Börsenanalyse: Reststoffe der Ethanolproduktion & Effizienz der Solarenergie

Hallo Herr Heibel,

mit dieser Mail melde ich mich einmal aus Uganda zurück. Hatte in letzter Zeit Mühe, mit Ihrer zunehmenden Produktion an Nachrichten mitzukommen. Ist Ihnen das brewer’s grain (oder so etwas) bekannt? Das ist was vom Mais zurückbleibt, nachdem das Ethanol gewonnen worden ist. Es ist als hervorragendes Viehfutter bekannt – besonders eiweißhaltig und gut verdaulich. Mit anderen Worten: Je mehr Mais zu Ethanol verarbeitet wird, desto mehr Viehfutter wird auf den Markt geworfen. In den USA werden schon gigantische Kombifarmen gebaut, die Mais zu Ethanol verarbeiten und die Reststoffe an Hunderte von Rindviehcher verfüttern.

Noch ein Punkt: Habe mir hier für etwa 1000 Euro eine Solaranlage aufs Dach montiert, um nicht von den reguläre Stromlieferungen (die die meiste Zeit nicht vorhanden sind) abhängig zu sein. Diese Anlage bringt gerade einmal knapp 500 Wh am Tag (d.h. Wattstunden!!). Enorm viel Geld für wenig Leistung. Ob das im Vergleich zu einem Dieselgenerator Sinn macht, habe ich nicht überprüft, ich weiß jedoch, dass ein Kollege sich lieber so etwas gekauft hat (trotz der hohen Spritpreise!). Ich kann den Lärm dieser Knatterdinger nicht leiden – unter dem Gesichtspunkt rechnet sich das dann wohl doch. In dem Augenblick, wo jedoch hier im Nordwesten Ugandas eine gleichmäßige Stromversorgung angeboten wird, dürfte die Solartechnik hier wieder tot sein, und das obwohl es wohl kaum auf der Welt mehr Sonne gibt als hier (und wir als Solarenergiekunden auch noch den größten Teil der Mehrwertsteuer auf die Anlagen geschenkt bekommen).

Was meinen Sie zu diesen Punkten?

Mit freundlichen Grüße, Hanns-Andre aus Seesen

ANTWORT:
Besten Dank für Ihr Schreiben.

Wenn Rinder tatsächlich von den Reststoffen der Maisproduktion ernährt werden könnten, dann müssten die Lebend Rinder aus meiner Empfehlung ja sogar günstiger werden… Ich habe jedoch nirgends eine Abschätzung dieses Effektes gefunden. Haben Sie nähere Informationen?

Ja, die Effizienz von Solarzellen hat sich in den vergangenen Jahren von 15 auf 17 % erhöht – vielleicht wird mal 19% erreicht, das ist dann aber auch noch nicht sonderlich viel. Solarenergie wird derzeit mit 45 Cent/kWh kalkuliert, der sonstige Mischstrom in Deutschland mit 4,6 Cent/kWh. Das zeigt, dass die Solarenergie noch weit davon entfernt ist, wettbewerbsfähig zu sein.

Wenn Sie also in Solaraktien investieren, dann ist das eine Spekulation auf die Zukunft. Ganz anders sieht es bei Windkraft und Wasserkraft aus, dort rechnet sich die Methode schon – es gibt in Deutschland aber kaum mehr nutzbare Flüsse und auch die Landschaft wollen wir uns nicht völlig mit Windrädern zustellen.

Also: Davon, dass die Reststoffe der Ethanolproduktion zu günstigeren Fütterungspreisen führen, habe ich noch nichts gehört. Und Solarenergie wird günstiger, je mehr sie verwendet wird. Bei dem derzeit rasant ansteigenden Ölpreis könnte dieser Prozess beschleunigt werden. Aber bis dahin werden auch noch einige Pioniere der Solarenergie vom Markt verschwinden. {weiter[40|9]}

Hi I'am Stephan Heibel

Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefs

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Comments (2)

  1. stephan_heibel

    Juni 12, 2008 at 14:43

    Googeln Sie doch mal ‚brewer’s grain‘! Das ist eine bekannte Sache, nur dass mit diesem Trend zum Ethanol (früher ging es wohl eher um ’spirits‘) der Maßstab vervielfältigt wird.

    Windenergie ist auch so eine Sache. Für jedes MW Windenergie braucht man ein einsprechedes ‚backup‘ einer anderen Energie, Wasser oder Gas, so dass man im Endeffekt in Anlagen zur Produktion von 2 MW investieren muss, und auf Dauer nur ein MW kriegt.

    Damit viele Grüße, Hanns-Andre

  2. stephan_heibel

    Juni 12, 2008 at 14:43

    ja, mir ist die Herkunft bewußt und ich habe auch viele Artikel darüber mit Ursprung Bierbrauereien gefunden. Aber über die von Ihnen vermutete Massenverwendung aufgrund der Ethanolherstellung in den USA habe ich nichts gefunden: Weder dafür, noch dagegen. Vielleicht ist das gar kein Thema aus einem Grund, den wir nicht kennen?

    Windenergie: Dieser Umstand ist bekannt und wird inzwischen eingerechnet. Es will ja auch niemans 100% der Energie mit Wind erzeugen, die verschiedenen Energiearten werden sich gegenseitig stabilisieren.

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