Juni 2008



Sehr geehrter Herr Heibel,

als Investor versucht man ja immer einen neuen Trend aufzuspüren und dies möglichst frühzeitig.

Seit einigen Tagen bin ich auf Kohle gestoßen. Dies besonders in Australien, aber auch weltweit. Der gegenwärtige Anteil von Kohle an der internationalen Stromerzeugung liegt bei rund 40 Prozent und dürfte in Zukunft weiter steigen, da mittlerweile auch immer mehr Entwicklungs- und Schwellenländer ihre kostengünstigen lokalen Kohlevorkommen nutzen.

Ich habe nachfolgend nicht nur einige Kohle – Aktien aufgelistet, sondern auch das World Coal Index Zertifikat von ABN AMRO. Hier hat man sozusagen den gesamten Kohlemarkt weltweit.

Meine Frage an Sie, (mit der Bitte um eine kurze Antwort):

1. Sind Kohle – Aktien ein Zukunftsmarkt
2. Ist der Trend evtl. schon wieder vorbei, (da die Papiere teilweise schon sehr gut gelaufen sind)
3. Ist Australien oder USA der interessantere Markt.

Hier einige WKN:

AA0BWB
A0BKT5
A0D8FJ
675540
854549
A0ESUJ
908011
UB1CAL

Im voraus vielen Dank für Ihr Bemühen.

Mit freundlichen Grüßen, Richard aus Hofbieber
ANTWORT:

Besten Dank für Ihre Idee, ja, ich halte Kohle für eine interessante Anlagealternative. Hintergrund: Es wird derzeit politisch vollständig auf alternative Energien abgestellt, auf CO2-Einsparung und saubere, regenerative Energiegewinnung. Ich finde das schön und lobenswert, die Realität sieht jedoch Probleme vor bei der Ersetzung der fossilen Brennstoffe wie Kohle, Öl und Gas, durch saubere Energien. Diese Probleme entstehen in der notwendigen Entwicklungsgeschwindigkeit dieser sauberen Energien: Noch ist die Welt nicht so weit.

Wie überall wird also meiner Ansicht nach auch auf dem Energiemarkt das Pendel bald einmal zurück schwingen und aus Kapazitätssicht das eine oder andere Kohlekraftwerk nachfragen. Auch wenn deren Energie nicht so sauber ist wie Solarenergie, so gibt es doch einen Energiebedarf und nur begrenzte Möglichkeiten, diesen durch saubere Energien zu decken. In der Übergangszeit wird wohl noch das eine oder andere Kohlekraftwerk erforderlich sein.

Ja, die USA sowie Australien sind beides Länder mit großen Kohlevorkommen. Ich würde aber nur als Beimischung auf den Kohle-Trend setzen. Der Öltrend ist stärker und dominanter.

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Sehr geehrter Herr Heibel,

ich habe auf den goldseiten.de einen Artikel von Adam Hamilton (Benzin,
Diesel,ÖL v. 19.5.08) gelesen, der mir sehr schlüssig erscheint. Die
Raffinerien sind unten am 52-W-Tief angelangt, da der Benzinpreis den Ölpreisanstieg nicht nachvollzogen hat und sie kein Geld verdienen. Auf die
Dauer kann es nicht sein, daß ein Vorprodukt teurer ist als das
veredelte Produkt und die Benzinpreise müssen steigen. Wie kann man
davon profitieren?

Wegen des schwachen Dollars bin ich bei amerikanischen Aktien
vorsichtig (ANW;UGP;FTO;HOC erscheinen interessant) und so habe ich ein
Openend Indexzertifikat auf ÖL-Gas-Raffenerien. (ABN2BY) herausgesucht.
Ich habe aber mit Zertifikaten kaum Erfahrung und suche deshalb Ihren
Rat. Vielen Dank im voraus.

Mit freundlichen Grüßen, Dagmar aus Berlin
ANTWORT:

Ein Großteil der US-Raffinerien steht in den Südstaaten der USA, genau in dem Gebiet, wo 2004 der Hurrikane Katrina gewütet hat. Damals sind einige Raffinerien zerstört worden und es kam anschließend zu einer Rallye der raffinierten Öle, also des Benzins, ohne dass der Ölpreis mit dieser Benzinpreisrallye hätte Schritt halten können.

Inzwischen sind die Raffinerien wieder repariert und die Versorgung der USA läuft reibungslos.

Ich habe das von Ihnen gewählte Zertifikat im Oktober 2005 im Rahmen meiner früheren Tätigkeit für den FID-Verlag einmal vorgestellt und empfohlen. Damals bestand noch ein Engpass an Raffinierkapazitäten und das Zertifikat war anschließend von 65 auf 90 USD angestiegen.

Inzwischen ist die Luft jedoch raus aus der Spekulation: Auch wenn der Ölpreis steigt, so steigt er nicht wegen eines zunehmenden Verbrauchs in den USA, sondern in China. In den USA sind die Raffinerien völlig ausreichend und daher erwarte ich keinen besonderen Preisanstieg.

Im Zertifikat sind nämlich Unternehmen enthalten, die Raffinerien bauen und instand halten. Das Zertifikat bildet nicht etwas den Preis von raffiniertem Öl, also Benzin, ab.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen.

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Hallo Herr Heibel,

wenn man Inflation / steigende Zinsen erwartet, darunter müssten die Anleihemärkte leiden, oder?

Lohnt es sich in dem Fall, die Anleihen shorten? Und wenn ja, wie? Puts auf Bonds kaufen? Auf welche – US Bonds, Euro-Bond-Future, oder andere Bonds?

Und sehen Sie es als sinnvoll an, sich für die nächsten Monate / Jahre so zu positionieren?

Danke und Gruß aus München, Robert
ANTWORT:

Eine gute Frage. Prinzipiell haben Sie Recht, doch bei Puts spielt der Zeitwertverlust dieser Optionsscheine gegen uns.

Ich würde da lieber eine inflationsindizierte Anleihe nehmen: Eine Anleihe, deren Verzinsung sich variabel mit der Entwicklung des Zinsniveaus (meist Umlaufrendite) entwickelt.

Es gibt sogar einen ETF, der nur in solche Werte investiert:
IBOXX € INFLATION-LINKED TR-INDEX ETF
ISIN: LU0290358224
WKN: DBX0AM

Darin befinden sich einige französische, italienische und deutsche indizierte Anleihen.

Oder Sie nehmen gleich eine der beiden deutschen Anleihen:

Bundesrep.Deutschland Inflationsindex. Obl.v.07,
WKN: 103051, Laufzeit bis 15.4.2013

Bundesrep.Deutschland Inflationsindex. Anl.v.06
WKN: 103050, Laufzeit bis 15.4.2016

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Sehr geehrter Herr Heibel,

wie sehen Sie die Chancen für General Electric GE auf die Sicht der kommenden 5 Jahre?

Grüsse aus Basel, Jürg

ANTWORT:

Oh, das ist nicht leicht. GE hat sich in den vergangenen Jahren von den Lockrufen der Finanzbranche verleiten lassen, und so war GE im Jahr 2006 der weltweit größte Finanzierer von Konsumenten sowie Unternehmen. Das Unternehmen hat keine Bank, sammelt also keine Spareinlagen ein. Der Verkauf der eigenen Produkte wird jedoch nur zu gerne finanziert. Dafür holt sich das Unternehmen mit Hilfe seines AAA-Ratings Kredite von den Banken.

Am 11. April, vier Wochen nach der Bear Stearns Beinahe-Pleite, kam heraus, dass GE auch mit Bear Stearns eng verbandelt war und eine rege Geschäftsbeziehung unterhielt. Darüber hinaus hat GE auch auf dem Markt der Immobilienderivate mitgemischt. Damit war GE von heute auf morgen als Finanzinstitut abgestempelt. Der Kurs brach um 13% ein, als dieser Umstand bekannt gegeben wurde. Der Gewinn das Unternehmens fiel um 20% geringer aus als im Vorjahr, und das ist für den kontinuierlichsten und vermeintlich am besten diversifiziertesten Gemischtwarenhändler eine Katastrophe: Gerade GE galt bis dahin als so gut diversifiziert, dass das Unternehmen von jeder Marktphase profitieren kann.

So hatte man zwar kleine Verluste im Finanzbereich GE Capital erwartet, aber erhoffte sich eine Kompensierung dieser Verluste durch das gute Auslandsgeschäft, insbesondere durch die großen Infrastrukturprojekte. Diese waren denn auch der beste Geschäftsbereich mit 17% Umsatzwachstum, aber der Verlust aus den Finanzgeschäften war um ein Vielfaches größer als befürchtet.

Somit gilt GE nunmehr also als der Finanzbranche zugehörig. Die Prognosen für das laufende Jahr wurden gesenkt, GE wird jetzt erst einmal zeigen müssen, dass es die Finanzengagements zurückfahren kann.

Der Kurs von GE ist mit 29 USD auf dem Niveau von Ende 2003. Die Kursgewinne der vergangenen fünf Jahre sind ausradiert. Das KGV steht nun bei 13, die Dividendenrendite beträgt 4,1%. Als weltweit größter Finanzierer schiebt das Unternehmen Kredite in Höhe von 550 Mrd. USD vor sich her, eine fast unvorstellbare Größenordnung. Die Marktkapitalisierung von GE beträgt 290 Mrd. USD, der Umsatz 172 Mrd. USD.

Never Catch a falling knife – ich würde nun noch nicht alles auf eine Karte setzen. Ein Boden ist noch nicht gefunden, und die Finanzkrise ist noch immer im Gange. Dennoch muss ich zugeben, dass GE noch nie so günstig zu haben war.

Da Sie mit einem Zeithorizont von 5 Jahren anlegen wollen, würde ich nun beginnen, schrittweise einzusteigen: Das erste Viertel Ihrer angestrebten vollen Position würde ich jetzt kaufen, das zweite Viertel im Falle eines weiteren Rückfalls des Kurses unter 27 USD. Sollte sodann noch ein weiterer Ausverkauf in Richtung 22 USD erfolgen, so würde ich nochmals die verbleibenden 50% einsetzen. Dreht der Kurs jedoch bereits jetzt, so fahren Sie nur mit einer kleinen Position mit. Der Kursanstieg dürfte jedoch dementsprechend länger in Anspruch nehmen, so dass es mir auch nicht mehr als eine kleine Position wert wäre.

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Sehr geehrter Herr Heibel,

ich würde gerne eine Frage zu unserem Depotwert “Bunge” an Sie richten.

Soweit ich es verstanden habe, spekulieren wir mit Bunge auf einen wachsenden Bedarf an Bioethanol für die Spritbeimischung. Wie sehen Sie diese Wette vor dem Hintergrund einer immer knapper erscheinenden Nahrungsmittelproduktion weltweit? Kann es nicht sein, dass der Versuch, über nachwachsende Rohstoffe den Energiehunger der Industriestaaten zu decken ganz oder teilweise wieder aufgegeben wird?

Weil sowohl die hohen Preise für Nahrungsmittel als auch die öffentliche Diskussion – und natürlich die Tatsache, dass immer mehr Menschen weltweit unter Nahrungsmittelmangel leiden – die Produzenten von Soja veranlassen wird, wieder den Nahrungsmittelmarkt zu beliefern?

Vielen Dank im voraus für eine Antwort.

Herzliche Grüße aus Berlin, Oliver
ANTWORT:

In der vergangenen Woche habe ich unsere Bunge-Position verkleinert.
Dennoch gebe ich dem Unternehmen langfristig gute Karten. Wie ich vor
zwei Wochen in meinen Ausführungen zu Obama und McCain, den beiden
US-Präsidentschaftskandidaten für die Wahlen in diesem November,
erläuterte, ist die Ethanol-Beimischung in den USA so populär und gilt
als ein “Segen für die Umwelt”, so dass die Welthungerkatastrophen
gegen diese Ökowelle gar nicht ankommen. Sowohl Obama, als auch McCain
haben sich bereits für die Beibehaltung der Ethanolbeimischung
ausgesprochen.

In Deutschland ist das entsprechende Gesetz in letzter Sekunde von unserem Umweltminister kleinlaut zurückgezogen worden.

Um es kurz zu machen: Ich fürchte, die Hungersnot auf der Welt ist
derzeit nicht groß genug, um gegen die CO2-Diskussion anzukommen.

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Hallo Herr Heibel,

beobachte diese Agraraktie schon zwei, drei Monate. Hätte kaufen sollen, wären 100 % Plus gewesen …

Kürzsel SQM an der NYSE

Gewaltiger UP-Trend, auch die letzten Tage mit großem Volumen. Eine Aktie, die es wert wäre, analysiert zu werden ?

Mit freundlichen Grüßen, Josef aus Rembach
ANTWORT:

Gerne werfe ich einen Blick auf Chemical & Mining Co. of Chile
(SQM). Gemeinsam mit Potash, Mosaic, Agrium und auch K+S (Kali + Salz)
ist auch dieser Düngemittelproduzent in den vergangenen Monaten in den
Himmel geschossen. Von 15 USD Mitte Januar ist der Kurs bis auf 45
US-Dollar gesprungen.

Die 1,3 Mrd. USD Umsatz werden mit 12 Mrd. USD Marktkapitalisierung
bewertet. Bei Wachstumsraten von 35% im Umsatz und überproportionalen
50% im Gewinn ist das KGV mit 60 vertretbar. Doch es ist fraglich, wie
lange dieser Trend anhält – denn die Agrarindustrie war im vergangenen
Jahr durch politische Entscheidungen (Ethanolbeimischung der USA) sowie
schlechte Wetterverhältnisse mächtig unter Druck geraten. Diese
Ereignisse lassen sich nicht beliebig wiederholen.

Ich würde all diese Aktien als Momentum-Aktien bezeichnen: Wer agil ist
und aufspringen möchte, der kann schnell ein paar Prozent einheimsen.
Sie müssen sich allerdings des Risikos eines Ausverkaufs bewußt sein,
denn nach den exorbitanten Kursanstiegen der vergangenen Monate wird
die folgende Korrektur sehr heftig ausfallen.

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Sehr geehrter Herr Heibel,

habe im letzten Herbst Calls auf Apple,Goggle und Microsoft
gekauft. Anschaffungswert:23.400 €. Jetzt ist mein Depot nur noch 4.700
wert. Der Microsoft Call und Google Call haben 99% verloren.Was habe ich
falsch gemacht? Soll ich jetzt alle verkaufen?

Schicke Ihnen einen Auszug von meinem Depot.

Herzliche Grüße, Karl-Heinz aus Lohr am Main

ISIN Produkt Stück Aktueller Wert Anschaffungswert Kosten
Performance Letzte Bewegung
DE000GS71403
GS Produkt Microsoft call (Strike 40) 5.000 145,00 EUR 5.950,00
EUR 0,00 EUR -97,56%
-5.805,00 EUR 01-Nov-2007

DE000GS0DDL6
GS Produkt Google call (Strike 650) 1.400 3.472,00 EUR 5.796,00
EUR 0,00 EUR -40,10%
-2.324,00 EUR 21-Jan-2008

DE000GS0DD97
GS Produkt Google call (Strike 750) 4.500 4,50 EUR 6.715,00 EUR
0,00 EUR -99,93%
-6.710,50 EUR 21-Jan-2008

DE000GS0CZX6
GS Produkt Apple call (Strike 170) 1.500 1.290,00 EUR 5.025,00
EUR 0,00 EUR -74,33%
-3.735,00 EUR 27-Dez-2007

ANTWORT:

Optionsscheine unterliegen dem “Zeitwertverlust”, sie verlieren an
Wert, selbst wenn sich der zugrunde liegende Basiskurs kaum verändert.
Je näher der Optionsschein an seinen Fälligkeitsterimin wandert, desto
mehr Wert verliert er.

Im November standen die Kurse noch sehr hoch, seither ging es ziemlich
bergab. Insbesondere bei Google überrascht mich das, da das
Bewertungsniveau von Googe sehr günstig ist. Mit Optionsscheinen kann
man zwar die Gewinne hebeln, Sie müssen aber darauf spekulieren, dass
der Kurs kurzfristig ansteigt. Bei Google bin ich mir langfristig
sicher, dass der Kurs einmal über 1.000 USD springen wird. Doch wann,
das weiß ich nicht. Es kann schlimmsten Falls noch drei oder vier
Jahre dauern, daher kann ich da kaum mit einem Optionsschein drauf
spekulieren.

Im Einzelnen:

Microsoft halte ich derzeit für nicht so gut.

Ihr erster Google-OS läuft ja noch anderthalb Jahre, der kann sich gern
und gut noch erholen. Der Break-Even liegt bei 735 USD, das sollte bis
Ende des Jahres machbar sein.

Der zweite Google-OS verfällt in diesen Tagen leider wertlos.

Ebenso der Apple -OS. Da würde ich sofort mitnehmen, was Sie noch bekommen.

Also: Einen Optionsschein kauft man nur dann, wenn man kurzfristig
einen Kursanstieg erwartet. Wenn man langfristig von einer Aktie
überzeugt ist, dann kauft man die Aktie und kann die Schwankungen
locker aussitzen.

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