August 2009



Sehr geehrter Herr Heibel,

vielen Dank erst mal für die Antwort auf meine Leserfrage. Ich bin kein Experte und kann daher nur meine Beobachtungen schildern; für eine Analyse fehlen mir einfach die Fachkenntnisse (und die Zeit, im Moment habe ich aber Urlaub).

Glücklicherweise bietet Yahoo – derzeit noch kostenlos – eine Finanzdatenbank mit simplen grafischen Tools. Ich habe damit eine Grafik erstellt, in der die Entwicklung des S&P 500 (^GSPC) und die Rendite der 10-jährigen T-Notes (^TNX) in den letzten fünf Jahren verglichen werden.

Daraus kann man m.E. folgende Schlüsse ziehen:

- Die Rendite steigt, wenn die Aktien steigen. Bei genauer Betrachtung erkennt man sogar einen Vorlauf der Staatsanleihen, was die Wendepunkte betrifft. Die Rendite hatte ihr Hoch im Sommer 2007, während die Aktien noch bis Oktober weiter gestiegen sind. Das Renditetief kam im Januar 2009, der Wendepunkt bei den Aktien erst im März. Deshalb habe ich großen Respekt vor der Prognosekraft des Rentenmarkts, deshalb hatte mich auch die zuletzt wieder fallende Rendite beunruhigt.

- Der annähernde Gleichlauf lässt sich mit wachsender Anlagebereitschaft in beiden Asset-Klassen (so Ihre These) oder mit Umschichtungsvorgängen erklären (so meine These: das Geld schwappt hin und her).

- Die Rendite ist während der letzten Hausse (2003 bis 2007) zweimal über fünf Prozent gestiegen (Sommer 2006 und 2007). Da die Rendite aktuell erst bei 3,85 % steht, scheint mir noch “Luft nach oben” zu sein, was indirekt auch weiter steigende Aktienkurse impliziert.

Meine Leserfrage ist übrigens ein bisschen von den Ereignissen überrollt worden. In der letzten Woche hat sich ein “Renditesprung” von 35 Basispunkten vollzogen, den ich als bullishes Signal für die Aktien sehe (die Umschichtung von Staatsanleihen in Aktien ist angelaufen). Jetzt ist meine Welt wieder in Ordnung.

tnx

Wenn man nur den Chart für die Rendite betrachtet, erkennt man, dass der Marke von 4 % sowohl als Widerstand als auch als Unterstützung große Bedeutung zukommt. Möglicherweise “platzt der Knoten”, wenn die Rendite auf 4 % Prozent steigt. Dann müsste die Umschichtung in Aktien richtig Fahrt aufnehmen. Steigt die Rendite allerdings zu hoch (über 5 %), werden zumindest einige Anleger wieder aus den Aktien herausgelockt. Was halten Sie von diesen Überlegungen?

Mit freundlichen Grüßen , Reimar aus Bonn

ANTWORT:

Ich finde Ihre Überlegungen sehr gut – bis auf dass die Prognosekraft leider im Nachhinein deutlicher sichtbar wird, als in Echtzeit. Wenn wir also nun retrospektiv erkennen, dass kurz vor den markanten Wendepunkten der Aktienbörse irgendwelche Wendepunkte am Rentenmarkt erfolgten, so sieht das aus heutiger Perspektive gut aus. Doch wenn Sie genau hinschauen, dann hätten auch die Wendepunkte am Rentenmarkt schon im Frühjahr 2005 und im Sommer 2006 erfolgen können. Der Boden hätte ebenfalls bereits im Frühjahr 2008 erreicht sein können.

Vielen Dank also für die Veranschaulichung der Abhängigkeit beider Märkte. Doch für Prognosen würde ich die Relation der beiden Verläufe nicht heranziehen. Viel besser gefällt mir Ihre Schlussfolgerung, dass der Rentenmarkt erst bei 5% überhitzt. Diese Marke verwende ich ebenfalls seit vielen Jahren als Warnung  für eine Kapitalverknappung und dadurch folgend ein baldiges Ende einer Aktienrallye.

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ms-yahooLieber Herr Heibel,

ich lese jede Woche gerne Ihren Heibel TickerPlus. Ihre Einschätzungen und Kommentare zum Yahoo – Microsoft Deal habe ich mit einem guten Bekannten in CA per E-mail diskutiert. Hier ist was er dazu meint:

“I completely disagree with the comparison he’s making to Mercedes/BMW.  It (Yahoo using Bing) would be like Mercedes using a BMW motor, but still having complete control over everything the customer sees – the body, interior, all the gadgets…that’s what most consumers really care about (assuming the motor they get from BMW is of equal or better quality to the old one). ”

Was denken Sie? Da könnte doch etwas dran sein. Geht es jetzt, da die Wachstumsraten sich einer gewissen Sättigung nähern, nicht mehr und mehr um Marketshare?
Mit freundlichen Grüßen, Lothar aus Schwalmtal

ANTWORT:
So wie die Amerikaner Autos bauen, kann ich nachvollziehen, dass Ihr Bekannter den Vergleich nicht nachvollziehen kann. Bei Mercedes und BMW werden Motor und Auto aufeinander abgestimmt, so das ein BMW-Motor in einem Mercedes zu einem schlechten Fahrverhalten führen würde – so in etwa wie das Fahrverhalten eines Buick ;-)

Aber ich kann sein Argument nachvollziehen: Wenn die Geschäftsfelder erschlossen sind und es nun nur noch um die Verteilung der Marktanteile geht, dann ist es letztlich egal, wer die zuvor genau definierten Ergebnisse einer Suchmaschinenlogik liefert. In meinen Augen ist der Markt aber noch lange nicht reif, es lassen sich immer neue Geschäftsmodelle auf die Suchmaschinen aufsetzen und diese Chance hat Yahoo! nun verspielt, Yahoo! wird auf dem heutigen Stand der Werbung über Suchmaschinenergebnisse stehen bleiben während Microsoft und Google das Konzept auf Handys ausweiten können, Geotagging zufügen können etc.

Um beim obigen Vergleich zu bleiben: Mercedes könnte dann nur ein neues Auto entwickeln, das den neuen Motor von BMW nutzt. Wenn Mercedes jedoch einen speziellen Motor für ein gänzlich neues Autokonzept sucht, dann fehlt das entsprechende Knowhow.

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Sehr geehrter Herr Heibel,

haben Sie weitere Informationen zu Q-Cells? Ich bin leider vor einiger Zeit zu Kursen von 50,- Euro eingestiegen und beobachte seitdem den Abwärtstrend auf jetzt 11,-€.

Heute dann folgende News:
Q-Cells verzeichnet im 2Q EBIT-Einbruch auf -62 (Vq +15) Mio EUR. Die Geschäfte des Solarzellenherstellers Q-Cells haben sich im zweiten Quartal weiter verschlechtert. Wie das TecDAX-Unternehmen mitteilte, rechnet es nun mit einem verminderten Umsatz von rund 142 Mio EUR (Vorquartal 225 Mio EUR) und erwartet einen Einbruch des operativen Ergebnisses (EBIT) in den drei Monaten per Ende Juni auf etwa minus 62 Mio EUR (Vorquartal 15 Mio EUR).

Haben Sie eine Meinung / Bewertung dazu? Was macht man in solch einer Situation am Besten – Augen zu und durch und das Ganze als Langfristinvestment liegen lassen bzw. nachkaufen?

In Ihrem Newsletter taucht Q-Cells regelmäßig in den Sentimentdaten unter Privatanleger bzw. Analysten Kauf bzw. Verkauf auf – was kann aus dieser Sparte jeweils gefolgert werden?

Vielen Dank für Ihre Meinung zu Q-Cells!

Freundliche Grüße, Andreas aus Singen

ANTWORT:

Die Herstellung von Solarzellen ist kein Hexenwerk, zumindest hat Q-Cells keinen Wettbewerbsvorteil, mit dem sich das Unternehmen von der Konkurrenz abheben kann. Als die Nachfrage nach Solarlösungen groß war, die Abnahme galt als gesichert und Finanzierungen waren durch die gesicherte Abnahme leicht zu bekommen, da stach Q-Cells durch große Produktionskapazitäten hervor. Großes Umsatzwachstum war die Folge.

Heute stimmt zwar noch immer die Abnahmegarantie durch weltweite Gesetze wie das deutsche EEG, doch gibt es wesentlich mehr Solarzellenhersteller als vor wenigen Jahren. Es gibt Überkapazitäten! Gleichzeitig hat die Finanzkrise dazu geführt, dass auch für als sicher geltende Projekte die Finanzierung nicht so leicht zu bekommen ist. Die Folge sind geringere Umsätze bei gestiegenem Kostendruck.

Kann sein, dass die Nachfrage bald wieder anzieht, weil die Finanzierungen wieder leichter zu bekommen sind. Aber das Angebot ist nachhaltig größer geworden, Q-Cells spricht von Überkapazitäten im eigenen Konzern von 50%. In dieser Situation würde ich über eine Gegenreaktion hinaus nicht auf eine langfristige Erholung setzen. Dazu hat Q-Cells, wie eingangs gesagt, nicht ausreichend Alleinstellungsmerkmale in der Produktion. Der Wettbewerb wird härter und die Margen kleiner. Die ursprünglichen Gewinnmargen sind Geschichte und somit wird die Aktie in meinen Augen kein überproportionales Aufwärtspotential haben.

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