Bridgewater stürzt DAX in Crash-Modus

DAX (gelb) gegenüber Dow Jones (blau)
DAX (gelb) gegenüber Dow Jones (blau)

Während der Dow Jones Anfang Oktober letzten Jahres bis Ende Januar um 18% gestiegen ist, pendelte der DAX nur knapp über der Nullinie. Da ist doch das Rückschlagspotential des Dow Jones deutlich größer, oder?

für den italinenischen Aktienindex MIB sieht es ganz ähnlich aus wie beim DAX.

Dennoch hat sich der weltgrößte Hedgefonds Bridgewater gerade Deutschland und Italien als Ziel ausgesucht, um große Wetten auf fallende Kurse einzugehen. Mitte Oktober shortet Bridgewater italienische Banken im Wert von über 700 Mio. USD. Ende Januar weitet er seine Short-Position auf 3 Mrd. USD aus.

Das Kalkül dahinter ist einfach: US-Banken haben nach der Finanzkrise radikale Maßnahmen ergreifen müssen, um ihre Bilanzen in den Griff zu bekommen. nun dümpeln sie seit einigen Jahren mit gesunden Bilanzen vor sich hin und warten darauf, dass entweder das Zinsniveau steigt, oder aber die Aktienbörse wieder volatiler wird. Wenn das der Fall ist, dann klingelt es in den Kassen der US-Banken.

In Europa hat man sich vor harten Maßnahmen gegen die Banken gedrückt. Stattdessen haben die meisten Banken über Jahre immer wieder ein paar ihrer Leichen aus dem Keller geholt und sukzessive ihre Bilanz aufgebessert. Doch wenn ich mir die Staatsverschuldung Italien anschauen und nachforsche, wer die Gläubiger dieser Schulden sind (italienische Banken!), dann müssen wir feststellen, dass die dortigen Banken noch lange keine gesunde Bilanz ausweisen werden.

Schlimmer noch: Wenn das Zinsniveau auch in Europa steigen sollte, dann werden viele der Kredite, die von den italienischen Banken ausgeliehen wurde, notleidend werden: Nicht nur der italienische Staat wird Probleme haben, die Schulden zurückzuzahlen, sondern auch die vielen italienischen Unternehmens- und Privatkredite drohen dann unter Wasser zu geraten.

Bridgewater hat derzeit 89,75% seines Anlagevermögens in „Financials“ gesteckt. Das sind überwiegend ETFs, mit denen das Unternehmen auf steigende Kurse spekuliert. Doch ein Hedgefonds wäre nicht ein Hedgefonds, wenn er nicht eine starke Komponente an Spekulationen auf fallende Kurse hätte. Und so hat Bridgewater eine große Position gegen Italien aufgemacht, um sich ein wenig abzusichern.

Damit profitiert Bridgewater, wenn sich der US-Markt besser entwickelt, als der italienische Markt.

Doch wenn man als weltgrößter Hedgefonds 160 Mrd. USD Anlagevermögen verwalten muss, dann reicht ein Land vielleicht nicht. Und so wurde die Short-Position Ende Januar auch auf Deutschland ausgeweitet.

Shortposition-Bridgewater-DAX
Shortposition-Bridgewater-DAX

Hier ist zu sehen, dass die 13 größten DAX-Titel mit jeweils etwa 0,7% der Marktkapitalisierung des DAX-Titels geshortet wurde. Ich habe die Summen zusammen gerechnet und komme auf ein Volumen von 5 Mrd. Euro.

Auch in Spanien und Frankreich wurden Short-Positionen eröffnet. Bridgewater wettet also gegen Europa.

Schauen wir uns nun einmal an, ob das Volumen ausreicht, um unsere Aktienmärkte zu bewegen.

 

Am Montag, den 29.1., hatte Bridgewater eine Short-Position von 0,51% an der Deutschen Bank. Bei 2,07 Mrd. ausstehenden Aktien sind das 11 Mio. Stück. Am Mittwoch war die Position dann auf 0,63% angewachsen, also um etwa 1,5 Mio. Stück.

Das tägliche Handelsvolumen der Deutschen Bank lag vor den aktuellen Crash-Tagen bei rund 10-15 Mio. Stück pro Tag. Damit hat Bridgewater also etwa 10% des täglichen Handelsvolumens in Form von Verkaufsorders auf den Markt geworfen. Na, wenn das die Kurse nicht drückt, was dann?

Heute wurde bekannt gegeben, dass Bridgewater die Position auf 0,7% erhöht hat, das entspricht nun knapp 15 Mio. Aktien der Deutschen Bank, die von nur einem Anleger geshortet wurden. Ich gehe davon aus, dass es Nachahmer gibt: Andere Anleger, auch institutionelle, die entsprechend dem Verhalten von Bridgewater auch Short-Positionen in den Werten eingehen.

Damit ist der DAX nun aktuell stark geshortet.

Bridgewater wurde von Ray Dalio gegründet. Dalio hat noch am 23. Januar auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos gesagt, das eine Rallye bevorsteht. „Wer derzeit Cash hält, wird sich ziemlich dumm fühlen.„, so Dalio.

Gestern sagte Dalio dann während des heftigen Ausverkaufs „es handelt sich nur um eine kleine Korrektur„.

Es ist schon merkwürdig, dass jemand, der so bullisch vor die Kameras tritt, in Wirklichkeit Milliarden-Wetten auf fallende Kurse eingeht. Oder haben wir hier den Meinungsmacher gefunden: Er redet vor den Kameras die Anleger in den Markt hinein, shortet aber gleichzeitig für alle sichtbar was das Zeug hält, wobei wohl nur die Profis unterscheiden können zwischen vollmundigen Reden und handfesten Taten.

Wenn die Profis ihm folgen, dann hätten wir hier jemanden, der die Märkte aus dem Nichts heraus korrigieren lassen kann.

Hi I'am Stephan Heibel

Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefs

http://www.heibel-ticker.de

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