April 2009



Von Mexiko aus breitet sich ein neuer Stamm an Schweinegrippe (H1N1) immer weiter aus, erste infizierte Menschen sind bereits in Spanien nachgewiesen worden. Einen Impfstoff gegen die Schweinegrippe gibt es nicht, lediglich die Eindämmung der Ausbreitung ist über antivirale Mittel wie Tamiflu (Roche) und Relenza (GlaxoSmithKline) möglich.

Erinnerungen an die Spanische Grippe aus dem Jahr 1918 bis 1919 werden wach: Damals starben schätzungsweise 40 Millionen Menschen an dieser kontinentübergreifenden Infektionskrankheit. So war die Panik groß, als im Jahr 2003 mit SARS ein ähnliches Virus sich auszubreiten drohte. Ein mehrstufiger Krisenplan wurde erarbeitet, um künftig für solche Fälle gerüstet zu sein. 2006 wurde das Aufkommen der Vogelgrippe (H5N1) dank dieses Plans schon sehr umfangreich und früh eingedämmt.

Es wäre blauäugig anzunehmen, dass die Schweinegrippe ungefährlich ist. Doch die hygienischen sowie medizinischen Verhältnisse weltweit sind heute nicht mehr vergleichbar mit denen nach dem ersten Weltkrieg, als sich die Epidemie zu einer Pandemie auswuchs. Dennoch reagieren die Börsen sehr empfindlich auf die Ausbreitung dieses Virus. Hier meine Einschätzung für Anleger bzw. Spekulanten:

Spekulation auf steigende Kurse bei entsprechenden Pharma-Werten wie Roche (+14% seit vergangenem Wochenende) oder GlaxoSmithKline (+7% seit vergangenem Wochenende) haben kurze Beine, denn bei diesen beiden Unternehmen ist der absolute Umsatzanteil der beiden antiviralen Mittel Tamiflu bzw. Relenza so gering, dass durch eine Umsatzvervielfachung in diesem Bereich dennoch der Gewinn des gesamten Unternehmens kaum beeinflusst wird.

Es gibt eine Reihe kleinster Pharma-Unternehmen, die sich mit der Forschung nach entsprechenden Grippeimpfstoffen beschäftigen. So ist der Aktienkurs von Novamax (NVAX), ein kleines Forschungsunternehmen, dass sich auf Grippeviren spezialisiert hat, seit gestern bereits um 175% angesprungen. Auch Biocrest (BCRX), ein Biotechnologieunternehmen, das im Bereich Influenza forscht, konnte seinen Aktienkurs schon mehr als verdoppeln.

Doch aufgrund der komplizierten Bekämpfung der Schweinegrippe gibt es auch jede Menge Randbereiche, die davon profitieren. So reichte für den Desinfektionsmittelanbieter Pure Bioscience (PURE) eine Meldung über die erfolgreiche Desinfektion im Umfeld der Schweinegrippe durch die eigenen Desinfektionsmittel aus, um den Kurs um 75% in die Höhe schnellen zu lassen.

Alpha Pro Tech bietet Schutzmasken und Gasmasken an, mit denen sich Bürger in Metropolen gegen die Übertragung des Schweinegrippenvirus schützen wollen. Der Aktienkurs sprang um 70% an, dabei ist nicht einmal erwiesen, dass damit ein wirkungsvoller Schutz gewährleistet ist.

Mein Rat: Versuchen Sie nicht, in diesem Chaos spekulative Gewinne zu erzielen. Solche Kursgewinne haben sich während der Vogelgrippe sowie während SARS als sehr kurzlebig erwiesen. Doch sollten Sie auf der anderen Seite auch nicht leerverkaufen bzw. auf fallende Kurse spekulieren, denn niemand kann vorhersagen, wie hoch die Kurse steigen, bevor sie anschließend wieder auf ihr Ursprungsniveau zurück fallen. Die Kurse können höher steigen, als Sie es sich als Leerverkäufer leisten können.

Für Spekulanten ist diese Situation also zu willkürlich.

LANGFRISTIG EIN SEGEN FÜR DIE BÖRSE

Seit Anfang März erleben wir eine fulminante Rallye an den Börsen. Es gibt keine Konsolidierungen, geschweige denn Korrekturen, die es Anlegern ermöglichen, noch aufzuspringen. Bei jeder noch so kleinen Verschnaufpause wird sofort wieder gekauft, die Kurse steigen weiter. Hiobsbotschaften aus Wirtschaft, US-Immobiliensektor oder dem Finanzsektor werden kurz hochgepeitscht, sorgen für einen Kursrückgang von maximal 4% und dann wird sofort wieder gekauft.

Es gibt aber jede Menge Anleger, die noch einsteigen wollen. Denn das aktuelle Kursniveau wird sich langfristig als historische Einstiegsgelegenheit erweisen, das ist jedem fundamental ausgerichteten Anleger klar. Gleichzeitig gibt es noch eine ganze Reihe Institutioneller Anleger, die auf dem falschen Fuß erwischt wurden: Vor dem Hintergrund der Krise haben sie sich im Bereich Pharma und Einzelhandel übergewichtet. Und diese Bereiche haben von der Rallye bislang so gar nichts mitbekommen. Da will man diese Positionen nicht mit Minus verkaufen während im Finanzsektor 100% Plus schon die Regel sind.

Die Schweinegrippe gibt den langfristig orientierten Institutionellen Anlegern eine einmalige Gelegenheit, die versäumten Umschichtungen verspätet noch durchzuführen. Wie immer decken sich Menschen bei Angst vor einer Epidemie mit Nahrungsmitteln und Konserven ein. Wie immer werden mehr Gasmasken verkauft denn je. Und wie immer wird den Pharmaunternehmen die Lösung der Schweinegrippeproblematik zugetraut. Also steigen die Kurse genau der Unternehmen, die bei dem zu erwartenden wirtschaftlichen Aufschwung nur unterproportional partizipieren würden. Die Aktien also, die man in der aktuellen Situation am liebsten loswerden möchte. So werden in diese hochgepuschte Panik Pharma-, Biotech- und Einzelhandelsaktien von Institutionellen Anlegern an kleine Spekulanten verkauft.

Ich weiß nicht, wie lange dieser Vorgang dauern wird. Es kann innerhalb von wenigen Tagen gelaufen sein, kann jedoch auch ein bis zwei Wochen dauern. Anschließend jedenfalls erwarte ich, dass unsere breite Börsenrallye neuen Zündstoff erhalten wird.

Denn genau die konjunktursensiblen Aktien werden derzeit ausverkauft: Begonnen bei der Reisebranche, die im Rahmen einer solchen Pandemie leiden würde, über den Ölpreis, der natürlich bei weniger Reisetätigkeit fallen würde, über den Welthandel, der vor dem Hintergrund der Abschottung nationaler Volkswirtschaften ebenfalls zum erliegen käme, bis hin zu eben den Wirtschaftsunternehmen aus den bereichen Technologie, Infrastruktur, Rohstoffgewinnung, etc., die ja alle vermeintlich Geschäftsausfälle zu erleiden hätten, wenn eine weltweite Pandemie um sich greifen sollte.

Nun, ich halte das für absolut überflüssige Panikmache und rate Ihnen daher, besonnen ein paar Tage abzuwarten und dann beherzt nachzukaufen.

Über den AutorStephan Heibel ist Herausgeber des Börsenbriefes Heibel-Ticker, den Sie hier kostenfrei abonnieren können.

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Würden Sie bitte etwas näher auf Ihre Aussage '...und dann passierte etwas Schlimmes' eingehen?"

Vor wenigen Jahren wurde eine strengere Bilanzierung weltweit eingefordert. Eine der Neuerungen aufgrund dieser Forderungen war die Bilanzierungsregel “Mark-to-Market” – “Nach Marktpreisen bewerten”. Diese Regel besagt, dass Vermögenswerte in der Bilanz von Banken stets nach den aktuellen Marktpreisen bewertet werden müssen.

In der jüngsten Finanzkrise gab es jedoch teilweise Liquiditätsengpässe: Für einige Vermögenswerte, in unserem Fall insbesondere Immobilienderivate, konten keine Käufer gefunden werden. Obwohl diese Immobilienderivate einen rechnerischen Wert hatten, der, unter Berücksichtigung der Ausfallquoten und erzielbaren Preise bei Zwangsversteigerungen, beispielsweise bei 75% des Nominalwertes lag, wollte niemand diese Immobilienderivate in seinen Bestand nehmen, weil man eben “unüberschaubare” Risiken befürchtete.

Das unüberschaubare Risiko, das sich als wahr herausstellte, war die Notwendigkeit, diese Immobilienderivate zum letzten gehandelten Marktpreis zu bilanzieren. Wenn also im Rahmen der Lehman-Pleite eine ganze LKW-Ladung dieser toxischen Papiere liquidiert wurde, also verkauft wurde, egal welcher Preis geboten wurde, dann kommen eben auch Preise zustande, die teilweise lediglich 30% des Nominalwertes ausmachen. Obwohl also unter Berücksichtigung aller Katastrophen aller Wahrscheinlichkeit nach 75% des Wertes abgesichert waren, konnten unter Zeitdruck und vor dem Hintergrund der Liquiditätsprobleme aller Marktteilnehmer teilweise nur Preise von 30% des Nominalwertes realisiert werden.

Aus diesem Vorgang folgte, dass ALLE Banken, die ähnliche Immobilienderivate im Bestand hatten, diese umgehend mit 30% des Nominalwertes zu bilanzieren hatten. Dabei war es egal, ob die Banken eigentlich in der Lage sind, die Krise auszusitzen und zu warten, bis die planmäßigen Zins- und Tilgungszahlungen eingehen. Die entsprechenden Papiere mussten umgehend mit dem zuletzt gezahlten Marktpreis bewertet werden.

Nun können Sie sich vorstellen, dass da einiges an Abschreibungen vorzunehmen war, wie wir Ende 2008 gesehen haben. Und wenn eine der Banken eben nicht ausreichend Gewinne aus anderen Geschäften erzeugte, um diese Abschreibungen zu finanzieren, dann geriet eben auch diese Bank in Liquiditätsschwierigkeiten. Und so entstand der Teufelskreis, der alle Banken hätte mit in den Abgrund reißen können, wenn die Mark-to-Market Regel nicht aufgeweicht worden wäre.

Durch die Aufweichung steht es Banken nun frei, vorübergehend diese Regel zu ignorieren, sofern ein besonderer Grund dafür besteht (wie beispielsweise aufgrund eines illiquiden Marktes offensichtlich zu niedrige Preise). Die Zeiten der großen Abschreibungen sind damit vorerst vorbei, die Bilanzen der Banken werden sich in den nächsten Quartalen immer weiter verbessern. Und wenn dann im zweiten Schritt auch der Markt der Immobilienderivate wieder liquide wird, dann dürfen wir dort mit dem Gegenteil von Abschreibungen rechnen: Mit außerordentlichen Gewinnen!

Na, und wenn dann noch der Immobilienmarkt der USA selbst anspringt, und eben nicht die hohen Ausfallquoten eintreten, wie sie von Chaosvertretern errechnet wurden (Obama hat ja schon eine Reihe von erfolgreichen Programmen umgesetzt, um die Zahl der Zwangsversteigerungen zu reduzieren, sprich Problemfällen zu helfen), dann dürfen die Banken ihre Immobilienderivate noch weiter aufwerten.

Mit anderen Worten: Banken steht eine lange Rallye bevor.

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Gildemeister

Gildemeister

Als größter deutscher Werkzeugmacher trifft die Krise Gildemeister mit voller Wucht. Im Jahr 2008 wurde noch ein Rekordergebnis vermeldet, seit dem vierten Quartal 2008 jedoch gibt es kaum noch neue Aufträge. Umsatz und Gewinn werden also im Jahr 2009 deutlich einbrechen.

Der Kurs hat dies schon vorweg genommen. Von 23 auf 4,25 Euro ist der Kurs seit vergangenem Sommer eingebrochen. Wenngleich die 4,25 Euro in meinen Augen eine Übertreibung darstellten, so ist doch eine Rückkehr zur Profitabilität des Jahres 2008 vorerst nicht in Sicht. Vielmehr sucht Gildemeister durch eine Kooperation mit dem japanischen Wettbewerber Mori Seiki die Flucht nach vorne: Gemeinsam hält man einen Weltmarktanteil von 10% in der Branche der Werkzeugmaschinenbauer. Da verspricht man sich neue Märkte besser erschließen zu können.

Doch der Umsatz wird im laufenden Jahr von um 15% zurück gehen, im nächsten Jahr wird ein weiterer Rückgang um 3% erwartet. Entsprechend rückläufige Gewinne sind zu erwarten. Kurzfristig ist also auch keine bessere Profitabilität zu erwarten.

Gildemeister hat bereits den Neubau einer Fabrik in den USA gestoppt und bereitet 4/5tel der Zeitarbeiter auf das Ende ihrer Beschäftigung vor. Dank der schweren 90er Jahre ist die Kundenschicht von Gildemeister gut gestreut und die Bilanz recht solide. Das Unternehmen hat seine Hausaufgaben gemacht und ist gut auf die Krise vorbereitet. Doch kurzfristig wird Gildemeister keine sonderlich hohen Margen durchsetzen können, wer in diese Aktie investiert, der sollte es als langfristiges Investment ansehen.

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