Juli 2011



Die Quartalszahlen enttäuschten, aber auf den zweiten Blick wird ersichtlich, dass hierfür Sondereffekte verantwortlich waren, die sich m.E. auf lange Sicht positiv auf den Kurs auswirken werden.

 

Der Umsatz stieg wie erwartet um 2% auf 17,84 Mrd. Einen weiteren Umsatzanstieg habe der schwache US-Dollar verhindert.

 

Der Gewinn allerdings hat sich von 1,428 Mrd Euro auf 763 Mio Euro quasi halbiert. Grund hierfür sind einmalige Sondereffekte wie eine Strafzahlung an den französischen Atomkonzern Areva von 682 Mio. Euro, eine Entschädigungszahlung an die Rhön-Kliniken von 381 Mio Euro und Abschreibungen nach Verkauf der IT-Sparte SIS von 350 Mio. Euro.

 

Der Gewinn läge also ohne Sondereffekte bei 2,167 Mrd. Euro, was ein Plus von 52% bedeuten würde. Sobald sich die ersten Wogen geglättet haben, werden Anleger erkennen, dass die Zahlung dieser Altlasten dem Unternehmen gut tun wird.

 

Allerdings ist auch auf der Auftragsseite ein Sondereffekt nicht von der Hand zu weisen. Das Plus von 20% ist zu großen Teilen der Bestellung von 300 neuen Zügen durch die Deutsche Bahn geschuldet, und so sprach CEO Löscher auch von sich eintrübenden Wachstumsaussichten. Dennoch will er die Ziele für das im September endende Geschäftsjahr erreichen.

 

Die Aktie ist mit einem KGV 2011e von 11 günstig bewertet. Nach Begleichung der Sonderzahlungen hat das Unternehmen so gut wie keine Schulden mehr. Ein überdurchschnittliches Gewinnwachstum von 75% in diesem Jahr wird erwartet, ebenso eine Dividendenrendite von 3,5%. Besonderes Augenmerk ist auf die Auftragsseite zu legen. Ich werde genau beobachten, ob Siemens auch nach Auslaufen der Konjunkturprogramme aus der Finanzkrise und bei eventueller Konjunktureintrübung hier Steigerungsraten erzielen kann.

Über den AutorStephan Heibel ist Herausgeber des Börsenbriefes Heibel-Ticker, den Sie hier kostenfrei abonnieren können.

Kategorie(n) Börsenbrief - Leserfragen
Artikel-Info: Permalink | Trackback | RSS 2.0 für Kommentare
 

 

Hallo Herr Heibel,

vielen Dank für die wertvolle Information zur Italienkrise. Mich würde interessieren, ob es nur die Gerüchte sind zusammen mit den Leerkäufen und CDS. Welche Rolle spielen die Ratingagenturen? War es nicht so, dass in der Finanzkrise eine der Ratingagenturen (Moodys?) behauptet hat, dass die Super-Bewertung der Immobilienderivate ein Rechenfehler des Computerprogramms war? Werden die Ratingagenturen durch die Finanzspekulationen zu ihrer Herabstufung gezwungen, oder treten sie diese los, oder war die Herabstufung ein unabhängiges Ereignis. Sind die Ratingagenturen eigentlich neutral oder können sie von Interessengruppen beeinflusst werden, bestimmte Aussagen zu machen, die den Finanzmarkt dann so oder so bewegen? Vielleicht können Sie das Thema in Ihrem nächsten Ticker einmal beleuchten.

Viele Grüße, Jochen aus Windeby

ANTWORT:

Hui, das ist ja eine ganze Liste von Fragen – die Antworten sind nicht leicht und sicherlich nicht eindeutig sondern spiegeln nur meine Meinung wider. Ich denke, der Kern Ihrer Fragen ist: Folgen die Ratingagenturen den Geschehnissen oder machen sie die Geschehnisse?

Die Antwort darauf ist eindeutig: Ratingagenturen warten nicht mehr bis “nach” der Finanzkrise, bis sie die entsprechenden Banken abwerten, sondern stufen nun die Länder “mitten in der Krise” ab. Von einer guten Ratingagentur hätte ich erwartet, dass sie vor zwei Jahren auf die aufkeimenden Probleme hingewiesen hätte.  Das ist nicht geschehen und die Aufgabe der Ratingagenturen bleibt aus diesem Grund in meinen Augen höchst fragwürdig. Wie oft haben Sie mich schon im Heibel-Ticker in den letzten 10 Jahren argumentieren sehen, dass die Ratingagenturen ein bestimmtes Urteil gefällt hätten…? Ich glaube höchstens am Rande ein- oder zweimal.  Für meine Analysen sind deren Einschätzungen unbedeutend.

In der Finanzkrise hat man die Ratingagenturen zum Buhmann gemacht, sie hätten zu spät auf die Probleme aufmerksam gemacht. Die eine oder andere Bank ist insolvent gegangen und trug noch immer eine sehr hohe Bonitätseinstufung verschiedener Ratingagenturen. Damit dies nun nicht mit den Ländern passiert sind die Ratingagenturen erpicht, Wackelkandidaten schnell abzustufen. Wer soll es ihnen verübeln?

Ja, es gibt Leerverkäufe und Spekulationen in Kreditausfallversicherungen für Griechenland, Portugal, Irland, Italien, (Belgien, Spanien, …?) und diese Spekulationen erzeugen keine Schieflage der Staatsfinanzen, sie decken sie jedoch gnadenlos auf, so dass eine seichte Korrektur kaum mehr möglich ist. Italien muss sich nun wirklich beeilen mit einem überzeugenden Sparprogramm, um den Spekulanten den Nährboden zu entziehen. Italien ist derzeit noch solide Finanziert, hat lang laufende Kredite und dadurch wenig Refinanzierungsbedarf. Aber die Höhe der Staatsschulden (120% des BIP) ist kritisch und daher muss das Land kräftig sparen. Anders als in Griechenland kann dies in Italien meines Erachtens noch funktionieren.

Erst nach diesen Ereignissen können wir also nun betrachten, ob die Herabstufungen durch die Spekulanten erzeugt werden oder nicht. Ich denke, die Herabstufungen werden beschleunigt. Und ohne die Beschleunigung (das Aufdecken der Schieflage) hätte das Land noch die Möglichkeit gehabt, sich zu günstigen Zinsen zu refinanzieren sowie ein Sparprogramm aufzulegen und die Schieflage damit zu mildern. Diese Gnadenfrist wird durch die Spekulanten weggenommen und das kann man ihnen zum Vorwurf machen.

Über den AutorStephan Heibel ist Herausgeber des Börsenbriefes Heibel-Ticker, den Sie hier kostenfrei abonnieren können.

Kategorie(n) Börsenbrief - Leserfragen
Artikel-Info: Permalink | Trackback | RSS 2.0 für Kommentare