Februar 2010



Die Commerzbank hat heute einen “überraschend hohen Verlust” vermeldet. Viele Analysten hatten die Prognosen von CEO Blessing für viel zu optimistisch gehalten – vielleicht war da ein wenig Zweckoptimismus dabei. Ich habe im Mai vergangenen Jahres die Commerzbank gegen die Deutsche Bank antreten lassen. Das Ergebnis meiner damaligen Analyse, die Deutsche Bank zu kaufen und die Commerzbank zu meiden, hat Ihnen bei der Deutschen Bank bislang 20% Plus beschert, während die Hausse des vergangenen Jahres an der Commerzbank unterm’ Strich spurlos vorbei ging.

Die Detailanalyse von damals ist heute noch aktuell, so dass ich die damals nur für die zahlenden Abonennten meines Börsenbriefes Heibel-Ticker PLUS ausgearbeitete Analyse nun hier der Allgemeinheit zur Verfügung stelle. Ich wünsche eine anregende Lektüre.

Über den AutorStephan Heibel ist Herausgeber des Börsenbriefes Heibel-Ticker, den Sie hier kostenfrei abonnieren können.

>>Auszug vom Heibel-Ticker PLUS 09/20 vom 21.05.2009

04. DETAILANALYSE: DEUTSCHE BANK GEGEN COMMERZBANK
=======================================

Mein Wunsch, die beiden großen DAX-Banken analysiert zu
bekommen, haben die von mir angesprochenen professionellen
Analysten erst einmal abgeschmettert: Viel zu kompliziert, viel
zu aufwendig. Mit dem Preis, den ich bislang für die Analysen
zahlte, kommen wir da nicht hin.

Nun ist der Bankensektor aber der Kern der Krise und mein
Interesse an einer Analyse ist unglaublich groß – und somit
auch meine Zahlungsbereitschaft. Ich erläutere Ihnen dies hier
einmal, damit sie wissen, dass ich nicht die eierlegende
Wollmilchsau bin: Ich kann nicht alles wissen und insbesondere
wenn es um Detailkenntnisse zu einzelnen Unternehmen geht,
brauche ich manchmal Hilfe.

Damit der Heibel-Ticker sich weiterhin von dem allgemeinen
Gewäsch der Tagespresse abhebt, gebe ich seit einiger Zeit
spezielle Studien und Analysen in Auftrag. Ich hoffe, Sie
schätzen das bisschen „mehr” an Fakten.

Sie kennen meine Abneigung für Unternehmen, an denen der Staat
beteiligt ist. Im Fall der Commerzbank ist es jedoch
interessant zu beurteilen, in wie weit die Staatsbeteiligung
dem Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil durch günstige
Finanzierungsmöglichkeiten gibt. Auf diesen Punkt bin ich von
vielen Kunden angesprochen worden.

Grundsätzlich könnte die Sicherheit, die eine staatliche
Beteiligung an der Commerzbank ausstrahlt, den Vorteil am
Markt, den die Deutsche Bank durch ihr geschicktes taktieren
hat, aufwiegen. Doch wenn wir uns die Details der beiden
Unternehmen anschauen, neigt sich die Waagschale deutlich zu
Gunsten der Deutschen Bank.

Ich habe die Fakten mit meinen Erklärungen und Interpretationen
angereichert und meine Schlussfolgerungen daraus dargelegt.

DETAILANALYSE DEUTSCHE BANK – COMMERZBANK

Das Jahr 2008 war grottenschlecht für die Finanzbranche, Broker
und Banken fielen um wie die Fliegen. Ausgehend von einer
Stabilisierung an den Finanzmärkten im Jahr 2009 erwarten die
Experten folgende Entwicklungen:

Der operative Gewinn dürfte bei der Deutschen Bank um 71,5%
gegenüber dem Vorjahr anwachsen, bei der Commerzbank lediglich
um 41,2%. Ursächlich dafür ist unter anderem auch der hohe
Verwaltungsaufwand der Commerzbank, der insbesondere durch die
Übernahme der Dresdner Bank (Rechtsberatung,
Unternehmensberater und Verhandlungskosten) sowie durch die
Kapitalerhöhungskosten für den Einstieg der SoFFin verursacht
wurde. Der Verwaltungsaufwand der Commerzbank könnte dadurch um
68,2% ansteigen, bei der Deutschen Bank wird nur ein Anstieg um
5,3% erwartet.

Auf der Ertragsseite verteilen sich die Gewinne der Deutschen
Bank wesentlich gleichmäßiger auf die drei Bereiche
Zinsergebnis (48%), Provisionsergebnis (39%) und
Handelsergebnis (13%). Die Commerzbank wird voraussichtlich den
Großteil ihres Gewinns im Bereich der Zinserträge
erwirtschaften (67%), auch das Provisionsergebnis ist dann noch
ordentlich (36%, bei Handel wird jedoch ein Verlust erwartet (-
2%). Als konservativer Anleger ist das diversifizierte Ergebnis
der Deutschen Bank klar vorzuziehen. Wer auf eine weitere
Verbesserung der Zinskurve zugunsten der Banken (kurze Zinsen
sinken, lange steigen) spekulieren will, der kann sich an die
Commerzbank halten.

Im Jahr 2009 wird für die Deutsche Bank eine
Eigenkapitalrendite von 12 % erwartet. Bei der Commerzbank wird
aufgrund des zu erwartenden Verlustes Eigenkapital um -14%
verbrannt.

Das Bewertungsniveau beider Banken ist erstaunlich ähnlich,
wenn man den Buchwert betrachtet. Das Kurs/Buch-Verhältnis bei
der Deutschen Bank beträgt 65%, bei der Commerzbank 62%. Die
für die Notenbanken maßgebliche Tier One Ratio
(Kernkapitalquote) der Deutschen Bank beträgt 10,3%, die der
Commerzbank liegt nach der SoFFin Einlage bei 9,1%.

Als Banker läuft man stets mit einer Frage durch die Welt: Wo
liegt das Risiko? Wo liegt das Risiko? Diese Frage tickt im
Hinterkopf des Kreditberaters während er seinen Fragenkatalog
abarbeitet. So ist es nur fair, wenn wir uns als Anleger auch
einmal das Risiko der Banken anschauen. Aus der Bilanz sind
insgesamt Problemkredite im Volumen von 5,5 Mrd. Euro (Deutsche
Bank) bzw. 16,9 Mrd. Euro (Commerzbank) zu erkennen. Diese
Problemfälle sind zu knapp 45% mit Rückstellungen als
Risikovorsorge berücksichtigt.

Während die Deutsche Bank kurz vor Beginn der Finanzkrise noch
einen guten Teil ihrer Risikopapiere unter ihren Kunden
verteilte, ist die Commerzbank doppelt getroffen: Nicht nur die
toxischen Papiere der Dresdner Bank mussten mit übernommen
werden, darüber hinaus sind zwei ihrer Großkunden in unruhige
Fahrwasser abgerutscht: Schäffler und Arcandor.

COBK-PROBLEM SCHÄFFLER

Nicht nur bei der Porsche-VW-Übernahme hat sich das Blatt im
wahrsten Sinne des Wortes gewendet: Nun soll VW Porsche
übernehmen. Auch bei der Schäffler-Continental-Übernahme gibt
es seit heute Berichte, die von einer Übernahme von Schäffler
durch Conti sprechen.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen sehen die ehemaligen
„Übernahmegenies” plötzlich ganz anders aus: Es wird
offensichtlich, dass sie nichts weiter als Glücksritter waren,
denen das Glück nun jedoch nicht lange genug hold war. Doch das
ist hier nicht das Thema.

Die Commerzbank hat Kredite im Volumen von 6 Mrd. Euro an
Schäffler gegeben. Doch seit die Conti-Übernahme als
gescheitert gilt, erhält Schäffler keine Kreditverlängerungen
mehr und eine Neubewertung des Unternehmens ist notwendig. Der
eben noch finanzkräftige Aufkäufer wird so umgehend
insolvenzgefährdet und die bessere Cashflow-Situation von Conti
versetzt nun das Unternehmen in die Lage, gegebenenfalls
Schäffler aufzukaufen.

Für die Commerzbank wäre das ein Segen, denn dadurch würde der
6 Mrd. Euro Kredit an Schäffler abgelöst werden. Ein
Problemkredit wäre damit beseitigt.

Bleibt es bei der gegenwärtigen Konstellation, wird Schäffler
aufgrund der angespannten Liquiditätslage weiter in Bedrängnis
geraten und früher oder später wird die Commerzbank Teile des 6
Mrd. Euro Kredits abschreiben müssen.

Das wäre ein Schlag für das Unternehmen und würde die
Diskussion um weitere Hilfen durch die SoFFin ins Leben rufen.
Ein solches Szenario kann ich mir nicht vor den nächsten
Bundestagswahlen vorstellen, denn politisch würde das die
Rettungsaktion genau dort positionieren, wo sie von Kritikern
gerne gesehen wird: ein Fass ohne Boden.

COBK-PROBLEM ARCANDOR

Karstadt / Quelle, oder Arcandor wie das inzwischen kleine
Unternehmen heute heißt, braucht im weiteren Jahresverlauf
Verlängerungen von Kreditzusagen in Höhe von 900 Mio. Euro.
Einem Unternehmen, das jedoch seit Jahren rückläufige Umsätze
hat, Verluste schreibt und ebenfalls in Richtung Insolvenz
schliddert, gibt man nur ungern neue Kredite.

Aus eigener Kraft wird es Arcandor kaum mehr schaffen: Das
Unternehmen hat bereits den Staat um Hilfe gebeten. Durch
Staatsbürgschaften sollen die wichtigsten Kreditgeber aus dem
Risiko genommen werden. Es handelt sich dabei um die
Commerzbank, die Bayern LB und die Royal Bank of Scotland
(RBS).

Die RBS hat sich inzwischen gegen die Staatsbürgschaften
ausgesprochen, da sie dadurch befürchten muss, an Einfluss und
Sicherheiten zu verlieren. Sollte Arcandor nach einer
Staatsbürgschaft über den derzeit in Frage stehenden
Kreditbetrag dennoch in die Insolvenz gehen, würde der Staat
als Bürgschaftsgeber noch vor der RBS Sicherheiten verwerten
können, um die restlichen ausstehenden Kredite zu tilgen.

Diesen Verlust an Einfluss will die RBS nicht zulassen und
beschwert sich daher lautstark über eine mögliche
Staatsbürgschaft als Wettbewerbsverzerrung. Der Metro kommt
dies Geplärr gerade Recht, versetzt es sie in die Lage, den
Wettbewerber Arcandor gegebenenfalls günstig aufkaufen zu
können. Somit ist Arcandor nun gezwungen mit der Metro AG über
ein eventuelles Zusammengehen zu verhandeln.

Für die Commerzbank ist diese Situation höchst ungewiss denn im
Falle einer Insolvenz sind ausstehende Kredite zu einem Teil
abzuschreiben. Allerdings hält sich der Betrag von 900 Mio.
Euro, der sich noch auf die obigen Kreditgeber verteilt, in
Grenzen.

COBK PROBLEM DRESDNER BANK

Obwohl das Gelb der Postbank viel besser zum Geld der
Commerzbank gepasst hätte, wurde in einem Überraschungscoup
durch den Vorstandsvorsitzenden Blessing plötzlich die
Übernahme der Dresdner Bank von der Allianz bekannt gegeben.
Dadurch ist die Commerzbank die Bank mit dem größten Filialnetz
in Deutschland und hat am meisten Privatkunden.

Für Blessing, der 1997 bis 2000 mit verantwortlich war für das
Privatkundengeschäft der Dresdner Bank, passt dieser Bereich
wunderbar zur Commerzbank. Synergien und Einsparpotential sind
seinen Worten zufolge wesentlich größer als mit der Postbank –
da bleibt dann genug Geld übrig, um die grüne Farbe in Gelb
umzustreichen.

Doch die Übernahme gelang nicht seinen Wunschvorstellungen
entsprechend: Er musste auch das defizitäre Investmentbanking
der Dresdner Bank übernehmen. Dort stecken noch eine Menge
toxischer Papiere, die schlimmstenfalls nochmals für kräftige
Abschreibungen sorgen könnten. Immerhin hat die Allianz beim
Verkauf zugestanden, etwaige Verluste aus diesem Bereich mit zu
tragen. Doch das Engagement der Dresdner Bank in diesem Bereich
ist höchst defizitär und sorgt für eine große Risikoposition
bei der Commerzbank.

COBK PROBLEM SOFFIN

18 Mrd. Euro hat der Staat über den Sonderfonds für
Finanzmarktstabilität SoFFin in die Commerzbank investiert.
Dieser Betrag wird mit 9% verzinst, die Commerzbank muss also
jedes Jahr 1,5 Mrd. Euro an den Staat abführen, bis die SoFFin
Einlage zurück geführt werden kann.

Eine Eigenkapitalspritze kann eigentlich keine Verzinsung
haben, somit heißt diese Verpflichtung auch nicht Verzinsung,
sondern eben Dividende. Der Staat erhält für seine Einlage eine
jährliche „Dividende” von 9%.

Im Boomjahr 2006, als die Banken Rekorde über Rekorde
vermeldeten, hat die Commerzbank einen Nettogewinn von 6,5 Mrd.
Euro erwirtschaftet. Im Jahr 2002, als die damalige Krise die
Bilanzen der Banken verhagelte, verdiente die Commerzbank
gerade einmal 400 Mio Euro. Nehmen wir einmal an, dass die
Commerzbank ab dem Jahr 2012 wieder Gewinne erwirtschaftet, so
zumindest die Planung des Unternehmens, dann könnten wir uns
einen operativen Gewinn von 4 Mrd. Euro vorstellen. Davon sind
Zinszahlungen an den Staat und an andere Anleiheneigner
abzuziehen, so dass die Rückführung der SoFFin Einlage im Jahr
2012 mit einem Betrag von etwa 850 Mio. Euro beginnen könnte.

Durch die sinkende Zinslast und die dadurch steigende
Rückführung könnte die Commerzbank nach dieser Rechnung im Jahr
2023 die letzte Tranche an den Staat zurück zahlen. Bis dahin
wären nach dieser Rechnung keine Dividenden für Aktionäre
vorgesehen!

Nun kann sich der Markt besser oder schlechter entwickeln, als
es sich derzeit abzeichnet, so dass diese Prognose natürlich
nur eine Möglichkeit darstellt, die die Dimension der
Staatseinlage verdeutlichen soll. Auch wenn sich die
Finanzmärkte wesentlich besser entwickeln als derzeit zu
erwarten ist, wird die Commerzbank noch auf Jahre an der
Rückzahlung der SoFFin Einlage knabbern und in dieser Zeit kaum
eine Dividendenzahlung an die Aktionäre durchsetzen können.

PROBLEME DER DEUTSCHEN BANK

Entfallen.

Hieraus ersehen Sie auch schon die unterschiedliche
Einschätzung der beiden Banken: All die Risiken der Commerzbank
belasten den Kurs. Sollten sich einzelne oder mehrere der
Problembereiche der Commerzbank in Luft auflösen, so dürfte der
Kurs abheben. Doch darauf würde ich als seriöser Anleger nicht
spekulieren.

Wer eine solide Bankaktie haben möchte, der hält sich lieber an
die Deutsche Bank. Sie kennen meine moralische Betrachtung von
Josef Ackermann, dessen Verhalten ich in unserer „Sozialen”
Marktwirtschaft für untragbar halte. Doch aus Sicht eines
Aktionärs ist es gut, dass Ackermann in seinem Amt als CEO der
Deutschen Bank bestätigt wurde.

Unter seiner Leitung hat die Deutsche Bank frühzeitig die
Bilanz von toxischen Papieren befreit und war somit bestens für
die Krise gerüstet. So war es möglich, im ersten Quartal 2009
bereits wieder einen ordentlichen Gewinn zu erwirtschaften, der
deutlich über den Markterwartungen lag.

Die Deutsche Bank hat keine Ergebnisbelastung durch
Fremdkapitalkosten wie die Commerzbank zu verkraften. Auch im
Vergleich zu anderen internationalen Bankhäusern, wie
beispielsweise den amerikanischen Banken, die TARP-Gelder
nehmen und nun verzinsen müssen, hat die Deutsche Bank somit
einen Vorteil.

Es ist nicht so, dass die Deutsche Bank mit einem gesunden
Geschäft strotzt und exorbitante Wachstumsraten aufweisen
könnte. Aber das kann derzeit keine einzige Bank. Doch die
Deutsche Bank ist solide aufgestellt und ist frei von
irgendwelchen überdimensionierten Problembereichen und kann
dadurch frei agieren, gegebenenfalls ist die Deutsche Bank in
der Lage zu expandieren und das Geschäft auszuweiten.

GEGENÜBERSTELLUNG DEUTSCHE BANK – COMMERZBANK

Je größer das Risiko, desto größer die Chance. Diese Weisheit
kennt jeder Anleger und für unsere beiden Banken trifft dieser
Spruch den Nagel auf den Kopf.

Neben Arcandor, Schäffler, der Dresdner Bank und der SoFFin
schlummern bei der Commerzbank noch große Engagements in
Osteuropa in der Bilanz, ein Fünftel der Problembereiche
stammen von Gewerbeimmobilien und weitere Immobilienderivate
(ABS) im Bestand der Commerzbank runden das Schreckenszenario
ab.

Mit einer Marktkapitalisierung von aktuell 5 Mrd. Euro ist die
Commerzbank jedoch nur noch mit einem Sechstel der Deutschen
Bank bewertet. Wenn Sie sich vor Augen halten, dass die
Commerzbank das größte Privatkundengeschäft in Deutschland hat,
dann ist dieser Bewertungsunterschied erheblich.

Die Deutsche Bank hingegen hatte im ersten Quartal insbesondere
durch den großen Emissionsbedarf von Anleihen des Staates ein
Bombengeschäft zu vermelden. Dies wird im weiteren
Jahresverlauf abnehmen, da die Kuh ja nun vom Eis ist, wie Sie
in der heutigen Ausgabe gelesen haben. Diese Sondereinnahmen
werden sich also nicht in dieser Höhe fortsetzen.

Um die Wachstumserwartungen der Anleger zu erfüllen, muss die
Deutsche Bank wohl Geschäft hinzu kaufen. Dazu gibt es derzeit
jede Menge Möglichkeiten. Die Refinanzierungsmöglichkeiten bei
der EZB sind so günstig wie nie zuvor und die Bilanz der
Deutschen Bank gibt Ackermann den finanziell notwendigen
Spielraum, um Zukäufe zu tätigen.

Doch Refinanzierungsmöglichkeiten über die EZB stehen auch der
Commerzbank zur Verfügung – und zwar trotz Staatsbeteiligung
zum gleichen Zinssatz wie für die Deutsche Bank. Was jedoch
einen Vorteil für die Deutsche Bank darstellt, ist die
Möglichkeit von Aktienplatzierungen. Während ein Aktionär der
Commerzbank im Falle einer Insolvenz erst einen Cent erhält,
wenn 73% der Vermögenswerte an Staat und Anleiheeigner
ausgezahlt wurden, erhält der Aktionär der Deutschen Bank
bereits nach 20% seinen Anteil.

Hintergrund: Mit der Finanzspritze von 18 Mrd. Euro hat sich
die SoFFin natürlich das Recht gesichert, im Falle einer
Insolvenz des Unternehmens VOR den übrigen Aktionären ihre
Einlage aus dem Unternehmen zu holen. Da die SoFFin dazu allein
55% des Unternehmenswertes beansprucht (obwohl sie nur 25% der
Anteile hält) bleibt nach den Anleiheeignern nicht mehr viel
für Aktionäre übrig.

Der Weg einer Aktienplatzierung ist für die Commerzbank also
kaum gangbar. Das wird frühestens möglich, wenn damit die
SoFFin vollständig ausbezahlt werden könnte – und das ist
derzeit noch lange nicht in Sicht.

Die Deutsche Bank hingegen kann nach dem Kursanstieg um
inzwischen sogar 200% günstig weiteres Eigenkapital über die
Börse einsammeln und für eine etwaige Einkaufstour nutzen. Im
Rahmen der Finanzmarktkrise wurden ja die großen, „systemisch”
unverzichtbaren Finanzinstitute gestützt, ungeachtet der
Nachteile, die dieses Vorgehen für die kleineren Banken hat.
Insbesondere in den USA, wo die Bankenlandschaft noch viel
zerklüfteter ist als bei uns, erwarte ich in den kommenden
Monaten noch eine ganze Reihe von Bank-Insolvenzen, bei denen
das eine oder andere Schnäppchen für die Deutsche Bank abfallen
könnte.

FAZIT

Auf Sicht vieler Jahre wird die Commerzbank keine Dividenden
zahlen können. Kapitalmarktmaßnahmen (Aktienplatzierungen) sind
unattraktiv für Anleger und damit ist die Commerzbank dazu
verdonnert, in Deutschland das Privatkundengeschäft profitabel
zu gestalten.

Phantasie kommt nicht etwa aus neuen Geschäften, sondern aus
der Aufwertung der vielen Risikopositionen der Commerzbank. Die
Commerzbank kann dazu nichts beisteuern, sondern muss auf
glückliche Marktentwicklungen hoffen. Das ist etwas für Zocker,
nicht aber für seriöse Langfristanleger.

Die Deutsche Bank ist frei von großen Problembereichen und
besitzt die bilanzielle Freiheit, in neue Märkte vorzustoßen,
wenn es ihr attraktiv erscheint. Damit kann die Deutsche Bank
also aus eigener Kraft wachsen.

Das ist in meinen Augen wesentlich attraktiver und vor dem
Hintergrund, dass der gerissene Hund Ackermann weiterhin am
Steuer des Branchenprimus bleibt, erwarte ich auch, dass diese
Möglichkeit gut genutzt wird.

Der Bankensektor wurde gnadenlos ausverkauft, die
Bewertungskennziffern sagen wenig über mögliche
Bewertungsniveaus aus. Wenn ich mich an die früheren
Ertragsmöglichkeiten der Deutschen Bank halte, dann ist ein
Kursniveau über 60 Euro noch immer günstig. Ich würde für Ende
dieses Jahres einen Kurs von bis zu 80 Euro erwarten.

Von aktuell 45 Euro ist das noch immer ein großes
Kurspotential, selbst wenn die Aktie schon um 200% zugelegt
hat.

Dieser Erwartung liegt meine Annahme einer V-Erholung der
Wirtschaft zugrunde. Sollte es wider Erwarten zu einer zweiten
Abwärtsbewegung, nicht nur an der Börse, sondern auch in der
Konjunktur, kommen, so ist dieses Kursziel natürlich erst
längerfristig realisierbar.

Über den AutorStephan Heibel ist Herausgeber des Börsenbriefes Heibel-Ticker, den Sie hier kostenfrei abonnieren können.

Kategorie(n) Börsenbrief - Leserfragen
Artikel-Info: Permalink | Trackback | RSS 2.0 für Kommentare
 

WolSchZwei wichtige Dinge sind passiert, die heute zu einer kleinen Rallye an den Börsen führen: Erstens Deutschlands Wirtschaftsminister Wolfgang Schäuble hat sich klar für eine Rettung Griechenlands ausgesprochen und zweitens US-Präsident Obama ist auf Schmusekurs mit Goldman Sachs und J.P. Morgan gegangen.

Für die Schnellleser: Ich bin überrascht, dass selbst Schäuble nun nach links umfällt, kaufen Sie Gold. Und ich bin beruhigt, dass Obama seinen Feldzug gegen die Banken und Broker nunmehr relativiert, kaufen Sie die Banken!

Aber im Einzelnen: Von 1990 bis 1995 habe ich in Würzburg Volkswirtschaftslehre studiert. Professor Issing, der zunächst die Geldpolitik der Bundesbank maßgeblich bestimmte und sodann als einer der Architekten des Euros bis vor kurzem der zuständige Geldpolitiker der EZB war, brachte uns die Idee des Euros näher. Ich habe keine Vorlesung von ihm verpasst, dies kann ich von keinem anderen Professor behaupten.

Weiter haben meine damaligen Professoren Bofinger und Berthold damals die Einführung des Euros heftig kritisiert. In den Vorlesungen wurde teilweise heftig diskutiert. Kern der Kritik war der fehlende Mechanismus für eine Behandlung von Staaten, die den Defizit-Kriterien, die den Euro stabil halten sollen, nicht entsprechen.

Heute, knapp zwei Jahrzehnte später, stehen wir an dem Punkt, an dem die damalige Diskussion zur Realität wird: Wie verfahren wir mit Griechenland? Issing hätte damals gesagt: Scheitern lassen, die müssen da aus eigener Kraft heraus. Bofinger hätte damals gesagt: Ein Scheitern lässt sich ohne Mechanismus niemals politisch durchsetzen.

Dass nun gerade Wolfgang Schäuble, der schon damals aktiv in der Regierung die Euro-Einführung begleitete, die vermeintliche Rettung Griechenlands (und damit den ersten Nagel des Sarges für den Euro einschlägt) unter dem Vorwand der Euro-Stabilität durchzusetzen versucht, ist für mich irrwitzig, wenn nicht irr – denn witzig finde ich das nicht.

Die Argumente der Euro-Befürworter unter Verzicht auf den Defizitverfahrensmechanismus (endlich, ich kann es in einem Wort ausdrücken) beriefen sich auf die Arbeitsmarktpolitik, über die sich entsprechende Probleme einzelner Länder ausgleichen würden: Die Griechen würden das Land verlassen und anderswo Arbeit suchen. Wenn man ein Land in den Ruin wirtschaftet, dann soll das wohl so sein.

Ich habe schöne Urlaube in Griechenland verbracht und ich habe einige sehr nette Halbgriechen in meinem Umfeld. Bitte werfen Sie mir also nicht vor, ich hätte etwas gegen Griechenland. Träfe es Portugal, wo ich sogar einige Jahre gelebt habe, würde ich genauso argumentieren. Die Gefahr eines „Dominoeffektes“ ist in meinen Augen zu groß. Welchen Anreiz haben Portugal, Italien oder Spanien, sich zu kasteien, wenn am Ende ohnehin Deutschland als Retter einspringt und „ach so strenge“ Auflagen gibt, die aber für das jeweilige Defizitland noch immer tausendmal besser sind als wenn man das Land sich selbst überlassen würde. Schäuble will ja das Auswandern der Griechen verhindern und dazu muss Griechenland noch ein wenig attraktiv gehalten werden.

Meiner Ansicht nach wird es den Dominoeffekt geben. Es ist einfach viel zu attraktiv für Politiker, ein kleines Land mit einer exzessiven Ausgabenpolitik schön zu machen, den Bürgern das Leben schön zu machen und am Ende ein paar „ach so schlimme“ Strafen von der EU auferlegt zu bekommen. Zumal diese Strafen aller Wahrscheinlichkeit dann von einem anderen Politiker ausgebadet werden müssen.

Die Folge für den Euro ist eine schleichende Abwertung, da die Geldmenge zu stark ausgeweitet wurde. Die Folge für Deutschland ist eine Belastung unseres Haushalts. Gelder, die wir für den Winterdienst bräuchten (hier in Hamburg ein ernsthaftes Problem!) werden nun auf die Kykladen geschickt.

Wenn wir Griechenland im Regen stehen ließen, dann können wir mit einem lauten Knall rechnen. Griechenland müsste Anlegern gegenüber ein tragfähiges Sparprogramm aufzeigen. Nur wenn dies gelingt würden Anleger weiter griechische Staatsanleihen kaufen und Griechenland hätte eine Chance, den Euro als Währung zu behalten. Andernfalls, wenn Anleger nicht zu überzeugen wären, dann wäre Griechenland irgendwann Pleite. Es müsste aus dem Euro-Verbund ausscheiden und eine eigene Währung einführen. Die Schockwellen für die Wirtschaft wären heftig, da Griechenland eng in der EU verflochten ist.

Wir sind also wieder bei der Gretchenfrage: Lieber eine Fehlentwicklung am Anfang eskalieren, kurzfristig großes Leid erfahren, dafür aber langfristig sauber aufgestellt sein oder aber auftauchende Missstände kontinuierlich verschlimmbessern, bis das ganze System kollabiert (Finanzkrise 2)? Als Volkswirt bin ich stets für den ersten Weg. Als Politiker muss man stets für die kurzfristig verträglichere zweite Lösung sein, sonst wird man nicht mehr gewählt. Schade.

Was bedeutet dies für uns? Nun, egal, ob wir den Gürtel enger schnallen und damit reale Werte kostbarer werden und der Goldpreis steigt oder aber ob wir mit der Begründung, wir hätten ja Griechenland geholfen, mit unserem Haushaltsbudget künftig dann ebenfalls etwas über die Stränge schlagen und dadurch die Inflationsrate treiben, Gold ist stets eine gute Anlagealternative.

Da es durch die Schäuble-Lösung nun kurzfristig nicht zu Turbulenzen kommen sollte, wird der Goldpreis also nicht kurzfristig als sicherer Hafen ausgesucht werden, sondern lediglich von langfristig orientierten Anlegern, die der Geldentwertung entgegenschreiten wollen. Gold ist also nichts für Zocker, sondern nur eine sinnvolle Ergänzung für ein langfristig ausgelegtes Portfolio.

Kurz noch zu Obama: Er hat gestern in einer Rede explizit die Bonusregelungen von Goldman Sachs und J.P. Morgan gelobt. Deren CEOs Lloyd Blankfein und Jamie Dimon seien herausragende Manager und hätten ihren Bonus in Unternehmensanteilen erhalten, die in den nächsten fünf Jahren nicht verkauft werden können. Nachdem Obama mit Sondersteuer und „Banken müssen für die Rettungsaktionen zahlen“ ziemlich stark gegen die Banken vorgegangen war, erscheint die gestrige Rede wie ein Richtungswechsel.

Mal sehen, wie das seine Politik beeinflusst. Zumindest scheint damit die Gefahr eines vollständig zerstörerischen Feldzuges gegen die Banken gebannt. Ich denke, dass die Bankaktien nach den heftigen Abschlägen der vergangenen Wochen nun bald eine Gegenbewegung erleben sollten.

Über den AutorStephan Heibel ist Herausgeber des Börsenbriefes Heibel-Ticker, den Sie hier kostenfrei abonnieren können.

Kategorie(n) Börsenbrief - Leserfragen
Artikel-Info: Permalink | Trackback | RSS 2.0 für Kommentare
 

JahresbilanzHallo Herr Heibel,

kurzes knappes, aber positives Feedback zu Ihrer Neuerung PDF:

Doppelt gemoppelt hält (manchmal) besser!

Ich sehe nur Vorteile:
Die Textversion ist sehr gut geeignet sich – auch bei einem Abruf über eine langsame Internet-Verbindung – auf dem Laufenden zu halten, die PDF-Version bereichert die Informationen noch mit graphischer Aufbereitung und zusätzlichen Charts.

Super! Bitte weiter so!

Und bitte machen Sie so ‘unprofessionell’ weiter. Sachlichkeit ist sicherlich wichtig, aber dabei darf aus meiner Sicht das Persönliche nicht zu kurz kommen. Meine Erfahrung aus meinem Berufsleben sagt mir, dass nur dann, wenn man auch bereit ist, sich auch persönlich auf sein Gegenüber einzulassen, sich der Erfolg langfristig einstellt. Erfolg in diesem Sinne ist nicht an der Börse, sondern langfristig zufriedene Leser, die sich allwöchentlich darauf freuen Ihren Ticker zu lesen.

Auch hier also: Super! Bitte weiter so!

Ich bin zwar nicht Ihrer Meinung, dass wir uns in einem Bullenmarkt befinden; im Gegenteil, ich erwarte noch einen sehr, sehr heftigen Dämpfer unter das Ausgangsniveau vom März 2009. Das hindert mich aber nicht daran, Ihre Empfehlungen als das zu nehmen, was Sie sich auch wünschen: Ein Hilfsmittel. Und wenn ich selbst zu der Überzeugung komme, dass das, was Sie empfehlen auch umgesetzt werden sollte, dann tue ich das auch. Wenn man sofort Ihre Empfehlungen 1:1 umsetzen würde, hieße das in Sachen Börse seine Mündigkeit aufzugeben und das kann es nicht sein.

Das ist übrigens auch der Grund, weshalb ich beim Trading-Monat Oktober nicht mitgemacht habe: Wenn das Prinzip funktionieren soll, muss man sofort wenn Ihre Mail kommt, so handeln, wie Sie es empfehlen. Zeit, darüber nachzudenken oder auch mal eine Nacht drüber zu schlafen, hat man dann nicht. So kam es mir jedenfalls im Juli vor.

Ergebnis hier: Der Trading-Monat sagt mir nicht so zu. Ihren Hinweis an Ihre Leser fand ich gerade deshalb sehr gut.

Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit Ihrem Dienst. Auch den Termin finde ich sehr gut, da ich durch das Erscheinen kurz vor dem Wochenende genug Zeit und Muße habe, Ihren Ticker intensiv (und manchmal mit einem Schmunzeln) zu lesen.

In diesem Sinne herzliche Grüße und auch Ihnen und Ihrer Familie alles Gute und viel Gesundheit in 2010 (und darüber hinaus!).

Ihr Gert aus Aachen

Über den AutorStephan Heibel ist Herausgeber des Börsenbriefes Heibel-Ticker, den Sie hier kostenfrei abonnieren können.

Kategorie(n) Testimonials
Artikel-Info: Permalink | Trackback | RSS 2.0 für Kommentare
 

Vor etwas über zwei Jahren war Mitch Caplan, CEO von E*Trade, so ziemlich der Erste, der die Alarmglocken für die wachsende Anzahl fauler Kredite, insbesondere Immobilienkredite, im eigenen Hause läutete. Kein anderer CEO der großen Banken, die in den Jahren 2004 bis 2007 ziemlich skrupellos Kredite an Jedermann ausgaben, ohne die Solvenz ordentlich zu prüfen, wagte es, das Drama in seiner Gänze offen zu legen. So dauerte es nunmehr über zwei Jahre und noch immer wissen wir bei einer ganzen Zahl von Banken kaum, wie groß deren gefährdete Kredite und Immobilienderivate wirklich sind.

MItch Caplan erkannte seinen Fehler, immerhin hatte er selbst dieses Geschäft vorangetrieben, deckte alle Zahlen auf und musste kurze Zeit später seinen Hut nehmen. Für zwei Jahre war nun Don Layton Interims-CEO und er schaffte es, E*Trade die Eigenständigkeit zu bewahren. Die Abschreibungen auf Kredite fraßen in die Kapitaldecke des Unternehmens. Eine Liquiditätsspritze von Citadel in Höhe von zwei Milliarden USD half dem Unternehmen über die Runden, doch erst die Umwandlung der zunächst als Anleihen ausgegebenen Papiere in Aktien sorgte für eine verträgliche Bilanz. So ist Citadel heute der größte Aktionär von E*Trade und hat einen Sitz im Aufsichtsrat.

Im 3. Quartal 2009 hat Don Layton vollständig ausgemistet. Statt des erwarteten Verlustes von sechs Cents je Aktie nahm er Abschreibungen auf die ausstehenden Kredite vor, die den Verlust auf 66 Cents je Aktie erhöhten. Für mich sieht das so aus, als wolle er ein sauberes Haus übergeben, denn zum 31.12.2009 endete der Interims-Vertrag mit Layton.

Nun sucht E*Trade einen neuen CEO und vermeldete vor zwei Wochen auf der Pressekonferenz zum Quartalsergebnis, dass es einen Wunschkandidaten gebe, mit dem man in Verhandlung stehe. Derzeit ist E*Trade also kopflos.

Das Quartalsergebnis des 3. Quartals lag nun mit einem Verlust von 4 Cents je Aktie im Rahmen der Erwartungen. Die Abschreibungen auf Kredite gehen deutlich zurück. Das niedrige Zinsniveau ermöglicht es dem Untenehmen, die Kredite günstig zu refinanzieren und somit einen Zinsgewinn zu erwirtschaften. Der sich stabilisierende Immobilienmarkt und die anziehende Wirtschaft helfen den Kreditnehmern, ihre Schulden ordentlich abzutragen.

Doch das eigentliche Kerngeschäft von E*Trade, das Brokerage-Geschäft, steht nunmehr unter Druck. Nach den turbulenten Handelsumsätzen an der Börse während der Finanzkrise ebbt das Interesse von Privatanlegern an der Börse nun ab. Die Anzahl der Transaktionen ging im 4. Quartal 2009 um 16% zurück. Auch andere Online-Broker wie Charles Schwab und TD Ameritrade haben dies gespürt und starteten einen heftigen Preiskampf. So hat nun auch E*Trade den Orderpreis von 12,99 auf 9,99 USD gesenkt.

E*Trade hat also drei Baustellen: Das große Volumen an schlechten Krediten. Dort ist Besserung in Sicht. Die Kopflosigkeit. Dort ist ein Kandidat in Sicht. Und das rückläufige Kerngeschäft. Hier ist eine neue Strategie gefragt.

Mit hohen Verlustvorträgen und einer guten liquiden Ausstattung ist E*Trade zudem ein attraktives Übernahmeziel und nicht erst einmal kursierte das Gerücht über eine mögliche Übernahme durch TD Ameritrade. Bislang haben sich die Gerüchte jedoch zerschlagen.

Fazit: Wenngleich die alten Probleme langsam gelöst werden, so scheint mir das Geschäftsmodell von E*Trade derzeit nicht besonders attraktiv. Es gibt einen Verdängungswettbewerb, bei dem kapitalkräftigere Wettbewerber vermutlich die besseren Karten haben. Ich würde mit einem Investment also warten, bis ein neuer CEO seine Strategie kund tut. Manchmal wird schon allein durch die Nominierung des CEOs offensichtlich, wohin die Reise gehen wird. Denn jeder CEO hat eine Vorgeschichte, hat Stärken und Kompetenzen.

Über den AutorStephan Heibel ist Herausgeber des Börsenbriefes Heibel-Ticker, den Sie hier kostenfrei abonnieren können.

Kategorie(n) Börsenbrief - Leserfragen
Artikel-Info: Permalink | Trackback | RSS 2.0 für Kommentare
 

Ich habe mir soeben das Quartalsergebnis von Visa angeschaut. Mit 65% Weltmarktanteil am Kreditkartenmarkt ist Visa in meinen Augen ein guter Indikator für die Konsumfreude der Menschen weltweit. Insbesondere in den USA ist die Zahlungsmethode mit Kredit- oder Guthabenkarte weit verbreitet, da dort das Lastschrift- und Überweisungsverfahren kaum entwickelt ist. Die Alternative ist das Versenden von Schecks per Briefpost.

So berichtet das Unternehmen von einem anhaltenden Trend hin zu Plastikgeld. Sowohl die Anzahl der Transaktionen, als auch die gezahlten Beträge lagen über den Erwartungen der Analysten. Da Visa kaum Fixkosten hat und am Zahlungsvolumen einen festen Prozentsatz verdient, profitiert das Unternehmen von der anziehenden Konsumfreude der Karteninhaber. Im abgelaufenen Quartal verdiente das Unternehmen 99 Cents je Aktie (erwartet wurden 91 Cents je Aktie). Der Umsatz stieg um 13% auf 1,96 Mrd. USD an (erwartet wurden 1,91 Mrd. USD). Die operative Gewinnmarge lag mit 59,9% ebenfalls über den erwarteten 57%. Bei einem Umsatzwachstum von 11-15% im laufenden Jahr möchte das Unternehmen mindestens 20% mehr verdienen als im Vorjahr. Dieser Trend solle, so CEO Joseph Saunders, auch im Jahr 2011 anhalten.

Können Sie sich noch an die Kreditkartenkrise erinnern, die im Jahr 2009 mehrfach heraufbeschworen wurde? Ich habe Ihnen damals das Volumen der ausstehenden Kreditkartenkredite ins Verhältnis gerückt und konnte Sie hoffentlich davon überzeugen, diese vermeintliche Gefahr als Ente zu sehen. Und so wird es Sie nicht überraschen wenn Sie nun hören, dass die Kreditausfälle rückläufig sind und das Kreditvolumen wieder zu steigen beginnt.

Während wir auf politischer Ebene derzeit ein Chaos erleben, packen sich die Unternehmen liquide Mittel auf die Seite, Visa sitzt auf 6 Mrd. USD liquiden Mitteln. Klar, die Unternehmen sind nun schlank aufgestellt, nachdem sie die jüngste Krise für Restrukturierungen nutzten und scheuen sich dennoch von großen Investitionen, denn Obama könnte Sondersteuern einführen, der Euro könnte kollabieren, China könnte sich vom Rest der Welt abnabeln und der Himmel könnte uns auf den Kopf fallen. Wenn all diese Befürchtungen im Verlauf der nächsten Wochen von den Titelseiten der Medien verschwinden, dann werden Investitionen getätigt, Unternehmensbewertungen angepasst (bei Visa nach oben!) und entsprechend die Aktienkurse steigen.

Mit einem aktuellen KGV von 29 sieht die Bewertung für Visa zwar optisch hoch aus. Doch wenn ich mir die 20% Gewinnwachstum auf zwei Jahre anschaue und berücksichtige, dass Visa aus einer Finanzkrise kommt, in der hohe Abschreibungen und niedrige Gewinne erzielt wurden, dann kann ich mir gut vorstellen, dass nach diesem herausragenden Quartalsergebnis die Prognosen für das laufende Jahr angehoben werden. Und wenn statt der erwarteten 3,60 USD im laufenden Jahr eben 4,40 USD verdient werden, dann ist das von mir erwartete KGV 2010e von 19 schon wesentlich attraktiver.

Fazit: Die in den Schlagzeilen diskutierten Probleme können den Kursanstieg einiger Unternehmen mit herausragenden Quartalsergebnissen zwar verzögern, nicht jedoch verhindern. Visa wird meines Erachtens kräftig ansteigen, wenn die Analysten in den nächsten Wochen ihre Erwartungen an die verbesserten Aussichten anpassen.

Über den AutorStephan Heibel ist Herausgeber des Börsenbriefes Heibel-Ticker, den Sie hier kostenfrei abonnieren können.

Kategorie(n) Börsenbrief - Leserfragen
Artikel-Info: Permalink | Trackback | RSS 2.0 für Kommentare