Börsenanalyse: Gold- und Ölpreisspekulation vs. realer Nachfrage

Hallo Herr Heibel,

zum Thema Gold unterliegen Sie einem Irrtum. Die Gruppe der industriellen Nachfrager ist bei weitem die Größte. Fast 70 % der realen Goldkäufe dienen der Schmuckindustrie bzw. anderer Industrien zur industriellen Fertigung.

Und zum Thema Öl tendiere ich zur Ansicht, dass der hohe Ölpreis einzige Folge des dramatischen Dollar-Wertverlusts ist, da Öl als der perfekte Hedge fungiert. In meinen Augen doch Spekulation. Deutliches Indiz dafür gestern, als der Euro binnen Minuten knapp 2 Cent zulegte und Rohöl um sage und schreibe 6 USD nach oben sprang. Die angezogene Nachfrage nach Rohöl mag ein Grund für einen höheren Ölpreis sein, gerechtfertigt ist ein Preis von über 100 USD im Moment aber keinesfalls. Der Ölpreis hat sich von jeglicher fundamentaler Basis gelöst und läuft immer mehr in einen Bubble-Zustand. Ich nehme an, sobald klar wird, dass eine USD-Aufwertung in Sicht ist (nämlich bei der ersten US-Zinserhöhung Ende dieses Sommers), wird Öl überproportional zur Dollaraufwertung kollabieren.

Zudem stand im Rohstoff-Report dieser Tage ein interessanter Bericht, dass die US-Behörden jener Spekulation von Hedge-Funds, die außerhalb der SEC/NYSE-Regulatorien auf den Ölpreis stattfindet, einen Riegel vorschieben will. Und jene Summen, die in diesem Graubereich gehandelt werden, bewegen sich abermals im zweistelligen Milliarden-Dollar-Bereich.

Ist meine Einschätzung der Lage.

Keep up the good work.

Beste Grüße, Florian aus Amstetten, Österreich

ANTWORT:
Herzlichen Dank für Ihre Einschätzung. Insbesondere das Argument des Öls als Dollarhedge war mir neu und ich werde ein wenig in diese Richtung recherchieren. Ihre Argumente sind plausibel. Beim Gold werde ich in den nächsten Tag den Jahres-Rohstoffbericht (The CRB Commodity Yearbook) erhalten, darin stehen solche Fakten und ich werde Ihren Hinweis überprüfen.{weiter[40|9]}

Hi I'am Stephan Heibel

Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefs

http://www.heibel-ticker.de

Comments (2)

  1. stephan_heibel

    Juni 16, 2008 at 18:24

    Hallo Hr. Heibel,

    für mich ist der hohe Ölpreis eine klare Folge des Dollar-Wertverlust. Um den Wertverlust des USD zu kompensieren, greifen die Erdöl-Exporteure zum einfachsten Mittel: Sie erhöhen den Preis und kompensieren dadurch ihren Währungsverlust. Meiner Ansicht nach ist das Argument der extrem hohen Nachfrage und vor allem der Angebotsverknappung zu oberflächlich. Wahr ist, dass genug Erdöl vorhanden ist, es auf Grund beschränkter Raffineriekapazitäten nicht verarbeitet werden kann.Auch halte ich von der Peak-Oil-Theorie absolut nichts, denn wenn man sich die kürzlich gefundenen Vorkommen vor der Küste Brasiliens und die anzunehmenden kommenden Funde in der Polar-Region vor Augen führt, dann wird es noch lange Jahre mehr als genug Öl geben – ob dies positiv ist (Umweltverschmutzung) sei dahingestellt.

    Das ist meine Sicht der Dinge.

    Beste Grüße aus dem EM-Land Österreich. 😉

    Florian

  2. stephan_heibel

    Juni 16, 2008 at 18:25

    besten Dank nochmals für Ihre Ausführungen. Das Rohstoffbuch läßt leider bis MItte Juli auf sich warten, ich kann also erst dann die Hintergründe zur Nachfrage & Angebot genauer recherchieren.

    Es gibt einen unterschiedlichen Preis für raffiniertes Öl (Benzin) und unverarbeitetes Öl. Die beiden Preise entwickeln sich je nach Raffinierkapazität und Nachfrage nach den unterschiedlichen Ölen unterschiedlich. So stieg der Ölpreis nach dem Hurrikane Katrina mäßig an, der Benzinpreis legte jedoch überproportional zu. Grund dafür waren die zerstörten Raffinerien. Das Öl, das geliefert wurde, konnte nicht weiterverarbeitet werden und so wurde der Ölpreis niedrig gehalten während der Benzinpreis explodierte.

    Heute ist es genau anders herum: Es gibt genug Raffinierkapazitäten, die Sturmschäden in den USA sind behoben. Der Benzinpreis steigt langsamer an als der Ölpreis. Der Flaschenhals besteht beim Öl, das weltweit verbraucht wird. Die Überschußnachfrage kommt aus China. In den USA wird das Öl in alten Mengen geliefert, raffiniert und als Benzin verkauft. Engpässe bestehen hier nicht.

    Wenn es einen Raffinierengpass gebe, dann müsste der Ölpreis doch fallen, weil das Öl nicht mehr abgenommen werden kann … und der Benzinpreis müsste überproportional steigen. Das ist aber nicht der Fall.

    Von einem Ölfund im Eis oder in der Tiefsee bis zum Benzin im Autotank ist ein weiter Weg. Dazwischen stehen nicht nur politische Hürden, Umweltverbände und Investitionen, sondern auch Forschung und die Lösung neuer, zuvor nie da gewesener technischer Herausforderungen. Noch nie wurde ein so großes Ölfeld in der Tiefsee erschlossen und Petrobras hat sich im wesentlichen 80% der weltweit verfügbaren Tiefseebohrinseln gesichert, um das Öl zu fördern. Bei einem solchen Projekt treten immer unvorhersehbare Probleme auf. Es ist also noch ein weiter Weg, bis das Öl auf den Weltmärkten verfügbar und den Ölpreis drücken kann.

    Bis dahin steigt der Ölpreis weiter.

Leave Your Comments

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.