Börsen Sentiment Umfrage: Zweifel der Privatanleger stützen die Rallye

Das Sentiment zeigt, wie unterschiedlich Profis und Privatanleger die Börsensituation einschätzen. In meinen Augen lässt sich dieser Unterschied mit der Rotationsbewegung zwischen Coronagewinnern und Konjunkturprofiteuren erklären.

Auszug der aktuellen animusX Investoren Sentiment Auswertung

Im Wochenvergleich hat der DAX letzet Woche nur magere -0,6% abgegeben, dabei wird jedoch vertuscht, dass der DAX zwischenzeitlich bei 13.300 Punkten und somit mit 3% im Plus notierte. Erfolge in der Impfstoffentwicklung und die vergleichsweise gute Corona-Situation in Europa sorgten dafür, dass internationale Gelder in den DAX flossen. Doch damit war Schluss, als die USA die chinesische Botschaft in Houston schlossen und somit ein neues Kapital im Streit der beiden Großmächte aufschlug.

Schauen wir mal, wie die Anleger auf diese Entwicklung reagieren. Hatte man sich doch gerade erst damit abgefunden, dass es keine nennenswerte Rücksetzer mehr geben wird, die zum nachträglichen Aufspringen auf die fulminante Rallye einladen würden, so bahnt sich nun plötzlich doch ein Rücksetzer an. Es scheint sich in den Köpfen der Anleger die Befürchtung durchzusetzen, dass ein Rücksetzer vielleicht nicht eine Einstiegsgelegenheit ist, sondern nur der Anfang einer großen Korrektur. Anleger schicken sich an, ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen.

Details zur Auswertung können Sie im kompletten Kapitel 03 finden: https://heibel-ticker.de/heibel_tickers/1773#ch03

Interpretation

Also: Die Technik zeigt eine neutrale Verfassung, Privatanleger sichern sich gegen fallende Kurse ab, während Profis auf eine Fortsetzung der Rallye setzen. Hmm, widersprüchlicher könnte das Bild nicht sein. In der vorherigen Sentiment-Analyse habe ich gesagt, dass die Privatanleger meist die letzten sind, die noch auf eine Rallye aufspringen möchten. Und Privatanleger sind unserer Sentimentanalyse zufolge noch nicht ausreichend investiert. Da geht also noch was.

Das macht den aktuellen Rücksetzer zu einer Kaufgelegenheit. Insbesondere, da Privatanleger inzwischen den Glauben daran verloren haben, noch aufspringen zu können, und daher vermutlich verfrüht den Anfang vom Ende der Rallye zu erkennen meinen, könnte der aktuelle Rücksetzer schon sehr schnell enden.

Zweifel sind gut nachvollziehbar: Aktien von Unternehmen, die als Coronagewinner gelten, sind bereits um 50%, teilweise 100% und mehr angesprungen. Da geht vielen Anlegern die Phantasie aus, wohin die Kursrallye in diesen Aktien noch führen könnte. Gleichzeitig sind auch die Aktien von konjunktursensiblen Unternehmen, die stark durch die Konjunkturprogramme profitieren, schon deutlich angesprungen und Anleger fragen sich, ob denn die Konjunkturhilfen reichen, um durch die Pandemie zu kommen, wenn ein Impfstoff vielleicht doch erst Ende 2021 gefunden wird.

So gibt es immer wieder Rotationsbewegungen an den Aktienmärkten: Mal wird die Rallye von der einen Gruppe getragen, mal von der anderen, und ab und zu führen nachvollziehbare Zweifel der beiden Anlegergruppen zu einem Rücksetzer. Für die meisten Privatanleger ist eine solche Situation zu widersprüchlich, als dass man da Vertrauen in den Markt fassen könnte, Profis hingegen kennen diese unbefriedigende Situation und wissen, dass die besten Rallyes an einer „Wand des Zweifels“ empor klettern.

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