ich bin momentan dabei, mein Depot etwas umzustrukturieren und dabei auf der Suche nach einem passenden (konservativen) Pharmatitel.
Da ein Familienmitglied bei Abbott arbeitet, habe ich mir das Unternehmen einmal genauer angesehen.
Das 2011er KGV liegt bei 10,28 und die Dividendenrendite (Quartalsdividende) liegt bei 4,02% (die Dividende wurde in den letzen Jahren kontinuierlich gesteigert). Was halten Sie von dem Unternehmen?
In Ihrer Ausgabe vom 16.04.2010 haben Sie Abbott sowie Teva erwähnt und wollten sich Abbott einmal genauer anschauen. Was waren Ihre Beweggründe, um sich für Teva zu entschieden und nicht für Abbott? Teva besitzt ein ähnliches KGV, aber eine geringere Dividendenrendite. Der Kurs von Abbott ist aktuell bei ca. 34€ und war 1998 zum letzen Mal unter 30€. Seither verläuft der Kurs in einer Seitwärtsbewegung und gibt somit “Stabilität” im Depot…
Welche Pharmatitel (außer Teva) halten Sie momentan für kaufenswert, um ein Portfolio mit einem defensiven Wert anzureichern?
Vielen Dank, mit freundlichen Grüßen, Steffen aus Ranschbach
6-Monatschart Teva ANTWORT:
Abbott war und ist noch ein gutes Pharmaunternehmen, allerdings halte ich die gesellschaftlichen Entwicklungen für nicht mehr so förderlich für die Pharmaindustrie: Die Verdienstmöglichkeiten, der Patentschutz etc. werden angegriffen, um Medikamente günstiger zu machen. Und da war Teva mit dem starken Standbein bei generischen Produkten in meinen Augen besser.
Inzwischen denke ich jedoch, dass der Markt in den nächsten Monaten ein Bullenmarkt bleiben wird und sowohl Abbott als auch Teva und andere Pharmawerte werden es schwer haben, sich gegen Wachstumsaktien durchzusetzen. Tendentiell bin ich also am überlegen, ob ich nicht sogar auch Teva aus dem Portfolio entferne. Stabilität habe ich stattdessen eher durch die hoch verzinsten Unternehmensanleihen erreicht.
In unserer Ausgabe 5 vom 4.2.2011 berichtete ich im kostenpflichtigen Teil im Rahmen der Besprechung der monatlichen Veränderungen an den Börsen folgendes:
„Die Volatilität (VDAX) hat Tiefstwerte erreicht, schon eine Seitwärtsbewegung würde die Volatilität wieder ansteigen lassen und würde somit zu einer vorteilhaften Entwicklung an den Optionsmärkten führen (die Volatilität ist eine wesentliche Größe bei der Ermittlung des fairen Optionspreises). MDAX und TecDAX haben den letzten Ausbruch nicht nachvollzogen, was meine Skepsis untermauert: Die Rallye wird nicht mehr von der Masse getragen, sondern nur noch von einigen wenigen Blue Chips.“
Hieraus ergab sich folgende interessante Leserfrage:
Sehr geehrter Herr Heibel,
ein sehr interessanter Newsletter wieder einmal!!
Wie genau fließt die Volatilität in den Optionspreis mit ein? Kann man das allgemein sagen, oder ist das von Emittent zu Emittent unterschiedlich? Und geht es dabei nur um die gesamte Markt-Volatilität (V-Dax), oder auch um die Volatilität des jeweiligen Basiswertes?
In der jetzigen Situation würde das ja u.a. heißen, dass bei einem Kurssturz der Optionsschein nur unterproportional verlieren würde, da er dabei durch die steigende Volatilität zulegt…?
Wie kann es denn sein, dass der V-Dax relativ niedrig steht, wo wir doch solche Kursschwankungen erst kürzlich hatten:
27.01.2011: Hoch bei 7087,84
19.01.2011: Tief bei 6973,39 (Schwankung; 206,76 bzw. 3,0% vom Dezember Schlusskurs)
Solche Schwankungen sollten die Volatilität doch enorm erhöhen? Oder geht die Volatilität auch umgehend wieder zurück, wenn der DAX erst 3% fällt und anschließend wieder um 3% steigt? Genau das sollte die Volatilität doch steigern, oder nicht?
Vielen Dank für Ihre genaueren Erklärungen, wie wichtig die Volatilität im Bezug auf Optionen ist und wie sich diese genau im Options-Preis bemerkbar macht.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntagabend!
Freundliche Grüße, Andreas aus Singen
ANTWORT:
Auf heibel-ticker.de unter Downloads können Sie eine von mir erstellte Excel-Tabelle mit der Berechnungsformel für einen “fairen” Optionspreis herunterladen. Wenn Sie die Werte eines Optionsscheins eingeben und sodann mit der Volatilität spielen, können Sie die Wirkung beobachten.
Ich habe die Black-Scholes-Formel verwendet, die Grundlage für so ziemlich alle Emittenten für die Berechnung des Preises ist. Jeder Emittent modifiziert diese Formel jedoch nach der eigenen Überzeugung an ein paar Stellschrauben, so dass es immer wieder zu kleinen Unterschieden kommt.
Es wird die Volatilität des entsprechenden Basiswertes berücksichtigt, nicht die vom DAX.
Der VDAX errechnet sich über einen Zeitraum von 45 Tagen. Ausschläge in eine Richtung führen zu einer steigenden Volatilität. Ein Schwanken um einen Wert, wie im Dez & Jan um 7.000 Punkte, führt zu einer niedrigen Volatilität. 3% Schwankung ist in meinen Augen auch nicht sonderlich viel, da kenne ich Schlimmeres
21.1.11
Ich habe mich diese Woche auch mit einer Griechenlandanleihe auseinandergesetzt. Für eine Empfehlung hat es nicht gereicht, zu unsicher ist mir der Staat als Schuldner und die EU in ihrer Struktur. Doch die kurzfristige Betrachtung bis Mitte 2012, die mir ein Leser näher brachte, hat einiges für sich. Bilden Sie sich Ihre eigene Meinung:
FRAGE:
Hallo Herr Heibel,
kurze Frage an den Profi:
Halten Sie die Griechenlandanleihe (WKN A0LN5U, ISIN GR0114020457, Kurs 90,20%, Rendite 11,3%) ebenfalls, wie der Markt ja offensichtlich, für ausfallgefährdet?
Meines Erachtens sprechen das Griechenlandpaket und der Europäische Schutzschirm gegen einen Ausfall! Die Anleihe endet bereits in 2012, die Schirme schützen bis min. 2013?
Sind die Abschläge dennoch zu recht aufgrund des Risikos? Mich interessiert nur Ihre Meinung, diese soll keine Kauf- oder Verkaufsentscheidung darstellen.
Vielen Dank. Mit freundlichen Grüßen, Dirk aus London
ANTWORT:
Ihr Argument finde ich gut. Egal wie turbulent es im Rest der EU wird, Griechenland scheint mir bis 2013 “durchfinanziert”. Dennoch werde ich die Anleihe nicht empfehlen – eine Streckung der Rückzahlung wird derzeit diskutiert und würde die Rendite schmälern (siehe folgenden Handelsblattartikel:
http://www.handelsblatt.com/;2733592
Reaktion des Kunden:
Danke für die Meinung Herr Heibel,
für mich stellt sich die Frage, ob das rechtlich so einfach möglich ist, einen Vertrag einseitig zu ändern, zu verlängern.
Umschuldung bedeutet für mich im klassischen Sinne, alte Schulden durch Aufnahme neuer Schulden zu bedienen.
Einen Haircut halte ich angesichts der Zusagen für ausgeschlossen, da die europäische Bankenlandschaft, wenn nicht auch andere Länder (China, Japan, EU), aufgrund des Gläubigerstatuses deutlich Verluste erleiden würden.
Ein Auseinanderbrechen der EU halte ich ebenfalls für unwahrscheinlich (in diesem Zeitraum) – da wäre Lehmann und HRE ein lauer Wind dagegen gewesen.
Ein Austritt von Griechenland aus der EU – unwahrscheinlich – EU ist die einzige Rettung, ansonsten hätte man damals nicht die Werte gefälscht.
Nichteinhaltung der EU – Finanzierungszusage: Für die Reputation der EU unmöglich, da braucht man in den nächsten Dekaden keine Anleihen, Zusagen etc. platzieren, machen.
Schließlich wollte man ja ein Gegengewicht ggü. der FED konstruieren.
Die gesamte politische Diskussion geht – bei allen Drohkulissen und nationalen Interessen – m. E. um die Frage, was kommt nach 2013, wenn beide Rettungsschirme auslaufen.
Aufgrund der vorschnellen Zusage in der Krise, sind viele Fehler begangen worden, u. a. die Pauschalzusage, Griechenland zu stützen, zu schützen… das wird jetzt erst sichtbar und man will es korrigieren.
Sicherlich wäre es ggfs. richtig, jeden Inhaber daran zu beteiligen, doch will man das wirklich? Selbst Dtl. mit den Versicherungsriesen, Banken etc.?
Auch bei der HRE wäre es doch richtiger gewesen, diese fallen zu lassen oder? Die Hypotheken waren abgesichert, der Markt wäre für kurze Zeit ausgetrocknet, die Produkte waren nach wie vor werthaltig…
Fazit:
Ich gehe mit Ihnen konform, das größte Risiko ist eine Verlängerung der Anleihenrückzahlung.
Haben Sie Erfahrungswerte für ein solches Szenario? Mir als Laie fällt nur Argentinien ein, die grundsätzlich ihre Anleihen überhaupt nicht bedient haben! … und jetzt dies bereuen, da man wieder den Anleihenmarkt anzapfen will.
Dennoch Danke für Ihre Mühe…
LG, Dirk aus London
Fazit Ihres Autors: Klingt alles sehr interessant, plausibel und lukrativ. Doch ich möchte nicht mit oder gegen Staaten oder die EU spekulieren, ich halte die Politik für unberechenbar.
27.1.11
Der griechische Finanzminister Papaconstantinou denkt in Davos laut über einen möglichen vorzeitigen Rückkauf bestimmter Staatsschulden, die sich in privater Hand befinden, nach. Die 11% Rendite, die ich Ihnen vergangene Woche im Heibel-Ticker vorgerechnet habe, ist wohl auch für die Griechen zu lukrativ, da würden sie gerne selber zugreifen.
Finanzieren wollen sie dies natürlich nicht mit eigenem Geld, davon haben sie ja keins, sondern mit weiteren EU-Krediten.
Hmmm, gibt da nun die EU zu bedenken, wenn der Markt die Anleihen so günstig bepreist, dass sie sich mit 11% verzinsen würden, warum kaufen wir sie dann nicht selbst ein und lassen uns die 11% von den Griechen zahlen?
Wundern Sie sich also nicht, wenn einige Staatsanleihen der Griechen vorzeitig zu einem aktuell recht günstigen Kurs gekauft werden und die EU-Verschuldung im Gegenzug weiter ansteigt. Irre, diese Überlegung! Allein dass diese Diskussion stattfindet, zeigt das fehlende Verständnis der Politik für die Finanzmärkte…
…und bestärkt mich darin, trotz lukrativer Rendite diesen Markt links liegen zu lassen.
2.2.11
Hallo Herr Heibel,
mit Interesse warte ich immer schon gespannt auf Ihren Ticker. O.k., ich habe nur die kostenlose Ausgabe. Dennoch habe ich eine Frage zu den Griechenland-Anleihen, die bestimmt auch andere Leser interessiert.
Sie schreiben: Griechenland will eigene Staatsanleihen zum günstigen Kurs kaufen.
Wenn die Laufzeit vor 2013 endet, ist die Anleihe über den Rettungsfond gesichert. Das heißt, ich bekomme auf jeden Fall, falls die Stückelung 100 Euro war, diese 100 Euro am Ende der Laufzeit. Entweder weil Griechenland die Anleihe zurückzahlt, oder weil im Falle einer Pleite der Rettungsfond einspringt.
Warum also sollte ich meine Anleihe unter diesem Kurs verkaufen. Auch und gerade große Fonds werden das wissen.
Wie also will Griechenland seine Anleihen zum günstigen Preis zurück- kaufen? Es muss ja Verkäufer geben. Oder gibt es ein Gesetz, dass Griechenland mich zwingen kann diese Anleihen zum Tageskurs abzugeben?
Mit freundlichen Grüßen, Ellen aus Mühltal
ANTWORT:
Die betreffende Anleihe (WKN A0LN5U) notiert derzeit bei 90,47%. Griechenland könnte den Inhabern anbieten, die Anleihe zu 92% zurückzu- kaufen – freiwillig. Das würde den Anlegern Sicherheit geben, das Geld zu erhalten (Politische Entscheidungen sind niemals 100%ig sicher) und Griechenland könnte diesen Rückkauf mit einem günstiger verzinsten Kredit des IWF oder der EU finanzieren.
nur eine Frage, ich habe ja da keine Ahnung, ob das relevant ist, aber könnte es sein, dass Micron in diesem Bereich eine neuere Technologie an den Markt bringt, oder hat RAID überhaupt nichts mit SSD zu tun?
6- Monatschart Micron Technology Inc
Erfolg durch schnelle SSD-Festplatten: Micron
Durch einen preislichen Durchbruch bei Solid-State-Discs, also Festplatten in Flash-Speichertechnik, habe in den vergangenen Tagen der US-amerikanische Speicherhersteller Micron Technology ( WKN 869020 ) Schlagzeilen gemacht. ‘Vor ein paar Jahren bedeutete der Einbau einer SSD noch einen Aufpreis von 1.000 Euro’, weiß Stadler, ‘heute macht das noch einen Unterschied von 150 Euro aus.’ Die Nachfrage nach der schnelleren Technik sei jetzt schon gut und werde sich weiter stabilisieren. Die Anleger hielten das für den richtigen Weg. Sie bescherten der Aktie heute einen Kurssprung um 7 Prozent auf 7,15 Euro.
Freundliche Grüße, Peter aus Frankfurt am Main
ANTWORT:
Sandisk produziert überwiegend SSD-Speicher. Mircon produziert überwiegend Arbeitsspeicher, also DRAMs und deren verschiedene Ausführungen und seit kurzem “auch” SSDs. Auch DRAMs erfahren durch die vielen kleinen Geräte einen kräftigen Nachfrageschub, sind aber wesentlich leichter zu produzieren und unterliegen daher einem größeren Margendruck. Micron versucht in meinen Augen, das Geschäft auf den lukrativeren SSD-Markt auszuweiten. Wenn Sie aber einen puren Vertreter von SSDs wollen, dann ist Sandisk die bessere Wahl.