So tickt die Börse: FED = Federal Employment Department

Die US-Notenbank (Federal Reserve = Fed) hat sich letzte Woche von ihrem Doppelmandat verabschiedet. Bislang galt das Ziel der Erhaltung der Geldwertstabilität sowie der niedrigen Arbeitslosigkeit. Nun hat sich Fed-Chef Jay Powell vom ersten Ziel, der Geldwertstabilität, verabschiedet. Eine niedrige Arbeitslosenquote habe einen viel positiveren Effekt für die Gesellschaft, als man das bislang angenommen habe, so Powell. Daher sei das Inflationsziel von 2% ab sofort nachrangig. Als neues Inflationsziel gilt „durchschnittlich 2%“.

Ein kleines Wörtchen, das einen erheblichen Unterschied macht. In Europa gilt als Inflationsziel „nahe bei, aber nicht über 2%“. Die Inflation soll nicht über 2% steigen. Und in Europa ist dies das einzige Ziel der Notenbank EZB. Am Arbeitsmarkt müssen politische Strukturreformen für Besserung sorgen, so die in meinen Augen sinnvolle Aufgabenteilung. EZB-Chefin Christine Lagarde lässt derzeit das Inflationsziel überarbeiten. Unter der Hand ist allen EZB-Beobachtern klar, dass sie nach Wegen sucht, die Niedrigzinspolitik zu verlängern, um auch in Europa dem Arbeitsmarkt zu helfen. Vermutlich wird auch in Europa bald das asymmetrische 2%-Ziel durch ein symmetrisches 2%-Ziel ersetzt, was nichts anderes ist als die von Jay Powell für Amerika bereits formulierte Neuerung: Das Zinsniveau darf auch für einen längeren Zeitraum deutlich über 2% steigen, ohne dass die Notenbanken die Zügel anziehen müssen.

Damit nähern wir uns weiter dem Paradies, das die Dire Straits mit „Money for nothing and chicks for free“ besungen haben: Geld für’s Nichtstun und die Miezen umsonst. Einzelne Fed-Mitglieder haben in den vergangenen Wochen völlig andere Aussagen getroffen. Ich habe den Eindruck, dass Jay Powell inzwischen der alleinige Herrscher der US-Notenbank ist. Vergessen Sie, was andere Notenbankgouverneure sagen, einzig Jay Powell hat die Macht, Dinge zu entscheiden.

Damit würde ich eine Anpassung der Begrifflichkeit anregen: Das FOMC (Federal Open Market Committee) sollte künftig FSH heißen: Federal Steering Hero (Nationaler Steuerungs-Held). Denn weder agiert dort ein Komitee, noch haben wir in den USA offene Märkte. Die Märkte werden nach belieben politisch gesteuert, Jay Powell hat sich als willfähiger Handlanger profiliert. Er finanziert die strukturellen Versäumnisse der Politik auf dem Arbeitsmarkt, daher FED – Federal Employment Department (Nationale Beschäftigungsabteilung).

In Deutschland haben wir das Helikoptergeld der EZB mit dem Kurzarbeitergeld verbunden und sind auf dem besten Wege, in einigen Jahren das Bürgergeld als Begriffsanpassung an die Realität ohne gesonderten Parlamentsbeschluss einzuführen. „Wünsch Dir was“, heißt es in der Politik, wenn man vom Bürger gewählt werden möchte.

Geht’s uns deswegen schlecht? Nein, im Gegenteil: Für die meisten ist was dabei. Die Staatsschulden steigen zwar, doch die liegen ja inzwischen bei den Notenbanken, und dort können sie beliebig lange liegen bleiben. Dank Corona haben wir bereits die europäische Haftungsunion. Das Hamsterrad dreht sich weiter, immer schneller und schneller. Wir wissen, Marktungleichgewichte können länger andauern, als Sie und ich solvent bleiben können. Passen wir also auf, dass unser Portfolio nicht gegen den Wind segelt.

Details dazu finden Sie im Kapitel 02 meiner neuen Ausgabe und letzte Woche ist noch mehr passiert. TikTok wird verkauft. Abbott hat einen Corona-Schnelltest vorgestellt und an den Aktienmärkten steigen immer weniger Aktien, diese dafür um so mehr. In Kapitel 02 bespreche ich die Bedeutung dieser Vorgänge: https://heibel-ticker.de/heibel_tickers/1785#ch02


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