Wirtschaftliche Stellungnahme zur Covid-19 Studie der Ifo- und Helmholtz-Institute

Christian Drosten hat letzte Woche in seinem Podcast eine Studie besprochen, die Medizin & Wirtschaft miteinander verknüpft. Ich wurde durch mehrere Leser gebeten, dazu Stellung zu nehmen. Das habe ich in Kapitel 02 meiner neuen Heibel-Ticker Börsenbrief Ausgabe 20/20 getan. Zudem habe ich dort auch erklärt, wie es zu unterschiedlichen Wahrnehmungen der Realität (welcher Realität?) an den Finanzmärkten kommt.

Covid-19 Studie der Ifo- und Helmholtz-Institute

Letzte Woche hat das Ifo- gemeinsam mit dem Helmholtz-Institut eine Covid-19 Studie vorgelegt, die gleichermaßen sowohl medizinische als auch wirtschaftliche Aspekte berücksichtigt. Es ist meines Wissens die weltweit erste wissenschaftliche Studie, die sich fakultätsübergreifend mit diesen beiden Bereichen gleichzeitig befasst. Virologe Christian Drosten befasste sich mit dieser Studie aus medizinischer Sicht. Ich wurde von einer Reihe von Lesern geben, doch meinen wirtschaftlichen Senf dazuzugeben.

Ich finde es super, dass ein Gerüst geschaffen wurde, um medizinische und wirtschaftliche Auswirkungen der Coronakrise sowie der Kontaktsbeschränkungs- und Lockerungsmaßnahmen gegeneinander abzuwiegen. Die wesentliche Erkenntnis der Studie, dass es einen goldenen Mittelweg geben muss, teile ich seit Beginn der Krise, wie sich die aufmerksamen Leser unter Ihnen erinnern werden.

Szenarien von Lockdown über Durchseuchung bis Wellenlockerung

Ein vollständiger Lockdown, wie in Wuhan praktiziert, würde gemäß dem Studienergebnis Folgekosten nach sich ziehen, die exorbitant hoch wären. Viele Unternehmen gingen pleite, Lieferketten würden dadurch nicht nur unterbrochen, sondern zerstört werden und ein anschließendes Anlaufen der Wirtschaft würde nur langsam erfolgen, da zerstörte Strukturen neu aufgebaut werden müssten. Eine ungebremste Durchseuchung der Bevölkerung, wie ansatzweise in Schweden praktiziert, würde ebenfalls zu hohen Kosten führen, abgesehen von den hohen Opferzahlen, die in unserer Gesellschaft nicht akzeptiert würden. Aber auch eine Wellenbewegung mit abwechselnden Lockerungen und Verschärfungen, je nach Entwicklung der Infiziertenzahlen, würde hohe Kosten bei Unternehmen verursachen, so dass die zwischenzeitlichen wirtschaftlichen Erfolge wieder zunichte gemacht würden. Ich kann dieses Argument gut nachvollziehen, denn ich habe nach meinem Studium zunächst bei Ticona gearbeitet, einer Produktionsfirma für technische Kunststoffe. Das Schlimmste, was dort passieren konnte, war der Stillstand eines Betriebsteils. Das Herunterfahren der Produktion wurde regelmäßig alle ca. 18 Monate zwecks Wartung gemacht und kostete Millionen. Ein ungeplantes Herunterfahren würde noch viel teurer werden.

Daher wird in der Studie dafür plädiert, die Lockerungen vorsichtig und schrittweise durchzuführen, um zu vermeiden, dass man später wieder zurückrudern und damit die Wirtschaft überraschen müsste. Bis dahin stimme ich voll zu.

Heibel-Ticker Stellungnahme

Meine ausführliche Stellungnahme finden Sie kostenfrei zugänglich im Kapitel 02 meiner Ausgabe 20/20 unter https://heibel-ticker.de/heibel_tickers/1750#ch02. Ich gehe auf den optimalen Rt-Wert von 0,75 und die folgenden Annahmen ein:

  • Gesundheitsämter können eine Kapazität von täglich 300 neu Infizierten bewältigen
  • Intensivkapazitäten in Deutschland als Flaschenhals betrachten
  • Impfstoff wird erst ab Herbst 2021 zu klinischen Tests der Phase II und III zugelassen
  • In der Studie gibt es keinen „Sommereffekt“ für das Virus
  • lineare Auswirkungen der Einschränkungen

Mein Fazit: So hat diese Studie in meinen Augen einen extrem wichtigen Beitrag zur öffentlichen Diskussion um die Lockerungsmaßnahmen geliefert, aber die Diskussion noch lange nicht zu einem Ergebnis geführt. Es ist zu hoffen, dass die Diskussion mit Hilfe dieser Studie an Sachlichkeit gewinnt.


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