können Sie mir bitte Ihre Einschätzung zur Nordex Aktie geben. Bin mit dieser Aktie, die ich in größerer Stückzahl vor einem Jahr zu einem Durchschnittspreis von 11€ erworben habe sehr unglücklich. Mache mir z.Zt. Gedanken, ob ich aus steuerlichen Gründen die Position (1000 Stück) zum Jahresende auflöse und mit den erzielten Aktiengewinnen, diese sind niedriger als der Verlust, in 2010 verrechne.
Recht vielen Dank für Ihre Bemühungen.
Liebe Grüße, Willi aus München
6-Monatschart Nordex ANTWORT:
Ich halte nicht viel von Nordex: In Deutschland werden die Atomkraftwerke länger am Netz gelassen, die Förderung der erneuerbaren Energien wird immer neu diskutiert. Konkurrenz kommt inzwischen auch von asiatischen Firmen, die ähnlich gute Windräder bauen können und damit den Kostendruck erhöhen. Derzeit sehe ich da mehr Probleme als Chancen.
nachdem Sie vereinzelt auch Anleihen empfehlen, wäre es sicherlich interessant, Ihre Meinung und Ihren Rat zur neuen Bondm-Reihe der Börse Stuttgart und insbesondere zur anstehenden Anleihe von Solarwatt AG zu erfahren.
Dank und herzliche Grüße, Wolfgang aus Eltville im Rheingau
ANTWORT:
Es ist für mich weniger ein Qualitätsmerkmal, wo das Papier später notiert wird. Vielmehr schaue ich mir den Emittenten genau an. Bei der Solarwatt AG habe ich eine Reihe von vertrauenserweckenden Informationen gefunden, so dass ich diese Anleihe für attraktiv halte. Das Unternehmen ist leider nicht börsennotiert, so dass ich kaum detailliertes Research darüber gefunden habe, meine Einschätzung kann also nur ein oberflächlicher Eindruck sein.
ich hatte Sie neulich wegen Lieferanten für Tiefseebohrinseln angeschrieben, Sie wollten Transocean analysieren -ich warte drauf. Gibt es nicht auch andere, z.B. Seadrill, Keppler usw?
Es gibt Berichte, wonach mehrere hundert, wenn nicht tausend “abgeschlossene” Bohrlöcher nunmehr (Deephorizon bedingt) nachgesichert werden und nicht mehr aktive Bohrinsel demontiert und “entsorgt” werden müssen. Kurz bis mittelfristig sollte es hier vernünftiges Potential geben.
Wie beurteilen Sie dieses Potential und ggf, welche Unternehmen würden hier profitieren.
Für Ihre Infos wäre ich sehr dankbar.
Freundliche Grüße, Avtar
6-Monatschart Transocean ANTWORT:
TRANSOCEAN
Die Aktie ist Ende September über ihren Widerstand bei 60 US-Dollar gesprungen, Techniker erwarten nun einen Anstieg des Aktienkurses bis auf 80 USD. Aktuell konsolidiert die Aktie den Sprung und notiert bei 62 USD. Also reichlich Potential, wenn Sie den Technikern glauben.
Mit 11,5 Mrd. USD Schulden bei einem Jahresumsatz von 10,7 Mrd. USD hat Transocean nicht unbedingt viel finanziellen Spielraum, um eventuell erforderliche Sicherheitsmaßnahmen der Zukunft umzusetzen. Natürlich wird das Unternehmen etwaige erhöhte Kosten für Sicherheitsanforderungen an die Auftraggeber, also die Ölkonzerne, abwälzen können, doch die enge Kapitaldecke finde ich nicht gerade beruhigend.
Daher ist Transocean für mich ggfls. eine kurzfristige Spekulation auf eine Besserung hinsichtlich der Ungewissheit über künftige Tiefseebohrungen. Mit einem KGV von nur 7 ist das Bewertungsniveau sehr günstig und eine Verbesserung der Geschäftsaussichten in Folge der Einbrüche durch die BP-Katastrophe konnte den Kurs sehr schnell deutlich höher katapultieren. Doch auf der anderen Seite ist die Kapitaldecke von Transocean sehr dünn, und daher darf auch nichts schief gehen, andernfalls würde die Aktie erneut kräftig einbrechen. Also: Eine sehr spekulative Aktie, zu spekulativ für meinen Geschmack.
6-Monatschart Seadrill
Für Seadrill sieht die Situation sehr ähnlich aus: Der Verschuldungsgrad ist noch höher, der freie Cashflow ist negativ und das Bewertungsniveau in Folge dessen sehr niedrig. Zu Keppler finde ich keine Aktie.
Sie wollen also darauf spekulieren, dass künftig wieder verstärkt nach Öl in der Tiefsee gebohrt wird und dass die Tiefseebohrer nachgefragt werden. Vor dem Hintergrund der extrem niedrigen Bewertungen von Transocean und Seadrill kann ich Ihre Idee nachvollziehen. Insbesondere das Unglück von BP in der Karibik zeigt letztlich ja, wie wichtig es ist, an den Bohrinseln eben nicht zu sparen und da es heute schon schwer ist, die passenden Bohrinseln zu finden, ist davon auszugehen, dass Transocean und Seadrill von den Ölkonzernen ausreichend gestützt werden, damit überhaupt die Bohrvorhaben umgesetzt werden können.
Tja, es ist Ihre Entscheidung. Ich empfinde das Risiko als zu hoch. Auf der anderen Seite winken kräftige Kursgewinne, wenn sich Ihre Hoffnung erfüllen sollte.
Na, wer hätte das geglaubt: Mit einem Kurs unter einem Euro und vor zwei Jahren quasi tot gesagt, schwang Infineon sich wie Phönix aus der Asche nach oben. Heute bietet das Unternehmen spezielle Chips für den Maschinenbau und die Autoindustrie an. Es hat sich einen Wettbewerbsvorteil gegenüber dem US-Markt durch das deutsche Ingenieurswissen erkämpft – der Kurs hat sich mittlerweile verfünffacht.
6-Monatschart Infineon Die Kasse ist prall gefüllt, nachdem das Unternehmen vor nicht allzu langer Zeit seine Mobilfunkchipsparte an Intel verkaufte. Das Hauptaugenmerk ist nunmehr auf Profitabilität gerichtet. Bei weiter steigendem Gewinn soll das KGV laut Schätzungen von 14 auf 12 fallen. Wir können gespannt sein, wie die 2 Mrd. Euro aus der Barkasse eingesetzt werden. Da wir nicht wissen, ob es Aktienrückkäufe, Unternehmenszukäufe oder andere Investitionen, wie auch evtl. die Zahlung einer Sonderdividende sein werden, sehe ich momentan Infineon höchstens als spekulative Position.
in meinem Depot befinden sich die beiden Immobilienfonds SEB ImmoInvest (WKN 980230) und KANAM Grundinvest (WKN 679180). Beide Fonds sind momentan geschlossen, werden an der Börse jedoch noch gehandelt, allerdings mit teils erheblichen Abschlägen. Ich denke gerade über eine Aufstockung nach. Würden Sie hier eher noch abwarten oder jetzt einsteigen?
Ich bin seit Jahren ein sehr zufriedener Kunde und würde mich über eine Antwort freuen.
Mit freundlichem Gruß, Manfred aus Erlangen
ANTWORT:
6-Monatschart SEB ImmoInvest Der SEB ImmoInvest führt überwiegend Büroimmobilien im Bestand, 43% davon in Deutschland und je etwa 10% in Frankreich, Holland und Italien. Neben den USA mit 8,4% finde ich keine Krisenländer im Portfolio, also weder Spanien, noch Irland oder Großbritannien. Die Preisentwicklung ist sehr stabil und vertrauenserweckend.
In der Tat ist der Ausgabeaufschlag mit 2,625% recht hoch, da der Kurs etwa ein Jahr brauchen wird, um dies wieder auszugleichen. Hinzu kommt dann noch die Managementgebühr (0,6%). Wenn Sie einen Teil Ihres Vermögens parken möchten, dann sieht mir dies hier recht sicher aus. Hier erhalten Sie wenig Volatilität für wenig Rendite.
6-Monatschart Kanam Grundinvest Der Kanam Grundinvest Fonds hingegen hält 43% seiner Gewerbeimmobilien in Frankreich, dann aber schon 17,7% in England und weitere 10,4% in den USA. Eine Immobilienkrise in den USA wird zwar schon seit Jahren heraufbeschworen und bleibt bislang aus, doch vor dem Hintergrund der meines Erachtens schwachen Konjunkturerwartung für die USA würde es mich wundern, wenn dort überproportionale Renditen aus Gewerbeimmobilien erzielt werden können. Mir gefällt der SEB ImmoInvest besser. Hinzu kommt, dass beim Kanam Grundinvest sowohl der Ausgabeaufschlag (5,5%) als auch die Managementgebühr (0,69%) höher ist.
in Ihrem Artikel verwenden Sie zum Apple-Absturz den Begriff “Flash-Crash”. Vermutlich wissen Sie, dass dies in diesem Falle doppelsinnig verstanden werden kann.
Die zweite Bedeutung: iGod Jobs verweigert sich der Flash-Technologie, die zumindest bei den restlichen 97% der Computernutzer für ansprechende Präsentationen im Web sorgt. Die Gründe für diese Verweigerung sind nicht unbedingt nachvollziehbar. Der Konflikt Jobs< >Adobe verärgert und verunsichert die Programmierer und Nutzer.
Nur um den Hintergrund meiner Ausführungen klarzustellen: Ich arbeite (noch) mit Apple-Geräten.
Doch inzwischen gibt es, was Apple angeht, immer mehr dicke Fragezeichen:
* Warum gibt es für das iPad keine gängigen Schnittstellen zu Druckern
etc.?
* Warum können die MacBooks nicht mit BluRay ausgestattet werden?
* Wieso ist die Software von iPads nicht 100%ig mit anderen Apple-Rechnern
kompatibel?
* Warum verbaut Apple für teures Geld im Schadensfall Gebrauchtschrott,
vornehmer formuliert “Refurbish”-Teile?
* Wieso gibt es für die Apple-Software (Pages, Keynote etc.) keinen Player
oder Projektor?
* Warum gibt es die ehemals hervorragenden Profi-Displays nicht mehr –
statt dessen selbstleuchtende Schminkspiegel ohne Angaben zur
Farbkalibrierung?
* Notebooks ohne Wechsel-Akkus – ist das noch “mobile computing”
* Wo bleiben die auf PC-Seite längst verbreiteten schnellen Schnittstellen
wie eSata und USB 3.0?
* Warum gibt es vor dem Kauf keine klaren Aussagen zu den verbauten
Bauteilen, z.B. die SSDs?
STOPPPP – ich könnte die Liste noch um einige Punkte verlängern.
Vielleicht fällt noch mehr Nutzern auf, dass sich Apple mehr und mehr zu einem autistischen Nobelzirkel entwickelt, der sich von der Welt abschottet und nur gegen “Mitgliedsbeitrag” Zutritt gewährt.
Apple präsentiert sich brillant, doch die Widersprüche und Ungereimtheiten in der Produkt- und Geschäftspolitik sind nicht zu leugnen. Vielleicht fällt das noch anderen Apple-Nutzern auf. Vielleicht auch ein Grund für den Flash-Crash.
Sicher – Apple macht vermutlich mehr Geld mit iTunes und den verbundenen Geräten als mit den Computern – die Zahlen dazu kennen Sie sicher sehr viel besser als ich. Doch ich kann mir gut vorstellen, dass die oben angeführten Widersprüchlichkeiten das Image des einstmals innovativen Unternehmens heftig zerkratzen.
Mit den besten Wünschen, Jürgen
6-Monatschart Apple
ANTWORT:
Herzlichen Dank für Ihre Argumentationsliste. Ja, auch ich könnte diese Liste noch ein wenig fortführen. Hauptkritik hinter Ihren Punkten ist wohl die fehlende Kompatibilität / Offenheit der Apple-Welt, die zunehmend den Unmut der Entwickler hervorruft. Ich liefere Ihnen zwei Antworten:
Option 1: Weil Apple inzwischen die Marktmacht hat, durch sein geschlossenes System Wettbewerber fern zu halten und somit die eigene Gewinnmarge beliebig steigern kann.
Option 2: Weil Apple als oberstes Ziel die einfache Bedienung ausgegeben hat und da wird eben vieles weggelassen, was zu Problemen führen könnte.
Ich denke, selbst Steve Jobs wird häufig zwischen diesen beiden Antworten schwanken. Bei Flash hat er inzwischen eingelenkt, um die Kartellbehörde zu beruhigen. Bei dem fehlenden Druckeranschluss wird er Option 2 wählen.
Unterm Strich bleibt neben all der Kritik vor allem eines: Apples Geräte laufen runder, problemloser und sich leichter zu bedienen als die der Konkurrenz. So überlege ich derzeit, meine Mutter mit einem iPad auszustatten anstelle des von ihr gewünschten Netbooks. Ich verspreche mir dadurch weniger entnervte Problemanrufe. Und so wird Apple seine Position trotz oder gerade wegen des geschlossenen Systems noch eine Weile behaupten können.