Hallo Herr Heibel,
wollte einmal fragen, was Sie von der spanischen Firma Abengoa halten, die sich auf die Produktion von Bioethanol konzentriert. Im Moment wäre die ziemlich billig zu haben.
6-Monatschart AbengoaIch lese übrigens seit ein Paar Wochen die Grundversion Ihres neuen Börsentickers, zögere aber noch mit einem Abonnement (nachdem ich früher ja einmal Ihren Börsenbrief abonniert habe). Bin nun, nach der Pleiteserie am Neuen Markt stärker international, vor allem US orientiert. Meine Schwerpunkte: IT, Umwelt und Rohstoffe. Als jemand, der beruflich sowohl mit dem Rohstoff- und dem Umweltsektor zu tun gehabt hat, finde ich nach wie vor die Entwicklung im Hinblick auf Biokraftstoffe und regenerative Energien das Spannendste, was z.Zt. abläuft.
Hoffe, Sie haben einen guten Urlaub gehabt, und ‘welcome home’.
Mit freundlichen Grüßen, Hanns-André aus Seesen
ANTWORT:
Ich habe Ihnen die aktuelle Ausgabe des Heibel-Ticker PLUS an diese eMail angehangen. Schauen Sie einmal rein, vielleicht darf ich Sie ja schon bald wieder zu den zahlenden Abonnenten zählen.
Ja, auch ich finde die Entwicklung um die Biokraftstoffe spannend. Allerdings versuche ich "Hype" von "Wirtschaftlichkeit" zu unterscheiden. Meiner Ansicht nach ist Frau Merkel auf einen Hype aufgesprungen, der in dieser Intensität nicht mehr vernünftig ist.
Auf der anderen Seite steht der Ölpreis über 90 US-Dollar je Fass und Alternativen werden händeringend gesucht. Abendgoa wird nach eigenen Angaben größter Anbieter von Bioethanol in Europa werden. In der Bilanz nimmt das Bioethanol sowohl in der Research&Developement Abteilung, als auch beim Cashflow-Wachstum eine prominente Stellung ein. Ich kann mir gut vorstellen, dass Abengoa es ernst meint.
Die Bilanz ist sauber, lediglich die Finanzierungsquote ist recht hoch: Bei 3,3 Mrd. Euro Umsatz schiebt das Unternehmen Schulden in Höhe von 1,7 Mrd. Euro vor sich her. Da geht ein Großteil der Profite für Zinsen drauf.
Doch die Zeit ist reif für Bioethanol und entsprechend lukrativ sind die Aufträge für Abengoa, die meinem Verständnis nach komplette Kraftwerke zur Ethanolherstellung bauen können. Nach Zinsen bleiben noch genügend Gewinne hängen, um für ein günstiges Bewertungsniveau zu sorgen: Mit einem Umsatzwachstum von 15 % p.a. ist das KGV von aktuell 20 recht günstig. Schon im nächsten Jahr soll das KGV 08e auf 17 fallen.
Beim Ölpreis über 90 US-Dollar ist das Unternehmen nun sicherlich eine Spekulation wert. Mir fehlen allerdings weitergehende Details, um die Qualität des Managements beurteilen zu können, daher wage ich keine langfristige Aussage.
5 Kommentare zur Frage “Aktien Analyse: Abengoa”
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Am 1. November 2007 um 12:23 Uhr
Hallo Herr Heibel,
vielen Dank für Ihre detaillierte Antwort und für die Zusendung der letzten
Ausgabe Ihres Tickers! Ich selbst habe nun erst einmal beschlossen, mich
bis zu einem Rückschlag beim Ölpreis mit Biokraftstoffen zurückzuhalten. Ich
bin bei Royal Dutch investiert, die eine Position bei der kanadischen Firma
Iogen halten, und sonst auf dem Gebiet nicht weiter.
Zu Zeit gibt es bei der Exploration von Erdöl einen regelrechten Run auf die
letzten Lagerstätten, und ich halte es für unvermeidlich, dass es in einigen
Jahren einen starken Rückschlag beim Ölpreis geben wird, wenn all die neuen
Lagerstätten on-line kommen. Dann wird man Bioethanol-Aktien noch billig
einsammeln können.
Außerdem steht die Entwicklung bei den Biokraftstoffen noch ganz am Anfang.
Bisher hat es nennenswerte Produktion lediglich aus sogenannten first
generation Quellen gegeben, die in unmittelbarer Konkurrenz mit der
Nahrungsmittelproduktion stehen. Damit werden sich die für den Weltmarkt
nötigen Mengen nicht produzieren lassen, und die ungleiche Konkurrenz
zwischen SUV-Fahrern und Slumbewohnern bei der Nachfrage nach Biorohstoffen
bzw. Nahrungsmitteln ist auf lange Sicht politisch nicht haltbar (siehe dazu
z.B. das Biokraftstoff-Moratorium, das kürzlich von der UN gefordert worden
ist). Die anvisierte Produktion aus 2nd generation Quellen (aus Zellulose,
aus Trockengebieten, etc.) wird allerdings noch Jahre auf sich warten lassen. Da wird man wohl erst noch die Entwicklung abwarten können.
Zu Abengoa wäre noch zu sagen, dass die allerdings sehr gut positioniert
scheinen. Die Firma gehört sowohl in Europa und Nordamerika zu den führenden
Bioethanolproduzenten (1st generation) und arbeitet offenbar an einem
Prozess zur Produktion von Ethanol aus Zellulose. Wer allerdings das Rennen
machen wird bei diesen Verfahren der 2. Generation steht wohl noch
vollkommen in den Sternen.
Wegen eines Abonnements Ihres Newsletters melde ich mich eventuell noch (war
in den letzten Wochen zu sehr mit Reparaturarbeiten beschäftigt).
Mit freundlichen Grüßen
Hanns-André aus Seesen
Am 1. November 2007 um 12:23 Uhr
vielen Dank für Ihre detaillierten Ausführungen. Ich stimme mit Ihnen in den meisten Punkten überein, lediglich Ihre Erwartung für einen fallenden Ölpreis würde ich anders formulieren: Ja, der Ölpreis wird irgendwann einmal wieder nachhaltig fallen, wenn neue Ölvorkommen erschlossen sind. Aber der Preis wird dann nicht mehr unter 50 US-Dollar fallen, sondern vielleicht von 200 auf 150 US-Dollar je Fass Crude Oil.
Ich denke, dass wir derzeit einen absoluten Nachfrageüberhang haben, der auch beim besten Willen der Ölkonzerne und Ölländer nicht befriedigt werden kann. Und das Öl ist ein so effizienter Rohstoff, dass auch wesentlich höhere Preise noch immer die Nachfrage nicht merklich mindern.
Bislang wurde der Ölpreis anhand der Förderkosten bemessen. Künftig werden die Preise für Alternativen den Preis des Öls bestimmen – und dieser Preis ist wesentlich höher, wie Sie selber bemerken. Selbst Ethanol aus Rohtsoffen der 1. Generation werden schon heute unter Beschuss genommen – und mit Recht. Auch ich kann es nicht verantworten, mein Auto mit Mais zu befeuern, während dieser Mais in der 3. Welt fehlt.
Also: Die Förderkosten des Öls sind nicht mehr relevant, die Kosten der Altanativen werden den Preis bestimmen.
Am 1. November 2007 um 19:53 Uhr
Was den Ölpreis anbelangt haben Sie wahrscheinlich recht. Allerdings wird die Wirtschaft, insbesondere in China und Indien, nicht immer so weiter brummen. Auch da (ich denke vor allem an China, wenn es da zu einer Demokratisierung kommen wird) wird es zu einem crash kommen, und wie es crashs so an sich haben, fällt der wahrscheinlich mit den eines Tages nachlassenden Ölpreisen zusammen. Ich denke auch, dass die Ölpreise nicht mehr unter 50 $ fallen werden, aber in die Nähe könnten die noch einmal kommen, würde ich sagen. Das ist z.Z. aber pure Spekulation.
Nach Ihren Ausführungen sollte man vor allem Öl und Gas kaufen (Gas dürfte sich parallel zum Öl entwickeln, oder?), da hat man etwas handfestes, das von Knappheit getrieben wird. Wie sehen Sie das? Ich sehe wenig ‘oil and gas’ Aktien in Ihrem Depot.
Viele Grüße,
Hanns-André aus Seesen
Am 1. November 2007 um 19:56 Uhr
nein, das Gas entwickelt sich derzeit völlig losgelöst vom Ölpreis. Ich habe den Grund dafür noch nicht gefunden, aber die Gasspekulation, die ich einmal eingegangen bin, ging nach hinten los. Also: So einfach ist der Zusammenhang zwischen Gas und Öl nicht.
Aber ich habe doch einige Ölwerte in meiner Beobachtungsliste. Aber es gibt eben auch noch Gold, Technologie und einige Sondersituationen, so dass ich eben nur drei Ölaktien unter 25 habe.
Freundliche Grüße
Stephan Heibel
Am 2. November 2007 um 17:17 Uhr
Wahrscheinlich ist Angebot und Nachfrage beim Gas noch besser im Lot als beim Öl, und Öl lässt sich eben nur zum Teil durch Gas ersetzen, daher die Attraktivität der Biokraftstoffe. Letztere werden mit Sicherheit ein Renner, allerdings erst wenn die Preise von Nahrungsmitteln nicht mehr durch die Biokraftstoffe nach oben getrieben werden.
Freundliche Grüße, Hanns-André aus Seesen