So tickt die Börse: Wirecard zwischen Schlamperei und Betrug

Schlamperei oder Betrug ist die Frage, die sich Wirecard-Anleger derzeit stellen. In Kapitel 02 meiner neuen Börsenbrief Ausgabe gehe ich dieser Frage nach. Zwischen 200 Euro und 0 Euro finden sich gute Argumente für einen fairen Aktienkurs.

Rückblick zum vergangenen Freitag 19. Juni und Details aus Kapitel 02:

„Eigentlich gibt es bei mir ja keinen Redaktionsschluss, sondern ich kann bis zur letzten Minute alles ändern. Und dann wird sofort versendet. Doch ich heute heute Vormittag diesen Artikel bereits geschrieben, und danach kam erst die Meldung über den Rücktritt von Dr. Markus Braun. Wir haben dann heute spekulativ einmal das Zocken betrieben: Sind zu 23,35 EUR eingestiegen und heute Abend dann zu 25,50 EUR wieder raus. Schnelle 9% Gewinn, eigentlich machen wir das im Heibel-Ticker nicht. Doch irgendwie hat es mich heute in den Fingern gekitzelt 🙂

Was hat sich also geändert: Gründer & CEO Braun ist nun weg, Compliance-Profi & Jurist Feist kommt. Juristen sind selten Menschen, die das Geschäft in neues Wachstum führen, daher scheint das hier eher ein Notnagel zu sein, mit dem man Schlimmeres verhindern möchte. Und „Schlimmeres“ ist derzeit der Weiße Elefant im Raum: Eine Insolvenz. Insofern ist die Aktie höchstens einer sehr kurzfristige Spekulation, derzeit aber niemals eine Investition wert.

Um 80% ist Wirecard eingebrochen, seit gestern (Donnerstag 18. Juni) erneut die Verschiebung der Veröffentlichung der Jahreszahlen bekannt gegeben wurde. Die Wirtschaftsprüfung EY verweigert das Testat und begründet dies mit fehlenden Nachweisen für Umsätze in Höhe von 1,9 Mrd. Euro, einem Viertel des Konzernumsatzes.

Die Finanzaufsicht BaFin hat Wirecard unterstützt und zeitweilig Leerverkäufe in der Aktie verboten, da das Management von Wirecard die BaFin überzeugen konnte, dass es sich bei den Vorwürfen um eine Short-Attacke handelt. Die renommierte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY hat jahrelang die Jahresabschlüsse testiert, obwohl Journalisten der Financial Times nunmehr herausgefunden haben, dass wichtige Nachweise fehlen. Die Deutsche Börse hat trotz der damals schon bekannten Vorwürfe Wirecard in den DAX aufgenommen.

All die politischen Transparenzgesetze „zum Schutze der Anleger“ sind wirkungslos verpufft. Glauben Sie wirklich, wenn Finanzaufsicht, Wirtschaftsprüfer, Börse und Politik auf Wirecard hereinfallen, dass Sie es besser wissen? In meinen Augen gibt es jetzt zwei Möglichkeiten: Entweder die Wirecard-Buchhaltung entpuppt sich als unendlich schlampig, oder aber wir haben einen der größten Betrugsfälle der deutschen Wirtschaftsgeschichte.

Gründer und CEO Dr. Markus Braun zurückgetreten, er wird durch den Amerikaner James Freis ersetzt. Freis kommt von der Deutschen Börse, dort hat er bereits Sanktionsverstöße in Sachen Irangeschäft behandelt. Freis ist Jurist und war bereits für Wirecard als Compliance-Manager vorgesehen. Nun hat ihn Aufsichtsratschef Eichelmann kurzerhand zum CEO gemacht. Eichelmann kommt übrigens auch von der Deutschen Börse. Er hat sich einen weiteren Weggefährten aus seiner Zeit bei der Deutschen Börse an die Seite im Aufsichtsrat geholt: Hauke Stars. Damit wird Wirecard nun zu einem Finanzunternehmen unter dem Management ehemaliger Börsenprofis.

Zwischen Schlamperei und Betrug spricht nun vieles für Schlamperei: Das könnte der Aktie kurzfristig erst einmal Vertrauen zurückgeben. Ob Freis das Geschäft von Wirecard weiterentwickeln kann, wird sich erst in der fernen Zukunft zeigen.“

Das komplette (frei zugängliche) Kapitel 02 mit weiteren Details finden Sie unter https://heibel-ticker.de/heibel_tickers/1764#ch02. Ich werde in meinem Börsenbrief weiterhin über relevante Neuigkeiten zu Wirecard informieren.


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