Aktienanalyse: HypoRealEstate: Pleite ist die beste Lösung

In der Ausgabe des Heibel-Tickers vom vergangenen Freitag habe ich offen gefragt, was genau an der HypoRealEstate (HRE) so wichtig zu retten ist, dass sie nicht in die Insolvenz geschickt werden kann. Ich habe bei meiner Recherche nichts gefunden, was einen Vergleich mit Lehman Brothers rechtfertigen würde.

Insbesondere der von der HRE organsierte Pfandbriefhandel würde auch ohne die HRE ohne Probleme weiter laufen.

Ich habe meine Leser um Kommentare gebeten, hier die Antworten.
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Hi I'am Stephan Heibel

Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefs

http://www.heibel-ticker.de

Comments (4)

  1. stephan_heibel

    Februar 23, 2009 at 18:02

    Einen Guten Herr Heibel,

    auch ich warte inzwischen immer mit Spannung, was Sie zu schreiben haben.

    Eine Frage von mir bzgl. der HRE: irgendwo meine ich gehört zu haben, das Städte und Kommunen gerne kürzere Kredite bei der HRE anfragen und aufnehmen. Da scheint die HRE, warum auch immer, ziemlich beliebt zu sein.

    Bräche jetzt die HRE weg, könnte es passieren, das ein Stadtkämmerer sich kein Geld leihen kann, um Gehälter und Pensionen zu überweisen.
    Das wäre bestimmt eine sehr, äh, interessante Situation, wenn den Angestellten und Beamten mitgeteilt würde, das man ihnen leider nichts überweisen kann…
    (Beamte erhalten ihr Geld ja immer noch im voraus für ihre Arbeit/Anwesenheit *gr*)

    Ist das so oder bin ich einer Fehlinformation aufgesessen?
    Oder könnte das der Grund sein, warum man gerade die HRE retten möchte.

    Teil 2: bei einer normalen Firma würde man in der HRE-Situation doch wohl schon die Frage Konkursverschleppung stellen, oder?

    Teil 3: wie kommentieren Sie die Rolle von Flowers bei der HRE?
    Wenn ich der Wikipedia folge, dann wurde Flowers Mitte letzten Jahres aufgrund einer Ausschreibung Anteilseigner der HRE. Dafür war wer verantwortlich?
    War doch irgendwie schon unter der Ägide Steinbrücks, oder…

    Nehmen Sie es Flowers übel, wenn er um sein Investment kämpft? Also, ab 10 T-Euro würde ich jedenfalls schon sehr giftig.

    Gruß, aus Würzburg 🙂

    Martin

  2. stephan_heibel

    Februar 23, 2009 at 18:07

    ANTWORT:
    vielen Dank für Ihr Schreiben. Ja, kurzfristig würde es zu „Verwerfungen“ auf den Finanzmärkten kommen. Wenn die gewohnten Beschaffungswege für Liquide Mittel nicht mehr funktionieren, dann kann es schon einmal eine zeitlang dauern, bis alternative Wege etabliert werden. Aber das wären eben kurzfristige Verwerfungen, aber keine langfristigen Zahlungsausfälle oder Verluste.

    Eine Insolvenzverschleppung ist ziemlich genau definiert und solange noch alle fälligen Verbindlichkeiten bedient werden können gibt es keine Verschleppung. Die Dringlichkeit, mit der verhandelt wird, ergibt sich eben aus der drohenden Insolvenz. Doch bislang ist mir nicht bekannt geworden, dass irgendeine Verbindlichkeit der HRE nicht bedient wurde.

    Nein, Flowers kann ich gut verstehen – er kämpft mit allen Mitteln. Doch auch Steinbrück kann ich verstehen: Flowers muss sich des Risikos bewusst gewesen sein.

  3. stephan_heibel

    Februar 23, 2009 at 18:21

    Sehr geehrter Herr Heibel,

    in der heutigen Zeitungsausgabe der örtlichen Landeszeitung steht folgender Artikel zu einer möglichen Insolvenz der HRE und deren Auswirkungen.

    Keine Alternative zur Rettung

    „Trotz immer neuer Abgründe: Hypo Real Estate muss bleiben
    von Markus Hack

    Es sind immer neue Abgründe, die sich bei der angeschlagenen HRE auftun. Schon längst ist das Münchner Geldaus zum Fass ohne Boden geworden. Neue Meldungen zufolge schlummern nun weitere Milliardenkrisen – außerhalb der offiziellen Bilanz. Die Bank hat das umgehend zurückgewiesen.

    So fatal das auch klingen mag: Es spielt letztlich keine entscheidende Rolle, ob sich die Meldung bestätigt oder nicht. Denn die Tragik des Falles HRE bleibt stets die gleiche. Egal wie viel Kapital die früheren Manager mit ihren unverantwortlichen Geschäften verbrannt haben: Die Bank darf nicht pleite gehen.
    Denn mit der HRE, einem der größten Emittenten der bislang als sicher geltenden Pfandbriefe, steht zu viel auf dem Spiel. Da sind zunächst einmal die über 100 Mrd Euro, die der Immobilienfinanzierer bereits an Hilfen und Garantien von anderen Banken und dem Staat erhalten hat. Statistisch gesehen steht jeder Bundesbürger mittlerweile mit über 1000 Euro in der Pflicht, so hoch ist der Einsatz des Bundes. Meldet die Bank Insolvenz an, ist das Geld verloren.
    Damit nicht genug. Ein Zusammenbruch der Münchner Bank, die bisvor wenigen Monaten kaum einer außerhalb der Finanzbranche gekannt hätte, würde das ganze Land weitaus mehr erschüttern als die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers.

    Als erstes gerieten die anderen Banken, die der HRE Darlehen gewährt hätten, in den Strudel. Dann folgten die Versicherer, die das Geld ihrer Kunden bei der HRE angelegt hatten.
    Dieses apokalyptische Szenario zu verhindernm ist oberstes Gebot. Das hat die Regierung erkannt. Dabei bedarf es aber nicht bleiben…“

    Soweit der Artikel zur Theamtik HRE. Was ist Ihre Meinung zu dem Artikel und zu den angeführten Punkten?

    Mfg, Martin aus Heilsbronn

  4. stephan_heibel

    Februar 23, 2009 at 18:21

    ANTWORT:
    auch in dieser Auflistung kann ich kein inhaltliches Argument dafür finden, in welcher Form die HRE in unserem Finanzsystem vernetzt ist. Im Gegenteil, es bleibt wieder einmal bei der Nennung des Volumens der Pfandbriefe (es sind aber nicht nur 100 Mrd., sondern vielmehr über 600 Mrd. EUR), die jedoch auch ohne die HRE absolut sicher sind. Und es wird wieder einmal der pauschale Vergleich mit Lehman Brothers gezogen, der inhaltlich völlig unberechtigt ist. Lehman Brothers hat Zertifikate herausgegeben, für die das Bankhaus mit Eigenkapital haftet. Die HRE handelt Pfandbriefe, deren Sicherheit von direkt und nur bis zu 60% beliehenen Immobilien gedeckt ist.

    Ihr Artikel ist also genau die Schreibweise, die mich so aufregt: Panikmache mit oberflächlichen und dadurch in diesem Fall falschen Vergleichen.

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