Wunschanalyse: Tesla Motors

Tesla hat den Markt für Elektrofahrzeuge revolutioniert. Doch reicht der technologische Abstand, um als große Automarke den Weltmarkt zu erobern oder hat das Unternehmen nur einen Etappensieg errungen? In dieser Wunschanalyse arbeite ich heraus, ob Sie in Tesla, den Automobilkonzern, investieren können, oder in Elon Musk, den Gründer und CEO, oder aber lieber die Finger davon lassen sollten.

Elektroauto: Vom Luxusobjekt zum Mainstream

Alles toll: Auto toll, Branche toll, Bilanz toll, … nur die Bewertung des Unternehmens bereitet uns Anlegern Kopfzerbrechen. Mit einem KGV von 196 wird dem Unternehmen unterstellt, dass der Schritt vom Luxusmarkt zum Mainstreamfahrzeug bereits erfolgreich beschritten wurde. Dabei wurde diese Woche erst überhaupt erstmals ein Fahrzeug von Tesla vorgestellt, das für den Massenmarkt gedacht ist: Das Model III.

Doch die bisherigen Erfolge des Gründers und CEOs Elon Musk lesen sich so schön, dass man ihm auch diesen Schritt getrost zutrauen kann. Er ist der Gründer von Paypal und steckte die damit verdienten Millionen (mehrere hundert Millionen durch den Verkauf an eBay) anschließend in die Gründung dreier Unternehmen, die allesamt heute für Furore sorgen: SolarCity bietet Solarstromanlagen an. Seit dem Börsengang Ende 2012 hat sich der Wert des Unternehmens versechsfacht. SpaceX ist der einzige Anbieter weltweit von wiederverwendbaren Raketen. Und das dritte von ihm gegründete Unternehmen heißt Tesla Motors.

Zunächst brachte Tesla einen Roadster als Elektrowagen auf den Markt, als Basis wurde der extrem leichte Sportwagen „Elise“ genutzt. Der Bau der Elise wurde 2010 eingestellt und Tesla konzentrierte sich fortan auf das eigene Konzept: Das Tesla Model S. Ein Luxusschlitten, der mit der S-Klasse und dem 7er BMW verglichen wird und dabei in Sachen Fahreigenschaften, Sicherheit und Komfort Bestnoten abholt.

Das kann dann schon mal locker 100.000 Euro kosten, bis man ein Tesla Modell S in seiner gewünschten Konfiguration sieht, und dann muss man noch einige Monate warten. Die Nachfrage ist so groß. Doch mit diesem Preis wird Tesla nicht den Massenmarkt erobern. Nun muss der Preis gesenkt werden, ohne den wichtigsten Vorteil, die große Reichweite von über 480 km je Batterieladung, zu verlieren.

Die Technik: Laptop-Batterien als Bodenplatte

Das Model S verfügt über ein geniales Konzept: Tesla verwendet die bereits gut bekannten Lithium-Ionen Batterien, die auch bei Laptops und Smartphones zum Einsatz kommen. Diese werden zu einer Bodenplatte zusammengesetzt, die dem Tesla einen phänomenal tiefen Schwerpunkt, und somit eine überlegene Straßenlage geben. Zudem hat das Model S dank dieser steifen Bodenplatte die besten Werte beim europäischen Crashtest erzielt, die jemals ein Auto erzielte.

Analysten erwarten ein Wachstum von 40% p.a. für Tesla. Schaut man auf die Produktionskapazitäten unserer Erde für Lithium-Ionen Batterien, so dürfte schon bald die gesamte heutige Produktionskapazität von Tesla aufgekauft werden.

In der Batterie-Technologie steckt wohl das größte Risiko, aber auch die größte Chance. Tesla ist nun nicht gleich das beste Batterie-Unternehmen der Welt. Es hat einfach eine vorhandene Technologie sinnvoll eingesetzt und freut sich über eine Nische, die erfolgreich besetzt werden konnte.

Um dem künftigen Wachstum gerecht zu werden hat CEO Elon Musk die Giga-Factory angekündigt. Eine Batteriefabrik, die mehr Lithium-Ionen Batterien produzieren soll, als die gesamte heutige weltweite Produktionskapazität. Also mehr als eine Verdopplung der Produktionskapazität wird durch diese Giga-Factory angestrebt. 2017 soll die Giga-Factory fertig sein, so Elon Musk.

Genial, weil dadurch das Nadelöhr beseitigt wird und dem künftigen Wachstum keine Grenzen mehr gesetzt sind. An der Nachfrage wird es nicht liegen, die welt scheint schon sehnsüchtig auf das Elektroauto zu warten.

Zugleich jedoch riskant, weil natürlich immer neue Technologien entwickelt werden. Es gibt schon Patente für Schnellademöglichkeiten: Ein Elektroauto könnte in wenigen Jahren bereits binnen weniger Minuten vollständig aufgeladen werden. Auch die Materialien werden immer weiter entwickelt. So könnten künftig auch Alltagsmaterialien als Stromspeicher verwendet werden, die Karosserie beispielsweise. Wird die Giga-Factory dann also von diesen neuen Technologien ins Abseits gedrängt? Oder kann die Produktion auf die neuen technologien umgestellt werden?

Ich habe hier eine klare Meinung: Fabriken werden immer mehr zum klar kalkulierten Investment auf Zeit. Und der Zeithorizont wird immer kürzer, in der Chip-Industrie teilweilse unter 2 Jahre. Diese Giga-Factory kann sich sehr schnell amortisieren, wenn Tesla die gegenwärtig angestrebte Wachstumsgeschwindigkeit wirklich umsetzen kann. Und viele spricht dafür, denn gerade die Giga-Factory beseitigt ja das Nadelöhr, das bis vor kurzem noch von Kritikern gegen die Wachstumsaussichten ins Feld geführt wurde.

Wettbewert wird durch Patentfreigabe an Bord geholt

Fieberhaft baut Tesla weltweit an einem Netz von Schnellladestationen. In Europa soll alle 200 km eine Schnellladestation an den Autobahnen verfügbar sein. In weniger als einer Stunde kann man die Batterien wieder auf 80% der Ladekapazität hochladen. Kostenfrei.

Vor einigen Wochen hat Tesla seine Patente freigegeben. Sprich: Jeder Wettbewerber kann nun die Ladetechnologie von Tesla einsehen, kopieren und verbessern. Es ist ein Schritt, mit dem Elon Musk die Branche überraschte. Immer wieder wurde die überlegene Batterietechnologie von Tesla als Wettbewerbsvorteil in den Vordergrund gestellt und nun ist diese für jeden frei verfügbar.

Ich kann mir das nur so erklären, dass Elon Musk, wie oben bereits erwähnt, nicht die Nachfrage als erfolgskritisch sieht. Die Nachfrage nach Elektroautos ist vorhanden und kann auf Jahre nicht befriedigt werden. Es geht darum, gute Elektroautos schnell auf den Markt zu bringen. Und es geht darum, möglichst schnell ein weltweit flächendeckendes Netz von Ladestationen aufzubauen. Anders lässt sich der Traum vom Elektroauto nicht realisieren.

Und bevor es zum parallelen Aufbau verschiedener Ladetechnologien weltweit kommt, zu Preiskriegen und Patentstreitereien hat Elon Musk eben entschieden, dass dieses Feld nicht Kriegsentscheidend sein wird. Besser für alle, also sowohl für die Hersteller, als auch die Kunden, ist ein frühzeitig standardisiertes Ladenetz.

BMW und Toyota sitzen schon im Massenmarkt

Einen ganz anderen Ansatz verfolgen die großen, etablierten Autobauer. Dort gilt das Elektroauto als Stadtflitzer mit geringer Reichweite, das nur im Ausnahmefall bei langen Fahrten mal Hilfe vom Verbrennungsmotor benötigt. So werden also mit dem Toyota Prius und dem BMW i3 und i8 Fahrzeuge angeboten, die zwei vollständige Antriebstechnologien beherbergen und dadurch in beiden Technologien einzeln betrachtet nur Mittelklasse sind. Die Reichweite ist mit unter 200 km für den Elektroantrieb sehr gering. Das Gewicht der Fahrzeuge sowie die Kosten sind aufgrund der doppelten Antriebsarten sehr hoch, nicht jedoch aufgrund von überlegener Technologie.

Einen Lexus, 7er oder eine S-Klasse vollständig als Elektroauto anzubieten trauen sich die etablierten Autobauer noch nicht. Es wird weiter an der Brennstoffzelle geforscht. Es wird an neuen Mobilitätskonzepten gefeilt (bspw. Car-Sharing).

Genau hier sehen die Protagonisten von Tesla ihre Chance: Die etablierten Autobauer haben Tesla lange Zeit belächelt und nicht als Wettbewerber ernst genommen. Nach dem Verkaufserfolg des Model S hat sich das jedoch geändert, es ist Bewegung in die Branche gekommen.

35.000 USD soll das Tesla Model III kosten, knapp 26.000 Euro. Damit wird direkt die BMW 3er, Mercedes A-Klasse und VW Golf-Klasse angegriffen. Wir dürfen gespannt sein, ob Tesla die Reichweite von über 400 km auch bei der Kompakt-Klasse erreichen kann. Wenn ja, dann erwarte ich einen ebenso stürmischen Erfolg dieses neuen Tesla-Modells wie beim Model S und Model X.

Ach so, das Model X gibt es seit diesem Jahr. Es ist ein SUV, der gegen den Touareg und Porsche Cayenne antritt. Ebenfalls mit guten Chancen. Aber ebenfalls mit hohem Preis.

Das Model III ist für 2017 angekündigt und wird dann darüber entscheiden, ob die heutigen Vorschusslorbeeren, die Anleger dem Unternehmen bereits gegeben haben, gerechtfertigt waren.

Bewertungsniveau durchaus nachvollziehbar

Im laufenden Jahr möchte Tesla 1,12 USD je Aktie verdienen. Bei einem aktienkurs von 220 USD entspricht das einem KGV von 196. Jenseits von Gut und Böse. Doch warten Sie bitte einen Augenblick, denn das KGV muss stets in relation zum Wachstum gesetzt werden, um aussagekräftig zu sein.

Für die nächsten fünf Jahre erwarten Analysten ein durchschnittliches Gewinnwachstum von 40% p.a. Da wurde aber in der fernen Zukunft bereits kräftig zusammengestrichen, denn allein im nächsten Jahr erwarten Analysten einen Gewinnschub von 174%. Damit ergibt sich ein KGVe für 2015 von nur noch 72. Und wenn dann die 40% Gewinnwachstum eingehalten werden, dann ist ein KGV in Höhe von der zweifachen Wachstumsgeschwindigkeit durchaus nicht unüblich.

Von einer maßlosen Übertreibung kann also nicht die Rede sein. Wohl aber von einer riskanten Bewertung, denn die Strategie von Elon Musk muss aufgehen. Tesla muss seine Produktionskapazitäten planmäßig ausbauen und ein Wettbewerb durch die etablierten Autobauer muss noch einige Jahre auf sich warten lassen.

Versechsfachung unter volatilem Kursverlauf

Die Aktie von Tesla hat sich seit Anfang 2013 bereits versechsfacht. Doch immer wieder kommt es zu heftigen Rückschlägen, so dass die Nerven der Anleger stark strapaziert werden. Nach der Einführung des Model S sprang die Aktie von 25 auf 135 Euro, um dann nach der Veröffentlichung von Videos mit brennenden Model S Fahrzeugen auf 80 Euro zurückzukehren.

Mit der Einführung des Model X und der Planung zur Giga-Factory folgte nunmehr der Anstieg auf 196 Euro im März. Doch Sorgen über eine zu hohe Bewertung vieler Branchen, angefangen von Cloud-Unternehmen über Biotech-Unternehmen bis hin zu anderen Highflyern wie eben Tesla, sorgten im Frühjahr für einen heftigen Ausverkauf. Die Aktie sank auf 130 Euro.

Seit Mitte Mai scheinen die Sorgen jedoch ad acta gelegt zu sein, denn die Aktie hat wieder einen Aufwärtstrend gefunden und notiert nunmehr bei 163 Euro. Elon Musk hat die Weichen für das künftige Wachstum gestellt: Giga-Factory und ein Mainstream-Fahrzeug dürften nun wieder für ausreichend Phantasie sorgen, um dem Kurs weiter Beine zu machen.

Doch kann ein junges Unternehmen mit gerade einmal zwei Modellen ein Drittel der Marktkapitalisierung von BMW auf die Waage bringen? BMW setzt jährlich 76 Mrd. Euro um, Tesla bestenfalls 4 Mrd. Euro. Ist ein Elektromotor tatsächlich eine so komplexe Technologie, dass die großen Autobauer ihren Rückstand zu Tesla auf absehbare Zeit nicht mehr aufholen werden?

Ich glaube an die Genialität von Elon Musk. Er hat mit Tesla bereits mehr erreicht, als irgendjemand für möglich hielt. Für die Zukunft wird meiner Ansicht nach nicht allein das Elektrofahrzeug reichen, um den Wettbewerb auf Distanz zu halten. Elon Musk muss neue Konzepte entwickeln, die zuvor nicht denkbar, nicht möglich waren.

Wette auf Elon Musk oder Berechnung eines zukünftigen Wertes

Schauen wir einmal optimistisch in die Zukunft. 2013 konnte Tesla weltweit 21.000 Model S absetzen. Im laufenden Jahr sollen es doppelt so viele werden. Nehmen wir einmal an, das Model S schafft in den kommenden Jahren einen jährlichen Absatz von 100.000 Fahrzeugen.

Das Model X wird als SUV nicht ganz so viele Abnehmer finden, gehen wir mal von 50.000 aus.

Und das Model III könnte natürlich als Mainstream-Fahrzeug alle Grenzen sprengen. Tesla hat sein Lager in Californien auf einem ehemaligen Produktionsgelände von Ford aufgestellt. Dort spricht man von einer jährlichen Produktionskapazität von 500.000 Fahrzeugen. Wenn also mit dem Model III die verbleibenden 350.000 Fahrzeuge pro Jahr gebaut werden können, dann haben wir schon mal einen zu erwartenden Jahresumsatz in, na sagen wir mal fünf Jahren.

100.000 mal 65.000 USD als Einstiegspreis für das Model S plus 50.000 mal 55.000 USD für das Model X plus 350.000 mal 35.000 USD für das Model III ergibt einen Jahresumsatz von 21,5 Mrd. USD. Tesla dürfte eine höhere Gewinnmarge ausweisen als unsere Autobauer, doch im Massenmarkt werden sich kaum Margen über 5% halten lassen. Im Jahr 2020 könnte Tesla also, wenn alles glatt läuft, 5% von 21,5 Mrd. USD verdienen, also 1,075 Mrd. USD.

Bei der heutigen Marktkapitalisierung von 27 Mrd. USD entspricht das einem KGV 2020e von 25. Das ist mir dann doch etwas zu weit hergeholt.

Hier muss sich Elon Musk durch neue Konzepte und Ideen vom Wettbewerb abheben. Ich traue es ihm zu, doch mit meinem Geld würde ich nicht mehr als eine kleine, spekulative Position darauf wetten.

FAZIT: Investment in den Menschen Elon Musk

Wer also in Tesla investiert sollte sich bewußt machen, dass vieles der euphorisch begrüßten Entwicklungen auf dem Markt der Elektrofahrzeuge bereits im Tesla-Aktienkurs eingepreist sind. Haben wir in Elon Musk einen neuen Steve Jobs, der mit genialen Konzepten eins ums andere Industrien umwälzt? Aber auch Steve Jobs hatte nicht nur Erfolge, und so ist es auch bei Elon Musk jederzeit möglich, dass eines seiner Konzepte mal nicht ganz so aufgeht wie gewünscht.

Aus Bewertungssicht zumindest kann ich die Aktie nicht empfehlen. Als Spekulation auf Elon Musk schon, aber bitte nur mit kleinem Geld.

Hi I'am Stephan Heibel

Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefs

http://www.heibel-ticker.de

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