bernanke2.jpgDa sind sie endlich: Die Zinssenkungen. Bernanke hat soeben den US-Leitzins um 0,5% auf 1,5% gesenkt. Trichet hat den EZB-Leitzins um 0,5% auf 3,75% gesenkt. Die Bank of England hat den Leitzins von 5% auf 4,5% gesenkt. Eine konzertierte Aktion. Meine Meinung: Zu spät und zu wenig, wie immer.

Seit Wochen verlangen die ausgetrockneten Kapitalmärkte nach einer Leitzinssenkung auf das Niveau von mindesten 2003, denn damals war die Krise lange nicht so gravierend wie heute und dennoch senkte Greenspan damals den Zins auf 1%. Heute, vor dem Hintergrund einiger kleiner Probleme im Finanzsektor, nimmt Bernanke nun eben auch nur eine kleine Zinssenkung vor.

Hier ein kurzer Überblick über die von den kleinen Problemen betroffenen Finanzinstitute in alphabetischer Reihenfolge: AIG, Bayern LB, Bear Stearns, Dexia, Dresdner Bank, Fannie Mae, Fortis, Freddie Mac, HBOS, HSH Nordbank, Hypo Real Estate, HypoVereinsbank, IKB, Indymac, KfW, LBBW, Lehman Brothers, Merrill Lynch, RBS, Morgan Stanley, Northern Rock, Sachsen LB, Société Génerale, Wachovia, Washington Mutual, WestLB.

Zu spät und zu wenig!

England schmeißt 50 Mrd. Pfund in die Märkte, Deutschland hat per gestern 50 Mrd. Euro für die Hypo Real Estate zur Verfügung gestellt und ab morgen sind sogar die 700 Mrd. USD Hilfspaket in den USA einsatzfähig.

Wir werden nun eine Gegenreaktion erleben. Ich weiß nicht, ob diese Gegenreaktion ein paar Stunden oder ein paar Tage anhalten wird. Aber ich weiß, dass viele Anleger mit den Nerven so sehr am Ende sind, dass sie diese Gegenreaktion früher oder später zum verkaufen nutzen.

Auch aus Ihrem Leserfeedback weiß ich, dass viele Anleger der Börse inzwischen am liebsten den Rücken kehren wollen. Rechnen Sie also nicht damit, dass diese Zinssenkung einen nachhaltigen Einfluss haben wird. Seien Sie froh, wenn Sie in diese Gegenbewegung noch ein paar ihrer unliebsamen Aktien hinein verkaufen können.

Ach wie gerne wäre ich jetzt ein Langfristanleger. Ich könnte den Rechner einfach ausschalten und mir sagen: In fünf Jahren sind die Verluste sicherlich wieder ausgeglichen.

Aber wer diese fünf Jahre Zeit nicht hat, wer beispielsweise seine Altersvorsorge an der Börse investiert hat, der sollte sich auf einige schwere Wochen, vielleicht sogar Monate vorbereiten. Nutzen Sie daher solche Ereignisse wie die heutige Zinssenkung, um weiter Ihren Barbestand aufzubessern. Ich denke nicht, dass der DAX bei 4.870 Punkten, sein heutiger Tiefstand, schon eine Trendwende machen wird. Ich hatte 4.500 als Ziel ausgegeben, und ich fürchte, dass dieses Ziel noch erreicht wird – wenn auch nach der heutigen Zinssenkung eher später als früher.

Über den AutorStephan Heibel ist Herausgeber des Börsenbriefes Heibel-Ticker, den Sie hier kostenfrei abonnieren können.

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Kategorie(n) Börsenbrief - Leserfragen
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