So tickt die Börse: Kurze Zusammenfassung einer ereignisreichen Woche

Letzte Woche war viel los: Die US-Notenbank hat getagt, die Woche war die Woche mit den meisten Quartalsberichten, vier der fünf globalen Technik-Monopolisten-Monopolisten musste in Washington der Politik über wettbewerbsschädliche Praktiken Rede und Antwort stehen, sowohl das BIP in Deutschland als auch in den USA, ist um 10% eingebrochen, Coronazahlen steigen, Trump erwägt Wahlverschiebung, …

Ich habe mir die Zeit genommen, die vielen Ereignisse für Sie zusammenzufassen, ohne in episch breite Monologe zu verfallen 🙂 Nachfolgend gibt es einen Überblick. Das kompette Kapitel 02 finden Sie frei zugänglich über den Link siehe unten.

Die meisten Quartalszahlen, die ich mir angeschaut habe, waren gut bis super. Wussten Sie übrigens, dass Uno von Mattel vertrieben wird? Während des Lockdowns gingen mehr Uno-Kartenspiele über den Ladentisch denn je. Mattel freute sich über eine kleine Sonderkonjunktur. Sämtliche Prognosen der Unternehmenschefs waren überaus vorsichtig formuliert. Kein Wunder vor dem Hintergrund steigender Coronazahlen. Daher vermochten die Q-Zahlen nicht den erhofften Impuls für die Aktienmärkte geben, um in Richtung Allzeithochs zu stürmen. Vielmehr stieg der Anreiz, Gewinne mitzunehmen.

Die Zahl der mit Corona Infizierten steigt weltweit, auch in Deutschland. Kein Wunder, würde ich sagen, denn die Kontaktbeschränkungen werden immer weniger beachtet. Einmal abgesehen davon, dass in Geschäften und öffentlichen Transportmitteln Maskenpflicht besteht, scheint sich im privaten Raum kaum noch jemand um den gebotenen Abstand zu scheren. Also steigen die Zahlen wieder und in den Medien wird die zweite Welle heraufbeschworen. Wir erinnern uns, dass bei der Spanischen Grippe vor einhundert Jahren die meisten Menschen erst im Rahmen der zweiten Welle starben. Ich halte die Ängste daher für berechtigt, aber übertrieben. Dadurch ist – zumindest wirtschaftlich betrachtet – ein zweiter Lockdown mit entsprechend verheerenden wirtschaftlichen Folgen unwahrscheinlich. Mag also sein, dass die Zahl der Infizierten in den kommenden Wochen wieder kräftiger ansteigt. Einen exponentiellen Anstieg wie im März halte ich jedoch für unwahrscheinlich.

Mag sein, dass es zu wirtschaftlichen Beeinträchtigungen in Folge von Kontaktsperren kommen wird. Doch zum einen gehe ich davon aus, dass diese weitgehend lokal verhängt werden und nicht mehr bundesweit. Zum anderen hat sich die Wirtschaft inzwischen darauf vorbereitet. Ich möchte Corona hier nicht klein reden. Wir haben noch keinen Impfstoff und schwere Krankheitsverläufe enden bei Corona auch heute noch sehr häufig tödlich. Bitte befolgen Sie die Maskenpflicht und vermeiden Sie unnötige Versammlungen. Aber dies ist ein Börsenbrief und daher bespreche ich hier überwiegend die wirtschaftliche Bedeutung von Ereignissen. Und da fällt es mir schwer, einen wirtschaftlichen Ausnahmezustand wie im März/April als wahrscheinlich zu betrachten.

Trump twitterte, dass Briefwahlen verfälschte Wahlergebnisse liefern würden und erwog, die Wahl zu verschieben. Es ist auch für den US-Präsidenten kaum möglich, einen Wahltermin zu verschieben. Wenn aufgrund von Corona viele Wähler lieber von zu Hause aus wählen, ist das doch eine gute Alternative, würde in Deutschland jeder denken. Doch Trump ist davon überzeugt, dass Briefwahlen manipuliert werden und am Aktienmarkt ist diese Überlegung allein schon ausreichend, um große Verunsicherung zu erzeugen. Zwar bräuchte Trump die Zustimmung von beiden Häusern, was als ausgeschlossen betrachtet werden kann. Aber es wäre nicht das erste Mal, dass Trump dennoch irgendwelche Mittel findet, um seine Interessen durchzusetzen.

Aber der gestrige Einbruch ist nicht allein auf den Tweet von Trump zurückzuführen: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Q2 ist in Deutschland um 10% eingebrochen. In den USA brach das BIP um 9% ein. Lassen Sie sich nicht von den den gigantischen Zahlen der USA verwirren: Dort wurde ein BIP-Rückgang von 33% veröffentlicht! Doch in den USA werden die Zahlen häufig „annualisiert“: Wenn der Rückgang in drei Monaten 9% betrug, dann rechnet man das auf 12 Monate, also auf ein Jahr, hoch und kommt zu der gigantischen Zahl von -33%. Das würde aber bedeuten, dass Corona unvermindert über zwölf Monate wütet, und das ist selbst in den USA nicht zu befürchten.

Bleibt ein Kommentar zur Anhörung von Jeff Bezos (Amazon), Mark Zuckerberg (Facebook), Tim Cook (Apple) und Sundar Pichai (Alphabet) in Washington. Die Marktmacht dieser globalen TechMonopolisten habe wettbewerbsschädigende Auswirkungen, so der Vorwurf. Die Anhörung verlief überaus zahm. Auch der Politik ist bewusst, dass gerade diese vier Unternehmen (zuzüglich Microsoft, die meiner Ansicht nach noch dazu gehört hätten) im internationalen Wettbewerb eine führende Rolle übernommen haben. Jedes Land der Erde wäre stolz, eines dieser Unternehmen zu beherbergen. Warum also sollten Politiker diese Vorzeigeunternehmen bestrafen?

Nur einen Tag später veröffentlichten genau diese vier Unternehmen jeweils ihre Quartalszahlen:

  • Apple: Zahlen besser als erwartet, zweistelliges Wachstum und ein Gewinn, der über der höchsten Analystenschätzung lag. Aktie +7%.
  • Amazon: Der ultimative Corona-Gewinner! 40% Umsatzsteigerung sind der blanke Wahnsinn. 100.000 neue Mitarbeiter in den letzten 3 Monaten! Aktie +6%
  • Facebook: Keine Spur von Werbezurückhaltung, die in den Medien seit Monaten diskutiert wird. Umsatz und Gewinn wachsen weiterhin zweistellig. Aktie +7%.
  • Alphabet: Der Gewinn lag um 20% über den Erwartungen, der Umsatz ging jedoch – erstmals in der Geschichte von Google – leicht zurück. Entsprechend ist die Aktie heute „nur“ mit 1% im Plus.

Details zu den jeweiligen Themen dieser Zusammenfassung finden Sie im frei zugänglichen Kapitel 02 unter https://heibel-ticker.de/heibel_tickers/1775#ch02

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