The Navigator: Opfer des Handelsstreits

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The Navigator, Europas Marktführer für Kopierpapier

Der portugiesische Papierproduzent The Navigator, Marktführer für Kopierpapier in Europa, wurde von der US-Kartellbehörde zu einer Wettbewerbsstrafe in Höhe von 37,34% auf den US-Umsatz verurteilt. für den fraglichen Zeitraum August 2015 bis Februar 2017 machen das etwa 66 Mio. Euro aus, also etwa ein Viertel des Jahresgewinns.

Die Aktie ist in Folge dieser überraschenden Entscheidung auf 4,30 Euro eingebrochen. Noch vor 8 Wochen stand die Aktie bei 6 Euro. Überraschend ist die Entscheidung deshalb, weil The Navigator meiner Ansicht nach in Sippenhaft mit Wettbewerbern aus Brasilien, Indonesien, Australien und … China genommen wird.

Aha, China! Für China wird eine Strafe in Höhe von 126% diskutiert, eine völlig andere Dimension. Und hinsichtlich der Portugiesen hatte es bereits eine umfangreiche Diskussion über die angemessene Höhe gegeben, die zu einem Satz von 7,8% führte.

Im Februar 2015 wurde zunächst eine Strafe in Höhe von 29,53% vorläufig festgelegt. Diese vorläufige Rate war errechnet worden aus einem Extremfall, der auf das gesamte Us-Geschäft extrapoliert wurde. The Navigator konnte jedoch anschließend nachweisen, dass es sich bei dem Referenzgeschäft um einen Einzelfall handelte und unter Berücksichtigung der nachgereichten Unterlagen wurde der Prozentsatz dann auf 7,8% reduziert.

Nun wurde entschieden, dass The Navigator eine Wettbewerbsstrafe zahlen muss. Diese Entscheidung stand noch aus, bislang wurde lediglich über einen vorläufigen Strafsatz verhandelt. Mit der jetzigen Entscheidung wurde jedoch wieder ein sehr hoher Satz angesetzt, 37,34%.

Der zugrunde liegende Vorwurf lautet, The Navigator habe auf dem US-markt zu Dumpingpreisen verkauft, um Wettbewerber aus dem Markt zu drängen. The Navigator hingegen hat Unterlagen eingereicht aus denen hervorgeht, dass der durchschnittliche Verkaufspreis von The Navigator um 10% über dem Marktpreis liegt. Mit ist nicht klar, ob sich diese 10% auf den „normalen“ Marktpreis beziehen, oder auf den durch die anderen unter Dumpingverdacht stehenden Wettbewerber künstlich niedrig gehaltenen Marktpreis.

Wie dem auch sei, für mich ergibt sich ein Bild, das The Navigator in Sippenhaft mit den anderen Wettbewerbern genommen wird. The Navigator ist in dieser Runde der am wenigsten schlimme Dumpingkandidat. Insbesondere gegenüber China hat die USA ja derzeit eine harte Haltung. Wenn Elefanten kämpfen, leidet das Gras.

Schwer zu entscheiden, wann ein günstiger Kaufzeitpunkt für The Navigator ist. mit einer Dividendenrendite von 5,7% ist The Navigator nun wieder eine überaus attraktive Dividendenaktie. Sie müssen allerdings berücksichtigen, dass Sie sich die portugiesische Steuer auf die Dividendenausschüttung über umständliche Formulare zurückholen müssen – und dabei hilft Ihnen kaum eine Bank. Ich kann nicht sagen, wie lange sich der Handelsstreit zwischen den USA und China noch hinziehen wird, doch solange der tobt, wird es schwer für The Navigator, hier eine Korrektur zu erwirken.

Ich habe die Portugiesen schon viele Jahre auf dem Schirm und stelle immer wieder fest, dass es sich bei diesem Unternehmen um ein sehr solides unternehmen handelt, das jedoch immer wieder mit überraschenden Einflüssen zu kämpfen hat. Wer gute Nerven hat und sich mit Steuerformularen auskennt, der hat in dieser Aktie auf dem aktuelle Niveau sicher eine solide Dividendenkomponente gefunden. Doch für schwache Nerven und gemütliche Anleger ist das wohl eher nichts.

Hi I'am Stephan Heibel

Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefs

http://www.heibel-ticker.de

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