März 2010



WaMuLassen Sie mich an dieser Stelle ein immer wiederkehrendes Thema ansprechen, das insbesondere nach der jüngsten Krise und den nun kräftig angestiegenen Kursen viele von Ihnen beschäftigt: die Wiederauferstehung von Aktien.

Sei es Japan Airlines, Washington Mutual, General Motors oder Thornburg Mortgage oder eine Vielzahl anderer in die Insolvenz gegangene Unternehmen, immer wieder kaufen Anleger deren Aktien in der Hoffnung, dass sich das alte Geschäft erholt und die Aktien wieder auferstehen. Viele Anleger halten diese Aktien einfach über Jahre, bis sie letztlich von ihrer Bank ausgebucht werden.

Ich werde immer wieder nach Aktien von praktisch toten Unternehmen gefragt. Unternehmen, die in die Insolvenz gegangen sind und anschließend versuchen, möglichst viele Gläubiger und Arbeitsplätze zu retten. Es ist politisch gewollt, dass sowohl Arbeitsplätze gerettet werden, als auch Lieferanten und Geschäftspartner nicht in ein Loch fallen zu lassen. Also wird der Geschäftsbetrieb während der Abwicklung der Insolvenz aufrechterhalten, damit anschließend ein neu aufgestelltes Unternehmen möglichst viele der ursprünglichen Geschäftsbeziehungen fortführen kann. Eine Gruppe wird dabei jedoch nicht besonders gut behandelt: Die Aktionäre.

Aktionäre sind Anteilseigner des Unternehmens und haben während der guten Zeiten über ihr Stimmrecht auf der Hauptversammlung die Möglichkeit, Einfluss auf das Geschäft des Unternehmens zu nehmen. Ist das Unternehmen pleite, dann haben Aktionäre ihre Anteile verloren. In dem Prozess, Arbeitsplätze zu retten und Geschäftsbeziehungen zu Lieferanten aufrecht zu erhalten wird nun das Tafelsilber des Unternehmens liquidiert. Mit dem Erlös werden in einer genau festgelegten Reihenfolge die Lieferantenverbindlichkeiten bezahlt, Gehälter gezahlt, Anleihen zurückbezahlt und erst ganz am Schluss, wenn genug Geld übrig bleibt, erhalten die Aktionäre vielleicht ein paar Pfennig. Meistens erhalten die Aktionäre nichts.

Wenn die Chancen aber so schlecht stehen, warum werden die Aktien solcher scheintoten Unternehmen noch so stark gehandelt? Häufig sind die Tagesumsätze sehr hoch und als Laie bekommt man den Eindruck, dass dort noch die Chance auf eine positive Wende des Dramas möglich ist.

Diesen Eindruck bekommt man jedoch allein aus der Beobachtung des Kursverlaufs und des Handelsvolumens, nicht aus der Tagespresse, die über die Abwicklung der insolventen Firma schreibt. Meiner Ansicht nach muss man solche Aktien von der Börse nehmen, denn es werden immer wieder Laien zu Spekulationen in diese Aktien hinein gezogen. Doch die Finanzindustrie verdient recht gut an diesen Penny-Stocks: Broker spekulieren gegen die Laien, kaufen immer wieder zu einem Cent und verkaufen zu zwei Cent. Und die Börsen freuen sich über die Provisionseinnahmen, die diese Umsätze generieren. Für Börse und Broker gibt es also keinen Grund, die Aktien von der Notierung auszusetzen. Na und Ihre Bank verdient normalerweise eine Jahresgebühr je Position in Ihrem Depot, auch Ihre Bank hat also nichts dagegen einzuwenden, Sie mit ein wenig Hoffnung auf die Wiederauferstehung zu versorgen.

Ich bin sicher, es gibt nun den einen oder anderen, der mir beweisen kann, dass er mit dem Spekulieren in diesen scheintoten Aktien schon einmal viel Geld verdient hat. Doch das ist die Ausnahme. Ich erhalte unzählige Anfragen und immer sind es Privatanleger, die durch das hohe Handelsvolumen noch ein Fünkchen Hoffnung haben – leider meist zu Unrecht.

Über den AutorStephan Heibel ist Herausgeber des Börsenbriefes Heibel-Ticker, den Sie hier kostenfrei abonnieren können.

Kategorie(n) Börsenbrief - Leserfragen
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Die Solar-Fabrik hatte einen strategischen Fehler gemacht: Sie hat eine eigene Silizium-Fabrik in Südostasien aufgebaut. Dies geschah zu einem Zeitpunkt, als Silizium rar und teuer war. Sodann folgte der Siegeszug der Dünnschichttechnologie, die mit einem Bruchteil von Silizium auskommt, sowie die Finanzkrise, in deren Umfeld der Siliziumpreis einbrach. Silizium gibt es wie Sand am Meer – Silizium ist nämlich Sand. Der Engpass entstand aufgrund der Herstellungskapazitäten und ist inzwischen nicht mehr vorhanden. Die teure Investition seitens der Solar-Fabrik wurde inzwischen wieder verkauft und der Verlust wurde abgeschrieben.

Solar-Fabrik

Gleichzeitig ist der Markt für Solarmodule eingebrochen: Die Solar-Fabrik konnte aufgrund der hohen kalkulatorischen Kosten für Silizium keine wettbewerbsfähigen Solarmodule anpreisen. Die Produktion stand zum Teil still, die Lagerhallen sind voll mit Modulen. Der Vorratsbestand ist im Septemberquartal des vergangenen Jahres um das Fünffache angestiegen. Hohe Lagerbestände binden Kapital.

Alte Solarmodule können zu einem späteren Zeitpunkt teilweise nicht mehr kostendeckend verkauft werden, so entsteht hier nochmals ein Verlust, wenn der Lagerbestand abgeschrieben wird. Der freie Cashflow hat sich aufgrund dieser Kapitalbindung sehr negativ entwickelt, die liquiden Mittel sind von 26 Mio. auf 1,8 Mio. Euro gefallen – für ein Unternehmen wie die Solar-Fabrik bedeutet das, dass es praktisch von der Hand in den Mund lebt. Während die langfristigen Verbindlichkeiten leicht zurückgegangen sind, stiegen die kurzfristigen Verbindlichkeiten stark an. Ich interpretiere daraus, dass die Solar-Fabrik keine langfristigen Finanzierungen mehr auf die Reihe bekommt, sondern stets nur kurzfristige Verlängerungen der Rahmenkredite erhält.

Die beschleunigte Förderkürzung erhöht den Druck auf die Preise für Solarmodule, so dass auch künftig vielleicht ein Anziehen der Nachfrage, jedoch keine Entlastung beim Preisdruck zu erwarten ist. In meinen Augen ist die Zukunft der Solar-Fabrik sehr kritisch zu sehen. Das Unternehmen braucht dringend neue langfristige Kredite, bekommt diese jedoch nicht. Irgendwann werden die Banken den Hahn zudrehen, wenn nicht eine Trendwende erfolgt – und diese Trendwende erwarte ich eben nur im Volumen-Bereich, nicht im Preis. Unternehmensangaben zufolge bessert sich die Ergebnislage im laufenden Jahr, doch ich fürchte, dass dort eine Menge Zweckoptimismus in der Prognose enthalten ist.

Ein Ausweg könnte der Weg sein, den Solon beschreitet: Solon hat in Aussicht gestellt bekommen, vom Deutschlandsfonds Bürgschaften und Kredite zu erhalten, weil die Probleme der Solarbranche unmittelbar auf die Finanzkrise zurückzuführen sind.  Sollte Solon erfolgreich sein, könnte eine solche Hilfe auch für die Solar-Fabrik in Frage kommen. Doch das ist ein Halm, an den man sich hier klammern würde. Insgesamt ist die Situation kritisch und ich würde die Aktien nur noch als sehr spekulative Position betrachten.

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