Aktienanalyse: Carry Trades für Privatanleger mit ROCI Globale Zinsdifferenzgewinner 4

Lieber Herr Heibel,

oft haben Sie über die Carry-Trades geschrieben und ich habe mich gefragt, wie denn wir Kleinanleger an dieser vermeintlich todsicheren Strategie (Kredite zu niedrigen Zinsen aufnehmen und hoch- oder höherverzinslich investieren) teilhaben können.

Nun habe ich von einem Credit Suisse Finanzprodukt gehört, das genau für den Kleinanleger die Möglichkeit eröffnet, an Carry Trades teilzuhaben: ROCI Globale Zinsdifferenzgewinner 4 der Credit Suisse, ISIN: DE000CS0R4C1

Fragen hierzu:

a) CS macht im Vergleich zu anderen Banken relativ riskante Investitionen. Kann CS im Zuge der Finanzkrise Pleite gehen? Dann wären doch die Anleger der div. Finanzprodukte von CS haftbar. Halten Sie dieses Risiko für vertretbar?

b) Bei dem o.g. Finanzprodukt handelt es sich um eine Schuldverschreibung. Könnten Sie kurz erklären, was das im Gegensatz zu anderen Produkten (Unternehmensanleihe, Bond) bedeutet, oder sind das alles Namen für die selbe Sache? Hat das eine besondere Bedeutung für die Risikobedeutung dieser Anlageform?

c) Ich weiß, Herr Heibel, dass Sie kein Freund von strukturierten Anlageprodukten sind. Aber wir Anleger, denke ich, sollten nicht nur innerhalb von Aktieninvestitionen diversifizieren (gemäß Ihrem wöchentlichen, sehr geschätzten Depotcheck); ich denke, wir könnten auch mit Anlagearten variieren. So denke ich außer an Aktien, Rentenpapieren und Zertifikaten eben auch an die eine oder andere exotische Anlageform, wie Hebelprodukte (Optionen oder Hebelzertifikate), Leerverkäufe oder eben Sonderformen von Anlageprodukten, wie das oben erwähnte Carrytrade-Zertifikat. Was meinen Sie, bringt das was oder ist diese Art von Diversifikation nur Spielerei, die schlussendlich nichts bringt?

d) Ich habe gerade 10000 Euro aus einem ca. 5%igen Rentenpapier ausgezahlt bekommen und suche eine sichere, aber vielleicht etwas ertragsreichere Investition. Wäre denn, nach allen Abwägungen, das o.g. Papier etwas hierfür?

Vielen Dank schon mal, lieber Herr Heibel, für Ihre wie immer sehr geschätzten Überlegungen.

Mit besten Grüßen aus Mexiko, Axel

ANTWORT:

Zu a) wenn Sie in das Finanzsystem kein Vertrauen haben, dann sollten Sie sich Goldbarren im Garten vergraben. Ich würde das mit bis zu 20% meines Vermögens machen. Den Rest sollten Sie weiterhin im „weltweiten Finanzsystem“ oder sollte ich besser sagen „Finanzkasino“ investiert lassen, denn nur so können Sie Ihre täglichen Kosten im Rahmen der gesellschaftlichen Entwicklungen tragen.

Mit anderen Worten: Ja, ich würde stets Aktien, Zertifikate und andere Finanzprodukte kaufen, wenn ich von deren Erfolg überzeugt bin. Ich würde solche Papiere höchstens zu 10% von offensichtlich windigen Emittenten kaufen. Die CS ist in meinen Augen recht gut aufgestellt und gehört dann schon zu den letzten, wenn das Finanzsystem den Bach runter gehen sollte.

Also: Es gibt ein Risiko, aber ich halte das für vertretbar.

zu b) Der Begriff Schuldverschreibung ist der Oberbegriff für Anleihen (Bonds) und Unternehmensanleihen. Zu Ihrem Papier finde ich lediglich die Information Typ: Hybrid. Ich kann Ihnen nicht viel mehr dazu sagen. Die Bedingungen, Haftungsbeschränkungen etc. sind im Verkaufsprospekt beschrieben, diesen Prospekt finde ich nirgends.

zu c) Doch, das ist absolut sinnvoll! Ich habe mir die Kurzbeschreibung des Finanzproduktes durchgelesen und muss sagen, dass ein solches Produkt sicherlich eine sinnvolle Diversifizierungskomponente darstellen kann, wenn das Finanzprodukt vernünftig umgesetzt wird. Die Beschreibung klingt recht vielversprechend. Mir fehlen jedoch die Angaben zur Managementgebühr, sonstigen Kosten und zu der Haftung. Wenn diese Dinge geklärt werden können, dann ist das eine gute Beimischung.

zu d) Wie gesagt: In Abhängigkeit von Ihrer sonstigen Depotstruktur kann das durchaus sinnvoll sein.

Ich habe die Credit Suisse mit der Bitte um weitere Informationen kontaktiert und melde mich, sobald ich etwas höre.

Seit langem sitze ich an einer Excel-Tabelle, mit der ich eine optimale Risikostruktur im Portfolio berechnen kann. Das ist nicht so einfach und ich beseitige eine Hürde nach der anderen … seit vielen Monaten schon. Ich hoffe, in diesem Sommer fertig zu werden. Mit dieser Tabelle wird dann eine genauere Analyse Ihrer Ideen möglich sein. Aber eines ist schon jetzt klar: Andere Anlagegruppen (Holz, Kunst, Münzen, …) stellen sicherlich aus Sicht der Risikostreuung eine sinnvolle Ergänzung dar – wenn man sich damit auskennt.{weiter[40|9]}

Hi I'am Stephan Heibel

Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefs

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Comments (2)

  1. stephan_heibel

    Juni 10, 2008 at 15:26

    ich habe nun den Prospekt von der Credit Suisse erhalten. Bis heute ist noch Zeichnungsfrist.

    Ich muß aber zugeben, dass ich nicht tief genug in dieser Materie drin bin, um zu erkennen, ob es da einen Haken gibt. Sie zahlen 2% Ausgabeaufschlag und können vermutlich nur schwer vor Endfälligkeit im Juli 2013 verkaufen.

    Es gibt eine Kapitalgarantie. Ich habe aber selbst nach dem Durcharbeiten der Präsentation noch immer nicht verstanden, was genau hinter der jeweiligen Wertberechnung steckt.

    Also: Das klingt interessant aber für mich ist das zu komplex und undurchsichtig, so dass ich weiterhin bei meinen open end Indexzertifikaten und Aktien bleiben würde.

  2. stephan_heibel

    Juni 12, 2008 at 15:34

    Ja danke schön, Hr. Heibel, wenn das für Sie schon zu komplex ist, was soll dann ich sagen ….. dann lass ich besser die Finger davon weg.

    Viele Grüße

    Axel aus Mexiko

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