ich halte das Short-Zertifikat China SE Shenzhen B Share Index MiniFuture S 819 o (AA0HRX), ISIN:NL0000788719, das von der der ABN Amro-Bank ausgegeben wurde.
Das Zertifikat ist seit Anfang dieses Jahres super gelaufen. Weil der Shenzhen-Index den Bach runter ging.
Ich habe drei Fragen:
1. Wie weit könnte dieses Zertifikat noch steigen, angenommen, China würde crashen? Gibt es irgendeine Formel, nach der sich der Wert des Zertifikats auf Basis des zugrunde liegenden Index berechnen lässt? Müsste es eigentlich geben, denn die Bank muss den Wert des Zertifikats ja berechnen können.
2. Wo finde ich den Shenzhen-Index (aktueller Chartverlauf)? Jahreschart Shanghai Index
3. Wie gesund ist die ABN Amro? Ich habe nichts davon, wenn das Zerifikat „im Prinzip“ super läuft, aber die Bank übern Jordan geht, wenn sich die Finanzkrise weiter zuspitzt.
Sicher lautet Ihr erster gut gemeinter Rat, einen Teil der Position zu versilbern. Aber ich rechne ziemlich fest damit, dass die Weisen in Washington, New York und sonstwo auf dem Planeten das Finanzsystem noch weiter in die Shitte fahren, mit allen Konsequenzen für die sog. Realwirtschaft. In einem solchen Szenario sollte das Zertifikat noch einige Luft nach oben haben.
Für erhellende Antworten wär ich Ihnen sehr dankbar!
Edgar
ANTWORT:
Na, da haben Sie ja einen guten Riecher gehabt. Nein, ich kenne keinen Chart vom Shenzhen Index, ich kenne nur den Shanghai-Index, Yahoo Finance Kürzel 000001.SS :
Wie weit die Chinesen noch crashen? Keine Ahnung, ich denke jedoch, dass die Lösung der Finanzprobleme nicht aus Washington kommt, sondern vielleicht aus China – und dann würde China vor den USA schon wieder anziehen. Ich wäre also vorsichtig.
Ungeachtet dessen stimme ich Ihnen zu, dass es noch weiter abwärts gehen wird. Ich werde morgen ein Update versenden, in dem ich zu weiteren Verkäufen aufrufen.
Das Zertifikaterisiko halte ich inzwischen bei allen Banken für gegeben, da wäre ich vorsichtig.
Der Dow Jones steht nunmehr mit knapp 4% im Plus, ohne dass sich irgendeine Neuigkeit ergeben hätte. Ich halte das für eine technische Gegenreaktion zum gestrigen Ausverkauf von 7%. Ich fürchte, die Bereinigung des Finanzsektors wird noch einige Wochen in Anspruch nehmen und erwarte kurzfristig weiter fallende Kurse. Nutzen Sie also diese Rallye zum Verkauf Ihrer konjunktursensiblen Werte!
So sieht er also aus, der Börsencrash: Mit einem Minus von 6,98% war der gestrige Ausverkauf des Dow Jones noch heftiger als der schwarze Montag vom 13. Oktober 1989, denn damals fiel der Dow Jones “nur” 6,91%.
Was mir wirklich fehlt ist die Möglichkeit, meinem Bänker die Schuld zu geben.
Nach diversen inkompetenten Aktionen seitens Bush, Paulson, Bernanke, Geithner, etc. hat der US-Kongress nunmehr dieser US-Administration das Vertrauen entzogen. Vielleicht spielt hier auch ein wenig Eitelkeit eine Rolle, denn viele Republikaner, die Partei Präsident Bushs, haben sich gegen ihren Präsidenten gestellt, der nun ohnehin nach den Wahlen am 4. November abtreten wird.
Doch zu diesem Zeitpunkt gegen Bush vorzugehen ist eine Animosität, die uns Anleger und auch die Wirtschaft teuer zu stehen kommen wird. Die Probleme des US-Finanzsystems werden nun auf Europa übergreifen, die ersten Bankenpleiten haben wir nun auch hier am Wochenende gesehen.
Nach dem gestrigen Crash in den USA sind heute Nacht auch die asiatischen Börsen zusätzlich zum gestrigen Kurseinbruch von rund 3% nochmals um rund 3% gefallen. Damit hat sich dort der Kursverlust der USA auf zwei Tage verteilt.
Weltweit werden die USA zur Verabschiedung dieses oder eines ähnlichen Hilfsprogramms aufgefordert, da der Zusammenbruch des US-Finanzsystems die gesamte Weltwirtschaft in Mitleidenschaft ziehen werde. In den Morgenstunden kamen Hoffnungen auf, dass es Präsident Bush nun doch noch gelingen könnte, das Paket durch den Kongress zu bekommen, die teilweise heftigen Kursverluste in Asien sind wieder etwas geringer geworden.
Am heutigen Dienstag ist ein jüdischer Feiertag: Neujahr! Demzufolge werden weder US-Kongress, noch die US-Börsen voll besetzt sein. Doch ich denke, dass die meisten Juden anläßlich der turbulenten Marktsituation dennoch zur Arbeit gehen werden. Eine neue Abstimmung über ein modifiziertes Hilfspaket ist dennoch erst am Mittwoch möglich.
Eigentlich gibt es nur zwei Fragen, die ich Ihnen heute beantworten muss:
1. Handelt es sich nunmehr um den finanlen Sell-Off, der Höhepunkt des Ausverkaufs, zu dem die Kurse nochmals heftig in den Keller geprügelt werden und zu dem der überlegte Anleger nunmehr günstig einsteigen sollte? Nein! Es handelt sich zwar um einen heftigen Sell-Off, doch aus den nunmehr folgenden weiteren Bankenpleiten könnte sich ein weiterer Abwärtssog bilden, so dass ich mir gut noch wesentlich tiefere Kurse vorstellen kann.
2. Sollten also alle Aktien in Panik auf den Markt geworfen und verkauft werden? Nein, Panik ist kein guter Ratgeber. Ich würde mir die einzelnen Positionen genau ansehen. Rohstoffaktien und insbesondere Gold würde ich halten bzw. nachkaufen. Auch Pharma und die Gesundheitsbranche würde ich kaufen. Finanzaktien, Technologie und Industrieaktien würde ich jedoch weiter ausdünnen, also verkaufen.
Grundsätzlich ist es in meinen Augen noch nicht zu spät, um Aktien von Unternehmen mit großem Finanzierungsbedarf zu verkaufen. Kaufen würde ich Wachstumsaktien mit guten Barreserven. Insgesamt würde ich aber auch meine eigene Barreserve hochfahren.
Wir befinden uns in schweren Börsenzeiten. In diesen Zeiten gewinnt derjenige, dessen Vermögen am wenigsten schrumpft. Suchen Sie also nicht nach dem großen Gewinn, sondern sichern Sie Ihr Vermögen ab.
Es scheint, dass zu diesem Zeitpunkt selbst das gigantische Hilfsprogramm in Höhe von 700 Mrd. USD nicht ausreicht, um wieder Vertrauen in das Finanzsystem zu schaffen. Woran liegt’s?
Nun, die US-Notenbank (Ben Bernanke von der Fed) sowie deren verlängerter Arm die New York Fed (Tim Geithner), das US-Finanzministerium (Hank Paulson), sowie die US-Börsenaufsicht (SEC) und der Bankenversicherungsfonds (FDIC) haben ihr Vertrauen verspielt. Mit unzähligen “Notaktionen” haben sie immer wieder bewiesen, dass sie die Gefahr zu spät erkennen und haben immer wieder Steuergelder für einen kurzfristigen Effekt verpulvert.
Es geht nun darum, das Vertrauen in den US-Finanzmarkt wieder herzustellen. Die Banken müssen sich untereinander vertrauen, sie müssen sicher sein, dass ihr Vertragspartner nächste Woche noch besteht. Sie müssen sicher sein, dass sie ihre Einlagen, ihre Kredite unter allen Umständen auch kurzfristig zurück bekommen können. Doch bei der Reihe an Pleiten, bei der Serie an unbeholfenen “Notaktionen” durch die US-Administration, da ist dieses Vertrauen nun verloren gegangen.
Und nun kommt Paulson mit einem noch größeren, noch panischer zusammengestellten Not-Hilfspaket? Ich kann die Skepsis der Politiker verstehen, wenngleich ich gleichzeitig sehe, dass es nun zu spät ist, skeptisch zu sein. Der Markt spricht heute eine eindeutige Sprache: Diese Administration ist nicht in der Lage, die Finanzmärkte wieder zum Funktionieren zu bringen.
Erschwerend für die Börse kommt hinzu, dass die Hedgefonds ihr schlechtestes Quartal seit Jahren haben. Kunden ziehen Milliardenbeträge von Hedgefonds ab, die Hedgefonds müssen diese Auszahlungen durch Aktienverkäufe finanzieren, die entsprechenden Aktien werden ausverkauft.
Die Finanzbranche und deren angehangene Branchen werden in den nächsten Wochen tausende Arbeitsplätze streichen. Aber inzwischen weitet sich die Krise aus, es droht eine Konjunkturkrise. Und was das bedeutet ist ebenso klar: Weniger Konsum und weniger Investitionen, daher sind die Gewinnschätzungen der Unternehmen vermutlich allesamt zu hoch.
Ich glaube nicht, dass dieser Ausverkauf allzu bald endet
In Europa haben es die belgische Fortis, die britische Hypothekenbank Bradford & Bingley und das deutsche DAX-Mitglied Hypo Real Estate dieses Wochenende ohne fremde Hilfe nicht überlebt. Verstaatlichung oder staatliche Hilfen & Garantien haben die jeweilige Pleite verhindert, aber das wird für uns Steuerzahler sehr sehr teuer.
Komisch, dass diese Meldungen derzeit in den deutschen Medien nur “unter ferner liefen” behandelt werden. Weder Medien, noch die EZB erkennen die Gefahr: Das Finanzsystem ist aus den Fugen geraten, Zinssenkungen sind erforderlich!
Das US-Hilfsprogramm soll in wenigen Stunden verabschiedet werden. Danach werden 250 Mrd. USD Soforthilfe zur Verfügung gestellt, weitere 100 Mrd. USD kann Präsident Bush freigeben. Die verbleibenden 350 Mrd. USD muss der Kongress erneut diskutieren und freigeben, wenn die Zeit gekommen ist.
Das ist zu spät und zu wenig. Washington Mutual hat es in der vergangenen Woche nicht mehr geschafft. Heute früh hat nun auch die zweite US-Großsparkasse, Wachovia, das Handtuch geschmissen und ihre Privatkunden sowie ihre Anleihen an die Citigroup verkauft. Mit anderen Worten: Wachovia ist pleite, der Kurs fiel über das Wochenende von 10 auf 0,90 USD.
Das sieht nicht gut aus und ich würde weiterhin den Bargeldbestand erhöhen, sprich verkaufen. Kaufen Sie stattdessen ein wenig Gold – insbesondere Goldbarren und Goldmünzen.
Am Wochenende wurde nun doch das Hilfspaket von US-Finanzminister Hank Paulson mit einigen Modifikationen verabschiedet. Offensichtlich ist es Paulson gelungen, auch den Widersachern klar zu machen, dass dieses Hilfspaket nicht ein Geschenk an die Wallstreet ist, sondern eine Notwendigkeit, um einen weltweiten Crash zu verhindern.
Linkes Bild: links die US-Notenbank, rechts der Hauskreditnehmer: “Diese Immobilienkrise war wirklich ganz schrecklich für Dich. Du musst wirklich Angst haben, alles zu verlieren. Nun, der Schrecken hat ein Ende - jetzt bin ich da und ich vergesse nicht, wer Hilfe braucht!!”
Rechtes Bild: US-Notenbank umarmt Kreditgeber.
Damit sind wir auch schon bei der Bedeutung: Wenngleich der DAX momentan 2,6% im Minus notiert, so ist das noch kein Crash.Das Crash-Szenario habe ich am vergangenen Freitag in meinem Heibel-TickerPLUS ausgeführt, und mit den 700. Mrd. USD sollte es nun ein wenig mehr Zeit geben für die Finanzbranche, diesen zu vermeiden.
Ja, so heftig sieht es aus: Das US-Finanzsystem löst sich derzeit in seine Bestandteile auf. Kredite, nicht nur Hypothekenkredite, sondern nun auch Studentendarlehen, Kreditkartenüberziehungsrahmen, Autofinanzierungen und anderes steht auf der Kippe. Es fehlt Liquidität, denn niemand möchte mehr Geld ausleihen. Stattdessen strömt die Liquidität in die US-Staatsanleihen, die mit 3,82% (10-Jahresanleihe) immer nierdiger verzinst werden brauchen. Diejenigen Anleger, die noch auf dicken Barmitteln sitzen, bevorzugen die niedrigen Zinsen der Staatspapiere, sie halten sich von den privaten Kreditmärkten fern.
Das 700 Mrd. USD Hilfspaket muss nun in der nächsten Zeit das Vertrauen in die private Kreditwirtschaft wieder herstellen. Doch mit Pleiten und Rettungsaktionen nun selbst in Europa (siehe dieses Wochenende Fortis und Hypo Real Estate) wird es schwer, den früheren Zustand mit großen Leverages und geringen Risikoprämien auf den Kreditmärkten zurückzuholen.
Also: Zum Kaufen zu früh, nutzen Sie etwaige Rallye zum Verkauf.
vielleicht haben Sie den beil. Artikel noch nicht gesehen (zur Info)
Mit freundlichen Grüßen, Toni aus Fürth
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FTD: Subprime war gestern
16.09.2008 – 20:48 Der Crash der US-Investmentbank Lehman Brothers war nicht der Höhepunkt der Finanzkrise – sondern erst der Auftakt für das CDS-Debakel. Es droht die Kernschmelze des Finanzsystems, als nächstes Opfer könnte es den Versicherungsriesen AIG treffen.
Die Pleite von Lehman Brothers ist alles andere als der Höhepunkt der aktuellen Finanzkrise. Dass im Zuge der Subprime-Krise mehrere schlecht gemanagte Banken in Existenznot geraten sind, ist keine Überraschung, ebenso wenig die Tatsache, dass die amerikanische Regierung nicht alle von ihnen gleichzeitig retten kann. Allein mit der Verstaatlichung der Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac hat sich der amerikanische Steuerzahler enorm belastet. Wir sind vorerst am Ende der Bereitschaft staatlicher Hilfe und am Anfang einer langen Folge von Bankeninsolvenzen. Jeder kann sich also selbst ausrechnen, was diese Kombination bedeutet.
Viel bedrohlicher ist die Krise um die Versicherungsgesellschaft AIG, die zweitgrößte Versicherung der Welt nach der Allianz. Selbst wenn es AIG gelingen sollte, eine kurzfristige Zwischenfinanzierung zu organisieren, ist damit keines der Probleme gelöst. Hinter der Krise von AIG steht die Krise eines der unglaublichsten Versicherungsmärkte, die es je gegeben hat: des Markts für Credit Default Swaps (CDS), also Versicherungen gegen Zahlungsausfälle auf festverzinsliche Wertpapiere.
Der CDS-Markt hat eine Größe von 62.000 Mrd. $. Das ist ungefähr so groß wie das jährliche Bruttosozialprodukt der gesamten Welt. Dass wir an den Börsen in den vergangenen Tagen eine Flucht aus den Finanzwerten erlebt haben, ist angesichts der Gefahren durch den CDS-Markt völlig logisch.
AIG hat sich verzockt
Ökonomisch gesehen sind CDS Versicherungen. Jemand versichert sich gegen den Zahlungsausfall eines Bonds, dafür zahlt er dem Versicherer jedes Jahr eine Prämie. Diese wird in Basispunkten notiert: Eine Notierung von 100 Basispunkten auf eine Firmenanleihe heißt, der Versicherungsnehmer zahlt 100.000 Euro pro Jahr oder 25.000 Euro pro Quartal zum Schutz von Zahlungsausfällen auf ein Bündel dieser Wertpapiere im Werte von 10 Mio. Euro. (Der Betrag von 100.000 Euro entspricht einem Prozent oder 100 Basispunkten auf 10 Mio. Euro. )
Im Falle eines Zahlungsausfalls oder eines anderen im Versicherungsvertrag definierten Ereignisses wird die Versicherung zur Kasse gebeten. AIG war eine solche Versicherung. Aber es haben sich nicht nur Versicherungsfirmen in diesem Markt getummelt. Auch Hedge-Fonds findet man auf beiden Seiten des Geschäfts, als Versicherungsnehmer und als Versicherer.
Der CDS-Markt ist zwar ökonomisch ein Versicherungsmarkt, rechtlich ist er das aber nicht, denn er fällt nicht unter die Versicherungaufsicht. Es ist daher schon möglich, dass sich Versicherer regelrecht verzocken, was bei Lebensversicherungen zum Beispiel gar nicht so einfach ist. AIG hat sich verzockt und ist Ende vergangener Woche in einen Teufelskreis geraten. Das Rating des Versicherungsriesen wackelt, und damit droht ein Anstieg der zu hinterlegenden Sicherheiten. CDS sind technisch gesehen Swaps, also Derivate, und im Derivatemarkt ist es üblich, dass die potenziellen Zahler Sicherheiten hinterlegen. Die Höhe der Sicherheiten hängt dabei von deren Kreditrating ab. Wenn das Rating fällt wie bei AIG, dann braucht das Unternehmen umso mehr Liquidität.
Das Problem geht aber weiter, selbst wenn diese Liquidität vorhanden ist. Mit der zunehmenden Zahl von Insolvenzen im Finanzsektor, etwa von Lehman Brothers, werden CDS-Zahlungen fällig. Die Anzahl der Firmeninsolvenzen ist momentan noch sehr gering. Die Ausfallraten bei amerikanischen Bonds liegen noch bei unter einem Prozent des Werts der Bonds. Normal sind um die fünf Prozent. Der Boom des CDS-Markts kam also nicht zufällig zu einer Zeit niedriger Ausfallraten.
Jetzt wendet sich der Wirtschaftszyklus. Die Insolvenzen nehmen zu, zunächst im Finanzsektor, aber bald auch in der Industrie und im Dienstleistungsbereich. Es werden Risiken fällig, die die angeblich so cleveren Risikomanager für so unwahrscheinlich hielten, dass sie sie völlig ignorierten. Das wirkliche Problem von AIG ist nicht eine kurzfristig fehlende Liquidität. Das Problem ist die drohende Insolvenz, wenn aus der Subprime-Krise eine CDS-Krise wird.
Angst vor der Kettenreaktion
Was wären die Folgen einer solchen Krise? Normalerweise kann man aus makroökonomischer Sicht Versicherungen ignorieren, denn Versicherungsmärkte sind Nullsummenspiele. Das Geld wechselt lediglich den Besitzer, aber dem gesamten System wird kein Geld entzogen. Ein makroökonomisches Problem entsteht in dem Moment, in dem die Pleite eines Versicherers zu einer Kette von Zahlungsausfällen und weiteren Pleiten führt. Wenn AIG untergehen sollte, sind AIGs CDS-Kunden nicht mehr versichert. Hier könnte es sich um Hedge-Fonds handeln, die hochriskante Positionen aufgebaut und einen Teil des Risikos abgesichert haben. Wenn diese Absicherung plötzlich wegfällt, dann verbleibt das volle Risiko bei dem Kunden, und dies zu einer Zeit steigender Zahlungsausfälle. Der CDS-Markt ist somit massiv prozyklisch. In den guten Zeiten gab es einen Boom, der zu spottbilligen Prämien führte. Jetzt in der Krise droht eine Kette von Zahlungsausfällen.
Im Gegensatz dazu ist die Lehman-Pleite für das Finanzsystem an sich weitaus harmloser. Hier kommt es nicht zu gefährlichen Kettenreaktionen. Eine Pleite von AIG könnte den Kollaps des gesamten CDS-Marktes auslösen. Das wäre wirklich mit einer Kernschmelze des Finanzsystems zu vergleichen.
Wir befinden uns in der Finanzkrise jetzt an einer gefährlichen Weggabelung. Wenn wir Glück haben und eine CDS-Krise vermeiden, dann lässt sich ein Ende der Finanzkrise zumindest für 2009 oder 2010 absehen. Auch in diesem optimistischen Fall sind die Abschläge im Finanzsektor völlig gerechtfertigt.
Kommt es zu einer CDS-Krise, verschlimmert sich die Lage dramatisch. Dann werden wir Kettenreaktionen von Finanzpleiten erleben, gegen die die Zentralbanken hilflos sind. Es kommt zu erheblichen realwirtschaftlichen Schäden. Auch Zinssenkungen helfen da nicht weiter. Ich hatte bislang gehofft, dass wir an einer CDS-Krise so gerade noch vorbeischlittern. Seit dieser Woche bin ich mir nicht mehr so sicher.
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ANTWORT:
Besten Dank für den Hinweis, ich habe den Artikel mit Interesse gelesen und stimme dem Autor voll und ganz zu. Auch ich sehe die Lehman-Pleite als schmerzhaft, aber verkraftbar. AIG hätte der Markt nicht mehr wegstecken können, daher war die Rettung erforderlich (too big to fail). Es gibt noch einige andere Finanzinstitutionen, die too big to fail sind, beispielsweise die Citigroup, aber auch Washington Mutual, die Bank, die derzeit ums Überleben kämpft und die als erstes pleite gehen wird, sollte das 700 Mrd. USD Hilfsprogramm nicht verabschiedet werden.