August 2010



So, nun haben wir den Salat: General Motors geht zurück an die Börse. Ein 500-seitiger Zulassungsprospekt informiert umfassend über die Vergangenheit und die Zukunftspläne des einstigen Giganten. Was Sie darin allerdings nicht finden, ist die Erklärung für den in meinen Augen viel zu frühen Zeitpunkt. Außerdem verwundert es, dass der IPO durch die allzu verhassten Banken durchgeführt wird, anstatt dem Beispiel Googles zu folgen und eine holländische Auktion, in der die Aktien meistbietend versteigert werden, abzuhalten. Ich denke, Obama hat von dieser Möglichkeit wohl noch nie was gehört, denn ansonsten würde er dieses lukrative Geschäft an den Emmissionsbanken vorbeiführen.

Auch sehe ich den Grund für den frühen IPO in Obamas Situation: Er steht zeitlich unter Druck und möchte noch vor den Novemberwahlen die Rettung von GM als persönlichen Erfolg verbuchen, bei dem die Banken zudem noch sehr gut verdient haben. GM allerdings hat gerade erstmals wieder gute Ergebnisse veröffentlicht. Den richtigen Zeitpunkt für einen Börsengang sehe ich aber erst nach mindestens vier profitablen Quartalsergebnissen. Nun steht uns mit einem zweistelligen Milliardenvolumen einer der größten IPOs in der Geschichte bevor.

Ich gehe davon aus, dass die Emmissionsbanken an der Wallstreet den Löwenanteil einstreichen und die Kleinanleger leer ausgehen werden. Ich fürchte, dass die US-Regierung, die derzeit 6% der GM-Anteile hält, einen kräftigen Kursabschlag für den viel zu frühen IPO akzeptieren muss.

Wenn ich also auf den GM-Börsengang angesprochen werde, sage ich, dass er aus politischen Gründen (Novemberwahlen) zu früh stattfindet (noch keine nachhaltigen Gewinne) und eine Beurteilung der strategischen Neuausrichtung (Elektroautos) noch nicht erfolgen kann.

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Kategorie(n) Börsenbrief - Leserfragen
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Sehr geehrter Herr Heibel,

wie denken Sie über folgendes Szenario:

Die chinesischen (Staats-) Banken haben, wie auch die deutschen Landesbanken, eine Reihe “Giftpapiere” aus den USA im Portfolio (bei schlechten Englisch-Kenntnissen nach dem “guten Rating” gekauft).

Außerdem haben diese Banken Unternehmen im chinesischen Inland großzügig finanziert.

Das Geldverdienen fällt diesen Unternehmen künftig nicht mehr so leicht, wenn es um kapitalintensive Produktionen mit ungewissen Absatzmärkten geht (z.B. Solarfirmen) oder wenn die Löhne in China munter steigen.

Also gibt es eine Reihe von Insolvenzen, damit geht auch das Eigenkapital der chinesischen Banken verloren.

Bei zunehmender Inflation und Insolvenzängsten ziehen die chinesischen Bürger ihre Sparguthaben ab (die gegenwärtige Immobilienblase könnte bereits ein Symptom dafür sein, dass das Vertrauen in Geldforderungen schwindet).

Das führt dann erst recht zu Schieflagen bei den Banken bzw. bei deren Schuldnern, wenn Kreditlinien mangels Einlagen nicht mehr verlängert werden.

Wenn der Staat einen “Rettungsschirm” aufzieht, müssen irgendwann die Steuern erhöht werden, jedenfalls wird das als Zeichen des Versagens der Regierung gewertet.

Womöglich führt das auch zu politischen Unruhen.

Sie sind ja recht optimistisch bzgl. China – halten Sie so einen Hergang für denkbar ?

Mit freundlichen Grüßen, Jürgen aus Berlin

ANTWORT:

Das ist zwar eine logische Gedankenkette, doch die Finanzkrise der USA konnte sich nur deshalb auf die Weltwirtschaft auswirken, weil internationale Banken viel zu stark gehebelt in entsprechenden Papieren investiert waren. Die Banken haben aus dieser Krise gelernt und werden diesen großen Hebel nicht wiederholen. Daher will ich Ihre Gedankenkette zwar nicht abtun, es könnte durchaus eintreffen. Doch zu Unruhen oder anderen gravierenden Auswirkungen wird es dadurch nicht kommen. Es wird nicht so schlimm sein, wenn die eine oder andere Bank Pleite geht.

Gravierender sehe ich die Gefahr einer neuen Blase, vielleicht im Rohstoffsektor, die sich beispielsweise in den nächsten drei bis fünf Jahren aufbauen könnte. Kurzfristig sehe ich kaum Gefahren, daher mein Optimismus :-)

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Kategorie(n) Markteinschätzung
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Lieber Herr Heibel,

ich halte seit April 2006 Aktien von Archer-Daniels-Midland Co. WKN 854161, gekauft auf Empfehlung der Bank mit rosigen Aussichten für den Getreidemarkt, mit € 28,64 heute steht der Kurs bei € 22,475. Im Internet gibt es zwar eine ausführliche Darstellung der Aktivitäten, aber zur Frage des Gewinns fehlen alle Angaben. In der zurückliegenden Zeit sprach man immer mal wieder von günstigen Entwicklungen. Ich habe sie nicht gesehen. Ich bin gespannt auf die Reaktion anderer Heibel-Freunde. Ihnen Dank für die immer informativen Hinweise zum Wochenende.

Und als Schwabe wünsche ich Ihnen natürlich viel Glück beim Häuslebau. Eine “goldrichtige” Entscheidung !!

Mit freundlichen Grüßen, Hugo aus Baden-Württemberg

6-Monatschart ADM in USD
ANTWORT:

ADM ist der weltweit zweitgrößte Getreidehändler mit riesigen Anbauflächen im Nord-Westen der USA. Vor vier Jahren hat US-Präsident Bush eine Beimischung von Ethanol in Autosprit zur Pflicht erklärt, die Getreidepreise schossen weltweit in die Höhe und der Aktienkurs von ADM lief auf Allzeithochs. In dieser Phase hatte das Management dann von einer fortlaufenden Entwicklung gesprochen, ich hatte mir das Unternehmen damals angeschaut: Der einmalige Schub, initiiert durch die Ethanolverordnung sowie eine parallel schlechte Erntesaison führte zu exorbitant hohen Getreidepreisen auf den Weltmärkten und, da ADM eine gute Ernte hatte, zu extrem hohen Gewinnen bei ADM. Das Management zog in der damaligen Analystenkonferenz eine ansteigende Linie und projezierte das Wachstum dieses einmaligen Ereignisses in die Zukunft – in meinen Augen ein unverantwortliches Verhalten. Daher habe ich ADM seither gemieden und nicht einmal mehr betrachtet.

Derzeit führen Ernteausfälle in China und Indien sowie die Dürre in Russland, gefolgt vom Exportverbot, zu steigenden Getreidepreisen auf den Weltmärkten. ADM wird davon vermutlich erneut profitieren und der Kurs dürfte in meinen Augen ansteigen. Doch Patricia Woertz war 2006 CEO von ADM und ist es heute noch – ich würde mich daher nach einem anderen Unternehmen umschauen, das von einer eventuellen Getreidehausse profitieren würde. Wie erwähnt, favorisiere ich den Düngemittelanbieter K+S.

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Kategorie(n) Börsenbrief - Leserfragen
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Sehr geehrter Herr Heibel,

Abonnent Ihres Tickers bin ich erst kurze Zeit. Aufmerksam auf Ihren Dienst bin ich vor ca. 9 Mon. geworden durch Ihre Verkaufsempfehlung für “SGL Carbon”. Dass diese Empfehlung richtig war, habe ich wiederum als Empfehlung für die Qualität Ihrer Mitteilung aufgefasst. Daher mein Abo.

Nun würde ich gern Ihre Einschätzung für 2 Titel hören, mit denen Sie sich ganz sicher befasst haben.

1. Entgegen Ihrer Empfehlung habe ich SGL Carbon damals nicht verkauft. Die Meinungen der Analysten sind zu dieser Aktie geteilt wie selten. Wie ist Ihre Einschätzung heute?

2. Als ich Ihren Ticker abonniert habe, war Bertrand schon im Kurs zu hoch gelaufen – aber ich habe schon seit längerer Zeit “Rücker AG” WKN 704110 im Depot. Dividende von Rücker ist auch steuerfrei??
Frage: Hinsichtlich Entwicklung gleiche Aussichten wie Bertrand oder bestehen Unterschiede (mal abgesehen von der Unternehmensgröße)?

Mit freundlichen Grüßen, Peter aus Münster

ANTWORT:

SGL CARBON

6-Monatschart SGL Carbon
SGL Carbon hat inzwischen das Schlimmste der Krise überstanden und befindet sich auf dem Weg der Besserung. Grundsätzlich halte ich das Unternehmen für gut aufgestellt und die Produkte werden dank der anziehenden Automobilindustrie stark von der Stahlindustrie nachgefragt. Auch neue Branchen werden erfolgreich erschlossen, so beispielsweise die Solarbranche – und dort findet ebenfalls ein starkes Volumenwachstum statt, wenngleich die Preise dort stark unter Druck sind. Und auch die Flugzeugbranche, wo sich der Bau der Leichtflugzeuge (Dreamliner) immer wieder verzögert.

Gestern hat das Unternehmen Quartalszahlen veröffentlicht. Umsatz und Gewinn lagen über den bereits hochgesteckten Erwartungen. Die Jahresprognose wurde vom Vorstand nochmals angehoben. In meinen Augen befindet sich das Unternehmen auf dem richtigen Weg: Die Produkte sind gefragt und die Branchen erholen sich nachhaltig.

Das Bewertungsniveau ist recht hoch (KGV 10e = 41), daher sind einem weiteren Kursanstieg Grenzen gesetzt. Eine Gewinnverdopplung für das Jahr 2011 ist schon fast im aktuellen Kursniveau enthalten. Ich denke also, dass die Aktien von Bertrandt, mit denen wir auf die anziehende Konjunktur im Automobil- und Flugzeugsektor setzen, mehr Aufwärtspotential haben, als die von SGL Cabon. Dennoch befindet sich auch SGL Carbon in einem Aufwärtstrend, der noch eine Weile anhalten dürfte.

RÜCKER

6-Monatschart Rücker
Im Geschäftsbericht steht tatsächlich auf S. 17, dass die Dividende von 0,30 Euro steuerfrei ausgeschüttet wird. Das bedeutet, dass das Unternehmen  aufgrund eines hohen Verlustvortrags, mit dem es 2000 an die Börse ging, noch immer eine steuerfreie Dividende ausschütten kann. Jedoch vermindert diese Dividende rechnerisch Ihren Kaufkurs, so dass im Falle des Verkaufs der Aktien die Abgeltungssteuer auf einen um die ausgezahlten Dividenden erhöhten Gewinn berechnet wird (es sei denn sie haben die Aktien noch vor 2009 gekauft und können sie daher nun jederzeit steuerfrei verkaufen).

Zu Rücker selbst: Ja, das Unternehmen ist sicherlich ein Wettbewerber von Bertrandt und profitiert damit nun ähnlich wie Bertrandt vom Aufschwung der beiden Kernbranchen Auto & Flugzeuge. Das KGV ist jedoch bei 20 (Bertrandt 11) und das Umsatzwachstum ist nicht besser als bei Bertrandt. So würde ich auch Rücker die Aktien von Bertrandt vorziehen. Aber auch hier gilt: Rücker ist sicherlich auf dem richtigen Weg und auch diese Aktien dürften meiner Einschätzung nach in den kommenden Monaten weiter ansteigen.

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Kategorie(n) Börsenbrief - Leserfragen
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