Börsenanalyse: Zusammenhang zwischen Rentenzins und Aktienkurs

Sehr geehrter Herr Heibel,

vielen Dank erst mal für die Antwort auf meine Leserfrage. Ich bin kein Experte und kann daher nur meine Beobachtungen schildern; für eine Analyse fehlen mir einfach die Fachkenntnisse (und die Zeit, im Moment habe ich aber Urlaub).

Glücklicherweise bietet Yahoo – derzeit noch kostenlos – eine Finanzdatenbank mit simplen grafischen Tools. Ich habe damit eine Grafik erstellt, in der die Entwicklung des S&P 500 (^GSPC) und die Rendite der 10-jährigen T-Notes (^TNX) in den letzten fünf Jahren verglichen werden.

Daraus kann man m.E. folgende Schlüsse ziehen:

– Die Rendite steigt, wenn die Aktien steigen. Bei genauer Betrachtung erkennt man sogar einen Vorlauf der Staatsanleihen, was die Wendepunkte betrifft. Die Rendite hatte ihr Hoch im Sommer 2007, während die Aktien noch bis Oktober weiter gestiegen sind. Das Renditetief kam im Januar 2009, der Wendepunkt bei den Aktien erst im März. Deshalb habe ich großen Respekt vor der Prognosekraft des Rentenmarkts, deshalb hatte mich auch die zuletzt wieder fallende Rendite beunruhigt.

– Der annähernde Gleichlauf lässt sich mit wachsender Anlagebereitschaft in beiden Asset-Klassen (so Ihre These) oder mit Umschichtungsvorgängen erklären (so meine These: das Geld schwappt hin und her).

– Die Rendite ist während der letzten Hausse (2003 bis 2007) zweimal über fünf Prozent gestiegen (Sommer 2006 und 2007). Da die Rendite aktuell erst bei 3,85 % steht, scheint mir noch „Luft nach oben“ zu sein, was indirekt auch weiter steigende Aktienkurse impliziert.

Meine Leserfrage ist übrigens ein bisschen von den Ereignissen überrollt worden. In der letzten Woche hat sich ein „Renditesprung“ von 35 Basispunkten vollzogen, den ich als bullishes Signal für die Aktien sehe (die Umschichtung von Staatsanleihen in Aktien ist angelaufen). Jetzt ist meine Welt wieder in Ordnung.

tnx

Wenn man nur den Chart für die Rendite betrachtet, erkennt man, dass der Marke von 4 % sowohl als Widerstand als auch als Unterstützung große Bedeutung zukommt. Möglicherweise „platzt der Knoten“, wenn die Rendite auf 4 % Prozent steigt. Dann müsste die Umschichtung in Aktien richtig Fahrt aufnehmen. Steigt die Rendite allerdings zu hoch (über 5 %), werden zumindest einige Anleger wieder aus den Aktien herausgelockt. Was halten Sie von diesen Überlegungen?

Mit freundlichen Grüßen , Reimar aus Bonn

ANTWORT:

Ich finde Ihre Überlegungen sehr gut – bis auf dass die Prognosekraft leider im Nachhinein deutlicher sichtbar wird, als in Echtzeit. Wenn wir also nun retrospektiv erkennen, dass kurz vor den markanten Wendepunkten der Aktienbörse irgendwelche Wendepunkte am Rentenmarkt erfolgten, so sieht das aus heutiger Perspektive gut aus. Doch wenn Sie genau hinschauen, dann hätten auch die Wendepunkte am Rentenmarkt schon im Frühjahr 2005 und im Sommer 2006 erfolgen können. Der Boden hätte ebenfalls bereits im Frühjahr 2008 erreicht sein können.

Vielen Dank also für die Veranschaulichung der Abhängigkeit beider Märkte. Doch für Prognosen würde ich die Relation der beiden Verläufe nicht heranziehen. Viel besser gefällt mir Ihre Schlussfolgerung, dass der Rentenmarkt erst bei 5% überhitzt. Diese Marke verwende ich ebenfalls seit vielen Jahren als Warnung  für eine Kapitalverknappung und dadurch folgend ein baldiges Ende einer Aktienrallye.{weiter[40|9]}

Hi I'am Stephan Heibel

Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefs

http://www.heibel-ticker.de

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