Juli 2010



Guten Tag Herr Heibel,

ich hätte zwei Fragen an Sie:

1) in Ihrer letzten Ausgabe erklärten Sie BP wieder zum “Kaufkandidat”. Wie schätzen Sie aber die langfristigen Aussichten für BP ein, wenn man bedenkt, dass BP Unternehmensbereiche verkaufen will?

Verkauft BP damit nicht einen Teil seines zukünftigen Gewinns und somit Dividende für die Aktionäre? Durch den Verkauf sollte es doch sicherlich schwerer fallen, in Zukunft wieder entsprechend viel Gewinn einzufahren (gepaart mit den Folgekosten der Katastophe), um eine hohe Dividende (wie in der Vergangenheit) zu zahlen?

Sollte man jetzt nicht lieber in einen BP Konkurrenten wie Total, Royal Dutch Shell und Co. investieren? Immerhin wird dort auch eine hohe Dividendenrendite von > 5-6% gezahlt, ohne ein zusätzliches Risiko wie bei BP einzugehen!?

Sicherlich hat man bei BP die Chance auf Kursgewinne (durch den hohen Kursverlust), aber wenn man rein die langfristigen Chancen betrachtet (inklusive der regelmäßigen Dividendenrendite), in welches (Öl)Unternehmen würden Sie momentan investieren? Ich tendiere momentan eher zu Royal Dutch Shell als zu BP und Ihre Meinung dazu würde mich interessieren….(Oder sollte man in diesem Bereich vielleicht sogar eher in einen Oil&Gas ETF investieren??)

2) Zusätzlich zu einem Ölunternehmen mit guter Dividendenrendite überlege ich noch in Münchener Rück oder Hannover Rück zu investieren (auch hier zwecks guter Dividendenrendite). Was halten Sie davon und welches der Unternehmen würden Sie bevorzugen?

Vielen Dank für Ihre Antwort, Steffen aus Ranschbach

ANTWORT:

Ja, BP scheint die Katastrophe nun langsam in den Griff zu bekommen. Dementsprechend hat die Aktie sich inzwischen wieder etwas erholt. Von den Tiefständen Ende Juni unter 4 Euro wurden schon 20% auf 4,80 Euro zugelegt. BP hat inzwischen die Dividende ausgesetzt und ist dabei, wie Sie richtig bemerken, einige Vermögensanteile zu versilbern. Damit nimmt sich das Unternehmen tatsächlich ein bisschen die Möglichkeit, in der Zukunft zu wachsen sowie zukünftig eine Dividende auszuzahlen. Das Unternehmen schrumpft. Wenn auch ein schneller spekulativer Kursanstieg möglich ist wenn sich die Wogen um die Katastrophe in der Karibik glätten, so ist BP danach dennoch nicht mehr das BP, das es zuvor war. Es wird kleiner sein.

Royal Dutch Shell ist da in meinen Augen eine bessere Wahl. Die 6% Dividendenrendite würde ich als sicher bezeichnen und das Geschäft läuft rund.

Zwischen der Münchener Rück und Hannover Rück würde ich letztere bevorzugen, allerdings aus marginalen Gründen: Eine geringfügig bessere Eigenkapitalquote sowie das in meinen Augen solidere Geschäftsverhalten. In den meisten Werten sind die beiden Unternehmen vergleichbar. Die Dividendenrendite von 5,5% ist super.

Allerdings notieren die beiden Aktien schon wieder nahe ihrer Allzeithochs und das ist normalerweise nicht der richtige Zeitpunkt, um diese Aktien zu kaufen. Die nächste Krise kommt bestimmt und die beiden Rückversicherer werden sodann erneut kräftig Federn lassen. Das ist dann der Zeitpunkt, zu dem ich zugreifen würde. Wenn Sie jetzt kaufen dann laufen Sie Gefahr, bei der nächsten Katastrophe trotz der hohen Dividendenrendite mit dem Aktienkurs deutlich ins Minus zu rutschen.

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Sehr geehrter Herr Heibel,

es würde mich interessieren, was Sie über der Aktie Siemens denken, ist es nach Ihrer Ansicht für die nächste Zeit (1 Jahr) eine Kaufgelegenheit oder gibt es andere Aktien die mehr Aussicht haben.

Ihre Meinung würde mich sehr interessieren.

Danke, Egon aus Meran

6-Monatschart Siemens
ANTWORT:

Ich halte derzeit sehr viel von Siemens: Der Konzern hat seine Personalkrise überwunden, hat in der Finanzkrise deutlich die Fixkosten reduziert und profitiert von der weltweit anziehenden Nachfrage. Das KGV von 13,6 ist in meinen Augen in Ordnung. Ebenso die zu erwartende Dividendenrendite von 2,3%. Die Nettoverschuldung wird derzeit stark zurückgeführt, was wiederum zu Lasten der Innovationen in der Zukunft geht (lieber Schulden zurückzahlen als investieren), aber das ist nach der Finanzkrise verständlich.

Auch im nächsten Jahr dürfte der Gewinn weiter ansteigen, obwohl das Umsatzwachstum nicht sonderlich groß ist. Kosteneinsparung ist auch dann wieder das Schlagwort. Doch das wird bereits erwartet und ist in meinen Augen im Aktienkurs enthalten. Eine positive Überraschung, die den Aktienkurs weiter nach oben ziehen könnte, wäre ein Softlanding in China und eine Konjunkturerholung in Deutschland und der EU.

Von einer fairen Bewertungsbasis aus kann der Kurs also nur dann steigen, wenn sich die Rahmenbedingungen und somit das Geschäft von Siemens drastisch verbessern. Das ist derzeit aber noch kaum absehbar. Bei anderen Unternehmen sehe ich da größere Chancen, wie Sie meiner Beobachtungsliste entnehmen können: Bertrandt beispielsweise oder auch Apple sind schon auf dem aktuellen Niveau günstig bewertet und erleben einen überraschenden Nachfrageschub.

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Es geht um nicht mehr und nicht weniger als um die Zukunft von Telefonica. In unserer Gesellschaft gibt es keinen Platz für Stillstand und so sind börsennotierte Unternehmen gezwungen, immer wieder neues Wachstum zu erschließen. In Europa hat Telefonica damit nun ein Problem, denn die Telco-Märkte sind schon lange von einem Wachstumsmarkt in einen Verteilungskampf übergegangen. Wachstum findet nur noch im Bereich des mobilen Internets statt, doch das kann bestenfalls die rückläufigen Einnahmen aus dem Festnetzgeschäft ausgleichen.

So ist Telefonica derzeit aggressiv dabei, den latainamerikanischen Markt zu bearbeiten. Im größten Markt dort unten, in Brasilien, hat Telefonica mehrere Standbeine. Im Festnetzgeschäft ist Telesp aktiv, im Mobilfunkgeschäft hält Telefonica 30% an Vivo, einem der dortigen drei großen Mobilfunkanbieter. Weitere 30% hält Portugal Telecom und der Rest ist in Streubesitz. In den vergangenen Wochen hat Telefonica versucht, die 30% Anteile von Portugal Telecom zu kaufen, doch die Portugiesen wehren sich. Details zu diesem Vorgang habe ich in meinem Börsenbrief Heibel-Ticker PLUS beschrieben. Zuletzt hat Telefonica das Übernahmeangebot fallen gelassen – meines Erachtens um den Druck auf Portugal Telecom zu erhöhen. Denn die Mehrheit der Aktionäre möchte der Übernahme zustimmen, die portugiesische Regierung übt aber ihre (nach EU-recht unrechtmäßige) Sperrminorität über eine goldene Aktie aus.

Die Aktie von Telefonica verfügt über eine Dividendenrendite von aktuell 8,6%! Das bekommen Sie derzeit nicht einmal bei Ramschanleihen. In meinen Augen ist diese Dividendenrendite überaus attraktiv. Der Cashflow gibt eine so hohe Ausschüttung her und allein dieser Umstand würde schon für ein Investment in Telefonica Aktien sprechen.

Doch auf der anderen Seite ist der Übernahmekampf mit Portugal Telecom nicht nur nervenzehrend sondern auch teuer. Der brasilianische Markt steht nicht still und je länger sich der Übernahmekampf hinzieht, desto weiter preschen die Wettbewerber in Brasilien vor. Die Investitionen für Telefonica, um beispielsweise (so der Plan) Telesp und Vivo zu fusionieren und gegenüber den anderen wettbewerbsfähig zu machen, werden immer teurer, je mehr Zeit verstreicht.

Sie sehen, wie schwer es für Telefonica ist, Wachstum zu generieren. Das KGV 10e steht bei 8,8 und ist damit im Branchenvergleich relativ günstig (Dt. Telekom 13). Ein Investor muss sich hier also nicht die Frage stellen, ob das Unternehmen im Kampf um Wachstum erfolgreich sein wird, sondern vielleicht schon eher, ob das Kursniveau niedrig genug ist, um eine Reihe von negativen Entwicklungen zu überstehen. KGV und Dividendenrendite sprechen dafür. Kurswachstum jedoch erwarte ich bei Telefonica auf absehbare Zeit nicht.

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CNBC: Tim Geithner bei Larry Kudlow

Am Donnerstag vergangener Woche war Tim Geithern bei Larry Kudlow. Wichtiger noch als die Aussagen, die er im hier eingefügten Video-mitschnitt trifft, sind die Rahmenbedingungen dieses Interviews: Obama hat am Vormittag überraschend deutlich gemacht, dass sein Land Jobs schaffen müsse und daher die Kapitalertragssteuern und Unternehmenssteuern nachhaltig (bis 2020) auf einem niedrigen Niveau verbleiben sollen. Und kurz danach kommt der US-Finanzminister Tim Geithner bei dem bekanntesten Showmaster und erklärten Kritiker der demokratischen Sozialader in die Show und verteidigt die Gesundheitsreform, die Bildungsreform sowie die Energiepolitik und Finanzmarktregulierung.

Mit anderen Worten: Obama hat die wichtigsten Vorhaben seiner ersten Regierungszeit gegen die Unternehmen durchgesetzt und kann ab jetzt unternehmensfreundliche Politik betreiben. Dies hat er nun angekündigt und sogar durch Geithner im Detail ausführen lassen.

Hier die beiden Videos:
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…und hier das zweite:
Video2
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Die Aktien von Klöckner sind in den vergangenen drei Monaten um 40% eingebrochen. Als Stahlhändler ist Klöckner extrem abhängig von Konjunkturschwankungen und Bedenken hinsichtlich einem abflauenden Wirtschaftswachstum in China („nur“ 7% statt erwarteten 8%). Außerdem haben  Ängste um die schwachen Immobilienmärkte in Spanien, Großbritannien und den USA haben dafür gesorgt, dass Anleger Klöckneraktien meiden.

Doch meines Erachtens ist der Ausverkauf übertrieben. Denn auf der einen Seite wird durch die negativen Entwicklungen nur ein Teil des Geschäfts von Klöckner betroffen, während der andere Teil derzeit eine positive Meldung nach der anderen ausgibt. Und auf der anderen Seite ist der Ausverkauf bereits so heftig gewesen, dass die Aktie schon wieder auf Krisenniveau (KGV 2010e von 5) notiert, doch von einer Krise im Stahlmarkt kann ich nichts sehen.

Schauen wir uns also das Unternehmen einmal im Detail an: Der Anteil des China-Geschäfts bei Klöckner ist gleich Null. Neben 15% US-Geschäft befinden sich alle Kunden von Klöckner in Europa. Der Stahlmarkt in China kann also höchstens indirekt auf Klöckner Auswirkungen haben, indem die dortige Nachfrage einen Einfluss auf den weltweiten Stahlpreis hat. Schauen wir uns also die Stahlpreisentwicklung einmal näher an:

Die Finanzkrise 2007 / 2008 hat den Stahlpreis um 60% in den Keller gezogen. Seit März 2009 erfolgte eine Gegenbewegung um 60% und so steht der Stahlpreis heute auf einem wesentlich höheren Niveau als zur Finanzkrise. Die Euro-Krise hingegen hat dem Stahlpreis nicht zugesetzt, einen  Stahlpreisrückgang aufgrund der jüngsten Krise kann nicht beobachtet werden.

Also: China hat keinen direkten Einfluss auf das Geschäft von Klöckner und der Stahlpreis entwickelt sich überaus erfreulich. Warum also ist die Klöckneraktie um 40% eingebrochen?

Der Immobilienmarkt in Spanien, Großbritannien und den USA ist am Boden, Anleger fürchten ein frühes Ende der Konjunkturerholung aufgrund der kriselnden Immobilienmärkte. Doch das ist keine Überraschung. Im Mai hielt Klöckner eine Analystenkonferenz ab, in der explizit die Entwicklung auf den Immobilienmärkten angesprochen wurde: Es wird keine Erholung erwartet, und dies ist in den Unternehmensprognosen für 2010 bereits enthalten.

Der Immobilienmarkt ist für etwa ein Drittel des Umsatzes von Klöckner verantwortlich. Daneben ist die Automobilindustrie wichtig für Klöckner, der Maschinenbau, sowie auch die Sparte für Haushaltsgeräte (Bosch) und ähnliches. Alle diese Sparten verzeichnen eine anziehende Nachfrage bei steigenden Stahlpreisen. Der Umsatz von Klöckner werde im Jahr 2010 um 25% ansteigen (Klöckner-Prognose), trotz der Immobilienkrise. Die Automobilindustrie fährt Sonderschichten und lässt ihre Produktionsfließbänder die Sommerpause hindurch laufen. Der Maschinenbau freut sich über hohe Auftragseingänge, die sich ab dem 2. Halbjahr 2010 in eine erhöhte Stahlnachfrage umwandeln werden. Die Lagerhaltung in Europa ist trotz der Auffüllkäufe der vergangenen Monate noch immer extrem niedrig, aufgrund der steigenden Nachfrage reicht der Lagerbestand durchschnittlich nur noch für zwei Monate. Vor einem Jahr reichten die Bestände für mehr als vier Monate.

Durch den Ausverkauf der Klöckneraktien notiert die Aktie nunmehr auf einem KGV 2010e von nur noch 6,8. Dem von Analysten erwarteten Umsatzwachstum von 33% für das laufende Jahr wird dieses niedrige Niveau nicht gerecht. Auch vor dem Hintergrund des anhaltend hohen Umsatzwachstums von über 15% für die nächsten Jahre erscheint mir dieses KGV sehr niedrig.

Mit Hilfe des DCF-Modells lässt sich ein theoretisch fairer Wert ermitteln. Dieser Wert ist natürlich mit Vorsicht zu genießen, denn sobald Anleger Angst vor irgendwas bekommen, werden sie die Aktie ungeachtet ihres fairen Wertes verkaufen. Dennoch gibt der faire Wert einen Anhaltspunkt dafür, wo die Aktie mittel- und langfristig hinlaufen könnte.

Mit der Modellrechnung ergibt sich ein fairer Wert von 20,17 € je Aktie. Aktuell steht die Aktie bei 14,38 €, so dass sich ein Kurspotential von 41% ergibt. Sollte die Wirtschaft in China einbrechen und die Stahlnachfrage dadurch weltweit beeinträchtigt werden, so ist diese Modellrechnung Makulatur. Wenn Sie jedoch genau wie ich erwarten, dass wir einen weltweiten, effizienzgetriebenen Aufschwung erleben werden, dann können Sie den fairen Wert als Kursziel für die nächsten 12-18 Monate verwenden.

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Take Share,

Stephan Heibel

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