Anleger Sentiment: Anleger feiern euphorisch das neue Jahr

Der DAX ist in den ersten Tagen bereits um 2,4% angesprungen, unser Portfolio sogar um 3,3%. Die Stimmung unter den Anlegern ist euphorisch. Champagnerkorken knallen aus gutem Grund, doch wie lange kann das gut gehen? Ich zeige, welche weitere Entwicklung nun möglich ist.

Mit zwei oder drei Bier ergeben sich häufig die besten Gespräche. Doch nach dem fünften oder gar sechsten Bier sollten Sie weder ihren Gesprächspartner, noch sich selbst ernst nehmen. Meine Graphik für unser Anlegersentiment hört bei Stufe 6 auf: Es ist müßig zu betrachten, wie weit die Stimmung darüber hinaus geschossen ist.

Nur vier Mal war die Anlegerstimmung in den vergangenen sechs Jahren nach oben aus unserer Graphik hinaus geschossen. Drei Mal folgte eine ziemlich heftige Korrektur, einmal jedoch schoss der DAX weiter ungebremst in die Höhe. Das war Ende 2015, als die US-Notenbank erstmals den Zins anhob. Die Angst vor der Zinswende war groß, doch nach der ersten Zinserhöhung setzten die Aktienmärkte ihre Rallye fort.

Wir messen also Euphorie (6,4) unter den Anlegern: Vorsicht ist angebracht. Details zur Auswertung in Kapitel 03 unter https://www.heibel-ticker.de/1828&anchor=ch03. Nachfolgend lesen Sie meine Interpretation der Ergebnisse.

Ich weise ja immer wieder darauf hin, dass unser Sentiment hervorragend geeignet ist, um Tiefpunkte im Markt auszumachen. Für ein Top ist die Trefferquote jedoch mäßig. Ich würde also nicht alles darauf setzen, dass wir in den kommenden Tagen eine Kehrtwende sehen, oder einen heftigen Ausverkauf. Aber die Gefahr besteht.

Gegen diese Gefahr würde ich mich absichern: Je nach Position und Strategie ist es niemals verkehrt, einige Teilgewinne zu realisieren. Den Rest kann man dann mit einem Trailing Stop Loss absichern – je nach Risikoneigung. Damit würden Sie die Rallye, sofern sie ungebremst weiterlaufen sollte, noch ein wenig mitnehmen. Sie würden jedoch nahe am Hoch verkaufen, wenn sich eine Kehrwende abzeichnet…

…doch mit dieser Methode läuft man Gefahr, durch eine kleine Korrektur aus dem Markt geworfen zu werden, und dann verpasst man die gegebenenfalls anschließende Fortsetzung der Rallye. Ich würde den Trailing Stop Loss also nicht zu eng setzen, insbesondere bei Positionen mit großen Kurszuwächsen können Sie da ein wenig großzügiger agieren.

Ich habe den Eindruck, Anleger positionieren sich für das neue Jahr. Und sie tun das frühzeitig und konsequent. Dieser Prozess kann noch ein paar Tage dauern, doch irgendwann wird das frische Neujahrskapital eingesetzt sein und es wird zu einer Verschnaufpause kommen, vielleicht sogar zu einer Korrektur. Doch grundsätzlich sind wir in ein Jahr gestartet, das gleich drei positive Entwicklungen für uns bereit hält: Es gibt einen Corona-Impfstoff, die Tage der Corona-Pandemie sind also gezählt. Die Amerikaner haben einen neuen US-Präsidenten gewählt, die Tage von Donald Trump sind also gezählt. Und es gibt ein Brexit-Abkommen, die Briten sind raus aus der EU und dennoch bleiben wichtige Handelsabkommen bestehen.

Es ist also durchaus nachvollziehbar, dass die Stimmung überschwappt. In dieser Situation muss kein böses Erwachen folgen, sondern vielleicht einfach nur eine gesunde Konsolidierung, eine Verschnaufpause, die zur Abkühlung der Gemüter ausreicht, bevor es dann weitergeht.

Regelmäßige Ergebnisse der Auswertung und meine Interpretation gibt es im Heibel-Ticker Börsenbrief jeden Freitagabend direkt ins Mail-Postfach.