehmen so erfolgreich ist?

Bereits das gesamte Jahr 2022 pendelt die Aktie von Linde um diese magische Marke. Ein Ausweg aus dem DAX würde zu einer einmaligen Anpassung durch die Indexfonds und ETFs führen, danach wäre der Deckel gelüftet und die Aktie könnte weiter ansteigen.

Wie Sie wissen, ist Linde einer meiner Favoriten, allerdings ist die Aktie zu teuer. Der Gewinn wächst überproportional mit 5% p.a., das KGV 23e steht bei stolzen 22. Die Aktie passt weder ins Wachstums- noch ins Dividendenportfolio, wäre also höchstens eine Spekulation. Ich werde die Entwicklung beobachten und würde, sollte der DAX-Ausstieg zu einer temporären Kursschwäche führen, eine Spekulation in der Aktie eingehen.


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Published inAllgemeine Börsenthemen

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