Wirecard auf Aufholjagd nach altbekannten Vorwürfen

Am Mittwoch vergangener Woche sorgte ein Bericht in der Financial Times für einen heftigen Ausverkauf der Wirecard Aktie. Das Blatt berichtete über interne Untersuchungen hinsichtlich „verdächtiger Geschäftspraktiken“ im Zusammenhang mit Transaktionen in Südostasien. 

Binnen drei Tagen fiel die Aktie von Wirecard in der Spitze um 37% von 162 auf 102,70 Euro. Das Unternehmen als auch eine Reihe von Analysten haben sich bereits dahingehend geäußert, das die Vorwürfe haltlos seien und die Aktie hat sich bereits ein wenig erholt. Doch warum kann Wirecard so leicht unter Druck gebracht werden? 

Nun, ein Grund dürfte sein, dass niemand so richtig versteht, was Wirecard eigentlich macht. Das Unternehmen bietet die komplette Infrastruktur für die Ausgabe und Abrechnung von Kreditkarten an, sei es für Handelsketten, sei es auch für Banken. Dabei legt die Wirecard-Infrastuktur besonderen Wert auf die Betrugsprävention. 

Das ist auch besonders wichtig, denn das Unternehmen bietet die vollautomatisierte Abwicklung von Zahlungsverkehr ab. Kein Mensch schaut mehr über die Vorgänge, so dass es letztlich niemanden gibt, dem etwas Fragwürdiges auffallen würde. 

Und genau hier setzt die Kritik immer wieder an. So lange Wirecard an der Börse ist gibt es immer wieder Vorwürfe, das Wirecard-Netzwerk würde für Zahlungsabwicklungen krimineller Organisationen genutzt. Der Vorwurf ist letztlich gleichbedeutend mit dem Vorwurf, dass Bargeld für Transaktionen krimineller Organisationen benutzt wird. Kriminelle Organisationen nutzen alle verfügbaren Wege, um ihre Gelder weiß zu waschen. 

Da bei Wirecard Zahlungsprozesse stärker automatisiert sind als bei den herkömmlichen Zahlungsabwicklungen gibt es bei einigen Menschen offensichtlich ein mulmiges Gefühl. Und so kommen immer wieder Berichte zutage, in denen Wirecard windige Geschäfte unterstellt werden. 

Der Gewinn von Wirecard wächst mit 37% p.a., das KGV 2020e steht bei nur 19. Ich halte ein KGV in Höhe des Gewinnwachstums für akzeptabel, in Ausnahmefällen setze ich sogar die zweifache Wachstumsgeschwindigkeit für das KGV an. Wirecard hat also ein Kurspotential von 100% und mehr, wenn die Vorwürfe abebben. 

Aus diesem Blickwinkel ist  der Artikel der Financial Times ein Geschenk für langfristig orientierte Anleger, denn so günstig wären sie sonst nicht an die Aktie gekommen. 

Hi I'am Stephan Heibel

Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefs

http://www.heibel-ticker.de

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