Kommentar: Ist die Bundesliga noch Volkssport oder nur noch Kommerz?

In der abgelaufenen Woche wurde ein statistischer Meilenstein erreicht: Die jüngste Corona-Zählung in Deutschland hat erstmals ergeben, dass es hierzulande inzwischen mehr Corona-Experten gibt als Corona-Infizierte.

Ich weiß nicht, wie ich in diesem Zusammenhang auf die Bundesliga komme. Dort sitzen Millionen Trainer derzeit gelangweilt zu Hause auf dem Sofa. Aber das soll nun ein Ende haben: ab dem 16. Mai gibt es Geisterspiele. Ich befinde mich nun in Erklärungsnot, denn mein Sohn, ebenfalls begeisterter Fußballer, darf – anders als die Profis – noch nicht Fußball spielen, nicht einmal im Freien.

Zum Glück haben unzählige Fußballprofis, Trainer und Verantwortliche in der Vergangenheit immer wieder für Ereignisse gesorgt, aus deren Anlass ich die Vorbildfunktion des Profisports drastisch relativieren musste. Diesmal ziehen Politik und Sport gemeinsam an einem Strang.

Ist die Bundesliga nun ein für unsere Gesellschaft wichtiges Ereignis, das Menschen in Deutschland vereint? Dann sollte die Bundesliga endlich wieder kostenfrei ausgestrahlt werden. Oder ist es in erster Linie ein gewinnorientierter Wirtschaftsbetrieb? Dann sollte das Gelaber von „Vorbildfunktion“ endlich aufhören.

Wie wäre es, wenn die Bundesliga Regeln und Maßnahmen unterstützen würde, die es allen Fußballvereinen ermöglicht, ihren Betrieb wieder aufzunehmen? Das würde in meinen Augen den Begriff „Vorbildfunktion“ gut begründen. Draußen, da sind sich selbst Virologen inzwischen einig, findet keine nennenswerte Ansteckung statt.