Mai 2007



Lieber Herr Heibel,

ich weiß Sie aus früheren Zeiten als Experten im Short-Selling sehr zu schätzen, auch wenn Sie zur Zeit beim allgemein bullischen Börsentrend eher von entsprechenden Empfehlungen Abstand nehmen. Aber aus div. Leserfragen im Heibel-Ticker und auf H-unplugged sehe ich, dass ich mit dem Interesse am Leerverkaufen nicht alleine bin. Wenn dann die Baisse denn irgendwann zumindest für bestimmte Branchen kommen wird, will ich entsprechend vorbereitet sein.

In diesem Zusammenhang nun meine Frage. Bisher bin ich immer davon ausgegangen, das Short-Selling für den Einzeltrader nur in USA möglich ist (und in Deutschland lediglich institutionellen Tradern vorbehalten ist). Nun bietet mir zu meiner Überraschung mein deutscher Broker das Overnight-Shortselling für eine Liste von über 400 Aktien an. Das Shorten über meinen amerikanischen Broker funktioniert zwar seit Jahren völlig problemlos, aber nun eröffnet sich auf einmal eine neue Dimension, da unter den 400 zum Shorten angebotenen Aktien viele deutsche und europäische Werte enthalten sind. Auf einmal können wir Trader in Europa auch von der Baisse profitieren. Zumindest für mich war das bis vor einigen Tagen überhaupt nicht klar. In Zukunft würde ich daher gerne auch mal die eine oder andere Aktie in Europa leer verkaufen – wie wäre es mit der Dt. Telekom?

Frage nun, amerikanische und deutsche Rechtssysteme sind unterschiedlich. Was ist zu beachten, wenn man in Deutschland leer verkauft? Und wo bekomme ich in D. die Informationen zu wichtigen Kennzahlen, die ich mir gerne vor dem Leerverkaufen anschaue, wie z.B. Short Interest, Short Rate, u.a. die ich mir für die in USA gelisteten Aktien bequem aus finance.yahoo.com holen kann.

Danke schon mal für Ihre sicherlich interessante Antwort.

Beste Grüße, Axel aus Mexiko

ANTWORT:

Es gibt in Deutschland schon seit einigen Jahren die Möglichkeit, einzelne Titel zu shorten. Immer wieder kamen Angebote auf meinen Schreibtisch, aber ich habe diese Angebote stets abgetan. Warum? Nun, weil eben in Deutschland die Informationen über die Short-Quote nicht verfügbar sind – zumindest kann ich nichts Entsprechendes finden. Vielleicht fragen Sie einmal bei Ihrem Broker nach, was er als Informationsquelle empfiehlt. Die Antwort würde auch mich interessieren.

Grundsätzlich bin ich noch auf längere Sicht bullish eingestellt und möchte mich mit Shortempfehlungen nur ungern gegen den Markttrend stellen. Vielleicht werde ich einmal einen Leerverkauf zur Absicherung empfehlen – wie vor einigen Wochen bei Mastercard ausführlich erklärt.

Telekom hätte man m.E. vor den Streiks shorten sollen, hier ist der Zug wohl abgefahren.

Aber keine Angst: Die Zeiten des Shortens kommen auch wieder ;-)

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Sehr geehrter Herr Heibel,

gelegentlich erwähnen Sie bei Ihren Aktienanalysen die Short-Ratio einer Aktie. Wo erhalten Sie diese Börseninformation?

Mit freundlichem Gruß, Edgar aus Marburg

ANTWORT:

Die Short-Ratio wird nur einmal im Monat veröffentlicht. Ich entnehme sie der Seite Key Statistics von Yahoo! Finance USA. Hier ein Beispiel: http://finance.yahoo.com/q/ks?s=amzn

In der rechten Spalte im Bereich "Share Statistics" stehen die Daten zur Short Ratio.

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Sehr geehrter Herr Heibel,

ich habe im Jahr 2000 meine ganzen Ersparnisse in 2 Fonds investiert und bin genau genommen heute noch im Minus!! Es ist einfach unglaublich, dass die Fondmanager nie irgendwelche Absicherungen machen, sondern einfach die Werte den Indizes (SMI/DAX) aussetzen. (DWS global und SWISSCA green invest Fonds)

Meine Frage:

Könnte ich mit CALL/PUT Strategien wenigstens mein Vermögen schützen, wenn die Indizes sich nach unten bewegen? Kann ich dabei sofort Cash realisieren?

DAX-Put

ICH MUSS SELBER ETWAS TUN….DIE FONDS TUN GAR NICHTS!

Allerdings müsste ich mich zuerst in diesen Dingen ausbilden und lernen!

Können Sie mir dabei helfen?

Mit freundlichen Grüssen, Frederic aus Urdorf, Schweiz

ANTWORT:

Depotabsicherungen beziehen sich auf die Werte in Ihrem Depot. Sie haben im Wesentlichen zwei Möglichkeiten:

1. Sie kaufen Optionsscheine, die sich gegenläufig zu Ihrem Depot entwickeln. Damit verlieren Sie kontinuierlich den Optionspreis. Es ist wie eine Versicherung: Sie sichern sich gegen große Verluste ab, zahlen dafür jedoch eine Prämie. Über einen längeren Zeitraum kann sich diese Prämie sehr negativ auf Ihre Vermögensentwicklung auswirken.

2. Sie verkaufen Optionsscheine. Verkäufer von Optionsscheinen kassieren die Optionsscheinprämie. Über einen längeren Zeitraum hinweg können Sie so kontinuierlich 7-9 % p.a. zusätzlich mit Ihrem Depot verdienen. Allerdings geht das nur mit Aktien, die Sie in Ihrem Depot haben. Mit Fonds geht das nicht, das müssten dann schon die Fondsmanager selber tun.

Für Sie als Fondsanleger halte ich es für am besten, wenn Sie in Zeiten der absoluten Börsenhausse ein paar DAX-Puts und SMI-Puts kaufen. Derzeit ist eine solche Übertreibung meiner Ansicht nach jedoch nicht gegeben.
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Hallo Herr Heibel,
 
was ist mit SAP los? Die Aktie geht in den letzten Tagen gegen den Markt runter. Ist hier eine Gegenreaktion zu erwarten?
 
Freundliche Grüße, Reto aus Pfäffikon

ANTWORT:

SAP wird immer wieder von Oracle angegriffen. Vorwürfe der Industriespionage, Gerichtsverfahren und erbitterte Preiskämpfe machen es beiden (sowohl SAP, als auch Oracle) schwer, sich auf das Geldverdienen zu konzentrieren.

Heute hat Henning Kagermann, Chef von SAP, bekräftigt, aus dem eigenen Saft heraus zu wachsen, während Oracle immer wieder durch Zukäufe wächst. Ich halte die SAP-Strategie für besser und denke, dass der Kurs tatsächlich Nachholbedarf hat. Das KGV von 22 wird dem Umsatzwachstum von 10 % p.a. gerecht, ich könnte mir jedoch einen Anstieg bei der Profitabilität vorstellen, wenn Oracle wieder etwas ruhiger wird.

Als Kursziel für die nächsten 12 Monate sehe ich 42 Euro (derzeit 35 Euro).
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Hallo Herr Heibel,
 
mich würde mal wieder eine aktuelle Einschätzung zum Rohstoff-Boom Ihrerseits interessieren. Meine bisher erste 100% Aktie Blue Pearl hat mir bisher riesige Freude bereitet. Wie kann es weitergehen? Sind die Trend-Rohstoffe wie Uran oder Molybdän bereits am Zenith ihrer Begehrlichkeit oder geht das noch so eine Weile weiter?

Aja, ich beobachte das Börsengeschehen schon seit längerem; handeln tue ich aber erst seit ein paar Monaten. Was hat es mit dem gefürchteten Mai auf sich ("sell in May and go away" usw.)? Alles nur Gefasel oder steckt da doch etwas dahinter?

Vielleicht wären diese beiden Fragen mögliche Topics für einen der nächsten Ticker…

LG aus Österreich, Rudolf

ANTWORT:

Blue Pearl wird von zwei deutschen Börsenbriefen empfohlen – beide sind mir als extrem reißerisch bekannt.

Die Daten, die ich über das Unternehmen recherchieren konnte, sprechen tatsächlich für die Aktien. Wenn das alles stimmt, dann sollte bis Ende dieses Jahres ein Kursziel von 15 Euro realistisch sein.

Doch Sie müssen sich bei dieser Aktie bewusst sein, dass Sie nur sehr wenige Informationsquellen haben: Das kanadische Unternehmen selbst – und Kanada ist bekannt für jede Menge gefälschte Bilanzen – und die beiden Börsenbriefe, die weitgehend den Informationen des Unternehmens trauen.  Weder in Kanada, noch in den USA ist mir ein Analyst bekannt, der dieses Unternehmen verfolgt – und das ist schon etwas merkwürdig.

Mit 100 % würde ich auf jeden Fall die Hälfte der Position verkaufen. Dann haben Sie Ihren Einsatz raus und können dennoch ein wenig am möglichen weiteren Kursgewinn teilhaben. Seien Sie sich aber bewusst, dass diese spekulative Position nur mit einem kleinen Teil Ihres Vermögens laufen sollte.

Uran wird meiner Ansicht nach auf Sicht von mindestens drei Jahren knapp bleiben. Zu Molybdän habe ich keine Meinung.

Ich habe mir am vergangenen Freitag im Heibel-Ticker ausführlich Gedanken zu sell in May… gemacht. Ich denke, dass nach den Kursgewinnen der vergangenen Tage eine Korrektur fällig ist, diese wird aber nicht den ganzen Sommer in Anspruch nehmen.
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Sehr geehrter Herr Heibel,

wie ist bitte Ihre Meinung nach dem Verkauf von 81,1 % von Chrysler zu
der Aktie? Sollte man jetzt einsteigen und wie schätzen Sie die kurzfristige Entwicklung ein?

Vielen Dank und beste Grüße, Gerd aus Münster

ANTWORT:

Ich kann mir gut vorstellen, dass die Aktie aus Freude über die Abtrennung Chryslers kurzfristig noch ein wenig höher läuft. Allerdings ist das Bewertungsniveau von Daimler inzwischen so hoch, dass die zu erwartende Rentabilitätssteigerung bereits enthalten ist.

Jetzt wird es an Zetsche liegen, Daimler auf Erfolgskurs zu bringen – erfolgreicher, als derzeit ohnehin bereits prognostiziert. Da Zetsche in den USA Chrysler seinerzeit dorthin gebracht hat, wo es heute verkauft wird, bin ich ihm gegenüber skeptisch. Auch vom Bewertungsniveau ist BMW wesentlich attraktiver und ich sehe Daimler auf dem aktuellen Niveau nicht mehr als Langzeit – Investment./>
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Ein fallender Dow Jones führt zur Auflösung von Carry-Trades und dadurch zu einem Yen-Anstieg.

Bitte beachten: Die rote Linie gibt den Wechselkurs USD/YEN wieder. Ein Anstieg bedeutet eine USD-Stärke, also YEN-Schwäche. Der YEN ist stark, wenn die rote Linie fällt.

USD/JPY parallel zum Dow Jones

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