Januar 2012



Vermögenssicherung

Vermögenssicherung

Lieber Herr Heibel,

mit einem Einsatz von 200 000,00€ im letzten Jahr musste ich einen Verlust von 20% verbuchen. Das führte zu meinem Entschluß, mein Abo bei Ihnen zu kündigen und meine Aktivitäten einzustellen. Nach reiflicher Überlegung würde ich beide Entscheidungen zurücknehmen. Dazu brauche ich Ihren Rat. Der Hauptgrund für die Verluste lag darin, daß der DAX aus politischen Gründen verrückt spielte. Das aber kann (und wird) in diesem Jahr wieder passieren. Wie kann ich mich mit Optionsscheinen, Turbos oder womit auch immer gegen solche Einschläge absichern und wie rechnet sich das? Wenn Sie mir da mit Ihrem Rat eine gangbare Perspektive aufzeigen könnten, wäre ich Ihnen sehr dankbar und würde weitermachen. Natürlich erwarte ich nicht, daß Sie mir bestimmte Papiere nennen. Nur was man machen könnte/müßte.

Mit lieben Grüßen, Herbert aus Hamburg

 

ANTWORT:

Wenn Sie fallende Kurse erwarten, würde ich ein paar Aktien verkaufen. Auf keinen Fall würde ich mit Optionsscheinen oder anderen abenteuerlich konstruierten Finanzprodukten (Turbos!) spekulieren, um meinen Depotwert abzusichern. Diese Instrumente sind für institutionelle Anleger, deren Hände für den Verkauf häufig gebunden sind (zu große Positionen!). Sie als Privatanleger unterliegen diesen Einschränkungen nicht, und wenn Ihnen ein Wert nicht gefällt, dann verkaufen sie ihn einfach.

Auch ich werde in diesem Jahr wohl das eine oder andere mal mit Optionsscheinen hantieren, doch nicht um das Depot abzusichern, sondern als spekulative, hochriskante Komponente im Portfolio und nur mit einem sehr kleinen Betrag. “Absicherung” kostet Geld und ist unterm Strich die Garantie dafür, dass Sie schlechter abschneiden werden als der DAX.

Meine “Absicherungsstrategie” besteht für das Jahr 2012 darin, dass ich wie angekündigt verstärkt Dividendentitel auswählen werde, also Aktien mit einer Dividendenrendite von mindestens 3,5%. Natürlich muss ich dabei analysieren, ob die Dividende auch nachhaltig vom Unternehmen gezahlt werden kann, das ist meine Aufgabe. Grundsätzlich werden diese Aktien in meinen Augen weniger stark ausverkauft und erholen sich anschließend schneller.

Auch werde ich wieder ein paar Unternehmensanleihen auswählen von Unternehmen, deren Rating von Ratingagenturen schlechter dargestellt wird als das von einigen Euroländern, deren Bilanz in meinen Augen jedoch deutlich besser aussieht. Insbesondere auf HeidelbergCement trifft das noch immer zu.

Grundsätzlich glaube ich, dass 2012 ein recht gutes Börsenjahr wird, da nun die Hilfsmechanismen greifen. Erst später, 2013 oder danach, könnten sich wieder Probleme auftun, die durch nicht sauber durchdachte Hilfsmaßnahmen erzeugt wurden. Doch in diesem Jahr erwarte ich erst einmal eine Beruhigung und daher eher steigende Kurse.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen ein paar Denkanstöße liefern und würde mich freuen, wenn Sie weiter an Bord des Heibel-Tickers bleiben :-)

Freundliche Grüße, Stephan Heibel

 

RÜCKFRAGE:

Lieber Herr Heibel,

Ihre Meinung über die Absicherung mit Optionsscheinen leuchtet mir ein, nimmt mir aber die eigene Akzeptanz zum Weitermachen. Auch wenn Sie eine gute Erwartung für dieses Jahr haben ( das hatten Sie Anfang letzten Jahres auch) ist ein ähnliches Katastrophenszenario nicht auszuschließen. Vielleicht könnte ich dem mit einem vernünftigen Stop/Loss System begegnen, aber ich habe davon keine Ahnung. Wo bekomme ich Informationen über z.B. Widerstände bei der Allianz oder anderer DAX Werte? Was halten Sie überhaupt von dieser Idee? Für Ihre freundliche Antwort danke ich, auch ich würde mich freuen, wenn ich einen Weg zum Weitermachen finden würde.

Liebe Grüße, Herbert aus Hamburg

 

ANTWORT:

Auch auf die Gefahr hin, dass ich Sie als Kunden nun tatsächlich verliere, so will ich Ihnen dennoch ehrlich antworten: Es gibt in diesen Zeiten in meinen Augen keine “sichere” Methode, sich gegen Verluste abzusichern, es sei denn Sie bleiben immer am Ball. Auch Stopp Loss Marken, die fest ins System eingegeben sind, finde ich nicht gut. Schauen Sie sich mal den Tagesverlauf vom 13. Mai 2010 an, den Tag des “Flash-Crashs”: Damals sind die Kurse binnen weniger Minuten um 10-15% eingebrochen, sämtliche Stopp Loss Aufträge wurden aktiviert und so entstand ein Angebot an Aktien, das so schnell vom Markt nicht aufgefangen werden konnte. Ausgelöst wurde der Flash Crash angeblich durch einen versehentlich eingetragenen großen Verkaufsauftrag, dessen Umsetzung und dadurch erzeugten kleinen Kursverluste die automatischen Handelssysteme dazu brachte, ihre Bestände auf den Markt zu werfen.

So ziemlich alle Stopp Loss Aufträge wurden an diesem Tag ausgeführt, meist zu Kursen mit einem Minus von 10-15%. Als Menschen diesen Vorfall bemerkten und entsprechend reagieren konnten (Kaufen!), stabilisierten sich die Kurse und am Abend betrug das Minus nur noch 2,x%. Das Resultat: Wer mit Stopp Loss Orders arbeitete verzeichnete nach diesem Tag einen heftigen Verlust.

Was ich stets tue, ist: Ich “merke mir Stopp Loss Marken vor”. Ich schaue also insbesondere in die Charttechnik und notiere mir die wichtigsten Marken, die mir auffallen. Wenn diese Marken erreicht werden, erhalte ich eine Benachrichtigung und kann mir die Situation anschauen. Meist trifft der Spruch zu: “Bei Erreichen: Streichen!” :-) Doch nicht selten leite ich daraus dann aber auch meine Handlung ab und kaufe nach oder verkaufe eben. Doch das ist dann eine Entscheidung, die ich in der entsprechenden Situation treffe.

Also: Stopp Loss Marken als Hinweis, sich mit der Aktie zu beschäftigen, finde ich gut. Stopp Loss Marken, die bei Ihrer Bank automatisch eine Order auslösen, finde ich gefährlich. Es bleibt also dabei, dass Sie am Ball bleiben müssen, tut mir leid. Eine andere erfolgsversprechende Vorgehensweise habe ich noch nicht entdeckt (suche natürlich händeringend danach, denn auch ich träume vom automatischen Reichtum). Doch derzeit halte ich meine Vorgehensweise für die Beste.

Alternativ müssen Sie die Gebühren für Fondsmanager oder Vermögensverwalter in Kauf nehmen, denen Sie Ihr Geld geben können. Oder Sie lassen das Anlegen am Wertpapiermarkt und nehmen in Kauf, dass Ihr Vermögen ein wenig durch die Inflationsrate aufgezehrt wird.

Wenn das Geld verdienen an der Börse so einfach wäre, würden es viel mehr machen und Deutschland bestünde nicht mehr aus vielen Ingenieuren sondern aus Spekulanten ;-)

Freundliche Grüße, Stephan Heibel

Über den AutorStephan Heibel ist Herausgeber des Börsenbriefes Heibel-Ticker, den Sie hier kostenfrei abonnieren können.

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Hallo Herr Heibel,

 

im neuen Focus Money (Nr.2) wird verraten, was die “Börsenstars” jetzt kaufen. Auffallend ist, dass “angesichts der ungewöhnlich großen Gefahr, dass es 2012 zu einer weltweiten Rezession kommt”(Mr. Dax, Dirk Müller) bzw. dass “die Welt längerfristig auf eine Hyperinflation zu steuert – “dank ” der Notenbanken, die immer ungehemmter Geld drucken” (Marc Faber), die Experten fast übereinstimmend empfehlen, 10 – 25 % des Portfolios in physischem Gold anzulegen. Für diese Anlageform habe ich derzeit noch Hemmungen. Mich sprechen da mehr Goldminen-Aktien an, die allem Anschein nach noch erheblichen Nachholbedarf haben. So tummeln sich im Carmignac Patrimoine Fond, der sich in 2011 relativ gut geschlagen hat, gleich drei Goldminenaktien unter den Top Ten dieses Fonds :

 

Newmont Mining  WKN 853823

Goldcorp

Kinross Gold     -  und in einem weiteren Fond (Carmignac Investissement)

Barrick Gold

 

Auf den ersten Blick würde ich als Laie davon für ein Neuinvestment unter charttechnischen Gesichtspunkten Newmont Mining favorisieren. Wie ist Ihre (unverbindliche) Meinung dazu?

 

Ihrer Nachricht sehe ich mit großem Interesse entgegen und verbleibe

mit freundlichen Grüßen, Ernst aus Heroldsberg

 

 

ANTWORT:

 

Besten Dank für die verständliche Darlegung Ihres Gedankengangs. Tut mir leid, wenn ich dennoch recht pauschal dagegen halte: Was glauben Sie, warum der Goldpreis schneller ansteigt als der Kurs von Goldminen? Weil das Finden und Abbauen von Gold beim aktuellen Preis nicht möglich ist. Minenbetreiber haben Probleme, die weltweite Nachfrage nach Gold zum aktuellen Kurs mit frisch gewonnenem Gold zu befriedigen. Sie müssen Tonnen von Erde umwälzen, um ein paar Gramm Gold zu gewinnen. Umweltorganisationen sind heutzutage bestens organisiert, und wenn sie ein neues Minenprojekt nicht verhindern, dann sorgen sie doch zumindest für exorbitant hohe Umweltstandards und somit Kosten.

 

Ich habe einen Goldfund in Alaska unter Beobachtung, es soll einmal die größte Goldmine der Welt werden. Seit mehreren Jahren erhalte ich regelmäßig Aufrufe von Organisationen, die mit immer wieder stichhaltigen Vorwürfen den Fortschritt des Projektes verhindern wollen. Mein Fazit: Es ist heute nicht möglich, Gold zu vertretbaren Kosten abzubauen. Die existierenden Goldminen können die Nachfrage nicht befriedigen.

 

Bei der Bewertung von Goldminen spielen noch eine ganze Reihe weiterer Faktoren eine Rolle: die politische Situation des Landes, in dem sich die Mine befindet, die Wetterbedingungen, die Rahmenbedingungen (Stromversorgung in Südafrika), die geologischen Bedingungen, der Organisationsgrad der Arbeitnehmer (Gewerkschaften), … viele Dinge, die mit dem Goldpreis nicht das Geringste zu tun haben.

 

Aktien von Goldminen gehören für mich eher zum Aktienmarkt als zum Goldpreis. Und am Aktienmarkt gibt es andere Unternehmen, deren geschäftliche Aussichten ich wesentlich besser beurteilen kann als die geologischen und politischen Rahmenbedingungen von Goldminen.

 

Wenn Sie also an einen weiter steigenden Goldpreis glauben, warum also nicht einfach in Gold investieren?

 

Also: Tut mir leid, dass ich zu den von Ihnen genannten Goldminen keine Meinung habe. Für mich gibt es Goldbarren, Goldmünzen, ggfls. ein paar Gold ETFs (Xetra Gold), und falls ich einen bevorstehenden Preissprung beim Gold erwarte, würde ich Aktien von Royal Gold kaufen, dessen Aktienkurs direkt am Goldpreis hängt und nicht am Fördererfolg der Minen.

Über den AutorStephan Heibel ist Herausgeber des Börsenbriefes Heibel-Ticker, den Sie hier kostenfrei abonnieren können.

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