Leserfrage: Gold, Elektromobilität & Erneuerbare Energien

Eine Reihe von Leserfragen gab es auch letzte Woche wieder: Von Gold über Elektromobilität bis zu erneuerbaren Energien reicht das Spektrum allein in der ersten Frage.

Do, 24. September um 10:21 Uhr

„Sehr geehrter Herr Heibel,

ich bin versucht Sie mit „Lieber Stephan” anzuschreiben. Seit fast 10 Jahren lese ich Ihre wöchentlichen Nachrichten, wenn auch erst seit 2020 in der „Vollversion”. Sie haben einen so angenehmen Schreibstill, dass ich mich Ihnen freundschaftlich verbunden fühle obwohl ich Sie ja offensichtlich nicht kenne. Bleiben Sie sich hier bitte treu. Auch wenn ich schon seit fast 20 Jahren an der Börse aktiv bin, bin ich nach einem Hauskauf vor 3 Jahren erst in 2020 wieder in der Situation ernsthaft an der Börse „mitzuspielen”. Das Timing war gut, da ich mit 25% meines Geldes am 18.3.2020 eingestiegen bin und die Investitionen dann schrittweise gesteigert habe. Ihr Börsenbrief ist aus meiner Sicht zu günstig und gehört zu den besten Investitionen die ich dieses Jahr gemacht habe. Auch wenn es hier und da sicherlich eine Win-Win Situation ist, dass Sie Leserfragen bekommen und beantworten, kann man nicht von Ihnen erwarten, dass Sie sich hierfür die Zeit nehmen. Die Leserfrage von dieser Woche zum Thema Gold hat mich aber animiert, Ihnen doch mal zu schreiben.

Ich weiß Sie haben nicht viel Zeit und komme daher nun zum eigentlichen Anliegen:
Zur Leserfrage zum Thema Gold im letzten Ticker: Ich hab zwei Bücher des „Untergangpropheten“ Dr. Markus Krall gelesen und verstehe daher sehr gut die „Angste“ und den Wunsch über Gold die Schäffchen ins Trockene zu bekommen. Auch wenn ich die Analyse für korrekt halte, dass wir uns mit der seit 2007 gewählten Geldpolitik in eine Einbahnstraße und Sackgasse begeben haben die unweigerlich im ganz großen Crash enden muss, erwarte ich im Gegensatz zu Herrn Dr. Krall, dass die Masse der Bevölkerung noch Vertrauen ins System hat und es daher noch einige Jahre so weiter gehen kann. Um einem Crash, einer Währungsreform und Finanzrepressionen zu entkommen empfielt Dr.Krall/Herr Homm das Unternehmen „Goldmoney” https://www.goldmoney.com. Das Unternehmen soll folgende Vorteile haben:

+ Investmentmöglichkeit in physische Edelmetalle, Gold, Silber, Platin, Paladium
Lager des Golds im Ausland nach wunsch verteilt in (UK, Honkong, Schweiz und weitere Standorten)
+ Eine Kreditkarte die in Gold abgerechnet wird, man hat also die Sicherheit des Goldes und ist dennoch immer liquide
+ Sitz der Gesellschaft in Jersey
+ Das Gold wird auf Wunsch physisch ausgeliefert
+ Die Gebühren sollen moderat sein

Wie gesagt, seh ich aktuell hierfür noch nicht die Notwendigkeit und hab mich daher damit noch nicht näher beschäftigt. Sollte das aber alles so zutreffen, wäre das fast zu schön um wahr zu sein. Und sicherlich das richtige Konstrukt für „Jürgen vom Tegernsee“

Thema Elektromobilität

Ich teile Ihre Meinung zu Tesla und bin auch für den Individualverkehr von der Elektromobilität als effizienteste Lösung überzeugt. Wasserstoff/Brennstoffzelle passt nur für die großen Fahrzeuge (LKW, Schiffe, Flugzeuge). Das ist wie mit der PV Energie –> wird sich zwangsläufig durchsetzen wenn ein gewisser Kostenpunkt unterschritten ist. Im Anhang hab ich Ihnen eine interessante Studie zur Elektromobilität bzw. Mobilität der Zukunft beigefügt.

Auch wenn VW aktuell mit den Pannen rund um den Golf8 keine gute Figur macht, hab ich dennoch dass gefühlt, dass die neue Strategie mit der Elektroplattform richtig ist und VW hiermit schon wieder einigen Boden gut gemacht hat. Ich bin positive überrascht wie viele Elektroautos bereits in der Pipeline sind . Das geht ja neben VW durch alle Marken des Konzerns; VW, Audi, Skoda, Seat, Porsche (VW ID3, ID4; Skoda Enyaq, Audi etron; Porsche Taycan…). Die neuen Autos sprießen wie die Plize aus dem Boden und Tesla wird hier sicherlich nicht in der Breite mithalten könne. Da könnte in den nächsten 2 Jahren bereits richtig Masse auf die Straße kommen.

Elektroauto Neuzulassungen Top 5 Juni 2020

* Modellreihe Juni 2020 Jan.- Juni 2020
* Audi E-Tron 520 3.233
* VW E-Up 590 3.043
* Tesla Model 3 703 4.367
* VW E-Golf 1.310 7.320
* Renault Zoe 1.448 7.066

Ich sehe auch, dass das Thema Software die Schwachstelle von VW (und der restlichen alten Autowelt) ist, aber auf Sicht von 2-4 Jahren sollte VW aus meiner Sicht schon ziemlich gut da stehen. Im Gegensatz zu Tesla kann VW zumindest Hardware mit hoher Qualität. VW dümpelt aktuell bei 55% des 1-Jahreshochs rum. Und bei aller Tesla Euphorie, die Aktie ist einfach überbewertet, an dieser Wette kann ich mich nicht mehr beteiligen. Was halten Sie von einer Spekulation auf eine erfolgreiche Elektro-Strategie von VW?

Ich war vor meinem Hauskauf lange bei „Encavis“ investiert und würde es gerne wieder sein. Haben Sie die Aktie auf dem Schirm? Und eine Meinung dazu?
Bitte fühlen Sie sich nicht genötigt mir zu antworten. Auch wenn ich mich darüber freuen würde, bin ich rational genug zu verstehen, dass Sie das nicht immer leisten können (oder wollen sollten).

Beste Grüße aus Mannheim
Simon

ANTWORT

Herzlichen Dank für Ihr Schreiben und die netten Worte :-).

@Goldmoney: Für mich als Privatmensch möchte ich ein wenig Gold genau dann verfügbar haben, wenn die Welt ins Chaos stürzt. Ja, das kann noch viele Jahre dauern und bis dahin können neue Lösungen für die heutigen Probleme gefunden werden, daher ist es nicht zwangsläufig so, dass schlechte Entwicklungen in einer „Sackgasse” enden. Doch mit einem kleinen Betrag möchte ich mich gegen sowas absichern. Wenn ich entsprechende Edelmetalle dann jedoch in Hongkong und der Schweiz lagere, könnte es sein, dass ich gar keinen Zugriff darauf habe: Schauen Sie sich die Reisebeschränkungen durch Corona mal an. Daher ist ein Angebot wie von Goldmine in meinen Augen eher etwas für Strategen wie Menschen mit Family Office oder Unternehmen, denen es um die Wertaufbewahrung für künftige Generationen geht.

@Elektromobilität: Tja, es bleibt spannend. Ich habe mir gerade einen 3-Jahres-Touran gekauft, der nun eine Meldung zeigt „Software Update erforderlich”. Weder die entsprechende VW-Hotline, noch mein VW-Händler können mir sagen, ob damit die Navi-Software, die Infotainment-Software oder etwas noch anderes gemeint ist. Die im Betriebshandbuch beschriebenen Update-Schritte funktionieren nicht, ich habe nun einen Werkstatttermin dafür. Steinzeit. Der Tesla-Battery-Day dieser Woche hat für VW und Co die Meldung enthalten, dass vor 2022 kein günstiges E-Auto von Tesla verfügbar sein wird. Ich halte das für eine Galgenfrist.

Hintergrund der Software-Problematik ist, dass Tesla über einen Chip die gesamte Bord-Elektronik steuert, während VW eine dreistellige Zahl an Chips unterschiedlicher Hersteller miteinander verknüpfen muss. Ich habe die Befürchtung, dass VW nicht das Knowhow hat, dies zu ändern. Aber Sie haben Recht, eine – zumindest vorübergehende – Erholungsbewegung der alten Autokonzerne ist überfällig.

@Encavis: Erneuerbare Energien bietet das Unternehmen zu wettbewerbsfähigen Preisen an, die Aktie schießt durch die Decke: Das KGV von 34 bei 17% Gewinnwachstum klingt noch vernünftig, aber das Kurs/Umsatz-Verhältnis von 2000/273= 7 ist abenteuerlich, zudem schiebt das Unternehmen Finanzierungskosten (Nettoschulden) von 1,6 Mrd. EUR vor sich her – das Sechsfache eines Jahresumsatzes. Damit profitiert das Unternehmen exorbitant von der aktuellen Niedrigzinsphase, doch sollten die Zinsen nicht weitere 10 Jahre so niedrig bleiben, könnten die Finanzierungen problematisch werden. Hmm, damit also höchstens etwas für eine Spekulation.

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