Juni 2010



Am Donnerstag dieser Woche wird Wirecard seine Hauptversammlung abhalten. Die Aktie ist seit Jahresbeginn um knapp 20% gefallen und immer wieder kommen neue Vorwürfe über windige Geschäftspraktiken auf. Grund genug, um sich einmal im Detail mit dem Unternehmen zu befassen.

6-Monatschart Wirecard

Wirecard bietet die Zahlungsabwicklung über das Internet an. Die Abwicklung ist denkbar einfach und so gewinnt Wirecard kontinuierlich neue Kunden hinzu. Einer der Vorwürfe gegenüber Wirecard ist, dass diese Neukunden häufig aus dem Bereich der Schmuddelgeschäfte (was legal ist) sowie auch aus dem Online-Gaming (was in Deutschland und den USA illegal ist) kommen würden.
Eine offizielle Kundenaufschlüsselung gibt es natürlich nicht.

Vor einigen Wochen kursierte ein Brief von Mastercard im Internet, in dem Wirecard die Nichtbeachtung bestimmter Vorschriften vorgeworfen wurde. Der Brief ist inzwischen nicht mehr zu finden, und es gibt eine Reihe von Veröffentlichungen, die von einer Fälschung ausgehen. Seitens Mastercard gibt es jedoch kein Dementi, sondern lediglich die Standard-Aussage, dass zu laufenden Verfahren keine Aussagen gemacht werden. Der Brief war auf den Anfang dieses Jahres datiert (27. Januar 2010) und ich würde  aufgrund des ausbleibenden Dementis seitens Mastercard vermuten, dass entsprechende Ermittlungen bis heute noch am Laufen sind.

Ich weiß nicht, welche Vorschriften den Vorwürfen zufolge Wirecard im Speziellen nicht beachtet haben soll. Allerdings habe ich mir die verfügbaren Mosaiksteinchen an Informationen zurechtgelegt und habe eine Vermutung, die ich hier formulieren möchte.

Wirecard bietet die Zahlungsabwicklung über das Internet an und kann gleichzeitig mit einer Banklizenz aufwarten. Damit kann Wirecard direkt mit Mastercard und Visa internationale Transaktionen abrechnen. Für diese Abwicklung wird seitens Mastercard und Visa stets eine Sicherheitsleistung in Abhängigkeit vom Volumen sowie von der Art der Zahlung eingefordert. Diese Sicherheitsleistung wird in Abhängigkeit vom Risiko eines Zahlungsausfalls immer höher.

„Spielschulden sind Ehrenschulden“ lautet ein Sprichwort – dennoch ist bei Zahlungsverpflichtungen, die aus Online-Spielen entstehen, die Zahlungsmoral wesentlich schlechter als bei einem Online-Kauf eines Babybettes oder von Kleidung. So ist die Sicherheitsleistung bei Spieltransaktionen um ein Vielfaches höher als beim vermeintlich sicheren Online-Kauf.

Ein Analyst hat die Transaktionsmarge von Wirecard mit der Transaktionsmarge eines Wettbewerbers (Cybersource) verglichen und festgestellt, dass Wirecard die zehnfache Transaktionsmarge realisiert. Wirecard gibt an, dass es durch die eigene Banklizenz  einen viel größeren Anteil an der Wertschöpfungskette hat und daher so gute Margen erzielen kann. Cybersource hat keine Banklizenz. Hätte Cybersource eine Banklizenz, so würden für diesen Teil des Geschäftes ebenfalls Transaktionsmargen von über 2% erzielt werden, so zitiert der Analyst Cybersource. Es bleibt dabei nun die offene frage, wie Wirecard eine durchschnittliche Transaktionsmarge von 2,15% erzielen kann, wenn ein Anteil der Transaktionen, die Wirecard für seine Kunden durchführt lediglich die geringmargige Zahlungsabwicklung betrifft.

Nun, ich will hier nicht den Richter spielen, dazu liegen mir zu wenige Informationen vor. Die Kunden von Wirecard werden sicherlich nicht freiwillig zu teureren Angeboten greifen, dafür wird es einen Grund geben. Und aufgrund des Vertrauensverhältnisses zwischen den Kunden und Wirecard lässt sich ein kleiner Margenaufschlag rechtfertigen. Das klingt für mich eher wie eine Marge, die auf den Graumärkten üblich ist.

Es wäre eine Erklärung für die hohe Transaktionsmarge von Wirecard, würde jedoch gleichzeitig den Vorwurf fragwürdiger Geschäfte bedeuten. Wie eingangs gesagt, mir liegen nicht ausreichend Informationen vor, um mir eine Meinung zu bilden. Ich würde jedoch vor der Hauptversammlung am kommenden Donnerstag vorsichtig mit dieser Aktie umgehen, denn es wäre nicht das erste Mal, dass Aktionäre eine Hauptversammlung nutzen, um gezielt Informationen zu bestimmten Vorfällen einzuholen. Und entweder das Management liefert umfangreiche Antworten, was es in den vergangenen Monaten schuldig blieb, oder Anleger werden das Schweigen oder Ausweichen des Managements als indirekte Bestätigung der Vorwürfe werten und die Aktien ausverkaufen.

Das Management ist nicht bekannt dafür, umfangreiche Informationen offen zu legen. Ich erwarte also kaum neue Erkenntnisse hinsichtlich dieser Vorwürfe und Gerüchte. Also würde ich als Anleger vorsichtig bleiben und die Aktie meiden.

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Hallo Herr Heibel,

ich habe in einigen Punkten Verständnisprobleme, vielleicht sind die Themen allgemein interessant.

Führt die Griechenland-Hilfe zu den neuen Spar-Erfordernissen in DE, um die beschlossene Schuldenbremse dennoch einhalten zu können?

Zu welchen Konditionen ist die Griechenland-Hilfe geplant? Rückgabe, Zins? Angenommen, die Hilfe wird zu 100% zurückerstattet und trägt den anfallenden Zins, wären das für mich keine normalen Ausgaben und nicht dem Haushaltsdefizit zuzurechnen.Stark vereinfacht (ohne Zinseszins und Inflation): Deutschland begibt eine Anleihe zu 2%, Laufzeit 10 Jahre, hilft Griechenland zu 7%. Pro Jahr 5% – auf 10 Jahre 50% – man könnte dann Griechenland 50% erlassen ohne zu verlieren. Ich kenne Details nicht, deshalb kann ich völlig falsch liegen.

Hat die EZB beim Aufkauf von Anleihen einzelner Länder Gestaltungsspielraum durch Festsetzung des Preises? Evtl. in dem sie eine eigene Risikoeinschätzung und Bewertung von Konsolidierungsbemühungen vornimmt? Dann hätten Problemländer evtl. eine Motivation, ihre Haushaltsprobleme in den Griff zu bekommen. Kann man so nicht indirekt steuernd auf Mitgliedsländer einwirken.

Mit freundlichen Grüßen, Peter aus Ulm

ANTWORT:

Zu einem kleinen Teil ja, der größere Teil ergibt sich aber aus dem deutschen Beitrag für das 750 Mrd. Euro EU-Rettungspaket. Ungeachtet dieser neuen Zahlungen hat Deutschland aber schon in der Finanzkrise 2008/2009 große Konjunkturprogramme verabschiedet, die das Budget der Neuverschuldung sowie sodann auch das der Gesamtschulden über die Maastricht-Kriterien katapultierte.

Man hätte das gerne stillschweigend laufen lassen und “gehofft”, dass ein Konjunkturaufschwung für mehr Staatseinnahmen und damit wieder zur Rückkehr unter die Maastricht-Kriterien gesorgt hätte. Doch die Finanzmärkte sind durch Griechenland nun wachsam und da ist mit dem Prinzip Hoffnung nicht mehr viel zu holen. Nun muss sofort und konsequent gespart werden, um die Maastricht-Kriterien einzuhalten – selbst wenn die Konjunktur nicht wächst.

Ja, da haben Sie recht – aber ich persönlich rechne nicht damit, dass Griechenland die Schulden vollständig zurückzahlen wird. Einen Teil werden wir abschreiben müssen. Der Zins orientiert sich am Markt, ich glaube es wird der Zins des nächstschlechteren Eu-Landes zugrunde gelegt.

Ihre Idee: …ohne “nominell” zu verlieren. Wenn wir die Maastricht-Kriterien verletzen und mehr Geld aufnehmen, dann führt dies zu Inflation. Wenn wir das inflationierende Mehrgeld nach Griechenland schicken, dann leiden wir in den 10 Jahren stark unter der Inflation ohne einen finanziellen Ausgleich zu erhalten.

Es gibt die Überlegung bei der EZB, eine eigene Risikoeinschätzung der EU-Länder vorzunehmen. Ich glaube aber nicht, dass die EZB der geeignete Körper für diese Aufgabe ist. Gestaltungsspielraum hat sie derzeit kaum, da oben genannter effektiver Zins des zweitschlechtesten Landes zugrunde gelegt wird.

Hinter Ihren Fragen steckt die richtige Befürchtung: Ja, die EZB kann mehr Geld in den Markt geben. Auch Deutschland kann dies tun, solange die einzelnen Schuldnerländer solvent gehalten werden (durch Inflation). Dieser Weg ist in der Finanzgeschichte bereits unzählige Male gegangen worden und ich will nicht ausschließen, dass es auch diesmal wieder so geschehen wird. Zumindest könnte die Politik die Finanzmärkte kurzfristig (3 Jahre?) davon überzeugen, dass man diesen Weg erfolgreich beschreitet. Irgendwann flöge uns dann alles um die Ohren, denn zu hohe Inflationsraten werden dann auch in Deutschland für Unruhen sorgen. So zumindest meine Einschätzung.

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Guten Tag Herr Heibel,

angesichts der Entwicklung rund um den Euro stelle ich mir die Frage, ob ich (als Schweizer) aus den Aktien und Optionen in Euro-Währung aussteigen und mich auf US-Aktien konzentrieren sollte…

Herzliche Grüsse, Franz aus Sion

Jahreschart CHF/EUR

ANTWORT:

Ihre Frage ist gut und berechtigt. Die Antwort ist leider nicht einfach, da eine ganze Reihe von Entwicklungen zu betrachten ist.

1. Wechselkurs
Ob Sie ABB über die Schweizer Börse in Franken oder über die Deutsche Börse in Euro kaufen ist egal, denn der Aktienkurs ist über den Wechselkurs gesehen gleich. Wenn ABB an der Schweizer Börse um 10% steigt, der Euro gegenüber dem Franken jedoch gleichzeitig um 10% fällt, dann würde der Aktienkurs an der Deutschen Börse in Euro gemessen nicht nur um 10% ansteigen, sondern um 20%. Für Sie als Schweizer bliebe der Wert in Franken gemessen in beiden Fällen gleich.

2. Wettbewerbsfähigkeit
ABB baut Kraftwerke und erbringt teure Ingenieurleistungen in der Schweiz. Siemens macht das Gleiche in Deutschland. Wenn Beide um ein Projekt in Saudi Arabien buhlen, dann kann Siemens Dank der günstigeren heimischen Währung (Euro) günstiger kalkulieren. Wenn also ABB ein Preisschild von 10 Mio. USD an das Kraftwerk hängen muss, um die heimischen Kosten zu decken, reichen für Siemens vielleicht schon 9 Mio. USD, da durch den günstigen Wechselkurs weniger US-Dollar ausreichen, um ausreichend Euro zu bekommen, mit denen die Kosten gedeckt werden.

Der geschäftliche Erfolg von Unternehmen und somit auch der Kursverlauf der Aktie werden also auch durch die Wechselkursentwicklung der heimischen Währung beeinflusst. Im Idealfall gewinnt Siemens genau soviel mehr Projekte, dass der Wechselkursverlust durch neues Geschäft ausgeglichen werden kann und die Aktie in Ihrem Schweizer Portfolio keine Bewegung erkennen lässt.

Das ist die volkswirtschaftliche Betrachtungsweise. In der Realität sehen wir auch bereits, dass der DAX wesentlich besser verläuft als der Dow Jones. In meiner Monatsbetrachtung (Ausgabe vom vergangenen Freitag) habe ich hervorgehoben, dass der DAX noch wesentlich robuster dasteht, seine Unterstützungen also noch nicht nach unten durchbrochen hat, als der Dow Jones. Allerdings erfolgt diese Anpassung in der Realität mit einer Zeitverzögerung, es wird nicht umgehend der gesamte Wechselkursverlust ausgeglichen, sondern die dadurch vielleicht in der Zukunft gewonnenen zusätzlichen Geschäfte werden sich erst im Verlauf einiger Monate in steigende (oder weniger fallende) Kurse ummünzen.

Eine entsprechende Anpassung Ihres Portfolios wäre also in meinen Augen kurzfristig sinnvoll, Sie müssten dann aber auch schon bald wieder zurück in Deutsche Aktien kommen. Und ob Sie da den richtigen Augenblick treffen oder ob da nicht der Aufwand und die Transaktionsgebühren den Erfolg zu sehr schmälern, das müssen Sie selbst abschätzen. Meine Standard-Antwort lautet jedoch: Man sollte stets diversifiziert bleiben.

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Vor sechs Wochen stand die Klöckner Aktie noch bei 23 Euro, heute notiert sie um 14 Euro. Als Stahlhändler profitiert Klöckner überproportional, wenn die Konjunktur anzieht. Auf der anderen Seite hat ein Händler nichts, worauf er sich zurückziehen könnte, wenn die Konjunktur stockt. Zur Zeit fürchten Anleger eine weltweite Abschwächung der Konjunktur.

6-Monatschart Klöckner & Co

Insbesondere Chinas restriktive Geldpolitik zur Vermeidung eines sich überhitzenden Immobiliensektors wird kritisch gesehen: Baute man kürzlich noch auf China als Lokomotive der Weltkonjunktur, so könnte die restriktive Geldpolitik in China diese Hoffnung zunichte machen.

Meine persönliche Einschätzung ist wesentlich optimistischer. Die Chinesen haben in der Finanzkrise 2008 / 2009 ein besseres Konjunkturprogramm als alle Industrienationen aufgelegt. Schneller und effektiver. Heute traue ich es den finanzmarktaffinen chinesischen Politikern zu, den Immobilienmarkt abzukühlen ohne das Wirtschaftswachstum zum Erliegen zu bringen.

Klöckner selbst sieht seine eigene Zukunft überaus positiv. Einige Directors Dealings (insiderkäufe) werden gemeldet und von offizieller Seite wird für 2010 ein Umsatzwachstum bei gleichzeitig steigender Gewinnmarge erwartet. Dennoch notiert der Kurs mit 14 Euro nur knapp über dem Krisenniveau vom März 2009, als die Aktie kurzzeitig unter 10 Euro tauchte.

Vergleichen wir also einmal die Klöckner von Anfang 2009 mit der Klöckner von heute. Anfang 2009 waren die Rohstoffpreise, auch der Stahlpreis, eingebrochen. Heute ist der Stahlpreis zwar wieder zurückgegangen, aber noch lange nicht auf dem Tiefstand von Anfang 2009.

Anfang 2009 war Klöckner stark verschuldet, die Schuldenstruktur war dahingehend nachteilig, dass Klöckner befürchten musste für Refinanzierungsvorhaben keine oder sehr hohe Zinsen zu zahlen. Das Unternehmen hat heute den Großteil der Finanzierungsvereinbarungen neu verhandelt und mit wesentlich langfristigeren Laufzeiten versehen. Kurzfristige Überraschungen dürften damit ausbleiben, die langfristig gesicherte Liquidität wird dafür sorgen, dass für neue Finanzierungen günstigere Zinsen angesetzt werden.

Anfang 2009 war der Lagerbestand von Klöckner sehr hoch. Inzwischen wurde der Lagerbestand reduziert, das gebundene Kapital (working Kapital) ist dadurch kleiner geworden, der Cashflow wird dadurch erhöht. Dies wirkt sich positiv auf die Bilanzstruktur aus.

Klöckner hat die Krise genutzt, zwei neue Unternehmen zu kaufen. Zum einen wurde mit dem Schweizer Stahlhändler Bläsi ein zusätzlicher Umsatz von 32 Mio. Euro p.a. zugekauft. Zum anderen bringt die Übernahme von Becker Stahl Services einen Umsatzschub von 600 Mio. Euro p.a. Finanziert wurden die Übernahmen durch eine Kapitalerhöhung im September 2009, die 200 Mio. Euro Liquidität erbrachte. Unter’m Strich ist die Nettoverschuldung mit 222 Mio. Euro vor dem Hintergrund des Jahresumsatzes von rund 5 Mrd. Euro sehr niedrig.

So hat Klöckner noch Luft, um weitere Übernahmen vorzunehmen. Das Management hat diese Tage die Absicht geäußert, in China oder Brasilien zuzukaufen. Damit hat Klöckner genau die beiden Schwellenländer mit den gesündesten Finanzen ins Visier genommen.

Das Unternehmen hat für 2011 eine EBITDA-Gewinnmarge von 6% anvisiert. Dank des heute höheren durchschnittlichen Stahlpreises als vor einem Jahr dürfte der Umsatz steigen. Durch die Übernahmen wurden jedoch auch zusätzlich Neukunden gewonnen, die zu einer weiteren Umsatzsteigerung führen dürften. Ich halte es daher für sehr konservativ, wenn man die Kalkulation mit dem derzeit anvisierten Umsatzziel von 5 Mrd. Euro vornimmt.

Für Klöckner würde eine EBITDA Marge von 6% zu einer EBIT Marge von etwa 4% führen. Kalkulieren wir einen entsprechenden Gewinn, so ergibt sich ein KGV 2011e von 4. Vor dem Hintergrund des erwarteten Umsatzwachstums von 10% für das Jahr 2011 ist dieses KGV, bei überproportionalem Gewinnanstieg wie bei Händlern üblich, viel zu niedrig. Ein KGV von 7 würde ein Bewertungsniveau am unteren Ende der für Klöckner üblichen Bewertungsrelation bedeuten. Das entspricht vom aktuellen Kurs bei 14 Euro einem Kursziel von etwa 23 Euro.

Eine wichtige Betrachtung ist bei Klöckner stets die Lagerhaltung der Kunden. Diese wurde 2009 erfolgreich abgebaut und führte somit zu einem sehr niedrigen Jahresumsatz. Derzeit erfolgen Lagerauffüllungskäufe, die jedoch noch weit hinter den Käufen der Rekordjahre 2006 und 2007 zurück bleiben. Wir befinden uns also auf den Stahlmärkten noch immer in der Erholungsbewegung der Nachkrisenzeit, von überfüllten Lagern sind wir noch weit entfernt.

Sollte aus der Erholungsbewegung nach der Finanzkrise nun ein Konjunkturaufschwung werden, wie derzeit von kaum jemandem erwartet, so würde eine anspringende Nachfrage die Stahlpreise kräftig in die Höhe schrauben und Klöckner könnte ein wesentlich höheres Bewertungsniveau erfahren. Für diesen optimistischen Fall werden unter vorgehaltener Hand Kurse von 32 Euro diskutiert. Ich persönlich würde keine Konjunktur wie 2006 / 2007 erwarten, aber auch keine erneute Krise wie 2009. Vielmehr erwarte ich ein moderates Wirtschaftswachstum; gezogen von den Schwellenländern werden Exportnationen wie Deutschland über ein verhältnismäßig robustes Wirtschaftswachstum verfügen. Mein persönliches Kursziel für Klöckner liegt also irgendwo zwischen 23 und 32 Euro.

Dieses Kursziel gilt für die nächsten 12-18 Monte, also bis Ende 2011. Kurzfristig kann und wird es noch turbulent zugehen, insbesondere hier in Europa. Ich würde daher nicht alles auf eine Karte setzen, sondern schrittweise einsteigen. 14 Euro wären für mich erste Kaufkurse. Bei 12 würde ich nachkaufen und bei 10 liegt mein Abstauberlimit, um die Position voll zu machen. Sollte der Kurs nicht mehr weiter korrigieren, so würde ich nach dem ersten Kauf bei 14 Euro bereits zu 16 Euro nochmals einen Teil nachkaufen.

Für meinen Heibel-Ticker eignet sich Klöckner nicht, wir haben in unserer langfristigen Beobachtungsliste bessere Titel enthalten.

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Sehr geehrter Herr Heibel,

ich halte seit einiger Zeit Aktien der Aluminum Corporation of China Limited (Kennnummer CNE1000001T8). Ich habe leider versäumt, beim Höhepunkt 2007 zu verkaufen. Seither tut sich nichts mehr mit dieser Aktie. Macht es Sinn, sie weiter zu behalten oder ist es besser, sich von diesen Papieren zu trennen?

Vielleicht könnten Sie einen Blick auf dieses Unternehmen werfen.

Vielen Dank und freundliche Grüße, Hans aus Freistadt;
ein begeisterter Heibel-Ticker PLUS-Leser

6-Monatschart Aluminum Corp. of China

ANTWORT:

Ich kenne das Unternehmen nicht im Detail und kann Ihnen daher nur eine sehr allgemeine Einschätzung geben. Der Aluminium-Gigant aus China verzeichnet ein starkes Umsatz- und Gewinnwachstum nach der Finanzkrise, ist jedoch hoch verschuldet. Das würde den heftigen Kurssturz vor zwei Jahren erklären und eben auch, warum die Aktie nun wieder kräftig anzieht. Da dieser Konzern so groß ist, reicht vielleicht wirklich eine Betrachtung der Situation in China, um sich eine Meinung zu bilden. Und China ist in meinen Augen mit viel Finanzgespür dabei, den chinesischen Immobilienmarkt zu bremsen, OHNE die Wirtschaft abzuwürgen. Was derzeit befürchtet wird, ist entweder eine Überhitzung der Wirtschaft, wenn das Wachstum nicht erfolgreich gebremst werden kann, oder aber ein Abwürgen des Wachstums, wenn die restriktive Geldpolitik, die derzeit den Immobilienmarkt abkühlen soll, übertrieben würde.

Ich persönlich habe in den vergangenen Jahren den Eindruck bekommen, dass die chinesischen kommunistischen Politiker wesentlich besser ausgebildet sind, als viele unserer westlichen Politiker. China hat mehrfach bewiesen, die Finanzmärkte besser im Griff zu haben als Europa, Japan oder die USA. Daher traue ich es den Chinesen auch diesmal zu, die befürchtete Überhitzung sanft abzuwenden, ohne eine Rezession zu provozieren.

Vor diesem Hintergrund erwarte ich, dass chinesische Rohstoffaktien mittel- und langfristig wieder deutlich ansteigen werden. Ich würde also, wenn Sie einen langfristigen Horizont haben, die Aktie halten. Kurzfristig kann es jedoch in diesem Sommer noch zu weiteren Turbulenzen, also auch zu deutlich tieferen Kursen, kommen. 

Autor des Beitrags: Schilling

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Hallo Herr Heibel,

die Aktie Adva Optical (WKN 510300) stieg heute um 4,5% ( zeitweise um 6 %) (TecDax – 3 %) – trotz des Rücktritts des Bundespräsidenten! Aufnahme in den TecDax winkt! Empfehlung heute aus Kulmbach (Der AKTIONÄR) bzw. Aufnahme ins Realdepot. Sollte man Ihrer Meinung nach die Aktie trotzdem kaufen bzw. halten?

Applied Materials (865177) haben Sie vor einiger Zeit beobachtet bzw. angesprochen. Nach längerer Seitwärtsbewegung steigt die Aktie in den letzten Tagen an und hat die 10 € m.E. nachhaltig überwunden. Kaufsignal?

Die China Unicom habe ich, Ihrem Update entsprechend bei 0,98 € verkauft (Gewinn 0,08 € pro Aktie). Heute steht sie mal bei 1 €.
Beobachten bzw. steht sie bei Ihnen weiterhin auf der Watch-List?

Im Voraus vielen Dank für Ihre Meinung!

Mit freundlichem Gruß, Ernst aus Heroldsberg

ANTWORT:

Bitte künftig stets nur eine Frage stellen, sonst komme ich mit dem Bearbeiten der Leserfragen nicht nach. Also nur das, was wirklich wichtig ist :-) Ich danke für Ihr Verständnis.

6-Monatschart China Unicom

China Unicom: Ich habe zum Verkauf geschrieben, dass ich weiterhin von dem Unternehmen überzeugt bin, dass ich jedoch zu viel Telekom im Portfolio habe und dass mir Vivo sowie Apple für den “mobile Internet” – Trend ausreichen. Darüber hinaus finde ich die Dividende von Freenet noch immer überaus attraktiv. China Unicom ist von meiner Watchlist gefallen, weil ich zu schwer an gute Informationen darüber komme.

6-Monatschart Applied Materials

Applied Materials finde ich sehr attraktiv. Ich denke, dass die Technologiebranche durch die beiden jüngsten Krisen kräftig Kosten eingespart hat und gleichzeitig insbesondere im Bereich der Flachbildschirme und Halbleiterindustrie eine aggressive Expansionsstrategie gefahren ist. AMAT ist heute sehr schlank aufgestellt (kaum Fixkosten) und kann extrem schnell auf eine ansteigende Nachfrage reagieren. Wenn also aktuell das Bewertungsniveau hoch erscheint, so kann das schon im nächsten Jahr ganz anders aussehen.

6-Monatschart Adva Optical

Adva Optical finde ich sehr interessant. Ich habe schon lange nach einem Unternehmen gesucht, das die Leitungsgeschwindigkeit in Deutschland erhöht. Das Bewertungsniveau ist aber auch bei diesem Unternehmen bereits sehr hoch, der überproportionale Gewinnanstieg ist auf Einsparungen und leider nicht auf eine große Nachfrage zurückzuführen. Sollte die Nachfrage ansteigen (was ich erwarte), dann dürfte Adva ebenfalls überproportional profitieren :-) Eine detaillierte Analyse zu Adva habe ich in Auftrag gegeben, dauert ca. zwei Wochen… wenn der Aktionär zum Angriff bläst, dann werden zwei Wochen sicherlich nicht schaden. 

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Hallo Herr Heibel,

Sie besprechen ja gerade umfangreich Unternehmen, die von der Euro Schwäche profitieren. Mich würde interessieren, wie diesbezüglich Ihre Meinung zu Daimler ist. Die Aktie sollte doch sicherlich in vielen Depots Ihrer Leser schlummern.

Vielen Dank und machen Sie weiter so!
 Daniel aus Bonn

6-Monatschart Daimler

ANTWORT:

Die Automobilkonzerne stehen derzeit nicht in meinem Fokus, daher nur eine kurze Antwort. Daimler hat keine langfristigen Rahmenverträge, sondern verkauft jedes Auto zu jeweils gültigen Marktpreisen. Ein fallender Euro führt dazu, dass Daimler seine Autos im Ausland zu günstigeren Preisen anbieten kann, also wettbewerbsfähiger gegenüber Ford & Toyota wird. Das wird sich mittel- und langfristig positiv auswirken. Doch für einen überraschenden Gewinnanstieg aufgrund von Währungseffekten sehe ich bei Daimler nur kleine Positionen. 

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