März 2008



Hallo Herr Heibel,

seit ein paar Wochen lese ich mit Interesse Ihren Newsletter.

Ihren heutigen Kommentar zu Bernanke und Bush verstehe ich nicht ganz. Wenn sich zahlreiche Finanzinstitute auf der ganzen Welt verspekuliert haben, kann es doch nicht Sache der Notenbank sein, diese Firmen zu “retten”.

Ein Bankencrash würde allen weit über die Bankenwelt hinaus gut tun: Banker würden wieder Bodenkontakt bekommen, wenn sie sehen, dass sie selber die Verantwortung dafür tragen müssen, für das was sie anrichten. Aktionäre würden sich wieder fragen, welche Wertschöpfung das Unternehmen eigentlich erzielt, in das sie investieren und worin die Nachhaltigkeit des Investments besteht. Und die Aktionäre würden bei den Banken auf den Tisch hauen und klar kommunizieren, dass die zweitbesten Leute, die zu einem Bruchteil der heute gezahlten Gehälter zu arbeiten bereit sind, längerfristig möglicherweise die bessere Lösung sind, weil sie nämlich auch in zwei Jahren noch arbeiten müssen und folglich Interesse daran haben, dass sich ihr Unternehmen nachhaltig entwickelt.

Mir scheint, etliche “Banker” haben den Bezug zur Realität schon vor längerem verloren. Diesen wiederherzustellen geht am besten, wenn man deren Kartenhäuschen einstürzen lässt. Dann findet auch wieder Innovation statt. Innovation, die der Frage nachgeht, welches Finanzsystem die Welt eigentlich braucht und wie dieses am besten ausgestaltet wird. Welche Rolle das Rädchen “Finanzsystem” im Getriebe der Menschheit hat. Es ist nicht verwunderlich, dass in der gegenwärtigen Situation landauf landab Aktien von Nahrungsmittelherstellern und Pharmafirmen zum Kauf empfohlen werden. Sie sind “sicher”, weil sie einen substantiellen Beitrag leisten, der auf Kundennutzen beruht und nicht nur auf Casino-Kapitalismus.

Freundliche Grüsse Hans-Ueli

ANTWORT:

Besten Dank für Ihre Ausführungen. Ja, wann immer ich meine volkswirtschaftliche Ader befrage, so bekomme ich die gleichen Antworten, die sich auch mit der Laissez-faire Haltung der US-Regierung decken.

Doch Märkte sind mitunter eben doch nicht perfekt: Hier werden gute Banken mit guten Produkten von finanzkräftigen Spekulanten in den Keller gepeitscht, was dann wiederum deren Solvenz in Frage stellt – und das ist schon gleichbedeutend mit einer Insolvenz. Hier werden Unternehmen mit tausenden Angestellten zum Spielball von Spekulanten – und da sollte meiner Ansicht nach eingegriffen werden.

Doch mehr dazu in der heutigen Ausgabe des Heibel-Tickers.

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Hallo Herr Heibel,

ich interessiere mich sehr für die Kursentwicklung des australischen Dollars im Verhältnis zum Euro und bin interessiert an einer Einschätzung dieser Entwicklung Ihrerseits.

Ich gehe mit meiner Familie in absehbarer Zeit nach Australien und werde dazu auch mein Barvermögen dorthin transferieren.

5-Jahreschert EUR/AUD

Für Ihre Einschätzung danke ich Ihnen und verbleibe

mit freundlichen Grüssen, Horst aus Rheinbach

ANTWORT:

Das rohstoffreiche Australien hat in den vergangenen Jahren eine feste Währung gehabt, ebenso fest wie der Euro als Alternative zum US-Dollar. Somit haben sich die beiden Währungen zueinander seit fünf Jahren kaum verändert, die Schwankungsbreite lag zwischen 1,58 und 1,75 AUD/EUR. Wenn Sie mich auf eine Tendenz festnageln wollen, dann würde ich dem AUD eine festere Perspektive geben, als dem EUR.

Derzeit steht der Wechselkurs bei 1,7159 AUD/EUR. In meinen Augen ist der AUD damit zur Zeit sehr günstig bewertet, der EUR sehr hoch. Ich würde nun eher wieder einen anziehenden AUD erwarten. Somit würde ich eher früher als später meine Euro in AustralDollar tauschen.

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Lieber Herr Heibel,

ich weiß, Sie sind momentan sicherlich etwas niedergeschlagen wegen Ihrer “geplatzten” Empfehlung.

Aber dieses Risiko hat man nun mal in der Finanzdienstleistungsbranche, zu der Sie ja m.E. auch gehören.

Auch ich musste diese Erfahrung bereits sehr schmerzhaft machen, als meine 1998 angebotenen Medienfonds in die Hose gingen.

Deshalb und weil wir uns auch schon so lange kennen, bitte ich Sie hiermit höflich, mir die Frage zu beantworten:

“Besteht nicht die Gefahr, dass wir, bzw. die USA, in absehbarer Zeit auf eine komplette Geldentwertung, bzw. eine neue Währung zusteuern?”

Ich weiß, dass dies konträr zu Ihrer im Heibel-Ticker geäußerten Meinung steht, bitte Sie aber dennoch, sich einmal ernsthaft mit diesem Gedanken zu beschäftigen, nachdem Sie die Anlage von Mack & Weise gelesen haben.

Vorab bereits vielen Dank!

Aus dem sonnigen Mannheim grüßt herzlich
Ihr Containermann Peter

ANTWORT:

Der Euro ist an den US-Dollar geknüpft, denn auch Europäer kaufen beispielsweise Öl gegen US-Dollar. Eine Entwertung des US-Dollar zieht meiner Ansicht nach eine Entwertung des Euros nach sich. Sie fragen mich also, ob wir demnächst ein neues Währungssystem bekommen könnten.

Nun, “demnächst” ist ein dehnbarer Begriff: Märkte können länger irrational bleiben, als wir solvent. Es kann sich also noch viele Jahre hinziehen, bis der US-Dollar vollständig kollabiert.

Und was wird die Alternative: Eine neue globale Währung? Oder eine andere Definition der bestehenden Währungen (bspw. Goldbindung)? Beides ist möglich.

Meine Antworten müssen so schwammig bleiben, weil ich weder Termin noch Definition einer neuen Währung kenne und weil ich unserem System zutraue, die Schieflage länger zu tragen, als wir dies für möglich halten. Aus dieser Haltung dürfen Sie bitte nicht ableiten, dass ich ein Scheitern des US-Dollars ausschließe – aber ich glaube nicht an die Panikmache, die in diesen Tagen häufig zu lesen ist. Noch haben Bernanke und Bush alle Fäden in der Hand, ein Chaos wird nicht ausbrechen.

Daher: Ein bisschen physisches Gold als Notgroschen kann nicht schaden. Und wenn Sie stets Rückschläge und Korrekturen im Goldpreis zum weiteren Ausbau Ihrer Goldrücklage nutzen, dann schadet das bestimmt auch nicht.

Mit dem Rest Ihres Geldes sollte sich jedoch an den Finanzmärkten mit Aktien und anderen Papieren gut verdienen lassen.

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Guten Abend Herr Heibel!

Nachträglich noch Frohe Ostern!

Nach dem jüngsten Ticker drängt sich mir doch eine Frage auf:
Sie hatten doch eine hoch-profitabel ausgegangene Mastercard-Spekulation (die ich leider verpasst habe) in Ihrem Ticker. Und dann kommt der größte IPO aller Zeiten (Visa) — und ich lese dazu rein gar nix bei Ihnen??? Hab ich da was total verschlafen? Oder ist Ihnen Visa gar keine Erwähnung wert, weil eine Niete? Nach dem zu urteilen, was man sonstwo liest, sollte Visa noch viel toller sein als Mastercard, da nur auf Abwicklungsgebühren basierend und keinerlei Kreditausfallsrisiko.

Mastercard 6-Monatschart
6-Monatschart Mastercard

Klingt zu schön, um wahr zu sein und ich überlege einen Einstieg (heute schön zurückgekommen). Wohl denke ich dabei auch an Goggle: Am Anfang hielt man die Bewertung (bei rd. 70$ sind die gestartet, glaube ich) für gar nicht günstig – der Rest ist Geschichte… Das will ich bei Visa nicht verpassen.

Lange Rede / kurzes Ansinnen: Verlieren Sie doch demnächst ein paar Worte zu Visa — danke!

TMA:
Bei einem Buchverlust von 90% dachte ich mir, entgegen Ihrem Rat, ich bleib dabei. Denn da sich die Firma “weigerte”, in Konkurs zu gehen, schien die Chance auf Erholung größer als der Verlust der restlichen 10%. Und so wurde ein kurzer Zock mit einem schönen Gewinn daraus. Der Übermut verleitete mich zu einem zweiten Zock – und dieser wurde leider von der Meldung über das 365-Tages-Moratorium “pulverisiert”. “TMA got ripped off pretty well” würde ich sagen, wenn ich den Deal richtig verstehe. Und doch: Würden sich die Gläubiger an dem Unternehmen in großem Stile beteiligen, wenn es zugrunde gehen würde? Allerdings ist der Kaufpreis dieser Aktien ja verdammt niedrig, sodass die Gläubigerbanken bereits beim jetzigen Kurs auf einem fetten Gewinnpolster sitzen.

Thornburg Martgage 3-Monatschart

Auch wenn es Ihnen vielleicht “körperliche Schmerzen” bereitet ;-) )) — wären Sie so freundlich, nochmal einen Blick auf die jetzige Situation von TMA zu werfen?! Stecken da noch Chancen drinnen (und wenn ja – wo?) oder ist das nur ein künstlich verlängerter Tod bzw. bleibt eine Art Zombie-Firma weiter bestehen…? Vielleicht bin ich ja nicht der Einzige, der da noch investiert ist…

Danke, Harald aus Wien

ANTWORT:
VISA – MASTERCARD

Mastercard hatte mich begeistert, weil das Unternehmen als zweiter der Branche zu einer Aufholjagd angesetzt hatte. Außerdem hat Mastercard einige kleine Vorteile, die es in meinen Augen besser positionieren, als Visa: Bessere Versicherungsbedingungen, die Abbuchung erfolgt später, gebündelt einmal pro Monat, Mastercard verfolgt einige Online-Projekte.

Visa baut in meinen Augen hauptsächlich auf die fehlenden Bank-Überweisungen der USA: Dort wird ja immer noch alles per Scheck bezahlt. Obwohl der Umsatz von Visa über die ganze Welt verteilt ist, wird der meiste Gewinn in den USA erzielt. Grund: In Europa gibt es genügend Alternativen zum teuren Zahlungsweg über Visa (…und Mastercard).

Die hohen Gebühren von Visa (und Mastercard) werden schon seit Jahren vor Gericht besprochen: Hier fürchtet Visa Rückforderungen von vielen Milliarden USD. 3 Mrd. USD hat das Unternehmen daher von den 17 Mrd. USD IPO-Einnahmen für diesen Zweck zurück gestellt, sagt aber, dass dieser Betrag vermutlich nicht ausreichen wird.

Ich halte inbesondere Visa für angreifbar, da Visa überwiegend davon profitiert, dass man problemlos und bargeldlos in den USA damit zahlen kann. In anderen Ländern gibt es diverse Alternativen: EC-Karte in Europa, jede Menge Bankkarten in jedem Land, Paypal und Firstgate für Online-Zahlungen.

Im IPO-Prospekt von Visa wird ausgewiesen, dass das Umsatzwachstum von 17% im Jahr 2006 auf 10% im Jahr 2007 zurück gegangen ist. Für das laufende Jahr wird ein weiterer Wachstumsrückgang (zwar Wachstum, aber eben langsamer) erwartet, als Grund wird die befürchtete Rezession angegeben.

Also: Auch Visa und Mastercard leben nicht im Schlaraffenland. Ich halte Mastercard aber für besser positioniert. Das Bewertungsniveau von Mastercard ist noch immer günstiger als das von Visa.

Mastercard hat eine Gewinnmarge von 26%, bei Visa steht diese derzeit bei -11%. Mastercard hat mehr Bargeld auf der hohen Kante (MA: 3 Mrd. USD, V: 2,4 Mrd. USD) und das bei geringeren Umsätzen und der IPO ist schon länger her. Das Gewinnwachstum ist bei Mastercard wesentlich höher (MA: 18,5%, V: 13%).

THORNBURG

Das Unternehmen hatte bis vergangenen Freitag Zeit, 1 Mrd. USD über Wandelanleihen einzusammeln. Mit einer solchen Bar-Infusion wären die Gläubiger bereit gewesen, Liquidationen für ein Jahr auszusetzen.

Am Freitag war das Geld noch nicht zusammen, auch am Wochenende schaffte es Thornburg nicht. Gestern Abend wurde bei der SEC beantragt, Einzelaktionäre für mehr als 10% zuzulassen (war bislang nicht möglich), denn es stünde ein Investor mit 300 Mio. USD bereit.

Wenn ein Investor 300 Mio. USD gibt, dann ist es in der Regel nicht schwer, weitere Investoren zu finden. Ich kann mir also vorstellen, dass dies heute gelingt.

Doch das bedeutet, dass die Aktie, die ohnehin bereits viel an Wert verloren hat (90%), nun noch verwässert wird (delution), denn die Wandelanleihen-Inhaber werden besser gestellt, als die Altaktionäre. Bei einer Überschlagsrechnung wird der Wert der Altaktionäre am Unternehmen dadurch geviertelt.

Zusätzlich ist natürlich zu berücksichtigen, dass Thornburg, wenn es erfolgreich die Insolvenz verhindern kann, nicht mehr mit dem gleichen Hebel agieren wird, wie zuvor. Also sind auch die Verdienstmöglichkeiten geringer.

Einen Kursanstieg auf alte Höhen bei 10 USD je Aktie würde ich aus diesen Gründen also für die nächsten 12 Monate ausschließen. Zwischen Insolvenz (0 USD) und Überleben (vielleicht 5 USD) ist aber noch eine große Spanne. Sie sollten aber bedenken, dass Sie nicht viel Zeit haben werden, Ihre Aktien zu verkaufen, wenn die Insolvenz angemeldet wird.

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Sehr geehrter Herr Heibel,

nachdem ich einige Zeit mit großem Interesse den Heibel Ticker gelesen habe, bin ich seit kurzem Bezieher des Heibel-Ticker Plus Abonnements. Sind Sie bereit mir auch zu einem Papier welches, vielleicht ein bisschen außerhalb des Normalen liegt, etwas zu sagen?

Einen Teil habe ich in der Vergangenheit im Bertelsmann Genußschein 2001 mit der WKN 522994 angelegt. Damit konnte ich meistens, auch in turbulenten Zeiten, ruhig schlafen. Es wurden, bezogen auf den Grundbetrag 15 % ausgeschüttet. Vor der letzten Ausschüttung am 17. Mai 2007 habe ich aber meine Kursgewinne realisiert. Jetzt überlege ich wieder einzusteigen. Laut telefonischer Auskunft soll wieder eine Ausschüttung von 15 % erfolgen, wenn der Konzerngewinn der Bertelsmann Aktionäre im Geschäftsjahr 2007 über 77 Mio. € liegt.

Am 18. 3. 2008 ist Bilanzpressekonferenz für das Jahr 2007.

Auf der Internetseite Bertelsmann.de finde ich: Bertelsmann Anleihen / Credit Rating

Bertelsmann nutzt verschiedene Instrumente zur Diversifizierung seiner Finanzierung. Die Kapitalmarktfinanzierung nimmt dabei eine wichtige Rolle in der Finanzierungsstrategie des Konzerns ein, unter Rating “BBB+ / Baa1″

Was sagt das für den Genußschein aus und wie ist Ihre Beurteilung zu diesem Papier? Was halten Sie generell von einer Anlage in Genußscheinen?

Ich freue mich, vielleicht noch vor dem 18. März, von Ihnen zu hören und verbleibe mit besten Grüßen

Gerd aus Münster

ANTWORT:
Die 15% Ausschüttung beziehen sich meinem Verständnis nach nur auf den Grundbetrag von 10 Euro. Es werden also 1,50€ ausgeschüttet. Für diesen Grundbetrag müssen Sie derzeit jedoch 229% bezahlen, also 10€ x 2,29 = 22,90€. Die Ausschüttung beträgt also 1,50€ auf die von Ihnen eingesetzten 22,90€, also 6,55%. Für eine Unternehmensanleihe ist das derzeit nichts Außergewöhnliches.

Das Gute an diesem Genußschein ist, dass ausfallende Ausschüttungen oder verminderte Ausschüttungen aufgrund von unzureichenden Gewinnen bei Bertelsmann in späteren Jahren mit höheren Gewinnen wieder ausgeglichen, also nachgeholt, werden.

Bertelsmann ist ein solide geführtes Familienunternehmen, das jedoch auch händeringend um den Anschluss im Internet kämpft. Ich traue es Bertelsmann zu, diesen Anschluss zu finden. Aber grundsätzlich haben viele Mediengesellschaften derzeit mit stagnierenden oder gar rückläufigen Umsätzen im Bereich der Printmedien zu kämpfen.

Alles in allem ist das Papier in meinen Augen interessant, aber die Rendite von 6,55% birgt auch bei Bertelsmann ihre Risiken.

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Sehr geehrter Herr Heibel,

ich weiß zwar, dass sie von investors.com nicht viel halten, aber es dürfte interessant sein, zu beobachten, wie sich Yamana nun weiter entwickelt. Sie wurde gestern als “daily stock analysis” herausgestellt und mit Pivot 17,77 in einer 1. Basis-Basis-Formation zum Kauf empfohlen. Die Analyse können Sie auch als Nichtkunde einsehen.

Google wurde zum Verkauf empfohlen, hat ein Rounding Top ausgebildet und erinnert mich stark an Nokia in 2000.

Vielleicht könnten Sie mir Ihre Meinung zu Simcere Pharmaceuticals, Kürzel SCR, sagen.


Mit freundlichen Grüßen, Dagmar aus Berlin

ANTWORT:

Ich will niemals etwas geben IBD gesagt haben :-) Ich nehme eine technische Analyse lediglich nicht als einzige Informationsquelle für voll, sondern schaue mir die technischen Hintergründe an, nachdem ich mir eine Meinung über die fundamentalen Bedingungen gebildet habe.

Yamana: Danke, habe ich angesehen. Wir haben eine volle Position und damit bin ich zufrieden. Mal sehen, wenn Gold über 1.000 USD/Oz springt, werde ich vielleicht ein paar Zwischengewinne mitnehmen.

Google: Ich habe bereits am 4.1.08 und am 12.2.08 zu Teilverkäufen geraten und wir haben inzwischen nur noch eine halbe Position. Noch ist es zu früh, wieder einzusteigen. Aber eine Entwicklung wie bei Nokia beim Zerplatzen der Internet- und Technologieblase fürchte ich nicht. Der Analyst, der den jüngsten Ausverkauf bei Google auf 440 USD initiiert hat, senkte sein Kursziel auf 590 USD! In einem Jahr wird Google wieder dort stehen, denke ich.

Simcere Pharmaceuticals

Das sieht recht interessant aus. Wenn ich den Angaben bei Yahoo! Finance glauben schenke, dann will das Unternehmen mit einem Umsatz von 174 Mio. USD stolze 330 Mio. USD Gewinn machen. Das ist mathematisch nicht möglich.

In den Bilanzen und Analystenschätzungen stehen dann sinnvollere Zahlen: Der Umsatz soll bei 1,3 Mrd. USD liegen, damit kommen die Gewinne schon in Reichweite. Aber das zeigt das Problem: Der Informationsfluss bei diesen chinesischen Aktien ist äusserst unzuverlässig.

Wenn das alles stimmt, was ich an Zahlen nun gefunden habe, dann wächst das Unternehmen mit ca. 20% p.a. auf dem chinesischen Markt. Dass sich China um Patentrechte kaum kümmert, ist bekannt, es wundert mich also nicht, dass ein Generika-Hersteller gute Geschäfte in China machen kann. Doch je mehr China in das WTO-System einbezogen wird, desto schärfer werden die Vorwürfe gegen solche Machenschaften. Ich würde bei Simcere Pharma darin ein Risiko sehen.

Solange das Unternehmen jedoch sauber arbeitet (wie gesagt, ich kann das nicht beurteilen), ist die Bewertung in Ordnung, das KGV von 16 scheint mir günstig.

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Sehr geehrter Herr Heibel,

ich bin seit kurzem Abonnent Ihres Heibel-Tickers und danke Ihnen für Ihre aufschlussreiche und informative Berichterstattung und Analyse über das Börsengeschehen und die wirtschaftlichen Zusammenhänge.

In den letzten Wochen – nach Zuspitzung der Immobilien- und Finanzkrise – habe ich mich immer intensiver mit diesem Thema und den Folgen beschäftigt. Und meine Sorgenfalten auf der Stirn sind dabei nur gewachsen. Denn, es scheinen sich – mittlerweile gibt es immer mehr warnende Stimmen – die Vorzeichen einer weltweiten Wirtschaftskrise ähnlich wie in den 3Oer Jahren massiv zu verdeutlichen.


Stichwortartig zähle ich z.B. auf:

- Immobilienkrise in USA lange nicht ausgestanden – Preise fallen nach wie vor teilweise massiv
- USA manipulieren immer heftiger diverse Wirtschaftszahlen (Inflation etc.) und schränken Veröffentlichung dieser Zahlen weiter ein (wie z.B. Geldmenge M3 und andere)
- “Schlechte Schulden” wurden auf “AAA” upgegratet und x-mal weltweit in verschiedenen Finanzprodukten verkauft (CDO´s etc.)
- Kreditversicherer werden bereits von der Politik in den USA unter Druck gesetzt kurzfristigst massiv Kapital zu beschaffen
- Es schlummern noch ungeahnte Milliardenverluste in den Bankenbilanzen, die alle abgeschrieben werden müssen
- Zentralbanken verkaufen massiv Gold um den Kurs des Edelmetalls zu drücken
- Immer weniger Golddeckung des Papiergeldes vorhanden
- Immobilienblasen auch in Spanien (4 Mill. Wohnungen unverkäuflich), England usw.
- Agrarrohstoffe steigen massiv im Preis an
- usw. usw.

Im Internet findet man immer mehr Berichte, die böses ahnen lassen. Unter anderem konnte ich gestern einen Vortrag eines Investors hören (siehe: www.hartgeld.com), der als Ausweg aus der drohenden SEHR NAHEN Weltwirtschaftskrise schlimmer noch wie in den 30er Jahren nur drei Möglichkeiten sieht:

a) Gold und Silber in physischer Form
b) Minenaktien
c) bestimmte Rohstoffe (Ackerland oder Ölquellen).

Dieser Mann beschäftigt sich bereits seit Jahrzehnten als erfolgreicher Investor – insbesondere auf den Aktienmärkten – und ist bereits vor mehr als 2 Jahren aus den Aktien komplett ausgestiegen und heute ausschließlich in diesen 3 Assets engagiert. Auf seiner Homepage finden sich alle möglichen Sammlungen von internationalen Berichten und er bekommt aufgrund seiner mittlerweile hohen Bekanntheit auch jede Menge Insider-Informationen, die Schlimmes ahnen lassen (Motto “Rette sich wer kann”). Er argumentiert insbesondere auch mit dem Kontratief-Zyklus, der Ende der 40er Jahre begonnen hat und sich nun dem Ende zuneigt (Ende = Geld und Vermögensvernichtung).

Er erwartet noch im 1. Halbjahr 2008, dass es zu einem massiven Schulden- und damit auch Vermögensabbau (Papiervermögen) kommen wird und dieser muss über einen Crahs und Hyperinflation ausgeglichen werden. Es wurde ein gigantischer Schuldturm seit den 80er Jahren aufgebaut – weit höher als vor der Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren -, der nur über einen”Finanzcrash” und  à la longue eine massive Währungsreform wieder abgebaut werden kann, ja muss. Unser gesamtes Finanz-, Sozial- und Währungssystem ist lt. seinen Aussagen und der vieler anderer namhafter Experten in großer GEFAHR!

Nun würde mich die Meinung eines “Experten” nicht unbedingt aus der Ruhe bringen, leider sind jedoch im Internet vor allem auch aus seriösen Quellen immer mehr warnende Stimmen zu finden.

Mich interessiert wie Sie als erfahrener und studierter Volkswirtschaftler die Situation einschätzen, denn ich überlege ernsthaft, mir größere Mengen Gold oder Silber zu beschaffen, um einem drohenden weltweiten Finanzholocaust zu entgehen.

Vielen Dank für Ihre Einschätzung!

Freundliche Grüße, Gerhard aus Deutsch Wagram, Österreich

ANTWORT:

Ich stimme Ihren Ausführungen prinzipiell zu, mit der folgenden Ausnahme: “- Zentralbanken verkaufen massiv Gold um den Kurs des Edelmetalls zu drücken” …das tun sie immer. Derzeit kauft die chinesische Zentralbank alles an Gold auf, was sie kriegen kann. Unterm Strich sind die Zentralbanken meiner Ansicht nach daher eher Käufer. Das Argument stimmt also nicht.

Und noch eine zweite Aussage möchte ich relativieren: “…drohenden SEHR NAHEN Weltwirtschaftskrise…” Die Märkte sind immer viel viel länger irrational, Fehlentwicklungen werden immer viel viel mehr übertrieben, als es mit vernünftigen Argumenten erklärbar ist. Ich würde mich also nicht auf eine “sehr nahe” Katastrophe einstellen.

Es gibt immer wieder Korrekturen, Gegenbewegungen, Instrumente und Ideen, die das aus dem Ruder gelaufene System doch noch eine Weile länger weiterlaufen lassen.

Wer sich also von Panikmachern anstecken lässt, der läuft Gefahr, ein paar Jahrzehnte auf die Weltwirtschaftskrise zu warten und am Ende als ewig gestriger Miesmacher nicht mehr ernst genommen zu werden.

Ungeachtet dieser Relativierungen habe auch ich das Vertrauen in US-Dollar und Euro weitgehend verloren. Im Vergleich zum Gold sind diese Papierwährungen derzeit Spielball der Politik und Instrument der Entschuldung. Ob es nun zu einer Weltwirtschaftskrise oder aber einem schleichenden Wertverlust kommt, ist mir da egal. Ich möchte einen Teil meiner Vermögensvorsorge unabhängig von diesem Papiergeld umsetzen.

Dazu würde ich aus heutiger Sicht etwa 10% in Edelmetalle (Gold ist mehrwertsteuerfrei zu bekommen, Silber hat jedoch das größere Kurspotential) anlegen. Weitere 20% würde ich in rohstoffnahe Papiere anlegen (Gold-, Agrar-, … -Zertifikate, Minen etc.). 30% in Immobilien, 10% bar bzw. Festgeld und die verbleibenden 30% auf Anleihen (derzeit nur kurzläufige) und Aktien (derzeit Technologie) aufteilen.

So eine Beispielstruktur, wie ich sie für sinnvoll halte, ohne in Panik zu geraten.

Ich kenne die Weltuntergangspropheten seit den 80er Jahren. Sie haben die Jahrhundertrallye an den Aktienbörsen verpasst, sie haben die Rallye von 2003 bis heute verpasst und sie werden auch die nächsten Rallyes verpassen. Vorsicht ist angebracht, aber keine Panik.

Über den AutorStephan Heibel ist Herausgeber des Börsenbriefes Heibel-Ticker, den Sie hier kostenfrei abonnieren können.

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