November 2006
Monthly Archive
Sonntag, 26.11.2006 | 01:06 Uhr | Kategorie "
Börsenbrief - Leserfragen".
Sehr geehrter Herr Heibel,
seit März dieses Jahres verfolge ich wieder Ihren sehr interessanten Ticker. Ihre sachliche Betrachtungsweise der Vorgänge am Markt ist immer wieder beeindruckend.
Mich würde Ihre Einschätzung zur Linde AG interessieren. Seit Monaten sehe ich eine positive Kursentwicklung. Sehen Sie durch die Neuausrichtung des Konzerns (Konzentration auf Gasbranche und Verkauf der Gabelstaplersparte) langfristig weitere Kurschancen?
Mit freundlichen Grüßen, Peter aus Backnang
ANTWORT:
Der Kurs der Linde Aktien ist seit 2003 von 15 auf derzeit 78,20 Euro angesprungen. Und dennoch sehen die Bewertungskennziffern recht gut aus: Die Dividendenrendite beträgt 1,88 %, das KGV steht bei 17.
Das Unternehmen ist bekannt für seine Gabelstapler sowie für diverse Industriegase. Die Gabelstaplerbranche wurde kürzlich veräußert, nun bleiben nur noch die Industriegase. Das Geschäft hat sich in den vergangenen Jahren tatsächlich sehr gut entwickelt. Insbesondere im laufenden Jahr wird voraussichtlich ein Umsatzsprung von 25 % gelingen.
Im nächsten Jahr wird das Umsatzwachstum nur bei mageren 5-8 % liegen, da ist jedoch der Wegfall der Gabelstaplerbranche kompensiert. Das Geschäft mit den Industriegasen wächst also weiterhin mit zweistelligen Raten.
Das sieht alles gut durchdacht aus und ich halte den Kurs für etwas zu niedrig. Denn das Bewertungsniveau hat die angestiegene
Wachstumsgeschwindigkeit noch nicht berücksichtigt. Dies kann gegebenenfalls noch einige Quartale in Anspruch nehmen, als Langfristanlage ist die Linde AG jedoch solide.
Einen Kauf würde ich bei der aktuellen Kursentwicklung nicht überstürzen: In den kommenden Monaten sollte der Kurs das eine oder andere mal Rückschläge erleiden, allein durch die Verwirrung, die durch den Wegfall des Umsatzes der Gabelstaplerbranche verursacht wird. Ich erwarte, daß der Kurs nochmals deutlich unter 70 Euro sinkt, bevor das Ergebnis der Umstrukturierung zu einem neuen Bewertungsniveau führt.
Sonntag, 26.11.2006 | 01:05 Uhr | Kategorie "
Börsenbrief - Leserfragen".
Sehr geehrter Herr Heibel,
die Aktie Hyundai, WKN 885166, wurde im April 2006 zum Kurs von 24,50 € gekauft. Heute steht Sie bei ca. 17,50 €. Wie ist Ihre Einschätzung zur weiteren Entwicklung? Aktie verkaufen oder halten?
Bitte per Mail um Ihre Einschätzung.
Mit freundlichen Grüßen, Walter aus Bonn
ANTWORT:
Nach dem VW-Jetta ist der Elantra das meistverkaufte Auto in China. Jawohl, Südkorea hat ein starkes Standbein in den chinesischen Markt gesetzt. Hyundai ist gut etabliert. Nach zwei Jahrzehnten mit durchschnittlichen Wachstumsraten von 6-8 % in Südkorea sucht das Land nun neue Märkte und findet diese beim Nachbarn China.
Und dabei notiert das Unternehmen auf einem denkbar günstigen Bewertungsniveau: ein KGV von nur 4,5, schon Ende dieses Jahres soll das KGV 06e unter 3 rutschen. Hinzu kommt eine Dividendenrendite von 5 %.
Da, könnte man meinen, kann man nichts falsch machen. Ein solch günstiges Bewertungsniveau bei steigenden Umsätzen und Gewinnen, das ist eine sichere Anlage, oder?
Nun, die Kehrseite der Medaille ist, daß das Land direkt an Nordkorea angrenzt. Und dort experimentiert man gerade mit der Atombombe. Wenn es in dieser Region zu einer kriegerischen Eskalation kommt (offiziell befinden sich Nord- und Südkorea ohnehin im Kriegszustand), dann wird von Südkorea nicht viel übrig bleiben.
Und auch Korruption ist ein Thema. Erst vor wenigen Monaten wurde der Chef von Hyundai, der gleichzeitig übrigens auch Chef von Kia war, wegen eines Korruptionsskandals und der Veruntreuung von Unternehmensgeldern inhaftiert.
Also: Das günstige Bewertungsniveau hat schon seine Gründe. Sie kennen meine Einstellung: Wenn Sie ein intimer Kenner der landesspezifischen Besonderheiten von Korea sind, dann können Sie sich von mir aus an ein solches Investment wagen. Ich will nicht ausschließen, daß Hyundai in den kommenden Jahren eine starke Expansion gelingt. Dann würde der Kurs sicherlich kräftig anspringen. Aber das Geschäft von Hyundai hängt auch an politischen Komponenten und ich würde mich daher nach ähnlich attraktiven Aktien in entwickelteren Aktienmärkten umschauen.
Sonntag, 26.11.2006 | 01:05 Uhr | Kategorie "
Börsenbrief - Leserfragen".
Hallo Hr. Heibel,
da ich noch ganz "frischer" Plus Abonnent bin, hätte ich gerne Ihre Meinung über die TIRO- Holding (WKN: A0JNGV) gewusst.
Die Aktie bewegt sich seit nunmehr 3 Monaten nur seitwärts und prellt immer wieder an der 0,66 er Linie ab. Was halten Sie überhaupt von dieser Holding?
Viele Grüße aus dem Österreichischen Norden, Peter
ANTWORT:
TIRO Holding gibt es erst seit diesem Jahr. Das Unternehmen wird seit Mai an der Börse gehandelt, der Kurs ist seither von einem Euro auf zwischenzeitlich 0,30 Euro gefallen und verharrt nun knapp über 0,60 Euro. Wenn Sie eine solche Pfennigaktie beurteilen wollen, dann müssen Sie sich fragen, was den Kurs bewegt.
Und das ist sehr einfach herauszufinden: Meldungen! Blumig formulierte Versprechungen, gespickt mit wichtig klingenden Begriffen der Finanzwelt. Alle Informationen über das Unternehmen, die Sie finden können, stammen vom Unternehmen selbst, oder von einem (gekauften?) Analysten.
Der Inhalt der Meldungen ist denkbar einfach: "Jetzt kaufen, denn der Kurs steigt bald über 1 Euro", "Verpassen Sie nicht Ihre Chance für einen Kursanstieg auf 2,50 Euro im nächsten Jahr", aber auch "Der Unternehmensverlust war geplant und angekündigt. Schon bald werden die ersten Gewinne fließen"…
…und die Gewinne sollen aus Börsengängen fließen. Zum einen soll die eigene Tochtergesellschaft TIRO Listing AG an die Börse gebracht werden, zum anderen eine Stahlfirma namens "Swiss FE Steel".
Ich weiß, ich bin ein Skeptiker geworden. Aber ich habe in den vergangenen Jahren so viele Betrügereien an der Börse gesehen, daß ich inzwischen bei nicht ganz sauberen Sachen generell das Schlimmste befürchte. Und damit liege ich in 90 % der Fälle richtig. Wenn Sie lernen wollen, wie man richtig bescheißt, dann lesen Sie sich die folgenden Absätze durch.
Also: TIRO Holding selbst existiert erst seit diesem Jahr. Der Vorstand, Ralf Goldermann, arbeitet schon seit Jahren mit Christoph Göttler in einer Vermögensverwaltung namens Vialor zusammen. Christoph Göttler ist größter Eigner des Unternehmens.
Nun wollen die Jungs, Jahrgang 1969 und 1964, hoch hinaus. Alles, was sie aufweisen können, sind gute, vermögende Kontakte. Mit Hilfe einiger Kapitalgeber wird also aus der Vialor heraus die TIRO Holding gegründet. Damit das Unternehmen etwas besitzt, wird die Vialor eingebracht. Als Geschäftsfeld wird ausgerufen, Unternehmen beim Börsengang zu begleiten.
Als erstes einmal wird der eigene Börsengang durchgeführt. Das kostete etwa 100.000 Euro, brachte aber 8 Mio. Euro frisches Kapital. Damit kann nun gearbeitet werden.
Mit dem Geld gründet man dann erst einmal eine 100 %ige Tochter, die TIRO Listing AG. Diese vermeldet dann auch umgehend, dass weitere zwei Börsengänge in der Pipeline stünden und beschafft sich über den privaten Kapitalmarkt ein Startkapital von 12 Mio. Euro.
Als erstes soll nun das Unternehmen Swiss FE Steel Group an die Börse gebracht werden. Das Volumen: 14 Mio. Euro. Ich habe nachgeforscht: Die Swiss Fe Steel Group wurde erst vor wenigen Wochen gegründet. Damit es schneller geht hat man den Firmenmantel einer nicht mehr operierenden Firma gekauft, umbenannt und mit einem Management versehen. Was diese Firma einmal tun soll, ist mir schleierhaft.
Aber das macht nichts, die TIRO Holding kennt sich wunderbar am Kapitalmarkt aus und weiß, wie man eine Nachfrage für Aktien schafft, auch wenn das Unternehmen nichts als blumige Pläne vorlegen kann. Wenn dieser Börsengang erfolgreich über die Bühne geht, dann hat die TIRO sogar erste Einnahmen zu verzeichnen.
Und wenn das dann vermeldet wird, dann geht der Kurs durch die Decke. Denn alles, was der Vorstand versprochen hat, ist auch eingetreten. Daß dies alles noch ohne irgendein funktionstüchtiges, gewinnbringendes Geschäft erfolgen konnte, ist den wenigsten bewußt.
Erst nach diesen hausgemachten Erfolgen wird es sich zeigen, ob das Unternehmen überhaupt ein Geschäft aufbauen kann. Ich habe über das Management Informationen eingeholt, etwas Schlechtes ist mir da nicht aufgefallen. Ich gebe dem Management also einmal Vorschußlorbeeren und sage, sie werden wohl ehrlich daran glauben, daß sie nach diesem hausgemachten Start dann auch am Markt erfolgreich sein werden.
Aber um deren Chancen beurteilen zu können, müßte ich die beiden persönlich kennen – und das tue ich nicht. Und das ist immer wieder der Fallstrick bei den meisten Pfennigaktien: Ein solches Unternehmen steht und fällt mit der Kompetenz des Managements. Es gibt ja noch kein Geschäft. Ein Investment in eine solche Aktie ist wie ein Stipendium für einen Menschen, der einem dies später einmal eventuell zurückzahlt. Über die Aktienbörse ist mir ein solches Stipendium zu anonym. Wenn ich schon auf eine Person vertrauen soll, dann möchte ich diese Person auch persönlich kennen.
Das ist hier nicht der Fall, daher ist mir diese Aktie zu windig. Es gibt keine Information über die Gehälter des Vorstands, es gibt auch keine Berichte von unabhängigen Dritten. Ich würde die Finger davon lassen.
Sonntag, 26.11.2006 | 01:04 Uhr | Kategorie "
Börsenbrief - Leserfragen".
Sehr geehrter Herr Heibel,
ist es zu früh zu sagen, dass nach dem drastischen Fall der BWIN-Aktie (WKN: 936172) nun eine gute Einstiegsgelegenheit gekommen ist?
Laut OnVista hat das Unternehmen ein KGV von 11 bei einem Gewinnwachstum von ca. 1330%. Der Kurs ist derzeit auf dem Stand von Anfang 2005, als es noch nicht die vielen Spielmöglichkeiten auf bwin.com gab. (Casino, Minigames, etc.)
Natürlich kann es sein, dass die privaten Wettanbieter in Deutschland verboten werden. Dies widerspricht aber den EU-Gesetzen und als Folge dessen wird eventuell das staatliche Glücksspiel-Monopol ohnehin bald von der EU zu Fall gebracht.
Außerdem argumentieren die Privaten mit folgender Rechnung. Mit ihnen könnten in Zukunft +15000 Arbeitsplätze entstehen. Durch ihr Verbot fallen ca. 15000 weg. Das entspricht einer Differenz von 30.000 Arbeitsplätzen. Eventuell ein weiterer Grund sie nicht zu verbieten.
Außerdem hat gerade BWIN ja Expansionsmöglichkeiten gen Osten.
Mich würde Ihre Meinung interessieren, ob dieser Wert Zukunft hat, oder der aktuelle Kurs keine Übertreibung ist, sondern einfach den zukünftigen Wert widerspiegelt.
Vielen Dank, Thomas aus Zorneding
ANTWORT:
Recht haben und Recht bekommen sind zwei unterschiedliche paar Schuhe. Daß sich Deutschland kaum um EU-Recht schert, haben die Haushaltsprobleme der vergangenen Jahre gezeigt. Und das Wett-Monopol unseres Staates ist zu lukrativ, als daß der Staat dies so einfach abgeben würde.
Sicherlich wird das Wettmonopol irgendwann fallen. Aber wann, das ist ungewiß. Und bis dahin wird geklagt, gestritten und Geld für Anwälte ausgegeben. Wer da wohl den längeren Atem hat?
Ich will nicht ausschließen, daß der Boden für BWIN nah ist. Der Kurssturz von 100 auf 16 Euro in nur 6 Monaten hat ja nun genug Kapital vernichtet. Aber: Woher wollen Sie wissen, daß der Kurs nicht in einem Monat bei 8 Euro steht, bevor dann eine „fulminante Aufholjagd“ um 50 % erfolgt – das würde den Kurs dann auf 12 Euro führen (8 * 150 % = 12).
Never Catch a falling knife – ich würde hier warten, bis sich zumindest ein Boden gebildet hat.
Sonntag, 26.11.2006 | 01:04 Uhr | Kategorie "
Börsenbrief - Leserfragen".
Sehr geehrter Herr Heibel,
da Sie sich mit amerikanischen Werten und am amerikanischen Aktienmarkt sehr gut auskennen, würde mich interessieren, ob Sie mir zu der Aktie von NovaStar Financial (WKN 939202) eine Einschätzung zukommen lassen könnten. Angeblich ist die Dividendenrendite dieses Wertes nachhaltig über 10%.
Ich danke im voraus für Ihre Bemühungen.
mit freundlichen Grüßen, Gerhard aus Bad Gleichenberg
ANTWORT:
Uhh, das ist kniffelig! Aber immerhin: Mit NovaStar hatte ich den Lesern meines früheren Börsenbriefes einmal 25 % in nur einer Woche verdient. Nicht weil ich eine richtige Kauf-Empfehlung aussprach, sondern weil ich eine richtige Leerverkauf-Empfehlung gab.
Leerverkäufe (oder auch Shorten) sind in den USA weit verbreitet. Bei uns in Europa bleibt dieses Instrument meist den institutionellen Anlegern vorbehalten. Ich will es kurz erklären: Bei einem Leerverkauf drehen Sie das normale Börsengeschäft um. Normalerweise kaufen Sie erst Aktien, um sie zu einem späteren Zeitpunkt zu einem höheren Kurs zu verkaufen (Kursgewinn!). Bei einem Leerverkauf verkaufen Sie zuerst die Aktien, um sie zu einem späteren Zeitpunkt zu einem niedrigeren Kurs wieder einzukaufen. Natürlich sind dazu besondere Abmachungen mit Ihrer Bank vonnöten, in Deutschland wird dies kaum angeboten.
Alle Welt sprach von der Immobilienblase und NovaStar Financial vergibt Hypothekenkredite. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis bei den steigenden Zinsen die Margen zu klein für die Hypothekenbanken wurden, um noch ordentlich Geld zu verdienen. Als dies offensichtlich wurde, fiel der Kurs praktisch über Nacht von 60 auf 35 US-Dollar.
Seither hat sich nicht mehr viel getan bei den Aktien von NovaStar: Heute pendelt der Kurs schon das ganze Jahr um 30 US-Dollar herum. Erst diese Woche gab NovaStar ein verheerend schlechtes Quartalsergebnis bekannt: Die Gewinne fielen um 27 %, die Umsätze stagnieren. Und für die kommenden Monate werden noch schlechtere Zahlen erwartet.
Um die Vor- und Nachteile einer Investition in NovaStar zu beurteilen, müssen wir uns den Immobilienmarkt der USA etwas genauer anschauen. Ich will es kurz machen: Schlimmer kann’s nimmer! Denn:
- Die Immobilienpreise in den teuren Ballungsgebieten der USA befinden sich im freien Fall. Damit wird auch das Hypothekenkreditvolumen und somit der Umsatz von NovaStar geringer.
- Auch die Neubauten und neu angemeldeten Bauvorhaben gehen zurück. Die großen Immobilienfirmen der USA reduzieren Ihre Bestände an zu entwickelnden Ländereien. Also nicht nur die Preise gehen zurück, sondern auch die gesamte Bauaktivität. Auch dies mindert die Umsätze von NovaStar.
- In den USA hat sich die Zinskurve invertiert. Keine Angst, dahinter steckt ein ganz einfacher Sachverhalt: Normalerweise bekommen Sie höhere Zinsen, je länger Sie Ihr Geld anlegen. Jeder von Ihnen weiß das. Derzeit ist es jedoch in den USA umgekehrt: Wenn Sie Ihr Geld nur drei Monate anlegen, dann bekommen Sie einen höheren Zinssatz, als wenn Sie Ihr Geld für 5 oder 10 Jahre anlegen. Verkehrte Welt? Genau. Und das nennt man „invertierte Zinskurve“. Dahinter steckt die Befürchtung der Anleger, daß die Konjunktur in eine Rezession schliddert und die Zinsen künftig weiter gesenkt werden müssen. Für NovaStar bedeutet dies, daß es die langfristig ausgegebenen Hypothekenkredite kaum mit kurzfristigen Anlagen refinanzieren kann. Die Folgen sind geringere Gewinnmargen.
- Na, wenn schon eine Rezession befürchtet wird, dann werden im gleichen Zuge auch mehr Hypothekenkredite über die Wupper gehen. Je schlechter die Konjunktur, desto mehr Häuslebauer gehen vor die Hunde. Die daraus folgenden Kreditausfälle werden natürlich ebenfalls in die Gewinne von NovaStar schneiden.
Also: Die Fakten eignen sich bestenfalls dazu, einen Horrorfilm aus diesem Szenario zu machen. Aber wie bereits eingangs gesagt: Schlimmer kann’s nimmer! Was soll jetzt noch passieren? Die Bestände der großen Immobilienfirmen werden reduziert, also wird schon bald der Preisrutsch enden. Denn der Preisrutsch erfolgte nur aufgrund des Überangebots an neuen Häusern. Und die USA sind eine wachsende Nation, ein solcher Überschuß kann schnell abgebaut werden.
Ich erwarte also für die nächsten Monate das Ende der Immobilienkorrektur. Wenn dann die Preise wieder anziehen, wenn dann ersichtlich wird, daß die USA nicht in eine Rezession schliddern, und wenn dann die langfristigen Zinsen wieder etwas anziehen, dann wird der Kurs von NovaStar bereits deutlich höher stehen. Ich kann mir da einen Kursanstieg in Richtung 40 US-Dollar gut vorstellen, denn dort stünde das KGV gerade einmal bei 10.
Ich weiß aber nicht, wann ein solcher Kursstieg starten wird. Derzeit kommen täglich neue Hiobsbotschaften auf’s Parkett und halten die Aktien am Boden. Erst wenn diese Flut verebbt, werden die Kurse steigen. Doch das Warten sollte sich lohnen, denn schon heute fallen die Kurse trotz schlechter Nachrichten nicht mehr weiter und die Zeit, die Sie warten, wird Ihnen mit einer Dividendenrendite von 17 % versüßt. Wo gibt es denn so was?
Einziger Wehrmutstropfen: Die Demokraten sind nicht gerade bekannt dafür, den Wettbewerb zu stärken und in dieser Branche gibt es einige staatlich geförderte Giganten, die von dem politischen Wechsel profitieren sollten. Einer davon befindet sich in unserer Empfehlungsliste.
Sonntag, 26.11.2006 | 01:02 Uhr | Kategorie "
Börsenbrief - Leserfragen".
Liebe Freunde,
hier die bislang bekannten Eckdaten unseres Argentinienurlaubs:
Ankunft in Puerto Madryn, an der Halbinsel Valdez, am Dienstag früh (28.11.). Mit Mietwagen geht’s dann nach Puerto Piramides in unsere Unterkunft und anschließend zum Whale-Watching.
Am 1.12. sind wir dann in El Calafate und bestaunen Gletscher.
Am 3.12. gehts nach Bariloche, dort werden wir die "argentinische Schweiz" bewandern und uns entspannen.
Am 10.12. fahren wir dann zurück nach Buenos Aires (BsAs). In der Woche wollen wir noch eine schöne Estanzia (Hacienda, Ranch, Bauernhof, oder so) in der Umgebung von BsAs aufsuchen: Mit Reiten und Wellness, vielleicht in altem Kolonialstil. Dort erwarten wir dann ein Steak, das an allen Seiten über den Tellerrand ragt.
Am 17.12. fliegen wir dann gen Heimat.
Sonntag, 26.11.2006 | 00:40 Uhr | Kategorie "
Allgemein ,
Börsenbrief - Leserfragen".
Sehr geehrter Herr Heibel,
nachdem ich viele Jahre den iWatch abonniert hatte und es sehr bedauert habe, als sie so plötzlich wie unschön bei Ekip ausgeschieden sind, war ich um so erfreuter, dass Sie einen neuen Start gewagt haben.
Der iWatch ist mit Ihren Nachfolgern ziemlich den Bach runtergegangen. Offensichtlich hat man versucht Ihren Stil zu kopieren, aber diesen ebenso offensichtlich verfehlt. Jedenfalls war die Qualität miserabel. Mehr aus Trägheit und einem Mangel an Alternativen hatte ich ihn noch nicht gekündigt als er dann ebenso plötzlich eingestellt wurde. Von der versprochenen Auszahlung des Restabonnements habe ich dann auch nichts mehr gesehen.
Also zum Erfreulicheren: Herzlichen Glückwunsch zum Neustart!
Ich hatte schon ein paar mal nach Ihnen "gegoogelt", aber war bisher nicht fündig geworden. Gut also, dass Sie bzw. Ihre Mitarbeiterin noch mal die Initiative übernommen haben.
Außerdem überfalle ich Sie gleich zum Einstieg noch mit einer Frage, die mir ziemlich auf den Nägeln brennt:
Was halten Sie von Porsche?
Ich habe diese Aktie letztes Jahr gekauft, weil mir der eigenwillige Führungsstil (quasi "Anti-Shareholdervalue-Strategie"), die Modellpolitik ("Schuster bleib bei Deinen Leisten" hier = Sport, Premium-Qualität, High-End-Ingenieur-Produkte) und natürlich die Bilanz/-aussichten
imponierten.
Inzwischen frage ich mich ob der "eigenwillige Führungsstil" nicht etwas zu dubios wird. Wenn ich mir Herrn Piech und VW anschaue, dann wird mir1.) ganz anders
und
2.) sehe ich mal wieder die Irrationalität der Finanzmärkte (oder verstehen Sie das Bewertungsniveau von VW?!?)
Der Fisch fängt vom Kopf an zu stinken…
Man mag Herrn Piech unterstellen, dass er im Gegensatz zu einigen anderen Managern das Beste für "seinen" Konzern VW/Porsche will und dafür alle Mittel für zulässig hält (erkaufter Betriebsrat usw.) – aber was ist, wenn er mit seinen Vorstellungen von "richtig" falsch liegt? Ein eigenwilliges Management (verweigerte Quartalsberichte, Offenlegung usw.) wie bei Porsche hat seinen Reiz, erfordert aber halt Vertrauen. Und der Art und Weise wie der Famillienclan Piech/Porsche seine Politik Durchsetzt, vertraue ich nicht.
Also verkaufen!
…aber…
es gibt da noch eine äußerst reizvolle Spekulation:
Porsche hat demnächst 29,9% von VW, erhält über die Kapitalerhöhung
weitere 8 Mrd € – niemand weiß wofür…
Piechs verlängerter Arm Winterkorn (Audi-Mann!) teilt den VW-Konzern gerade in Premium- und Massenmarkt-Divisionen auf. Angeblich liegt der Wert von Audi bei ca. 10 Mrd. € Zum Premiumbereich gehören dann noch Lamborghini und Bentley – Peanuts quasi…
Also: Porsche kauft nur den Premiumbereich.
Der Reiz:
1.)Ein in seinem Image völlig unangetasteter Nischenhersteller führt einen Konzern für Premiumfahrzeuge. Image- und Technologietransfer von gut nach schlecht und nicht wie bei Ford/Volvo/Jaguar oder GM/Saab von schlecht nach gut.
2.) Audi ist im Gegensatz zu VW profitabel, die anderen Marken "schmückendes Beiwerk"
3.) Porsche entledigt sich des "Geschmäckles", das der Massenhersteller VW Technologie an Porsche transferiert (also schlecht nach gut) (Cayenne/Touareg; Panamarena). "Audi" klingt da doch schon ganz anders. Zuviel Spekulation? Also doch verkaufen (immerhin +40% einstreichen) und, sollte die Spekulation doch eintreten, in dem dann zu erwartenden Wirbel Porsche billig einsammeln (vgl. letztjährigen Einbruch bei Bekanntgabe der VW-Investition)?
Wie auch immer, die Marke VW hätte dann ein echtes Problem! Und zwar ein strukturelles, also anhaltendes. Angesichts der hohen Bewertung jetzt: Sollte man VW als Short-Kandidaten im Auge behalten. (Kann man VW überhaupt shorten? Sonst halt als Option).
Alles vielleicht eine interessante Gedankenspielerei. Ich hoffe, Sie können das nachvollziehen und mögen es kommentieren. Schließlich sind Sie meines Wissens der einzige Analyst, der sich traut, öffentlich über die "weichen" Faktoren (Psychologie der Märkte, Kunden, Manager, Börsen) zu reden und sich nicht nur an Bilanzen und pseudo-mathematische Chartanalysen klammert!
Ich komme immer wieder zu dem Ergebnis, dass die Anlagestrategie "amerikanische Hausfrau" + fundiertes Börsenwissen + Intuition + Gelassenheit für einen Laien wie mich mehr Wert ist, als die meisten "Geheimtipps", Superstrategien und Charttechniken. Insofern finde ich auch Ihre aktuellen Kommentare zur Dt. Telekom sehr gut! (Hatten Sie nicht vor Jahren mal geschrieben HP(?) würden Sie gar nicht mögen, auch wenn´s nicht rational wäre? Super!
)
So, jetzt ist meine Mail sehr lange geworden, ich hoffe Sie mochten Sie trotzdem lesen. Werde mich so schnell auch nicht mehr mit einer Frage melden
Herzlichen Dank und freundliche Grüße, Hannes aus Aachen
ANTWORT:
Ihre Spekulation halte ich für überaus interessant. Ist die von Ihnen? Ich habe nichts weiter darüber gefunden.
Der Bewertungsunterschied zwischen Porsche und VW erklärt sich aus dem unterschiedlichen Potential: VW hat einen Jahresumsatz von 95 Mrd. Euro und wird mit 23 Mrd. Euro bewertet. Porsche setzt 6,5 Mrd. Euro um und ist 7,8 Mrd. Euro wert.
Bei Porsche wird also der Gewinn mit einem KGV von 14 belegt, die Bruttorendite ist mit 18 % für einen Automobilkonzern sehr hoch. Wachstum kommt also nur aus Umsatzwachstum.
Bei VW beträgt die Bruttorendite nur 1,8 %. Damit ist VW noch schlechter als DaimlerChrysler (2,7 %) und BMW (7 %). VW braucht gar nicht mehr abzusetzen, eine etwas bessere Umsatzrendite würde das Bewertungsniveau ad hoc deutlich verringern.
Ich muß ehrlich sagen, Ihre Spekulation über die Übernahme von Audi & Co. kann ich so schnell kaum einordnen. Wenn das einträfe, würde der Kurs dann steigen oder fallen? Nun, Porsche würde sich nicht nur mehr Umsatz kaufen, sondern Porsche würde man es auch zutrauen, die Gewinnmarge bei Audi & Co. deutlich zu erhöhen. Ich denke, daß in dem Augenblick, wo dieser Schachzug bekannt wird, Piech viele seiner eigenwilligen Aktionen verziehen würden.
Ich habe gelernt, nicht alles auf eine Karte zu setzen: Was halten Sie davon, die Hälfte Ihrer Position zu verkaufen, weil Sie doch schon einen schönen Kursgewinn haben. Mit der anderen Hälfte warten Sie noch bis zum nächsten Frühjahr und sichern Ihre Gewinne mit einem Stopp Loss unter 790 Euro ab.
Vielen Dank für Ihr Lob. Es sind immer die anderen, die einem bewußt machen, was man gutes geschaffen hat: Mir war nicht bewußt, daß ich der Einzige bin, der über "weiche" Faktoren schreibt. Für mich sind die wichtig und ich weiß, daß nur wenige (wenn überhaupt) darüber schreiben. Es freut mich aber, daß meine weichen Faktoren geschätzt werden.
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