Aktien Analyse: PrePaid Legal Services (PPD)

Sehr geehrter Herr Heibel,

Sie haben unlängst die Shortratio eines Wertes angesprochen. Herr Heibel, schauen sie sich mal PrePaid Legal Services (PPD) an! Dieser wert ist schon lange extrem geshortet! Shortration per 12. Sept. 06 bei sagenhaften 143,8!

Diesbezüglich und auch, da PPD eine ziemlich große Position in meinem Depot ist, würde mich Ihre geschätzte Meinung zu diesem wert interessieren.

Gruß, Anton aus Österreich

ANTWORT:

PrePaid Legal Services (PPD)

Whow, eine solche Ziffer als Short Ratio habe ich noch nie gesehen. Gehen wir der Sache einmal auf den Grund:

PrePaid Legal Services ist ein Unternehmen, das seinen 1,5 Mio. Mitgliedern über ein Netzwerk von Anwälten und Spezialisten Dienstleistungen rund um den Öffentlichen Dienst anbietet. Dies beinhaltet Steuererklärungshilfen, Fördermittelbeantragung, usw.

Das Unternehmen wächst im Umsatz mit 5 % p.a. und notiert auf einem KGV von 13. Das sieht noch ganz vernünftig aus.  Die Schuldenquote von 2,5 (Verhältnis von langfristigen Schulden zu Eigenkapital) erscheint mir jedoch recht hoch, wird jedoch durch hohe Barreserven gut abgedeckt.

Trotz der auf den ersten Blick soliden Bilanz wetten mehr Anleger bei dieser Aktie auf fallende Kurse, als ich jemals bei einer Aktie gesehen habe. Die Shortquote sagt nämlich aus, wie viele Tage bei durchschnittlichem Handelsvolumen benötigt würden, um die aktuell leerverkauften Aktien einzudecken. Ein bis drei Tage sind üblich, vier bis fünf gilt als hoch. Bei der Ziffer 143 werden alle Statistiken gesprengt.

Das Leerverkaufen von Aktien (Shorten) gibt es vorwiegend in den USA. Der Anleger kann dort Aktien verkaufen, die er gar nicht im Depot hat. Er verkauft also nur das Versprechen, die Aktien zu einem späteren Zeitpunkt zu liefern. In der Zwischenzeit hofft er, daß der Kurs fällt, damit er zu einem späteren Zeitpunkt die Aktien zu einem niedrigeren Kurs, also günstiger, einkaufen und liefern kann. Diesen Vorgang nennt man dann Eindecken.

Die Shortquote von 143 bei PrePaid Services beruht auf zwei Besonderheiten: Zum einen existieren kaum Aktien im freien Handel. 70 % der Aktien werden von Institutionen gehalten, davon sind 40 % Insider. Von den 14 Mio. existierenden Aktien sind nur die Hälfte über die Börse handelbar, diese jedoch sind zum größten Teil in Besitz von Institutionen. Bei solchen Quoten ist davon auszugehen, daß große Aktienpakete, wenn sie denn mal den Inhaber wechseln, nicht über die Börse, sondern privat veräußert werden. Dadurch ist das tägliche Handelsvolumen an der Börse in dieser Aktie sehr gering.

Nun haben wir das extrem niedrige Handelsvolumen der Aktien begründet. Warum aber sind so viele Anleger negativ eingestellt und erwarten fallende Kurse? Nun, das Geschäftsmodell ist auf dem Schneeballsystem aufgebaut. Je schneller neue Kunden hinzugewonnen werden, desto schneller wachsen die Einnahmen. Mit großzügigen Provisionen für die Altmitglieder, die auch an den von ihnen neugeworbenen Kunden noch mitverdienen, wurde wie in einem Schneeballsystem eine große Kundenzahl geschaffen. Wenn dieses unnatürliche Wachstum einmal stockt, dann werden sämtliche Kennziffern des Unternehmens aus dem Ruder laufen.

Ich kann mir nur vorstellen, daß die institutionellen Anleger dies erkannt haben und ihre Bestände leerverkauft haben.

Diese Zahlen sehen mir so marode aus, daß ich in diesem System nicht einmal eine Short-Spekulation wagen würde, da die Kursentwicklung vollkommen in der Hand von Insidern und Institutionellen liegt. Es könnte passieren, daß der Kurs sich nochmals verdoppelt, ehe das Schneeballsystem ausläuft und die Aktie einbricht.

Diese Aktie habe ich also zum ersten, und hoffentlich zum letzten mal gesehen. In meinem Börsenbrief Heibel-Ticker werde ich solche Aktien nicht besprechen.

Hi I'am Stephan Heibel

Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefs

http://www.heibel-ticker.de

Comment (1)

  1. stephan_heibel

    Februar 23, 2007 at 23:24

    Hallo noch mal!

    Ich sage besten Dank, noch kurz ein paar Gedanken zu PPD!

    Herr Heibel, PPD kommt ja in ihrer Analyse nicht gerade gut weg. Sie sagen: hoffentlich das erste und letzte Mal, dass ich diese Aktie gesehen habe!?

    Aber warum dieses? Liegt es an der finanziellen Beteiligung von Kunden am Geschäftserfolg? Stößt es auf, wenn Kunden durch Vermittlung der selbst gekauften Dienstleistung bei Weiterempfehlung am Betriebserfolg partizipieren? Also, da möchte ich das Wesen eines Vertriebes prinzipiell ansprechen! Wird jemand eine Dienstleistung erwerben, von der er nicht überzeugt ist? Nur, um bei Weiterempfehlung eine handvoll Dollar zu bekommen? Wohl nicht. Oder, wird ein weisungsgebundener Verkäufer oder Vertreter in seiner Empfehlung objektiver sein, als ein bereits bestehender Kunde, der am Geschäftsmodell anteilen haben kann? Wohl mit Sicherheit auch nicht. Also, was spricht dann gegen dieses ‚Schneeballsystem‘? Die Rechtlage? Auch dies kann eindeutig beantwortet werden: nein. Zumindest nach aktuellem Wissensstand nicht. Sie haben recht, sollte dieses Vertriebssystem in sich zusammenbrechen, hat PPD Probleme.

    Frage:

    Welche Firma hat kein Problem, wenn ihre Vertriebssysteme zusammenbrechen? Wie würde z.B. Pfizer ohne (weisungsgebundene) Vertriebsmannschaft aussehen? Aber warum sollte das System PPD zusammenbrechen? Das kann wohl nur per Gesetz erfolgen – was es aber nicht tut, derzeit zumindest.

    Zurück zum shorten

    Da sehe ich den eigentlichen Skandal, wenn wir schon einen Skandal sehen
    wollen. Bitte, wie kommt ein Aktionär, der in der Regel auf steigende Kurse setzt, dazu, dass ohne sein Wissen und ohne einer finanziellen Entschädigung, seine Aktien von unbekannten Dritten am Markt durch erhöhtes Verkaufsanbot kursrelevant in Erscheinung treten? Klar muss derjenige der shortet, Geld fürs shorten bezahlen. Aber dieses fließt nicht dem Aktionär zu. Ja im Gegenteil, der weiß in der Regel gar nix davon.

    Herr Heibel, eine Frage:

    Nehmen wir an, Sie stellen Ihr Auto zum Service in die Werkstatt. Eine große Werkstatt. Die Werkstatt hat nun 100 Kundenfahrzeuge da stehen. Warum nicht 10 davon vermieten? Klar gegen Entgeld, welches allerdings die Werkstatt kassiert! Aber ohne Wissen und Entschädigung der Fahrtzeughalter. Oder die Werkstatt verkauft gleich den einen oder anderen. Wenn Sie Ihr Auto abholen wollen, Sie werden’s schon wieder bekommen, nur keine Aufregung! Die Werkstatt hat ihr Auto ja NUR geshortet.

    Was hier wohl als Skandal empfunden wird, wohl mit recht – dieses Empfinden ist komischerweise beim shorten von Aktien nicht gegeben.

    Noch kurz zu den Finanzen von PPD:

    De facto sind die schuldenfrei. Jüngst wurde zwar ein Kredit aufgenommen, mit dem der Rückkauf von 1 Mio. Aktien zum Kurs von US Dollar 35 geplant war. Das Rückkaufvolumen wurde jedoch bei weitem nicht erfüllt. Soweit ich weiß, ist’s ca. 1/4 Mio. Aktien geworden. Schade, dass die Aktie schon bei 40 US Dollar notiert.

    PPD ist einer der wenigen Werte, wo ich mich über niedrige Notierungen auch freuen kann. Umso erfolgreicher gestaltet sich der Aktienrückkauf. Und der hat’s in sich! Waren vor ca. 10 Jahren noch rd. 21,5 Millionen Aktien ausgegeben, sind es aktuell gut 14 Millionen! (wovon eigentlich 1 Mio. zurückgekauft werden sollte!)

    Vor 10 Jahren bin ich allerdings noch nicht in PPD investiert gewesen. Das bin ich ERST seit 2001 – bis dato mit Erfolg.

    Mit der Rolle der shorties möchte ich bei PPD auf keinen Fall tauschen. Und was angedenk der extremen shortquote mit dem Kurs passieren kann, wissen wir. Bei jeder Dividende (PPD zahlte auch schon mal Dividende) oder jedem cent Kursanstieg, wird da wohl manchem der Pulsschlag höher, wobei ich mir eine gewisse Schadenfreude nicht verkneifen kann. Alleine schon wegen der aus meiner Sicht unzulässigen Vorgehensweise des shortens überhaupt. Und nach unten sollte der Kurs ziemlich abgesichert sein. Bei 35 US Dollar warten einige zigmillionen Dollar, um die Aktien abzufischen!

    Klar, PPD kann vom Kurszettel verschwinden, Pleite machen. Unwahrscheinlich, aber möglich. Doch bei welcher AG besteht diese Möglichkeit nicht?

    Mit besten Grüßen, Anton aus Österreich.

    ANTWORT:

    Aufgrund meines Argentinienurlaubs und der anschließenden Weihnachtszeit ist Ihre E-Mail leider ins Hintertreffen geraten. Hier nun meine Antwort: Vielen Dank für Ihre Ausführungen zu Pre-Paid Legal Services (PPD). Ein paar Dinge möchte ich noch kommentieren.

    In meinen Augen besteht ein Unterschied, ob ich eine Vertriebsmannschaft beschäftige, oder ob ich „zufriedene“ Kunden am Erfolg beteilige. Die Vertriebsmannschaft ist weisungsgebunden und muß das verkaufen, was die Zentrale ausheckt. Es wird ein Stück Verantwortung abgegeben. Im Gegenzug muß die Zentrale die Vertriebsmannschaft auch dann bezahlen, wenn das Produkt sich nicht verkaufen läßt. Die Zentrale übernimmt also Verantwortung. Ich halte dieses System für geeignet, die Qualität der Produkte positiv zu beeinflussen.

    Um beim Beispiel mit den Autos zu bleiben: Schauen Sie sich einmal die Bewertungen von Autofahrern zu den verschiedenen Automarken an. Jeder ist überzeugt von seiner eigenen Marke. Kunden neigen dazu, sich selbst zu bestärken, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Ich halte daher die Kundeneinbindung in den Vertrieb für eine gewagte Sache, die nicht unbedingt der langfristigen Qualitätssicherung dient, sondern vielleicht der kurzfristigen Umsatzgenerierung.

    Wenn ich in den USA ein Depot eröffne, werde ich gefragt, ob ich ein „Margin-Account“ möchte. In den Margin-Bedingungen steht, daß Sie Kredite für Wertpapierkäufe aufnehmen dürfen, aber auch im Gegenzug Ihre Aktien für eventuelle Leerverkäufe zur Verfügung stellen müssen. Wenn ich also mein Auto in die Werkstatt bringe, dann würde ich zunächst gefragt werden, ob ich mit einer Ausleihung meines Autos einverstanden bin. Wer die Margin-Bedingungen akzeptiert, hat die Ausleihung genehmigt. Es steht jedem frei, die Margin-Bedingungen nicht einzugehen – Sie müssen dann Ihr Depot auf Guthabenbasis führen (das ist ohnehin besser, ich habe noch nie etwas anderes getan).

    Schnellballsystem:

    Ein Schneeballsystem entwickelt erfahrungsgemäß eine Eigendynamik. Kunden gewöhnen sich daran, mit ihren Empfehlungen Geld zu verdienen und werden sich bemühen, immer mehr zu empfehlen, um immer mehr zu verdienen. Auf schnelle Weise wird damit dann natürlich auch die „Vertriebsmannschaft“ aufgeplustert und die Kunden / Vertriebsleute nehmen sich gegenseitig die Kunden weg. Es wird dann irgendwann zu dem Punkt kommen, wo das durch Empfehlungen generierte Einkommen nicht mehr wächst – und dann wird das Produkt für den Kunden uninteressant. Er sucht sich eine andere Einnahmequelle und empfiehlt das Produkt gar nicht mehr.

    Seit Oktober ist der Kurs seitwärts gelaufen. Sie haben einige Gewinne erwirtschaftet, sagten Sie. Es ist noch niemand daran zugrunde gegangen, Gewinne zu realisieren. Vielleicht erwägen Sie, ein paar Ihrer Gewinne zu realisieren. Sie können dann mit einer kleineren Position weiter am Ball bleiben, haben jedoch einen Teil des durch das Schneeballsystem erzielten Gewinns gesichert.

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